17 August 2015, 12:15
Mariä Himmelfahrt und die Irrlehre der Gendertheorie
 
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„Das Hochfest der mit Leib UND Seele in den Himmel aufgenommenen Gottesmutter Maria widerlegt sozusagen vom Himmel her die Irrlehre der Gendertheorie, der heute anscheinend immer mehr zum Opfer fallen.“ Von Weihbischof Thomas Maria Renz

Wigratzbad (kath.net/pl) Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Was ist der Mensch?
Was macht den Menschen zum Menschen?
Und was bedeutet es für ihn, als Frau oder Mann geboren zu sein?

Diese Fragen beschäftigen viele Menschen in unserer Zeit, aber ganz offensichtlich ist manchen dabei der Kompass abhanden gekommen, der ihnen Klarheit verschaffen könnte auf der Suche nach ihrer eigenen Identität. Verblendet von der sogenannten Genderideologie sind sie allen Ernstes der Überzeugung, dass sie ihr Geschlecht selbst bestimmen könnten und ihnen sozusagen nichts mehr von der Natur oder von Gott vorgegeben sei. Auf einer Tagung über "Respekt statt Vorurteile" sagte vor kurzem eine Politikerin in Tübingen, es sei viel zu einfach gedacht, dass sich bei der Geburt schon zeige, ob ein Mensch ein Mädchen oder ein Junge ist. Die Realität sei komplizierter, je nach den Genen, nach dem individuellen Hormonhaushalt und nach dem Aussehen. Zudem bestimme immer auch eine soziale Komponente die Geschlechtsidentität. Dabei berief sie sich auf Simone de Beauvoir, eine der Begründerinnen des Feminismus nach 1968, die gesagt habe: „Der Körper ist die Hardware und was die Gesellschaft draufspielt, die Software.“

Diese Aussage belegt eine Grundhäresie der Gendertheorie, die offenbar von einem Dualismus, einer Nichtidentität ausgeht zwischen Leib und Seele, zwischen Körper und Geist. Demnach ist der Mensch keine vorgegebene Einheit zwischen Äußerem und Innerem, sondern das eine ist lediglich das austauschbare Vehikel für das andere: Der Leib ist die Hardware und die Seele die Software. Und dann können Sie das eine oder andere beliebig austauschen und jeweils neu "bespielen". Dann sind Sie Herr Ihrer eigenen Schöpfung, frei nach dem Motto: Selbst ist der Mann, selbst ist die Frau! Wenn Sie Ihren alten Computer (die Hardware) gegen einen neuen austauschen, dann können Sie diesen mit dem alten Computerprogramm (der Software) oder mit einem neuen oder mit einer Mischung aus Alt und Neu bespielen und so erschaffen Sie Ihr „eigenes Ding“. Übertragen auf die propagierte freie Wahl der sexuellen Identität werden Sie so im wahrsten Sinne des Wortes zu einer „selfmadewoman“ oder einem „selfmademan“. Sie werden zum Kreator Ihrer selbst! Das scheint in den Köpfen derer, die sich so etwas ausdenken, der letzte Kick vermeintlicher menschlicher Freiheit und Selbstbestimmung zu sein: nichts mehr ist vorgegeben, nicht einmal das eigene Geschlecht, die eigene sexuelle Identität, sondern alles ist bislang nur durch Konventionen und gesellschaftliche Vorgaben determiniert, von denen Du Dich befreien kannst und musst, wenn Du ganz Du selbst sein willst.

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Menschen, die sich von einer solchen Ideologie verblenden lassen, die jeder Vernunft, Erfahrung und Plausibilität widerspricht, merken scheinbar gar nicht, wie sehr sie sich manipulieren und verführen lassen. Und so ganz nebenbei verabschieden sie sich damit auch von einem Schöpfungsglauben, der davon ausgeht, dass es einen Gott gibt, der den Menschen als sein Abbild erschaffen hat und der ihn ganz bewusst als Mann und Frau gewollt hat. Dieser Schöpfergott bestätigt ausdrücklich, dass sein Schöpfungswerk „sehr gut“ gewesen ist (vgl. Gen 1,31). Wer der Genderideologie auf den Leim geht, braucht aber keinen Schöpfergott mehr. Wozu auch? Er ist ja Schöpfer seiner selbst geworden. Er setzt sich selbst an die Stelle des Schöpfergottes, der dann abdanken und in Ruhestand gehen kann. Der Beginn des Liebäugelns mit der irrationalen Gendertheorie ist das Ende des „Veni Creator Spiritus“. Der braucht dann nicht mehr zu kommen: Er hat ausgedient! Nun ist der Mensch an seine Stelle getreten und ist mit seinem eigenen „Spiritus“ sein eigener „Creator“ geworden.

