Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Die nächste Reform ist immer die beste aller Zeiten
  2. Vertrauenskrise in der Kirche
  3. „Puff für alle“: Entsetztes Kopfschütteln über Sexualkunde-Aufgabe an katholisch geprägtem Gymnasium
  4. Vatikan korrigiert argentinische Bischöfe: Gläubige dürfen kniend und auf die Zunge kommunizieren
  5. Bischöfe und ZdK wollen die AfD ausgrenzen, der Papst empfängt einen AfD-Bundestagsabgeordneten
  6. 'Gut' gebrüllt, Löwe?
  7. Kardinal Eijk: Synodenbericht der Arbeitsgruppe 9 muss zurückgewiesen werden
  8. „Ut unum sint“ - Wahrheit, Tradition und sichtbare Communio
  9. Sacrosanctum Concilium: Die Liturgie und das Geheimnis Christi
  10. „Leo macht Schluss mit ‚Doppelstandards‘: Warum der deutsche Synodale Weg ins Stocken gerät“
  11. „So wie Volker Beck geht es mir auch mit ganz vielen Predigten und kirchlichen Verlautbarungen“
  12. Rom und die orientalisch-orthodoxen Kirchen seit Fiducia supplicans
  13. Vatikan veröffentlicht die Leitlinien für den Umsetzungsweg der Synode über die Synodalität
  14. Yoga-Kongress am Geburtsort des heiligen Franz Xaver
  15. Synodenbericht der Arbeitsgruppe 9 ‚beunruhigend‘ und ‚verblüffend‘

Warum Republikaner Donald Trump für einen guten Christen halten

6. Mai 2016 in Kommentar, 21 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Nach seinem Sieg bei den Vorwahlen zur republikanischen Präsidentschaftskandidatur im US-Bundesstaat Indiana ist Donald Trump in aussichtreichster Position. idea-Kommentar des Kirchenhistorikers Prof. Gerhard Besier.


Wetzlar (kath.net/idea) In den USA gibt es eine anhaltende Debatte darüber, ob der aussichtsreichste Präsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei, Donald Trump, ein Christ sei. Diese Frage ist in den USA wichtiger als hierzulande, weil 70 Prozent aller Wähler und 90 Prozent der Evangelikalen darauf bestehen, dass ihr Präsident ein streng religiöser Mensch sein muss. Seit Mitte Februar 2016 stellt sich die Frage in verschärfter Weise, weil kein geringerer als Papst Franziskus sich zu der Bemerkung gegenüber Reportern hinreißen ließ, wer die ganze Zeit – wie eben Trump – über den Bau von Mauern (um Einwanderer zu vermeiden) nachdenke und nicht über den von Brücken, der könne kein guter Christ sein. Nur Minuten danach kommentierte Trump, es sei unbarmherzig, wenn ein religiöser Führer den Glauben eines anderen Menschen in Frage stelle.

Welcher Kirche gehört Trump eigentlich an?

Tatsächlich hatten zahlreiche Beobachter in den USA erwartet, dass die kleine Nebenbemerkung den Siegeslauf des umstrittenen Kandidaten jäh beenden werde. Schließlich ist er in dritter Ehe verheiratet, befürwortet Geburtenkontrolle und äußert sich eher abfällig über Frauen, Farbige und Migranten. Seine liberalen Marktvorstellungen stehen im Widerspruch zu den Bedürfnissen der Schutzbedürftigen – der kleinen Leute wie der Armen –, und die Folter hält er für ein probates Mittel der Wahrheitsfindung. Überdies sind die Aussagen über seine Religionszugehörigkeit in den vergangenen Jahren recht widersprüchlich ausgefallen. Zunächst wurde berichtet, er gehöre der römisch-katholischen Kirche an, dann hieß es, er sei Mitglied der Niederländisch-reformierten Kirche, schließlich, er sei Presbyterianer (also reformiert). Aber seine dritte Frau heiratete er in einer (anglikanischen) Episkopalkirche. Trump selbst versichert jedem, der es hören will, dass er ein frommer Christ sei, die Bibel für das entscheidende Buch halte, er so oft wie möglich den Gottesdienst besuche und Religion die tollste Sache der Welt sei. Davon ausgenommen sei allerdings der Islam, den er für ein Problem hält, weil er so viel Hass in der Welt verbreite. Darum spreche er sich gegen die Einwanderung von Muslimen nach Amerika aus.


Viele rechneten mit dem raschen Ende …

Nach Trumps eher konfusen Bekenntnissen, seiner fragwürdigen Lebensführung, seinen wirren politischen Überzeugungen und der Kritik des Papstes an seinen Mauerfantasien rechneten viele mit einem raschen Ende seines Erfolges. Aber das Gegenteil trat ein, so dass sich einige Politikwissenschaftler fragten, was christliche Republikaner dazu veranlassen könnte, weiterhin auf Trump zu setzen. Nicht wenige halten ihm zugute, dass er kein professioneller Politiker ist und darum undiplomatisch sagt, was auch viele Wähler denken.

Sie sind es leid, sich von der politischen Klasse an der Nase herumführen zu lassen und wünschen sich einen Selfmademan wie Ronald Reagan, der jenseits der Politik seinen Mann gestanden hat, bevor er Präsident wurde. In Trump wollen sie unbedingt einen solchen Mann sehen. Aber Ronald Reagan bezeichnete sich unwidersprochen als wiedergeborener (also evangelischer) Christ. Damit kann Trump unmöglich aufwarten.

