
Sind die Deutschen dämlich?13. August 2016 in Deutschland, 8 Lesermeinungen Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden
Wenn Asylheime zu Schulen der Diskriminierung werden Alexander Kissler plädiert für einen nüchternen Blick auf die Zuwanderungsdebatte
Berlin (kath.net/idea) Offenbar verkommen immer mehr Asylbewerberunterkünfte in Deutschland zu Schulen der Diskriminierung und Laboratorien der Gewalt. Diese Ansicht vertritt der Leiter des Kulturressorts beim Monatsmagazin Cicero, Alexander Kissler (Berlin). Hintergrund sind Berichte darüber, dass Christen in vielen Einrichtungen von muslimischen Asylbewerbern bedroht und angegriffen werden. Auch hätten sich einige jüngst verhaftete mutmaßliche Islamisten erst in deutschen Asylbewerberheimen die Kunst des Bombenbauens beigebracht. Kissler: Mehr und mehr verhärtet sich der Eindruck, unter deutschen Dächern gediehen extraterritoriale Zonen. Auf dem Gebiet der Bundesrepublik zögen jene brachialen Sitten ein, gegen die alle Aufklärung hier wie dort revoltiert. Der Publizist sieht dafür drei mögliche Gründe. 
Zunächst sei da die riesige Zahl derer, die in Deutschland Aufnahme begehrten. Für die Behörden sei daher vielfach nicht mehr drin als ein oberflächlicher Blick: "Verfolgt ist, wer sich verfolgt nennt; Syrer, wer es behauptet. Laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wurden allein im Juli 74.454 Asylanträge gestellt; das waren 98,4 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Sind die Deutschen dämlich? Des Weiteren wäre es möglich, dass Staat und Gesellschaft gar nicht so genau wissen wollen, wer ins Land komme. Dabei nehme der Ruf der Polizei nach mehr Aufmerksamkeit und Kontrolle gerade die Politik in die Pflicht. Aber die brüste sich lieber mit punktuellen Erfolgsgeschichten, als ein strukturelles Ungleichgewicht nüchtern zu betrachten: dass da Menschen zu uns kommen, die partout nicht alle den Anforderungen an eine spätmoderne Diskursexistenz entsprechen. Ein möglicher dritter Grund dafür, dass sich immer mehr Asylbewerberheime in Blackboxes verwandeln, wiegt für Kissler am schwersten: Dieser dritte Grund ist, in den Worten des Schriftstellers Thomas Kapielski, die Einfalt der Deutschen und, wie es scheint, des Westens insgesamt, zu mutmaßen, alle Welt sei im Grunde ebenso harmlos, duldsam, ungezwungen und lustig wie sie gerade selbst. Diese Mischung aus Dämlichkeit und Anmaßung addiere sich zu den Kosten, die niemand begleichen wolle, obwohl sie allen präsentiert würden. Foto Alexander Kissler: © Alexander Kissler
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