15 November 2015, 18:18
Paris 2015 – das Ende der Gemütlichkeit!
 
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„Wir haben die Kontrolle verloren“, meint der österreichische Außenminister. Der norwegische Geheimdienst spricht von 10 Prozent Terrorpotential unter den Flüchtlingen. kath.net Kommentar von Christof T. Zeller-Zellenberg

Wien (kath.net/cz) Die Nacht vom 13. auf den 14. November 2015 hat vieles verändert. Ca. 130 unschuldige Menschen sterben in Paris, bei fünf simultanen Terroranschlägen durch Islamisten. Es hätten Tausende sein sollen, aber die Terroristen schafften es nicht in das Fußballstadion, in dem gerade das Freundschaftsspiel Frankreich gegen Deutschland lief. „Allahu akbar – Gott ist groß“ riefen die Mörder, als sie die Menschen mit automatischen Waffen niedermähten und bevor sie sich selber mit Bombengürteln in die Luft sprengten.

Der Islamische Staat (IS), hatte bereits vergangenes Jahr gewarnt, man werde die „Straßen von Paris in Blut tauchen“. Der französische Staatspräsident hat inzwischen öffentlich festgestellt, dass der IS hinter diesen blutigen Anschlägen steht.

Erinnerungen an die Anschläge in London und Madrid und natürlich an September 11/01 in New York, werden wach. Die schwedische Außenministerin hat kürzlich in Wien bekannt, man hätte die Lage mit den Migranten in Schweden nicht mehr unter Kontrolle. Ähnlich äußerten sich der österreichische Außenminister und der deutsche Finanzminister.

Als Christen liegt uns der Ruf des Hl. Benedikt am Herzen: Ora et Labora – Bete und Arbeite! Daher halten wir zuerst inne und beten! Wir beten für diese sinnlos ermordeten Opfer, dass Gott sie in seiner großen Barmherzigkeit in Sein Reich aufnehme. Sie waren nicht bereit zu sterben – sicher nicht in dieser Nacht. Betet ohne Unterlass, denn Ihr kennt weder den Tag noch die Stunde, sagt uns Jesus. Wir beten aber auch für die zurückbleibenden Angehörigen und stützen sie so in ihrem Blick in diesen sinnlosen Abgrund. Im Gebet hebt sich der Abgrund, das Gebet wird zur Brücke, die hinüberführt in diese andere Welt, in der ihre Lieben jetzt geborgen sind.

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Und wir beten vor allem für die Attentäter. Sie brauchen unser Gebet besonders und noch mehr als die anderen. Sie haben Gott nicht verstanden. Sie glaubten Ihm zu gefallen und doch spuckten sie Ihm ins Gesicht. Sie verhöhnten Seine Schöpfung, Seine Geschenke und Seine Liebe. Sie hofften auf Jungfrauen als Belohnung im Paradies und vernichteten dafür unschuldiges Leben. In der Lebensbeschreibung des sogenannten Propheten Mohammed, den Hadithen, steht, dass er zu Beginn seiner Visionen überzeugt war, dass der Teufel mit ihm sprechen würde. Wenn man sieht, was Menschen in seiner Nachfolge tun, dann scheint er in diesem Punkt wohl recht gehabt zu haben.

Ist aber Gebet wirklich schädlich, wie immer mehr öffentliche Stimmen uns weismachen wollen? Ist Gebet also tatsächlich nicht hilfreich, sondern sogar der eigentliche Quellgrund all unserer Probleme? Ist die Suche nach der Wahrheit, die ich ultimativ in Gott finde, wirklich abzulehnen und hat sie einem stumpfen Relativismus des „alles ist möglich und nix ist fix“ Platz zu machen?

Ist es nicht vielmehr so, wie der berühmte französische Schriftsteller Michel Houellebecq, im Oktober 2015, im „Spiegel“ gesagt hat: „Der Atheismus weicht zurück. Er stirbt an seinen eigenen Zweifeln. Ich teile die Ansicht des Philosophen Auguste Comte, dass eine Gesellschaft ganz ohne Religion nicht fortbestehen kann. Ihr droht die völlige Desintegration.“

Aber dann folgt das Labora! Wir müssen aktiv werden. Wir müssen erforschen, was die Hintergründe all dessen sind und was wir dagegen unmittelbar und mittelbar tun können.

Heute hat mich mein Freund Ahmed, selber ein syrischer Flüchtling und sunnitischer Moslem, der bereits Asyl erhalten hat, daran erinnert, dass er mir schon vor zwei Monaten gesagt hat: „Ihr müsst sehr vorsichtig sein, denn mit den vielen Flüchtlingen kommen auch einige sehr böse Menschen!“ Er hilft seit Monaten als Dolmetscher an verschiedenen Stellen der Flüchtlingsbetreuung.

