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Bischof Krenn zur Ökumene: Wir ertragen einander im Unterschied
Von Stephan Baier / DIE TAGESPOST

Aigen i.M. (DT)
Österreich gewinnt nach Ansicht des Bischofs von St. Pölten, Kurt Krenn, "immer mehr den Zustand einer Wüste, in der nichts blüht und gedeiht". Mit Bezug auf das von der Österreichischen Bischofskonferenz für 2002 proklamierte "Jahr der Berufung" meinte Krenn in einer Predigt im oberösterreichischen Aigen am Dienstag, es gebe zu wenige berufene Menschen in jenen Ländern, in denen der Wohlstand wächst. "Es fehlt nicht an gutem Willen, aber wenige wollen sich auf Gott verpflichten und der Kirche dienen." Der heutige Mensch scheue Unwiderruflichkeit und lebenslanges Dienen. Dies brauche im Priesteramt, ebenso wie in der unauflöslichen Ehe, in jedem Fall auch die Gnade. Die Gnade aber lasse sich nicht erarbeiten, sondern sei ein Geschenk Gottes.

Alle nur menschlichen Wege einer Berufungspastoral bleiben nach den Worten von Bischof Krenn "Sackgassen". Berufung sei ungleich mehr als die menschliche Sorge um den Führungsnachwuchs in der Kirche. Krenn betonte, dass zwischen Priestern und Laien nicht ein gradueller, sondern ein wesentlicher Unterschied bestehe. Deshalb könne der Priester auch nur von einem Priester ersetzt werden, zitierte Krenn Papst Johannes Paul II. Ohne Weiheamt könne eine Kirche nicht die wahre Kirche Christi sein. Das Entscheidende an der Berufung sei die Erwählung durch Gott, sagte Krenn, der zugleich daran erinnerte, dass der Betroffene die Berufung zwar wahrnehme, aber nur die Kirche sie feststellen und bestätigen könne. Aufgabe des Diözesanbischofs sei es, "über das Charisma der Berufung zu wachen". Krenn wörtlich: "Es gibt kein menschliches Recht auf die sakramentale Weihe."

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Zugleich lehnte es Bischof Krenn ab, dass Kandidaten zurückgewiesen werden, "weil sie einer bestimmten Gruppe oder Mode nicht gefallen". Es seien bereits viele Priesteramtskandidaten ratlos gemacht worden. Mit Blick auf die Lebensgeschichte des heiligen Augustinus sagte der Bischof von St. Pölten: "Es ist nie zu spät, einer göttlichen Berufung zu folgen." Doch wer sich nicht bekehre, dem werde Berufung und Erwählung nie aufgehen.

Bei der in Aigen stattfindenden Internationalen Theologischen Sommerakademie des Linzer Priesterkreises sagte Bischof Krenn, Ökumene sei zeitbedingt. "Ökumene kann auch zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht möglich sein. Ich denke, wir gehen eher auf eine Zeit zu, wo sie nicht möglich ist." Es gelte derzeit, mehr die Unterschiede zu betonen. Es sei der Wunsch Christi, dass die Christen eins seien, "aber dann müssen wie eins sein in der Wahrheit, eins sein in der Lehre, eins sein im Amt und eins sein in der Kirche", sagte Bischof Krenn.

Viele im ökumenischen Dialog wollten heute nicht mehr, dass alle eins seien, sondern dass sie verschieden seien, meinte der Bischof. Er selbst habe dem evangelischen Superintendenten in Niederösterreich gesagt: "Wir ertragen einander im Unterschied." Den Methodisten und den Altkatholiken jedoch habe er gesagt, dass er mit ihnen keine Ökumene wolle. Krenn wörtlich: "Alle Altkatholiken, die ich kenne, sind Ex-Katholiken."

