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Der Sieg Gottes über das Leid und den Tod

5. Juni 2016 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Papst Franziskus erhebt schwedische Ökumene-Pionierin und Judenretterin Maria Elisabeth Hesselblad (1870-1957) und den polnischen Ordensgründer Jan Papczynski (1631-1701) zur Ehre der Altäre. Jesus: die inkarnierte Zärtlichkeit Gottes


Rom (kath.net/as/KAP) Die Kirche bekommt im Verlauf des „Heiligen Jahres der Barmherzigkeit“ (8.12.2015-20.11.2016) fünf neue Heilige, unter ihnen Mutter Teresa von Kalkutta (Heiligsprechung 4. September). Die ersten beiden Heiligsprechungen erfolgten am heutigen Sonntag: Papst Franziskus erhob die schwedische Ökumene-Pionierin und Judenretterin Maria Elisabeth Hesselblad (1870-1957) und den polnischen Ordensgründer Jan Papczynski (1631-1701) zur Ehre der Altäre. Für 16. Oktober sind die Feiern zu Ehren des Mexikaners Jose Sanchez del Rio (1913-1928) und des argentinischen Priesters Jose Gabriel del Rosario Brochero (1840-1914) vorgesehen, die dann zu den höchsten Kirchenehren kommen.

Die vormalige Protestantin Maria Elisabeth Hesselblad versteckte während des Zweiten Weltkriegs Juden in der römischen Zentrale des von ihr gegründeten Ordens. Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem ehrte sie dafür 2005 als „Gerechte unter den Völkern“. Der Termin der Heiligsprechung liegt einen Tag vor ihrem Geburtstag.

Hesselblad wuchs in einer lutherischen Familie in Schweden auf und trat im Alter von 32 Jahren in Washington zum Katholizismus über. Sie gilt als Pionierin der Ökumene. Im Jahr 1911 gründete Hesselblad den Orden des Heiligsten Erlösers von der heiligen Birgitta, auch als „schwedischer Zweig“ des Birgittenordens bezeichnet. Damit belebte sie den im Mittelalter von der heiligen Birgitta (1303-1373) gegründeten Birgittenorden neu. Die Frauengemeinschaft wirkt vornehmlich im englischsprachigen Raum. Die einzige deutsche Niederlassung ist in Bremen. Papst Johannes Paul II. sprach die Schwedin im Jahr 2000 selig.

„Die Zärtlichkeit Gottes offenbart sich vollkommen in Jesus. Im Evangelium (Lk 7,11-17) haben wir gehört, wie Jesus mit jener Witwe von Naïn in Galiläa, die gerade ihren einzigen Sohn, der noch ein Jugendlicher war, zum Grabe begleitete, »Mitleid« hatte (V. 13). Doch Jesus tritt näher, fasst die Bahre an, hält den Leichenzug an und wird sicher auch liebevoll über das von Tränen benetzte Gesicht dieser armen Mutter gestrichen haben. »Weine nicht! «, sagt er zu ihr (V. 13) – als ob er sie fragen würde: „Gib mir deinen Sohn“. Jesus bittet für sich um unseren Tod, um uns davon zu befreien und uns das Leben zurückzugeben. Und tatsächlich wachte jener junge Mann wie von einem tiefen Schlaf auf und begann wieder zu sprechen. »Und Jesus gab ihn seiner Mutter zurück« (V. 15). Er ist kein Magier! Er ist die inkarnierte Zärtlichkeit Gottes, in ihm wirkt das unendliche Mitleid des Vaters“.



kath.net veröffentlicht die Predigt von Papst Franziskus bei der heiligen Messe auf dem Petersplatz mit zwei Heiligsprechungen:

Das Wort Gottes, das wir gehört haben, führt uns wieder zum zentralen Ereignis unseres Glaubens hin: den Sieg Gottes über das Leid und den Tod. Es ist das Evangelium der Hoffnung, das dem Ostergeheimnis Christi entspringt und von seinem Antlitz aufstrahlt, welches Gott Vater, den Tröster der Betrübten, offenbart. Es ist ein Wort, das uns mit dem Leiden unseres Herrn Jesus tief verbunden zu bleiben heißt, auf dass sich die Kraft seiner Auferstehung an uns zeige.

Im Leiden Christi finden wir in der Tat die Antwort Gottes auf den angstvollen – und mitunter entrüsteten – Schrei, den die Erfahrung des Schmerzes und des Todes in uns auslöst. Es geht darum, nicht vor dem Kreuz davonzulaufen, sondern dort zu bleiben, wie es die Jungfrau und Mutter Maria getan hat. Gemeinsam mit Jesus hat sie gelitten und erhielt so die Gnade, gegen alle Hoffnung zu hoffen (vgl. Röm 4,18).

