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‘Den Menschen in Aleppo geht es am schlechtesten’

10. April 2016 in Chronik, 1 Lesermeinung
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Trotz Waffenruhe bleibt die Lage der syrischen Christen dramatisch – „Kirche in Not“ hilft bei der Grundversorgung - Von Oliver Maksan.


München (kath.net/ KiN)
Im März ging der Syrien-Krieg in sein sechstes Jahr. Die Genfer Gespräche und die Waffenruhe lassen erstmals zarte Hoffnung aufkeimen, dass das Sterben endlich ein Ende findet. Doch vielerorts gibt es immer noch Gefechte – zum Beispiel in Aleppo. „Auch wenn derzeit viel von Waffenstillstand gesprochen wird: Kürzlich hat der IS wieder Stadtteile bombardiert, die unter Kontrolle der Regierungs-truppen sind. Dort leben die meisten Christen“, berichtet Franziskanerpater Ibrahim Alsabagh gegenüber dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“. Der Ordensmann ist Pfarrer einer römisch-katholischen Gemeinde in Aleppo.

Doch selbst wenn die Waffen einmal ganz schwiegen, sei der Alltag äußerst hart. „Eine Familie in Aleppo benötigt im Monat rund 17 000 syrische Lire (umgerechnet etwa 67 Euro), um zu überleben. Doch nicht einmal das steht allen Menschen zur Verfügung“, sagt Pater Ibrahim. Rund die Hälfte der Einwohner Aleppos lebe in bitterster Armut. Auch viele Familien, die früher wohlhabend waren, seien während der fünf Kriegsjahre verarmt und nun auf Unterstützung angewiesen. „Sie sind nicht in der Lage, sich so zu versorgen, wie es der Menschenwürde entspricht.“ Die Folgen seien verheerend: „Aus meiner Pfarrei mussten in den letzten Wochen 15 Menschen ins Krankenhaus, weil sie wegen Mangelernährung in Lebensgefahr schwebten“, berichtet der Pater.


Zum Lebensmittelmangel kommen weitere Schwierigkeiten. „Die schlechte Stromversorgung gehört zu unseren größten Problemen“, sagt Pater Ibrahim. „Um nur zwei Lampen oder das Radio zu betreiben, braucht eine Familie Strom der Stärke zwei Ampere. Da die privaten Stromfirmen überhöhte Preise verlangten, könnten sich viele Familien nicht einmal diese Minimalversorgung leisten, geschweige denn eine Waschmaschine nutzen. Was es für die Menschen bedeute, nach Einbruch der Dunkelheit ohne Strom zu sein, werde immer deutlicher: „Das hat zu zahlreichen psychischen Störungen geführt, wie wir schon vielfach beobachten konnten“, erklärt Pater Ibrahim.

Der Ordensmann möchte hier Abhilfe leisten. Dazu hat er das Projekt „Zwei Ampere für jede Familie“ ins Leben gerufen, um die Grundversorgung an Elektrizität zu sichern. Es ist ihm bewusst, dass dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. „Aber es ist eine Hilfe, die auch psychologischen Wert hat und einen Ausdruck unserer Solidarität mit den Ärmsten darstellt“, so der Pater. Darüber hinaus leiste das von „Kirche in Not“ unterstütze Projekt auch einen Beitrag, um Versorgungssicherheit zu schaffen und damit Fluchtursachen entgegenzuwirken. „Wir helfen den Menschen, die hier bleiben, weil sie sich ihrer Heimat verbunden fühlen. Wir wollen ihnen helfen, in Würde zu leben“, sagt Pater Ibrahim.

Er ist voller Dankbarkeit für die Hilfe der Wohltäter aus aller Welt: „Wenn uns auch die Raketenangriffe erschrecken und uns das Herz schwer machen, so trösten uns doch die Früchte Eurer Liebe.“ Er und seine Gemeinde blieben trotz der schwierigen Lage voll Zuversicht: „Wir danken dem Herrn für all das Positive, das geschieht. Und wir hoffen dass der Waffenstillstand, an den sich zumindest ein Teil der Kriegsparteien hält, Bestand hat.“

„Kirche in Not“ steht der christlichen Minderheit in Syrien seit vielen Jahren bei – mit pastoraler wie materieller Hilfe. Seit Beginn des Syrienkrieges liegt ein besonderer Fokus auf der Unterstützung der Binnenflüchtlinge, um den Menschen eine Zukunft in ihrer Heimat zu ermöglichen. Deshalb hilft „Kirche in Not“ den Gemeinden vor Ort, um Kleidung, Lebensmittel und Medikamente bereitzustellen oder Wohnraum anzumieten.

Foto: Pater Ibrahim Alsabagh, © Kirche in Not


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