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Haben die sexuellen Übergriffe mit der Religion zu tun?

13. Jänner 2016 in Kommentar, 26 Lesermeinungen
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Pro und Kontra: Exmuslimin Sabatina James und Prof. Mouhanad Khorchide reagieren auf die sexuellen Übergriffe in Köln und anderswo. Als Täter wurden von der Polizei Männer nordafrikanischer oder arabischer Herkunft benannt.


Köln (kath.net/idea) In Köln und neun weiteren deutschen Städten hatten in der Silvesternacht Männergruppen Frauen massiv sexuell belästigt und bestohlen. Opfer und Zeugen sprachen von Tätern nordafrikanischer oder arabischer Herkunft. Polizisten bestätigten diese Aussagen. Aus einigen islamischen Ländern sind solche Übergriffe längst bekannt. Hängen die Taten mit der Religion zusammen?

PRO
Tausend meist muslimische Männer haben in der Silvesternacht in Köln Frauen sexuell belästigt. Sogar von Vergewaltigung ist die Rede. Am Hauptbahnhof war die Lage so dramatisch, dass die Polizei nicht mehr in der Lage war, die Opfer zu schützen. Auffällig dabei war, dass die Täter kein Unrechtsbewusstsein hatten. Doch das ist normal in der Kultur, aus der sie stammen. Denn es gibt genug Islamlehrer, die das Vergewaltigen von nichtmuslimischen und unmoralischen Frauen predigen. Nach dieser Lehre ist jede Frau, die nicht muslimisch ist und sich nicht islamkonform kleidet, eine Frau ohne Ehre – da sie ungläubig ist.

Das Schlimme ist, dass in Deutschland die Täter letztlich geschützt werden, weil es als islamfeindlich empfunden wird, die Vergewaltiger in die Herkunftsländer zurückzuschicken.


Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker empfahl nach den Vorfällen Frauen, „eine Armlänge Abstand“ zu Fremden zu halten, um so einer Vergewaltigung zu entgehen.

Anstatt die Täter zu bestrafen, müssen wir Frauen uns auch noch „Verhaltensregeln“ anhören.

Ich meine, wir sollten vielmehr alle islamischen Vergewaltiger und Vergewaltigungslehrer in ihre Länder zurückschicken. Wir müssen begreifen, dass eine Veränderung ohne Maßnahmen nicht möglich ist. Wir müssen kritisieren, wenn Frauen belästigt werden. Wir müssen kritisieren, wenn Christen angegriffen werden, weil sie scheinbar den falschen Glauben haben. Wir müssen kritisieren, wenn „Juden ins Gas“ gerufen wird.

Wer nach Deutschland kommt, muss sich zu den Menschenrechten bekennen, sonst wird er wieder zurückgeschickt. Solange wir das nicht tun, werden alle unsere Integrationsbemühungen nichts nutzen.

Die Autorin, Sabatina James, ist Menschenrechtlerin und Buchautorin. Die Ex-Muslima wuchs in Pakistan auf und wanderte mit ihren Eltern nach Österreich aus. Als sie zwangsverheiratet werden sollte, flüchtete sie und wurde katholische Christin.

KONTRA
Wer als Muslim betrunken junge Frauen belästigt oder bestiehlt, handelt mit Sicherheit gegen seine Religion, die ihm dies alles unmissverständlich verbietet und als Sünde erachtet. Daher darf man die Vorfälle am Silvesterabend nicht dem Islam zuschieben. Wir dürfen nicht den Fehler machen, die Debatte als eine rein religiöse zu führen. Die religiöse Kategorie alleine hilft nicht weiter, um bestimmte geprägte Männerbilder zu verstehen, denn unter den Muslimen finden wir patriarchalische wie nicht patriarchalische Männerbilder. Dies gilt genauso für die Araber.

Auch im selben arabischen Land stößt man auf solche und auf solche Vorstellungen. Auf der anderen Seite stehen in vielen islamischen Ländern – vor allem in denjenigen, in denen eine restriktive Sexualmoral stark vorherrschend ist – solche Übergriffe auf der Tagesordnung.

In solchen Ländern und Gemeinschaften beobachtet man eine starke Sexualisierung der Geschlechterverhältnisse, und dies oft im Namen des Islams. Man trennt die Mädchen und die Jungen in den Schulklassen oder Lerngruppen, ja sogar in den Moscheen. Man verbietet in manchen Milieus das Handgeben zum Grüßen und verschließt jegliche Räume, in denen beide Geschlechter lernen können, unverkrampft, aber anständig miteinander umzugehen, und dies alles aus Angst vor sexueller Annäherung.

Diese Übersexualisierung der Geschlechterbeziehungen und die (unabsichtliche) Reduzierung einerseits der Frau auf ein sexuelles Objekt und andererseits des Mannes auf ein sexuelles Tier, vor dem die Frauen geschützt werden müssen, trägt stark zur Reproduzierung patriarchalischer Strukturen bei. Dies alles verhindert eine Begegnung der Geschlechter als Menschen, ohne dass eine gewisse Sexualisierung dieser Begegnung in der Luft mitschwingt.

Der Autor, Prof. Mouhanad Khorchide, ist seit 2010 am Zentrum für Islamische Theologie an der Universität Münster für islamische Religionspädagogik zuständig. 2012 erschien sein Buch „Islam ist Barmherzigkeit“.


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