Ahmed meint weiter: „Ich verstehe Euch nicht! Sieh Dir die Menschen an, die hierher kommen. Es sind nur wenige wirklich aus Syrien. Einige aus dem Irak brauchen vielleicht auch Asyl und vielleicht einige aus Afghanistan. Selbst dort gibt es aber sehr sichere Gebiete. Aber die große Mehrheit kommt nicht aus Kriegsgebieten. Warum akzeptiert Ihr, dass die alle in Eure Länder hereinkommen?“

Der österreichische Außenminister hat kürzlich, ganz auf der Linie der österreichischen und der europäischen Flüchtlingsstatistiken gemeint, nur wenige der ankommenden Flüchtlinge wären wirklich an Leib und Leben bedroht und hätten somit einen Asylgrund. Dennoch meinte er, ca. 50 Prozent der Ankommenden würden Asyl erhalten und die andere Hälfte würde zwar kein Asyl erhalten, aber dennoch in unserem Land bleiben. Was machen dann die Asylverfahren überhaupt für einen Sinn?

Vor zirka zwei Jahren habe ich mich um einen Nigerianer gekümmert, der mich gebeten hatte, ihn bei den Behörden zu unterstützen, damit er erfährt, wann und ob er denn ein Aufenthaltsrecht bekommen würde. Nach stundenlangen Telefonaten hatte ich endlich den zuständigen Beamten erreicht, der mir sagte, das Verfahren wäre bereits vor vier Jahren negativ beschieden worden. Warum aber ist er dann noch in unserem Land, fragte ich den unfreundlichen Herrn. Worauf dieser antwortete, dass das wohl kaum seine Verantwortung wäre und diese Personen eben selber wieder zurückreisen müssten. Wie wahrscheinlich das bei Menschen ist, die tausende Euros an Schlepper gezahlt und unter Todesgefahr hierhergekommen sind, kann sich wohl jeder mittelmäßig Begabte selber denken.

Und was geschieht mit diesen „illegalen“ Personen, die keine Arbeitserlaubnis haben, die keine Sozialhilfe bekommen und auch nicht in der Krankenversorgung sind? Wie viele sind es denn derzeit? Gibt es dazu überhaupt eine Statistik? Eine ORF Journalistin fragte kürzlich im ZIB 2, ob sich denn niemand die Frage stellte, wohin die tausenden Migranten, die derzeit zu uns kommen und von denen viel weniger tausende in Deutschland offiziell eingelassen und registriert würden, verschwinden?

Die wirklich Schwachen, Alten und Kranken schaffen es gar nicht bis zu uns. Sie sterben auf dem Weg oder bleiben gleich vor Ort in den Lagern.

In Österreich streiten die Politiker über die Worte „Zaun“ und „Zelt“. Sie agieren vollkommen planlos. Sie wollen das fundamentale Flüchtlingsrecht aus der internationalen und der europäischen Menschenrechtskonvention aussetzen und den Familiennachzug unterbinden. Sie denken nicht, was das für einen jungen Mann bedeutet, der trotzdem er ein Flüchtling ist, seinen Sexualtrieb nicht in Syrien gelassen hat. Sie denken nicht, was das für die zerstörten Familien bedeutet, wenn der Mann sich hier einige Jahre zu integrieren beginnt und seine Frau und Kinder in einem türkischen Flüchtlingslager dahinsiechen.

Unsere Politiker stammeln etwas von „Asyl auf Zeit“ und bemerken nicht, was das für jene bedeutet, die hier jetzt mühsam unsere Sprache und Schrift erlernen, einen neuen Job bekommen, sich eine Wohnung mieten und bald vielleicht sogar kaufen und ein neues Leben beginnen. Ihre Familien sind dann vielleicht bald ebenso integriert und die Kinder gehen jahrelang in die Schule. Dann aber, nach fünf Jahren, nehmen wir ihnen das alles wieder weg, im schlimmsten Fall enteignen wir sie sogar und schicken sie zurück in ein zerstörtes Land, in dem sie wieder von Null anfangen müssen. Ist das human?

(In einem früheren Kommentar) habe ich aufgezeigt, dass wir diesen Menschen bereits jetzt vor Ort in Syrien, im Irak, in Afghanistan und in Libyen, eine echte Alternative, mit neutralen Wirtschaftszonen, aufzeigen könnten. Mir wurde entgegengehalten, dass derartige Zonen schwer kontrollierbar sein werden und auch dort Terroristen einsickern könnten. Sicher besteht diese Gefahr aber warum schafft es Israel beispielsweise, sein viel größeres Territorium weitgehend zu kontrollieren und Terroristen großteils draußen zu halten? Dennoch gibt es dort florierende Handelsbeziehungen mit dem Ausland und das, obwohl Israel von Feindstaaten umgeben ist.

Man hat mir gesagt, derartige, international verwaltete Zonen wären ein Eingriff in die staatliche Souveränität – ja natürlich, aber sind das Militäreinsätze der westlichen und sonstigen Mächte in diesen Staaten nicht ebenfalls? Warum funktioniert das dann, wenn es um Bomben und Tod geht, aber nicht, wenn es um Sicherheit und Wiederaufbau geht?