Papst Benedikt XVI. hat sich bereits im Dezember 2012 mit erstaunlicher Klarheit und Deutlichkeit zur Genderideologie und ihren Folgen geäußert, indem er sagte: „Das Geschlecht ist nach dieser Philosophie nicht mehr eine Vorgabe der Natur, die der Mensch annehmen und persönlich mit Sinn erfüllen muss, sondern es ist eine soziale Rolle, über die man selbst entscheidet, während bisher die Gesellschaft darüber entschieden habe. Die tiefe Unwahrheit dieser Theorie und der in ihr liegenden anthropologischen Revolution ist offenkundig. Der Mensch bestreitet, dass er eine von seiner Leibhaftigkeit vorgegebene Natur hat, die für das Wesen Mensch kennzeichnend ist. Er leugnet seine Natur und entscheidet, dass sie ihm nicht vorgegeben ist, sondern dass er selber sie macht. Nach dem biblischen Schöpfungsbericht gehört es zum Wesen des Geschöpfes Mensch, dass er von Gott als Mann und als Frau geschaffen ist. Diese Dualität ist wesentlich für das Menschsein, wie Gott es ihm gegeben hat. Gerade diese Dualität als Vorgegebenheit wird bestritten. Es gilt nicht mehr, was im Schöpfungsbericht steht: „Als Mann und Frau schuf ER sie“ (Gen 1, 27). Nein, nun gilt, nicht ER schuf sie als Mann und Frau; die Gesellschaft hat es bisher getan, und nun entscheiden wir selbst darüber. Mann und Frau als Schöpfungswirklichkeiten, als Natur des Menschen gibt es nicht mehr. Der Mensch bestreitet seine Natur. Er ist nur noch Geist und Wille. Die Manipulation der Natur, die wir heute für unsere Umwelt beklagen, wird hier zum Grundentscheid des Menschen im Umgang mit sich selber. Es gibt nur noch den abstrakten Menschen, der sich dann so etwas wie seine Natur selber wählt. Mann und Frau sind in ihrem Schöpfungsanspruch als einander ergänzende Gestalten des Menschseins bestritten. Wenn es aber die von der Schöpfung kommende Dualität von Mann und Frau nicht gibt, dann gibt es auch Familie als von der Schöpfung vorgegebene Wirklichkeit nicht mehr. Dann hat aber auch das Kind seinen bisherigen Ort und seine ihm eigene Würde verloren. … Wo die Freiheit des Machens zur Freiheit des Sich-selbst-Machens wird, wird notwendigerweise der Schöpfer selbst geleugnet und damit am Ende auch der Mensch als göttliche Schöpfung, als Ebenbild Gottes im Eigentlichen seines Seins entwürdigt. Im Kampf um die Familie geht es um den Menschen selbst. Und es wird sichtbar, dass dort, wo Gott geleugnet wird, sich auch die Würde des Menschen auflöst. Wer Gott verteidigt, verteidigt den Menschen“ (Papst Benedikt XVI. am 21.12.2012).

Das sind großartige Worte eines großartigen Papstes, der selbst noch im hohen Alter nichts, aber auch gar nichts von seiner intellektuellen Brillanz, seiner theologischen Virtuosität und seiner Orientierung gebenden Klarheit eingebüßt hat. Ihm sind wir gerade heute für diese klaren Worte von Herzen dankbar!

Und nun feiern wir heute also das Hochfest der mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommenen Gottesmutter Maria. Das hat Papst Pius XII. bei der feierlichen Verkündigung dieser Glaubenswahrheit vor 65 Jahren ganz bewusst so formuliert, auch wenn man damals noch nichts gewusst hat von einer Gendertheorie: „Mit Leib UND Seele in den Himmel aufgenommen“! In der leiblichen Himmelfahrt Marias erkennen wir deutlicher denn je die tiefe Heilsbedeutung der menschlichen Identität, die uns als Frauen und Männer geschenkt ist, indem Gott uns als Einheit von Leib und Seele, Körper und Geist erschaffen und gewollt hat. Stellen Sie sich bloß einmal vor, wie es um unser Heil bestellt wäre, wenn Maria ihr Frausein nicht hätte annehmen wollen oder Jesus nicht sein Mannsein. Das ist ja kein Zufall, der auch beliebig hätte ausgetauscht werden können, dass der Sohn Gottes als Mann, eben als Sohn des Vaters und als Bräutigam seiner Kirche, zu uns Menschen gekommen ist. Und es ist kein Zufall, der auch beliebig hätte ausgetauscht werden können, dass Maria als Frau geboren wurde, und dass sie als Frau zugleich Mutter und Jungfrau war und immer geblieben ist. Stellen wir uns nur einmal einen Augenblick lang vor, wie es um uns und unser Heil bestellt wäre, wenn Maria – von einer Genderideologie manipuliert und fehlgeleitet – zum Erzengel Gabriel bei der Verkündigung des Herrn gesagt hätte: „Ach nein! Einen Sohn soll ich gebären und ihm den Namen Jesus geben? Ach nein! Das passt ja gar nicht zu mir. Ich mag vielleicht biologisch als Mädchen geboren worden sein, aber ich möchte eigentlich viel lieber mein Geschlecht und meine sexuelle Identität selbst bestimmen!“

