16 Februar 2016, 07:30
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Im deutschen Sprachraum lebt die Witwenweihe wieder auf. Von Christoph Renzikowski und Michael Merten (KNA)

Mayen/Regensburg (kath.net/KNA) «Ja, ich will.» Es ist das zweite Mal, dass Eliane Gruben am Altar steht und diese Worte sagt. Damals, 1973, sagte sie ja zur Ehe mit ihrem Mann Rainer. Als ihr Mann 1993 starb, brach eine Welt für die vierfache Mutter zusammen; «ein Orkan fegte über meine Seele», erinnert sie sich. Die Witwe fand Halt im Glauben: «Gott hat mich in dieser Zeit nicht allein gelassen.» 23 Jahre nach dem Tod ihres Mannes sagte sie nun erneut: Ja, ich will - zu einem historischen Ritual, das lange vergessen war.

Vermutlich zum ersten Mal in Deutschland hat am Samstag mit Gruben eine fromme Katholikin offiziell eine Witwenweihe erhalten. Im Eifelstädtchen Mayen versprach die 62-jährige Caritas-Mitarbeiterin in einer feierlichen Messe vor Dechant Matthias Veit als Vertreter des Trierer Bischofs Stephan Ackermann, zunächst für drei Jahre, anschließend bis ans Lebensende nicht wieder zu heiraten und nur noch Gott und der Kirche zu dienen. Der Ritus war seit Jahrhunderten in Vergessenheit geraten und musste erst wieder ausgegraben werden.

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Als sich Gruben im Januar 2014 mit ihrem Wunsch nach einer Witwenweihe an den Trierer Bischof wandte, war dort von einem entsprechenden Ritus nichts bekannt. Erst ein zufälliger Internetfund über eine solche Weihe in Österreich brachte Bewegung in die Sache. Nach den österreichischen Vorlagen arbeitete Bischofskaplan Marco Weber mit dem Trierer Liturgiewissenschaftler Klaus Peter Dannecker ein Ritual aus, das von Bischof Ackermann approbiert wurde. «Es basiert auf einem Formular aus dem vierten Jahrhundert aus der ambrosianischen Liturgie», berichtet Weber.

Damals, in der alten Kirche, bildeten die Witwen noch einen eigenen Stand und erlangten hohes Ansehen. Im zweiten Jahrhundert übernahmen sie etwa im heutigen Syrien einen großen Teil der Seelsorge. Die vornehme Römerin Marcella scharte nach nur sieben Monaten Ehe im vierten Jahrhundert andere Witwen und Mädchen um sich und bildete mit ihnen eine geistliche Hausgemeinschaft. Sie stand mit mehreren Päpsten in Kontakt und wurde später als Märtyrerin heiliggesprochen.

Doch schon im Mittelalter verlieren sich die Spuren dieses Brauchs. Gruben ist nicht allein. Auch Rosemarie Kiluschik aus dem oberbayerischen Mindelstetten spürt in sich «die Sehnsucht, diesen Weg zu gehen». Ihr Mann hatte noch vor seinem Tod 2010 den Wunsch geäußert, sie solle doch wieder heiraten. Aber die dreifache Mutter kam schnell zur Überzeugung: «Ich gehöre jemand anderem. Gott hat mit mir etwas anderes vor.» Bei Exerzitien lernte sie eine Witwe kennen, die ein Keuschheitsgelübde abgelegt hatte, allerdings privat. Das machte sie neugierig.

Vor mehreren Jahren setzte sich die heute 56-Jährige erstmals mit dem zuständigen Regensburger Ordinariat in Verbindung. 2014 trug sie ihren Wunsch Bischof Rudolf Voderholzer persönlich vor. Seither wartet sie geduldig auf eine Antwort. «Die Kirche braucht doch Menschen, die wirklich ihren Glauben weitertragen», ist sie überzeugt.

Die offizielle Witwenweihe, die eigentlich ein Segen ist, war auch Gruben wichtig. Sie dachte zunächst über den Eintritt in ein Kloster nach. «Ich habe vier Kinder und neun Enkel, von denen ich derzeit zwei betreue. Ich bin also auch Mutter und Großmutter, das ist für mich erst mal die vorrangige Aufgabe», sagt sie.

Der Segen solle aber mehr als nur ein symbolischer Akt sein, sagt Gruben. «Für mich ist das eine noch festere Bindung an Jesus und die Kirche, die er gegründet hat.» Im persönlichen Gespräch mit Ackermann habe der Bischof ihr den Auftrag gegeben, für mehr Priesterberufungen zu beten. «Das ist für mich sehr wichtig», sagt Gruben.

Auch im Alltag Kiluschiks würde sich durch die Weihe nicht viel ändern. Ihre Wohnung ist kaum 500 Meter von einer Wallfahrtskirche entfernt. Dort arbeitet die bekennende Dirndl-Trägerin fast jeden Tag als Mesnerin, kümmert sich um Pilger und verspricht ihnen, ihre Anliegen mit ins Gebet zu nehmen.

Kiluschik selbst fühlt sich durchaus als Pionierin, die für die Bestätigung ihrer Berufung kämpfen will. Sie habe Kontakt zu mehreren Gleichgesinnten, erzählt sie. «Die warten nur darauf, dass es bei mir klappt, dann wollen auch sie zu ihrem Bischof gehen.»

Als Eliane Gruben aus der Kirche tritt, gibt es Applaus. Mit ihr feiert ein Großteil ihrer Pfarrei, ihr Gebetskreis, ihr Kirchenchor, die Familie - zahlreiche Menschen kommen zu einem Empfang ins Pfarrheim. Dechant Veit sagt: «Das ist für uns alle unbekanntes Land gewesen. Für Sie, Frau Gruben, ist es ein Aufbruch. Sie lassen sich zur Aufbauarbeit am Reich Gottes rufen.»

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