Man meinte, die internationale Gemeinschaft würde sich nie darauf einigen – vielleicht ist das tatsächlich schwer, aber sind derzeit nicht alle ratlos und wären sie nicht vielleicht sogar dankbar für einen konstruktiven Vorschlag?

Und wenn es Widerspruch gibt, dann bitte mit einem besseren Gegenvorschlag. Ist es also humaner, die Menschen aus ihrer Heimat vertreiben zu lassen und sie dann in der Türkei festzusetzen und jahrelang in Flüchtlingslager zu pferchen? Ist es christlich, die Türkei mit Milliarden Euros und neuen Beitrittsverhandlungen zur EU zu bestechen, damit sie uns mit Gewalt die Migrationsströme vom Hals hält, gleichzeitig aber den Menschen keine Perspektive aufzuzeigen?

Und zuletzt zurück zum Islam. Wir müssen endlich auch dort zu einer kritischen Exegese gelangen. Wir müssen in einen wissenschaftlichen Diskurs treten und all die Thesen hinterfragen, die seit dem Mittelalter aber verstärkt auch in der Neuzeit, auf dem Tisch liegen. Was ist der Islam eigentlich? Ist er tatsächlich eine eigenständige Religion oder doch ein Synkretismus aus bereits Vorhandenem, das zu einem politischen Einigungskonzept umgebaut wurde. Warum ruft der Koran dazu auf, unsere Bibel zu lesen und bezeichnet sie als heiliges Buch, der Islam aber verwirft diese Bibel gleichzeitig als verfälscht?

Wer ist Jesus, Isa, für die Moslems? Warum konnte Isa laut Koran heilen, Tote zum Leben erwecken und aus dem Nichts neues Leben schaffen – alles Attribute, die nur Allah alleine vorbehalten sind!?

Warum ist der angebliche Prophet Mohammed so wichtig, obwohl er doch nur ein Mensch war, der von einem Vater und einer Mutter gezeugt wurde, gelebt und gekämpft hat und gestorben ist, wohingegen Isa (Jesus) laut dem Koran, von der Jungfrau Mariam, die überschattet wurde vom Erzengel Gabriel, empfangen wurde, Wunder gewirkt hat und nie gestorben ist, sondern in den Himmel entrückt wurde (Elias Legende!) und am jüngsten Tag auf dem Flammenwagen zurückkehren wird, um die Welt zu richten – und dennoch ist Jesus für die Moslems, in ihrem täglichen Glaubensleben, nahezu irrelevant?

Bereits im Hochmittelalter lebte ein heiliger Mann und großer Gelehrter, der heute von der katholischen Kirche als Seliger verehrte aber nahezu vergessene Raimund Lull (geb. 1232 in Palma de Mallorca – gest. 1316), der anhand vieler Dokumente und Forschungen nachzuweisen meinte, dass der Islam keine neue Religion sei, sondern auf gnostischen, christlichen Schriften aufbaut und deren Inhalte nur zu politischen Zwecken verdrehte und missbrauchte.

Papst Benedikt XVI. kennt natürlich diese und viele andere, sehr kritische, historische Aufarbeitungen zum Islam. In diesem Licht erscheint sein Vortrag in Regensburg (2006) interessant, in dem er den byzantinischen Kaiser Manuel II Palaiologos mit den Worten zitiert: „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten.“

Wenn Auguste Comte recht hat und wir tatsächlich die Religion als sinnstiftendes Fundament für eine funktionierende Gesellschaft brauchen, dann ist die Suche nach der Wahrheit, in diesem Zusammenhang unerlässlich. Dann brauchen wir eine verstärkte Erforschung einer Religion, der hunderte Millionen folgen und aus deren Mitte derzeit immer wieder Radikalismen aufstehen, die unsere Gesellschaft bedrohen und vielen Menschen den Tod bringen. Auch und besonders im Angesicht tausender Migranten, die in unsere Länder einwandern und deren Integration uns vor enorme Herausforderungen stellen wird, ist diese Aufgabe unerlässlich.

Christof T. Zeller-Zellenberg ist Mitarbeiter der kath.net-Redaktion und Mitglied des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens. Er hat im Rahmen der Arbeit des Ordens zahlreiche Dienste für Flüchtlinge am Wiener Westbahnhof, sowie Deutschkurse und andere Aktivitäten von und mit Flüchtlingen durchgeführt. Er ist Ökonom, Investor und Vorsitzender des Europa Institut und Vortragender zu politischen Themen in aller Welt. In diesem Zusammenhang hatte er auch Kontakt und Aktivitäten mit dem Erzbischof von Agrigento und der Flüchtlingsinsel Lampedusa, Kardinal Francesco Montenegro.





ZDF heute journal: Zusammenfassung und erste Hintergründe zum Terroranschlag in Paris - Vom 14 November 2015




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