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Ein Bischof, der neues Leben in die Kirche bringt

16. Mai 2016 in Buchtipp, 7 Lesermeinungen
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„Das Buch lohnt sich!“. Rezension des neuen Interviewbuches von Peter Seewald mit Bischof Stefan Oster: Gott ohne Volk. Von Gabriele Kuby


München (kath.net) „Kirche in der Krise“, so der Titel der Sendung „Jetzt red i“ im Bayerischen Rundfunk am 11. Mai 2016. Die Austrittszahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Jahr 2014 sind 218.000 Mitglieder aus der katholischen Kirche und 270.000 aus der evangelischen Kirche ausgetreten – durchschnittlich um die dreißig Prozent mehr Austritte als im Vorjahr. Dennoch sind die Kirchen in Deutschland durch das Kirchensteuersystem reicher als je zuvor. Das ist der Speckgürtel, der geistliche Erneuerung verhindert. Gott ohne Volk – so der treffende Titel des neuen Interviewbuches von Peter Seewald mit Bischof Oster von Passau.

Warum? Warum finden die Menschen in der Kirche nicht mehr das, was sie suchen? Aber suchen sie überhaupt? Die richtige Antwort auf diese Frage ist von existentieller Bedeutung für die Kirche und für alle, die meinen, dass die Kirche existentielle Bedeutung für den Menschen hat, weil es nämlich mit dem Tod nicht aus und vorbei ist, und der Mensch „verloren gehen“ kann. Man lese und staune: Ein Bischof traut sich dies zu sagen.

In der Sendung „Jetzt red i“ schienen sich alle einig zu sein, was die Ursache der Krise ist, angefangen vom Moderator bis zu den Gästen, vorneweg der Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler. Die Kirche müsse am Puls der Zeit sein, ganz nah bei den Menschen, alle, aber auch alle liebhaben und zu den Sakramenten zulassen. Man habe große Reformhoffnungen auf Papst Franziskus gesetzt, aber nix Gewisses weiß man nicht, ob er nun wirklich endlich die alten Zöpfe abschneiden wird, den Zölibat, die Beschränkung des Priesteramtes auf Männer, den Widerstand gegen die „Homo-Ehe“ usw. usf., man kennt die Litanei der „Reform“-Forderungen, wie sie von einer der überflüssigsten Organisationen der katholischen Kirche ständig ventiliert wird, dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken.

Bischof Oster hat andere Antworten. Ihn interessiert die Frage: „Wo wächst die Kirche?“ und er stellt fest: Die Kirche wächst überall dort, „wo Menschen wieder Jesus entdecken und... wieder zum Kern des Evangeliums finden können... Ein weichgespültes Evangelium hat keine Relevanz, am Ende braucht es niemand mehr.“


Jeder, der will, kann sehen, dass die Kirche nur dort Zulauf hat, wo sie an der ganzen Lehre festhält und Menschen den Weg zu einer lebendigen Beziehung mit Jesus Christus weist, ein Weg, der froh macht und in die Freiheit der Kinder Gottes führt. Das spielt sich weitgehend außerhalb der Gemeinden ab: In neuen geistlichen Gemeinschaften, auf Konferenzen und Kongressen und Weltjugendtagen, wie der Mehr-Konferenz in Augsburg oder dem Pfingstkongress der Loreto-Gemeinschaft in Salzburg. Ebenso bei den Orden: Nur die strengen Orden, die an ihrem Gründungscharisma festhalten, haben Berufungen, die reformfreudigen sind zu Altersheimen geworden.

Seewald nennt wissenschaftliche Studien, welche übereinstimmend belegen, dass die Ursache für Austrittswellen und nachlassende Kirchenbindung nicht im „Festhalten an alten Dogmen“ oder kircheninternen Gründen liegt, sondern schlicht daran, dass den Menschen Kirche und Glaube gleichgültig werden, weil man nicht mehr weiß, was Christentum bedeutet, und nicht mehr erfährt, dass der Glaube das Leben zum Guten wendet.