Man hört nur, was man hören will

Viele erklären die nach wie vor bestehende Unterstützung republikanischer Christen für Trump mit der Theorie, dass Sie zunächst einmal zugunsten „ihrer“ Partei und deren Kandidaten optieren. Um sich darin nicht irre machen zu lassen, nehmen sie neue Informationen über den Kandidaten nur insoweit auf, als sie in ihr Weltbild passen. Andernfalls müssten sie eines von beiden verändern: Die Position gegenüber dem Kandidaten und seiner Partei oder ihre eigene Haltung. Dazu sind Menschen aber oftmals nicht bereit.

Von diesem psychologischen Phänomen profitierte 1974 auch der republikanische Präsident Richard Nixon, als der Watergate-Skandal – die Aufdeckung von Missbräuchen durch seine Regierung seit 1969 – seine Karriere beendete und zu seinem Sturz führte. Während sich die Demokraten begierig auf die Enthüllungen stürzten, zeigten beachtliche Teile der Republikanischen Partei – besonders die aus dem Süden – eher Verständnis für Nixon und kritisierten die gegen ihn geführten Untersuchungen im Kongress. Während der Abtreibungsdebatte zwischen den 70er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts korrigierten die Wähler ihre Haltung zunehmend an der „ihrer“ Partei, um nicht in Widerspruch zu dieser zu geraten.

Eine Rechtfertigungsprozedur ist nötig

Christliche Wähler der Republikanischen Partei müssen im Falle Trumps noch einen weiteren Schritt tun, um ihre Überzeugungen mit denen des Kandidaten in Einklang zu bringen. Sie müssen sozusagen eine Rechtfertigungsprozedur vollziehen, die zeigen soll, dass ihre Unterstützung für Trump mit ihrem eigenen christlichen Wertesystem übereinstimmt. Am leichtesten ist es für sie, gegen alle Informationen und sogar gegen die Papst-Bemerkung zu behaupten, in Wahrheit sei Trump ein vielleicht missverstandener, letztlich aber doch guter Christ. Mit dieser Denkoperation beseitigen sie alle Widersprüche zwischen den eigenen Überzeugungen, ihrer Republikanischen Partei und deren aussichtsreichstem Kandidaten.

Würde das Amt Trump verändern?

Angenommen, Trump würde zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt, könnte dann womöglich etwas eintreten, was für christliche Republikaner gar nicht, wohl aber für alle anderen Wähler eine Überraschung sein dürfte. Wie vor ihm viele andere Präsidenten verändert das Amt die Person, und Trump könnte - in den Stürmen der Weltpolitik - doch noch zu einem Christen werden, der sich auf Gottes Hilfe angewiesen weiß. Das heißt, er würde zu dem werden, den viele Evangelikale schon heute in ihm sehen.

Der Autor, Gerhard Besier (Dresden), ist habilitierter evangelischer Theologe, promovierter Historiker und Diplom-Psychologe. Er lehrt an verschiedenen europäischen Universitäten und an der Stanford-Universität in Kalifornien.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

USA

  1. ‚Rededicate 250‘: Tausende feiern auf der National Mall die Rückbesinnung auf Gott
  2. Fluglinie zahlt Stewardess fast eine Million Dollar nach Kündigung wegen pro-life-Ansichten
  3. Erzdiözese New York droht Insolvenz – jetzt sollen Pfarren Geld aufbringen
  4. US-Regierung streicht 11-Millionen-Dollar-Vertrag mit kirchlicher Wohltätigkeitsorganisation
  5. Bericht des US-Justizministerium: Regierung Biden ging gezielt gegen Lebensschützer vor
  6. Eucharistische Prozession zum 250-jährigen Jubiläum der USA
  7. Walt Disney World kehrt zu klassischer Begrüßung ‚Ladies and Gentlemen‘ zurück
  8. Kard. Müller: „Niemand hat das Recht den Papst zu kritisieren, wenn er treu seinem Auftrag folgt“
  9. USA: Konservative haben mehr Kinder als Linksliberale
  10. Lebensschützer Mark Houck erhält siebenstelligen Betrag als Entschädigung






Top-15

meist-gelesen

  1. EINMALIGE CHANCE - SIZILIEN-Rundreise mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  2. „Leo macht Schluss mit ‚Doppelstandards‘: Warum der deutsche Synodale Weg ins Stocken gerät“
  3. Bischöfe und ZdK wollen die AfD ausgrenzen, der Papst empfängt einen AfD-Bundestagsabgeordneten
  4. „Puff für alle“: Entsetztes Kopfschütteln über Sexualkunde-Aufgabe an katholisch geprägtem Gymnasium
  5. Die nächste Reform ist immer die beste aller Zeiten
  6. „So wie Volker Beck geht es mir auch mit ganz vielen Predigten und kirchlichen Verlautbarungen“
  7. Vertrauenskrise in der Kirche
  8. Vatikan korrigiert argentinische Bischöfe: Gläubige dürfen kniend und auf die Zunge kommunizieren
  9. Proteste gegen Auftritt von Kardinal Marx
  10. Kardinal Eijk: Synodenbericht der Arbeitsgruppe 9 muss zurückgewiesen werden
  11. 'Gut' gebrüllt, Löwe?
  12. Komm, o Geist der Heiligkeit! Aus des Himmels Herrlichkeit!
  13. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  14. Warum die deutsche „Demokratie-Kirche“ keine Zukunft hat
  15. Rom und die orientalisch-orthodoxen Kirchen seit Fiducia supplicans

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz