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Liminski: Für einen differenzierten Blick auf den Islam

11. August 2016 in Chronik, 6 Lesermeinungen
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Viele Zerrbilder haben mit der Realität nichts zu tun


St. Augustin (kath.net/idea.de
Für einen differenzierten Blick auf den Islam wirbt der Geschäftsführer des Instituts für Demographie, Allgemeinwohl und Familie, der Journalist Jürgen Liminski (St. Augustin bei Bonn), in einem aktuellen Aufsatz im Newsletter des Instituts. Es bestehe einerseits die Gefahr, dass Terror-Ängste ein verzerrtes Bild erzeugten. Andererseits sei gerade im Westen das Wissen über den Islam teilweise immer noch geprägt „von kolonialen Vorstellungen über einen romantischen Orient oder von angeblich aufgeklärten Herrschern in andalusischen Zeiten“. Das habe mit der Realität jedoch nichts zu tun. Laut Liminski ist der Islam die am schnellsten wachsende Religion der Welt. Gegen Ende dieses Jahrhunderts dürfte es erstmals mehr Muslime als Christen geben. Eine zentrale Aufgabe aller Reformer des Islams bestehe darin, die Religion „zu spiritualisieren und zu entpolitisieren“. Nur so könne der Islam insgesamt friedlicher werden.


Derzeit besuchten Millionen Kinder Koranschulen statt staatlicher Bildungseinrichtungen. Dort lernten sie Suren, die zu Gewalt aufforderten und radikale Haltungen hervorriefen: „Die Saat der Un-Bildung geht heute als Manipulierbarkeit junger Männer durch einfache Parolen und Propagandafilme in Sumpfblüten des Fanatismus auf.“ Das dürfte noch einige Jahrzehnte andauern.

Das Bild der meisten Muslime vom Westen ist negativ

Liminski verweist aber auch auf Umfragen des Pew-Meinungsforschungsinstituts in muslimischen Ländern, wonach die Gräueltaten der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) überwiegend abgelehnt werden. Im Libanon etwa verurteilten sie 100 Prozent der Befragten, in Jordanien 94 Prozent, in der Türkei immerhin 74 Prozent. Die große Mehrheit der Muslime verurteile Gewalt gegen unschuldige Zivilisten: „Dieser Trend wird seit drei Jahren deutlich stärker.“ Überwiegend negativ sei allerdings nach wie vor das Bild der Muslime vom Westen. Umfragen in sieben muslimischen Ländern, darunter Ägypten, Jordanien und die Türkei ergaben, dass durchschnittlich sieben von zehn Muslimen der Meinung sind, die Menschen im Westen seien selbstbezogen-egoistisch. 66 Prozent halten sie für gewalttätig, 64 Prozent für habgierig und erfolgssüchtig, 61 Prozent für unmoralisch. Nur 44 Prozent glauben, westliche Bürger seien „respektvoll gegenüber Frauen“, noch weniger (33 Prozent) halten die Menschen im Westen für ehrlich und tolerant.

„Es wird zu sozialen und politischen Konflikten kommen“

Das Bild von Muslimen im Westen sei zwar etwas gemischter, aber nicht viel positiver. Liminski: „Bei so viel Fremdheit und Gegensätzlichkeit ist es nicht verwunderlich, dass es – unabhängig von radikalisierten Islamisten und terroristischen Gruppierungen – zu Zusammenstößen der Zivilisationen kommt.“ Religion spiele dabei eine entscheidende Rolle. Denn während Europa säkularer werde, gehe der globale Trend in die entgegengesetzte Richtung. Liminski: „Und es muss ehrlicherweise auch gesagt werden, dass so grundsätzlich unterschiedliche Menschenbilder vermutlich nicht auf einen Nenner gebracht werden können. Es wird zu sozialen und politischen Konflikten kommen.“


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