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Selektive KNA-Recherche über tödliche Gewalt

1. Dezember 2015 in Kommentar, 7 Lesermeinungen
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In den USA kam es zu tödlicher Gewalt bei einer Abtreibungsklinik. Die Katholische Nachrichtenagentur und andere Agenturen haben dabei wichtige Fakten verschwiegen und vorschnell Schuldige gefunden. kath.net-Kommentar von Peter Winnemöller


Colorado Springs (kath.net) In der vergangenen Woche machte eine Schießerei in einer Abtreibungsklinik in Colorado Springs Schlagzeilen. Ein bewaffneter Täter war in ein Einkaufszentrum eingedrungen, in dem sich auch eine von Planned Parenthood betriebene Einrichtung befindet. Bei einer Schießerei mit dem bewaffneten Täter kamen drei Personen ums Leben, neun Menschen wurden verletzt. Unter den Todesopfern war der Polizist und evangelikale Co-Pastor Garrett Swasey. Er hinterlässt eine Frau und zwei kleine Kinder. Als evangelikaler „Elder“ (in Deutschland würde man ihn als Presbyter bezeichnen) war er gläubiger Christ und natürlich Pro-Life.

Der bewaffnete Eindringling, der sich innerhalb des Einkaufszentrum ausgerechnet in der Abtreibungsklinik verschanzte und sich einen heftigen Schusswechsel mit der Polizei lieferte, konnte als Robert Dear identifiziert werden. Dear kann in keiner Weise mit amerikanischen Lebensrechtsorganisationen in Verbindung gebracht werden. Der 57-jährige Mann lebte lange Jahre in einer abgelegenen Hütte ohne elektrischen Strom und fließend Wasser. Er unterhielt kaum soziale Kontakte. Die Hintergründe seiner Tat sind bislang völlig ungeklärt. Soweit die harten Fakten.

Umso mehr verwundert es, wenn in deutschen Medien unmittelbar von einem radikalen Abtreibungsgegner als Täter die Rede war. Schon eine kurze Recherche in US-amerikanischen Medien zeigt eindeutig, dass die Hintergründe der Tat nach wie vor völlig unklar sind. Die Polizei in Colorado Springs konnte laut mehrerer amerikanischer Nachrichtenportale bislang kein Motiv für die Tat ermitteln.


Der CEO von Plannend Paranthood hingegen verstieg sich schnell zu der vollmundigen Aussage, die Tat sei motiviert durch Gegnerschaft zu legaler und sicherer Abtreibung. Ein gleichlautender Tweet auf dem Account der Abtreibungsorganisation wurde bereits kurz nach der Tat veröffentlicht.

Diese doch sehr gewagte Interpretation des Geschehens machte sich deutsche Nachrichtenagentur KNA leichtfertig zu eigen, indem von ihr gemeldet wurde: „Dass sich die Schießerei in einem Gebäude der umstrittenen Familienplanungsorganisation Planned Parenthood ereignete, legt den Verdacht nahe, dass es sich bei dem mutmaßlichen Schützen um einen radikalen Abtreibungsgegner handelt.“

Nicht gemeldet wurde von der KNA hingegen, dass sich Lebensrechtsbewegungen in den USA sofort von der Bluttat distanziert haben. Verschwiegen wurde ebenfalls, dass ausgerechnet ein Polizist, der bei der Verhaftung des Gewalttäters umgebracht wurde, seinerseits Lebensrechtler und evangelikaler Pastor war. Komplett falsch ist die Aussage, dass es sich um ein Gebäude von Planned Parenthood handelt. Die Bezeichnung dieser Organisation als „Familienplanungsorganisation“ blendet deren eigentliche Intention, nämlich die massive Förderung von Abtreibungen aus.

Gewalt gegen das Leben ist nun gerade das, wogegen sich Lebensrechtsbewegungen wehren. Eine solche Untat wie in Colorado Springs steht der Logik des Lebensschutzes diametral entgegen. Während in den USA zumeist durchaus differenziert berichtet wird, macht man sich in Deutschland, natürlich immer nur sehr vorsichtig andeutend, die Sicht von Planned Parenthood zu eigen. In zahlreichen Medien wurde die KNA-Meldung unkritisch übernommen. Damit mal wieder ist die Ansicht in die Welt gestreut: Radikale Lebensschützer scheuen auch vor Gewalt nicht zurück. Es könnte nicht absurder sein.

Völlig ignoriert wird dabei ferner die Tatsache, dass der Todesschütze so gut wie keine sozialen Kontakte hatte, mithin wohl kaum irgendwo in die Lebensrechtsbewegung integriert gewesen sein kann.

Völlig zu Recht hingegen bezeichnet insbesondere KNA die Organisation Planned Parenthood als „umstritten“. Planned Parenthood machte erst kürzlich Schlagzeilen durch ein Video, in dem belegt werden konnte, dass abtreibungswilligen Eltern angeboten wird, gegen Geld Organe ihrer ungeborenen Kinder zu verkaufen. Planned Parenthood fördert dazu gezielt Spätabtreibungen, um diesen Organhandel zu ermöglichen. In den USA erfüllt dies einen Straftatbestand. Bereits vier US- Bundesstaaten haben die finanzielle Förderung von Planned Parenthood vorläufig eingestellt.

Die Art und Zielrichtung der Berichterstattung in deutschen Medien macht nachdenklich. Ein evangelikaler Pastor, der im Zivilberuf als Polizist arbeitet, stirbt in Erfüllung seiner Dienstpflicht bei der Verteidigung des Lebens von Mitarbeitern einer Abtreibungsklinik. Ein Umstand, den man zumindest in einer Meldung einer katholischen Nachrichtenagentur erwarten dürfte, wenn man schon einen Vorfall aus Colorado Springs relevant genug für eine Meldung in Deutschland hält. Eine klarere Darstellung der Praktiken von Planned Parenthood, wäre in diesem Zusammenhang ebenfalls wünschenswert. Ferner könnte auch die ablehnende Sicht der Kirche auf diese Praktiken zumindest in einer Meldung einer katholischen Nachrichtenagentur in einer Zeile Platz finden. Es könnte ein sinnvolles Alleinstellungsmerkmal sein, diesen Aspekt gerade nicht auszublenden. Das mindert die Qualität der Meldungen nicht.

Selektive und unvollständige Recherchen gehen hingegen voll zu Lasten der Qualität. Es ist nicht einzusehen, warum Fakten, die mit wenigen Klicks erhärtet werden können, ausgelassen werden. Noch weniger ist einzusehen, warum ein Statement der Abtreibungsorganisation Planned Parenthood höher bewertet wird als der Bericht der örtlichen Polizei.




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