KATH.NET dokumentiert die Predigt von Bischof Krenn bei der Sommerakademie:

Die Bischöfe der österreichischen Diözesen haben das Jahr 2002 zum "Jahr der Berufung" erklärt. Der Hauptgrund für dieses gemeinsame Tun ist der Mangel an Priester- und Ordensberufungen in unserem Land. Unser Land gewinnt immer mehr den Zustand einer Wüste, in der nichts mehr wächst und gedeiht. Immer weniger Männer und Frauen geben Zeugnis von der Nachfolge Christi im gottgeweihten Ordensstand. In manchen Diözesen blickt man mit Sorge auf die immer kleiner werdende Zahl der Priester für die Seelsorge.

Es gibt zu wenig berufene Menschen für die Kirche Christi. Vor allem dort, wo der Wohlstand wächst, melden sich immer weniger Männer und Frauen für eine Lebensentscheidung im Priesterberuf und im Ordensstand. Es fehlt nicht am guten Willen, doch wenige nur wollen sich für ein ganzes Leben auf Gott verpflichten und der Kirche dienen. Der Mensch von heute, der sich wohl mutig und entschlossen darstellt, scheut zugleich die lebenslange und unwiderrufliche Entscheidung für den Dienst, den Christus einfordert. Sicher begreift jeder bald: Was für ein ganzes Leben gelten soll, muß letztlich Gnade sein. Gnade ist das, was die Summen menschlicher Leistung übersteigt und mehr ist als alle berechenbaren Summen. Wenn es um eine lebenslange Berufung geht, brauchen wir dafür ein Gnadengeschenk Gottes; diese Gnade heißt Berufung. Wenn es um die Gnade Gottes geht, müssen wir bedenken, daß es keine Wege und Methoden gibt, mit denen die Gnade der Berufung gleichsam erarbeitet werden kann. Heute ist das Wort von der Berufungspastoral sehr wichtig geworden, wenn wir fragen: Wie können wir die Kirche, die Familien, die Erziehung und die Studien so gestalten, daß Menschen dadurch ihrer göttlichen Berufung bewußt werden und in den Dienst im Weinberg des Herrn eintreten? Berufungspastoral hat ihre besondere Wichtigkeit heute; dennoch bleibt der rein menschliche Weg zu einer Berufung eine Sackgasse, wenn man nur menschlich planen und berechnen wollte.

Es ist eine grundsätzliche Befindlichkeit des Reiches Gottes zu allen Zeiten, daß Berufungen fehlen. Jesus selbst leitet uns an, immer wieder und immer drängend um Berufungen zu beten; es werden immer zu wenige Berufungen sein: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden (Mt 9,37f.).

Berufung im Sinne Christi ist ungleich mehr als die Sorge um den Führungsnachwuchs in der Kirche, mehr als Schulung und Ausbildung im kirchlichen Dienst. Die Berufung zum geweihten Dienst des Priesters kann kein Mensch sich aus sich selbst zusprechen. Die Berufung Gottes nimmt der Berufene in sich wahr; aber nur die Kirche stellt die Berufung des Kandidaten fest und bestellt diesen im Sakrament der Weihe zum Dienst. Zur Priesterweihe schlägt der zuständige Ordensobere vor; über die Weihe der Diözesanpriester entscheidet der jeweilige Bischof einer Diözese. Der Diözesanbischof übt im Fall der Zulassung zur Priesterweihe sein Urteil über das Charisma der Berufung aus. Aber es muß Gott selbst sein, der beruft; es muß der Berufene sein, der in seinem Leben und in seinen Fähigkeiten sich der Kirche darstellt. Es gibt kein menschliches Recht auf Weihe; die Kirche soll jede Bitte auf Weihe prüfen; sie ist jedoch in ihrer Entscheidung in jedem Fall frei und auf das Wohl der Kirche verpflichtet.

Manchmal hört man die Meinung, die Kirche müsse in Zeiten des Mangels an Berufungen auch solche annehmen, die für den Priesterberuf nicht geeignet sind. Das darf es nicht geben; es darf aber auch nicht der Fall sein, daß Kandidaten abgelehnt werden, weil sie einer bestimmten Gruppe oder einer kirchlichen Mode nicht passen. Jeder, der sich zum Glauben und zur Ordnung der Kirche bekennt, soll von keinem Vorurteil beschädigt werden. Die Auseinandersetzungen um die verschiedenen Optionen nach dem II. Vatikanischen Konzil haben manchen Berufenen ratlos gemacht und ihm den Mut zu einer positiven Entscheidung genommen.