„Warum werden die Erkenntnisse der Religionsforschung über die wahren Hintergründe der Abwendung von den Kirchen in der öffentlichen Debatte so konsequent ignoriert?“, fragt Peter Seewald, und der Bischof antwortet:

„Weil man ansonsten erklären müsste, dass die Probleme woanders liegen. Aber das verstehen ganz wenige Leute – und andere wollen es nicht verstehen. Ich denke, wir müssen zunächst einmal wieder in die Christus-Erfahrung hineinfinden und spüren, dass das unser Leben, unser Denken verändern kann.“

Dies ist Bischof Oster das größte Anliegen. Mit Paulus sagte er: „Ich will, dass ihr Christus erkennt, ihm begegnet, mit ihm ein neues Leben anfangt.“ „Die Kirche braucht Menschen, die brennen.“

Bischof Oster wird sichtbar als ein Mensch, der den Weg der Umkehr und Bekehrung selbst gegangen ist und sich von Jesus hat ergreifen lassen. Er war Journalist, der coole Typ im Radio, hätte einen großen Karrieresprung machen können, seine Freundin heiraten, Familie gründen... da spürte er plötzlich: „Es muss etwas anderes geben.“ Aus mit dem Radio, stattdessen Sinnsuche im Studium der Philosophie. Was hat es auf sich mit Wahrheit, Freiheit, Liebe? Das sind seine großen Lebensthemen. Der Philosoph Ferdinand Ulrich wurde sein geistlicher und geistiger Vater.

Am Ende des Studiums traf ihn „ein Blitz, der mein Leben zutiefst erschütterte: Du musst dich zur Verfügung stellen!“ Da war es auch aus mit der Lebensgefährtin. Sie spürte vor ihm: In ihm steckt ein Mönch. Stefan Oster trat bei den Salesianern ein und wurde einige Jahre später zum Priester geweiht. „Erschaffe mir Gott ein reines Herz und gib mir einen neuen beständigen Geist!“, diesen Satz liebt er und um diese Gabe betet er.

Der Weg der beständigen Umkehr hat auch ihn zu einem Menschen geformt, „an dem man ablesen kann: „Der steht ganz im Jetzt und Heute – und ist gleichzeitig ein Mann, der ganz in der Überlieferung und im Glauben steht.“

Nun ist er Chef einer Behörde mit 10.000 Angestellten. Wie werden sie vom Evangelium ergriffen damit sie ihr Kerngeschäft ausführen können: Unter dem Säkularisierungsdruck der Zeit Christus in den Herzen der Menschen und in der Welt einen Weg zu bahnen? Er selbst leitet Exerzitien für seine Mitarbeiter, denn er fragt sich. „Wissen auch die ausgebildeten Glaubensvermittler noch, was wir glauben? Sind wir uns in den entscheidenden Dingen überhaupt noch einig? Über die Bedeutung der Eucharistie zum Beispiel, die Bedeutung der Beichte? Oder auch bei Fragen wie: Gibt es die Möglichkeit verlorenzugehen? Was heißt eigentlich Sünde? Was heißt Erlösung? Was bedeutet Auferstehung?“

Auf diese – letzten – Fragen wird jeder Mensch irgendwann eine Antwort finden müssen. Die Kirche hütet die Antworten, die Jesus vor zweitausend Jahren gegeben hat. Nur wenn sie ohne Abstriche verkündet werden, leuchtet in der Kirche der splendor veritatis, der Glanz der Wahrheit, der dann ein Licht auf dem Weg des suchenden Menschen sein kann.

Das Buch lohnt sich, nicht nur weil hier ein Bischof spricht, den „Umkehr und Erneuerung am allermeisten umtreibt“, sondern auch wegen der Fragen und Nachfragen von Peter Seewald. Sie sind gesättigt mit Wissen und einem leidenschaftlichen Interesse an einer lebendigen Kirche. Gott ohne Volk ist ein wichtiger Beitrag zur religionspolitischen Debatte, der insbesondere von den Hirten der Kirche zur Kenntnis genommen, mehr noch, beherzigt werden sollte, denn nur dort kann Erneuerung beginnen: im Herzen.

Wir warten gespannt auf Peter Seewalds Biographie von Papst Benedikt XVI.