Dies war auch die Erfahrung eines Stanislaus von Jesus Maria und einer Maria Elisabeth Hesselblad, die heute heiliggesprochen wurden: Sie blieben eng mit dem Leiden Jesu verbunden, und an ihnen zeigte sich die Kraft seiner Auferstehung.

Die erste Lesung und das Evangelium des heutigen Sonntags stellen uns eben zwei wunderbare Zeichen von Auferweckung vor: das erste wird vom Propheten Elija bewirkt, das zweite von Jesus. In beiden Fällen sind die Toten junge Söhne von Witwen, die ihren Müttern lebend zurückgegeben werden.

Die Witwe von Sarepta – eine nicht jüdische Frau, die dennoch den Propheten Elija in ihrem Haus aufgenommen hatte – ist über den Propheten und über Gott entrüstet. Denn ihr Kind war erkrankt, gerade als Elija bei ihr zu Gast war, und jetzt war es in ihren Armen gestorben. Da sagt Elija zu jener Frau: »Gib mir deinen Sohn! « (1Kön 17,19). Dies ist ein Schlüsselwort: Es drückt die Haltung Gottes gegenüber unserem Tod (in allen seinen Formen) aus. Gott sagt nicht: „Behalte ihn, sieh, wie du damit zurechtkommst! “, sondern: „Gib ihn mir. “ Und in der Tat nimmt der Prophet das Kind und trägt es in das Obergemach hinauf. Dort – allein – „ringt er mit Gott“ im Gebet, indem er ihm die Widersinnigkeit dieses Todes gegenüberstellt. Und der Herr erhörte die Stimme des Elija, denn in Wirklichkeit war er – Gott – es, der durch den Propheten sprach und handelte. Er hatte durch Elijas Mund zur Frau gesagt: „Gib mir deinen Sohn“. Und jetzt war er es, der ihn der Mutter lebend zurückgab.

Die Zärtlichkeit Gottes offenbart sich vollkommen in Jesus. Im Evangelium (Lk 7,11-17) haben wir gehört, wie Jesus mit jener Witwe von Naïn in Galiläa, die gerade ihren einzigen Sohn, der noch ein Jugendlicher war, zum Grabe begleitete, »Mitleid« hatte (V. 13). Doch Jesus tritt näher, fasst die Bahre an, hält den Leichenzug an und wird sicher auch liebevoll über das von Tränen benetzte Gesicht dieser armen Mutter gestrichen haben. »Weine nicht! «, sagt er zu ihr (V. 13) – als ob er sie fragen würde: „Gib mir deinen Sohn“. Jesus bittet für sich um unseren Tod, um uns davon zu befreien und uns das Leben zurückzugeben. Und tatsächlich wachte jener junge Mann wie von einem tiefen Schlaf auf und begann wieder zu sprechen. »Und Jesus gab ihn seiner Mutter zurück« (V. 15). Er ist kein Magier! Er ist die inkarnierte Zärtlichkeit Gottes, in ihm wirkt das unendliche Mitleid des Vaters.

Eine Art von Auferweckung finden wir auch beim Apostel Paulus, der von einem Feind und grausamen Verfolger der Christen zu einem Zeugen und Boten des Evangeliums wurde (vgl. Gal 1,13-17). Diese radikale Veränderung war nicht sein Werk, sondern Geschenk der Barmherzigkeit Gottes, der ihn »auserwählte und durch seine Gnade berufen hat« und an ihm seinen Sohn offenbarte, damit er ihn unter den Heiden verkündige (vgl. Vv. 15-16). Paulus sagt, dass Gott Vater es gefallen hat, den Sohn nicht nur ihm, sondern an ihm zu offenbaren, also indem er gleichsam in seiner Person – in seinem Fleisch und Geist – den Tod und die Auferstehung Christi einprägte. So wird der Apostel nicht nur ein Bote, sondern vor allem ein Zeuge.

Auch bei den Sündern, bei jedem Einzelnen, hört Jesus nicht auf, den Sieg der lebenspendenden Gnade aufleuchten zu lassen. Er sagt zur Mutter Kirche: „Gib mir deine Kinder“ – das sind wir alle. Er nimmt unsere Sünden auf sich, er nimmt sie hinweg und gibt uns der Kirche selbst lebend zurück. Und genau das ist es, was auf besondere Weise in diesem Heiligen Jahr der Barmherzigkeit geschieht.

Die Kirche zeigt uns heute zwei ihrer Kinder, die beispielhafte Zeugen dieses Geheimnis der Auferstehung sind. Beide können mit dem Wort des Psalmisten in Ewigkeit singen: »Da hast du mein Klagen in Tanzen verwandelt. Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit« (Ps 30,12.13) Und alle zusammen stimmen wir ein: »Herr, du zogst mich empor aus der Tiefe; ich will dich rühmen in Ewigkeit« (Kehrvers des Antwortpsalms [Ps 30,2]).

Video des Angelus



Copyright 2016 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich



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