Es ist heute manchmal der Irrtum von Gläubigen, daß der Dienst des Priesters auch von Laien gleichwertig getan werden kann. Was soll ein junger Berufener vom Priesterberuf halten, wenn er immer wieder hört, daß die Kirche der Zukunft keine Priester brauchen wird ?

Gerade in St. Pölten hat Papst Johannes Paul II. bei seinem Pastoralbesuch 1998 betont, daß ein Priester wieder nur einen Priester ersetzen kann. An die Stelle des Priesters lassen sich keine Programme, keine Analysen und Prognosen, keine Ersatzdienste setzen. Im Reich Gottes gibt es nur Apostel und keine Ersatzapostel, nur Priester und keine Ersatzpriester. Der Priester handelt in der Person Christi, wenn er am sakramentalen Erlösungswerk Christi mitwirkt. In der ganzen Hingabe seiner menschlichen Person ist der Priester von Christus ergriffen; was er als Priester ist, muß er in der Fülle seiner personalen Identität sein. Zwischen Priester und Nicht-Priester gibt es kein mittleres Drittes; daher liegt nicht ein gradueller sondern ein Wesensunterschied zwischen dem Dienst des Priesters und dem des Laienchristen vor (vgl. LG 10). Bischöfe, Priester und Diakone gehören wesentlich zum Heilsdienst der Kirche; ohne diese Weiheämter wäre die katholische Kirche nicht die wahre Kirche Christi. Im Lobpreis des Heilsplanes Gottes spricht der Epheserbrief über ihre Begründung im ewigen Ratschluß Gottes: Denn in Christus hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt ... er hat uns aus Liebe im voraus dazu bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus (vgl. Eph 1,4.5).

Dieser Schrifttext tut uns das Geheimnis der Berufung kund. Jeder Berufene Mensch hat Anteil am Geheimnis der Kirche des Erlösers: Vor der Erschaffung der Welt sind wir in Christus erwählt; Gottes Liebe bestimmt uns im voraus seine Söhne zu werden.

Jede Berufung durch Gott ruht in der Erwählung durch Gott, die vor der Erschaffung der Welt sich ereignet; die Erwählung ergibt sich nicht aus der Geschichte der Welt, in der der Mensch lebt. Die Erwählung tut sich vielmehr in unserem Leben als Berufung kund; das Entscheidende der Berufung aber ist die Erwählung durch Gott, die niemand anderer als Gott veranlassen kann. Der berufene Priester und der berufene Gottgeweihte ist von Gott erwählt; ohne dieser Erwählung gibt es auch keine Berufung. Die Erwählung wird zur persönlichen Berufung, wenn der Berufene erfaßt, daß seine Erwählung ein konkreter und ganz persönlicher Auftrag Gottes ist: Geht hin und lehret alle Völker; tut dies zu meinem Gedächtnis; was ihr auf Erden bindet oder löset, das wird auch im Himmel gebunden oder gelöst sein.

Wir wissen, daß wir in der Erbsünde als Kinder Adams geboren werden und ein Leben lang zur Sünde versucht sind. Für uns bedeutet die Erwählung Gottes Bekehrung zu Gott und Umkehr von der Sünde.

Wer sich nicht bekehrt, dem werden Erwählung und Berufung nicht aufgehen, weil er Gott verneint und bekämpft. Berufungen werden sich dort ereignen, wo der Glaube und die Liebe der Gläubigen die ständige Triebkraft zur Bekehrung sind.

Gott muß wirklich sein, Gott muß konkret sein dort, wo die Berufenen seine Stimme hören und Christus folgen. Niemals ist es zu spät, die Erwählung Gottes zu erahnen und einer göttlichen Berufung zu folgen. Für unsere Diözese haben wir daher ein AHaus der Berufung@ in Seitenstetten gegründet, wo Platz für jeden ist, der seine Berufung irgendwie vernimmt und mehr über Christus und seine Kirche erfahren möchte.







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