28 Mai 2003, 14:46
Rottenburger Bischof gegen Einrichtung eines 'Friedwaldes'
 
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An die Stelle der christlichen Hoffnung auf ewiges Leben trete die Rückkehr in den naturhaften Kreislauf des Stirb und Werde, kritisierte Bischof Gebhard Fürst.

Rottenburg/Isny (www.kath.net / drs / red)
Gegen die Einrichtung eines "Friedwaldes" in Isny-Neutrauchburg hat sich der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst ausgesprochen. Friedwälder seien eine Absage an eine christlich-humane Begräbniskultur und die christliche Auferstehungshoffnung. Der Bischof kritisierte, dass die hinter der FriedWald GmbH stehende weltanschauliche Ausrichtung "nicht transparent gemacht" werde. Offenbar handle es sich um eine "Hinwendung zur Natur als quasi-göttlicher Instanz". Das christliche Kreuz als Zeichen der Erlösung werde durch den "naturwüchsigen Baum ersetzt", erklärte Fürst.

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Die Friedwald GmbH wirbt auf ihrer Website damit, für eine "individuelle, naturnahe Art der Bestattung" zu sorgen. Der Friedwald biete "eine einzigartige, stimmungsvolle Ruhestätte außerhalb normaler Friedhöfe". Die Asche des Verstorbenen wird in den Wurzelbereich eines Baumes oder Strauches eingebracht, der zur Beisetzung oder bereits vorher gepflanzt oder ausgesucht wird. Der Baum nimmt die Asche als Nährstoff. Sie werde so "zu einem Sinnbild für das Fortbestehen des Lebens und ist zudem eine sehr persönliche Erinnerung an den Verstorbenen".

Bischof Fürst kritisiert, dass die Sicht des Menschen als Person, worauf die ganze abendländische Kultur gründe, im Naturhaften zu entschwinden drohe. "An die Stelle der christlichen Hoffnung auf ewiges Leben bei Gott tritt die Rückkehr in den naturhaften Kreislauf des Stirb und Werde." Die christliche Überzeugung von der Würde des Menschen und seiner Einzigartigkeit im Unterschied zu allen anderen Lebewesen dürfe nicht dem Zeitgeist Preis gegeben werden. Der Mensch sei nicht einfach ein Produkt der Natur, das am Ende der Natur zurückgegeben werde, sondern Person und gottebenbildliches Geschöpf Gottes.

Bei der Einrichtung von Friedwäldern seien Anklänge an esoterische oder an neuheidnische Naturvergötzung unverkennbar. Demgegenüber müsse eine Bestattungskultur neu gepflegt werden, die den Friedhof als öffentlichen Ort der Trauer und des Abschiednehmens, der personalen Würde jedes Einzelnen auch im Tod sowie der Hoffnung auf Auferstehung erkennbar mache, mahnte Bischof Fürst. Nachdrücklich stellte er sich hinter die Stellungnahme der katholischen und evangelischen (Gesamt-)Kirchengemeinde Isny zur Einrichtung eines Friedwaldes in Neutrauchburg.

Darin wird kritisiert, dass hinter der neu geplanten Bestattungsform in einem Friedwald eine "naturreligiöse Weltvorstellung" stehe. Da ein Friedwald kein Friedhof, sondern ein Stück freie Natur sei, sehen die beiden Kirchengemeinden den pietätvollen Umgang mit den Toten gefährdet. Nach ihrer Auffassung ist zur Gewährleistung der Totenruhe eine "klare Umfriedung des Geländes" notwendig. Informationstafeln reichten zur Verhinderung eines unbefugten Betretens und Befahrens nicht aus.

Die von der FriedWald GmbH in Aussicht gestellte Mitwirkung eines Geistlichen bei einer Beerdingung lehnen die Pfarrer der Isnyer Gemeinden ausdrücklich ab. Sie wehren sich dagegen, dass ihr seelsorgerlicher Auftrag in dieser Weise "neu definiert" werde. Durch ihre Bestattungsart fördere die Friedwaldidee "die Anonymisierung im Umgang mit dem Tod". Zeichen der Trauer würden bewusst ausgeschlossen. Damit würden die Bedürfnisse der Hinterbliebenen ebenso wenig ernst genommen wie die bisher gewachsene Trauerkultur.

Die Isnyer Gemeinden befürchten zudem einen Bestattungstourismus, weil es sich bei der geplanten Einrichtung eines Friedwaldes um den einzigen südlich des Odenwaldes handeln würde. Letztlich sei die Friedwaldidee keine alternative Möglichkeit einer pietätvollen Bestattungskultur, sondern eine kommerziell motivierte Geschäftsidee mit einer Monopolstellung, die der christlichen Bestattungstradition deutlich wiederspreche. Die in Aussicht gestellten geringeren Begräbniskosten können nach Ansicht der Isnyer Gemeinden auch mit der Einrichtung entsprechender Grabstellen oder einer Urnenwand erreicht werden.

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