Die Konsequenzen einer solch abwegigen und aberwitzigen Reaktion Marias auf die Verkündigung des Herrn durch den Erzengel Gabriel wären katastrophal: Wir Menschen müssten immer noch auf unseren Erlöser und Retter warten! Danken wir Gott heute von ganzem Herzen, dass Maria ihre Identität so angenommen hat, wie sie ihr von Gott her zugedacht und geschenkt war, dass sie sich als Frau angenommen und in ihrer Einheit von Leib und Seele als gottgewollt erfahren hat. Und dass Gott sie am Ende ihres irdischen Lebens ganz bewusst in ihrem Einssein von Leib und Seele zu sich in den Himmel aufgenommen hat. Das Hochfest der mit Leib UND Seele in den Himmel aufgenommenen Gottesmutter Maria widerlegt also sozusagen vom Himmel her die Irrlehre der Gendertheorie, der heute anscheinend immer mehr zum Opfer fallen. Bitten wir Maria um ihre Fürsprache bei ihrem Sohn, dass den Menschen unserer Zeit auf der Suche nach ihrer ganzheitlichen Identität die Klarheit und Wahrheit geschenkt werde, die Maria selbst in höchstem Maße ausgezeichnet hat.

Der Katechismus der Katholischen Kirche formuliert die Glaubenswahrheit, dass Gott den Menschen zu seinem Abbild als Mann und Frau erschaffen hat, folgendermaßen: „Die nach dem Bilde Gottes erschaffene menschliche Person ist ein zugleich körperliches und geistiges Wesen. Der ganze Mensch ist von Gott gewollt. Der Leib des Menschen hat an der Würde des Seins nach dem Bilde Gottes teil: er ist eben deswegen menschlicher Leib, weil er durch die geistige Seele beseelt wird. Die menschliche Person ist als ganze dazu bestimmt, im Leibe Christi zum Tempel des Geistes zu werden. Die Einheit von Seele und Leib ist so tief, dass man die Seele als die ‚Form‘ des Leibes zu betrachten hat, das heißt, die Geistseele bewirkt, dass der aus Materie gebildete Leib ein lebendiger menschlicher Leib ist. Im Menschen sind Geist und Materie nicht zwei vereinte Naturen, sondern ihre Einheit bildet eine einzige Natur“ (KKK 362-365). Diese Wahrheit über den Menschen an sich wird in Maria, dem ersten vollerlösten Geschöpf, allen offenkundig. Und in ihrer ganzheitlichen, ganzmenschlichen Vollendung mit Leib und Seele bei Gott zeigt sich die Heilsbedeutung der Identität des Geschöpfes "Mann" und "Frau" in beeindruckender Weise.

So lasst uns nun mit den Worten der Liturgie des heutigen Hochfestes voll Freude und Dankbarkeit zu Maria beten:

„Ganz schön bist Du, Maria,
und kein Makel ist an Dir!
Du bist die Frau,
mit der Sonne umkleidet,
den Mond zu ihren Füßen,
auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen.

Des ewigen Lichtes Abglanz bist Du,
Du göttlichen Wirkens leuchtender Spiegel,
Du Abbild der göttlichen Güte!

Und gesegnet bist Du vom Herrn.
Des Lebens Frucht ward uns durch Dich zuteil.

Erhoben bist Du, Mutter des Herrn,
über die Chöre der Engel.
Des Paradieses Pforten stehen uns wieder offen
durch Dich, Maria,
die Du heute glorreich mit den Engeln triumphierst!

Kommt, lasst uns anbeten den König der Könige!
Denn heute ist seine jungfräuliche Mutter aufgenommen
in den ewigen Himmel.

Heute ist Maria gen Himmel gefahren.
Des freuen sich die Engel,
lobsingend preisen sie den Herrn.
Freut euch, denn mit Christus herrscht sie auf ewig!“ Amen.

Thomas Maria Renz (Archivfoto), Weihbischof in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, hielt diese Predigt an Maria Himmelfahrt in Wigratzbad. kath.net dankt Weihbischof Renz für die freundliche Erlaubnis, diese Predigt zu veröffentlichen.

Weihbischof Thomas Maria Renz/Diözese Rottenburg-Stuttgart




Foto © kath.net/Petra Lorleberg



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