Weiterführender Link: Das Vorwort des Buches in voller Länge: Peter Seewald: Ein Wir-tun-nur-so-als-ob-Christentum oder Chance zur Regeneration?

kath.net-Buchtipp
Gott ohne Volk - Die Kirche und die Krise des Glaubens
Von Bischof Stefan Oster und Peter Seewald
Taschenbuch, 240 Seiten
2016 Droemer Taschenbuch
ISBN 978-3-426-30103-6
Preis 15.50 EUR

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Lesermeinungen

 mirjamvonabelin 18. Mai 2016 
 

Was genau Zdk macht,

ist bis zu mir(Fußvolk) nicht vorgedrungen.
Meine Frage:
Hatte der Pfarrer von Ars auch ZdK oder so was ähnliches?


1

0
 
 Baselbieter 17. Mai 2016 
 

Debattierclub?

@julifix
"Genau diese Wichtigtuer sind es, die die Menschen, die wahren Glauben, wahre Hoffnung und vor allem wahre (geschwisterliche) Liebe suchen, von der katholischen Kirche wegtreiben"
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Haben Sie für diese Aussage stichhaltige Beweise?
.
Was genauer meinen Sie mit "wahr" in Bezug auf die Kardinaltugenden? Was insonders ist αληθινή πίστη?
.
En passant: das ZdK geht auf das Jahr 1848 zurück!


2

0
 
 thesaurus84 17. Mai 2016 
 

Ein lesenswertes Buch!

In diesem Interview nimmt Bischof Oster eine treffende Analyse der Lage der Kirche vor. Leider fehlen auch ihm die Konzepte für die Zukunft. Darüber Orte der Gotteserfahrung zu ermöglichen, kommt auch er nicht heraus.
Sehr schön fand ich den ersten Teil des Buches, der Einblicke in das Denken und Fühlen von Oster gibt. Wie sehr er von seinem Orden und seiner Philosophie geprägt ist. Wie er die Berufung zum Bischof noch einmal als Radikalisierung seiner Lebensform versteht. Wie er sich selbst vor allem als erster Beter seines Bistums versteht. Ein einfach lesbares, aber geistlich tiefes Zeugnis eines beeindruckenden Christen!
lg thesaurus http://katholischeschatzkiste.blogspot.de/


3

0
 
 julifix 17. Mai 2016 

@ Baselbieter

ist das ZdK nicht die überflüssigste "Organisation" der katholischen Kirche???
Wer braucht diesen Debattierclub, der seit seiner Gründung nichts anderes tut, als den katholischen Glauben zu unterminieren. Genau diese Wichtigtuer sind es, die die Menschen, die wahren Glauben, wahre Hoffnung und vor allem wahre (geschwisterliche) Liebe suchen, von der katholischen Kirche wegtreiben. Ein wahrer Katholik DIENT, und stellt sich nicht ständig in den Vordergrund. Leider ist die Selbstverwirklichung und -beweihräucherung aber in den meisten Gemeinden zu beobachten, anstatt Dienst an den Geschwistern.


4

0
 
 Baselbieter 17. Mai 2016 
 

Es fehlt ein Teil meiner Zuschrift! Hier das Verlorene:

sind es, die Menschen von heute von "der Kirche" (was immer das sein mag: Fachbücher kennen bis zu sechzehn Definitionen) wohl zurecht abstossen.
.
Im übrigen wirft es kein gutes Licht auf die Rezensentin selbst, wenn sie ihre negativen Werturteile in die Besprechung einbringt, anstatt den Inhalt des Buches sachlich zu referieren.


2

0
 
 Baselbieter 17. Mai 2016 
 

Solche Gehässigkeiten am Rande wie:

>> "...wie sie von einer der überflüssigsten Organisationen der katholischen Kirche ständig ventiliert wird, dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken..."


2

0
 
 Stefan Fleischer 16. Mai 2016 

dass den Menschen Kirche und Glaube gleichgültig werden

Genau das ist auch meine Beobachtung. Und wie sollten sie es nicht, wenn immer mehr - bis hinein in unsere Verkündigung - alles als gleichermassen gültig erklärt wird (mit Ausnahme natürlich der Dogmen der Gender- und anderer Ideologen).


18

0
 

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