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Ist hier noch Demokratie und Meinungsfreiheit oder nicht mehr?

13. August 2015 in Interview, 52 Lesermeinungen
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Kath.net-Interview mit Birgit Kelle über die Einstweilige Verfügung gegen den 'Spiegel', Rassismus bei der Zeitung "Freitag", Rufschädigung gegen CDU-Mitglieder in der Kirche und Murks bei Andreas Püttmann


Linz (kath.net/rn/kk/red)
Kath.net: Frau Kelle, Sie haben eine Einstweilige Verfügung gegen das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ erwirkt. Warum sind Sie so dünnhäutig?

Birgit Kelle: Wenn ich dünnhäutig wäre, hätte ich mich längst aus den politischen Auseinandersetzungen um Familienthemen zurückgezogen. Seit ich vor drei Jahren begonnen habe, mich für die Rechte von Familien und Alleinerziehenden zu engagieren, bin ich Dutzende Male beleidigt, beschimpft und mehrfach auch bedroht worden, ohne dass ich mich dagegen juristisch zur Wehr gesetzt habe. Aber irgendwann fängt es an zu nerven, wenn interessierte Kreise und leider einige wenige, aber einflussreiche, Medien ein Zerrbild von mir zeichnen, das mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat.

Kath.net: Sind Sie denn gar nicht politisch rechts?

Birgit Kelle: Nicht die Bohne. Das Lebensmodell, das ich verteidige, leben nach offiziellen Zahlen etwa 70 Prozent der erwachsenen Deutschen. Wenn die auch noch alle zu Rechtsradikalen erklärt werden, müssen wir uns wirklich Sorgen machen. Die Wahrheit ist: Ich bin für eine freie und weltoffene Gesellschaft, in der jede und jeder nach seiner Facon glücklich werden soll. Ob jemand heterosexuell oder homosexuell ist, interessiert mich nicht. Alles, was ich möchte, ist, dass diejenigen Frauen und Familien, die sich für Kinder entscheiden und diese mit großem Einsatz und viel Liebe erziehen, nicht vom Staat benachteiligt werden. Ich bin dafür, dass der Staat diejenigen, die Kinder bekommen, bevorzugt, mindestens aber nicht benachteiligt. Das passiert leider heute in Deutschland, und das ist mein Thema.


Kath.net: Aber es heißt, Sie seien dafür, dass Frauen zurück an den heimischen Herd müssen und nur Männer Karriere machen dürfen…

Birgit Kelle: Auch so ein Zerrbild, dem ich ja auch selbst nicht entspreche. Oder mache ich den Eindruck, ein „Heimchen am Herd“ zu sein?

Kath.net: Also, nicht wirklich…

Birgit Kelle: Ich freue mich über jede Frau, die erfolgreich ist. Aber ich möchte, dass nicht nur Erfolg im Beruf bei der Beurteilung der Lebensleistung von Frauen zählt, sondern auch die sogenannte Familienarbeit. Mütter arbeiten auch, nur sie werden nicht dafür bezahlt.

Kath.net: Wie erklären Sie sich, dass man versucht, Sie persönlich zu diskreditieren?

Birgit Kelle: Das hat wohl mit der angeblichen Gesetzmäßigkeit zu tun, dass man unliebsame Meinungen erst zu ignorieren versucht, dann lächerlich zu machen versucht, und schließlich die Vertreter persönlich zu vernichten versucht. Es gibt dafür mehrere Beispiele. Wenn Sie in linken Internetforen lesen, wären Sie erstaunt, wie viele Leute sich darüber mockieren, dass jemand wie ich überhaupt in Zeitungen interviewt oder in Fernsehrunden eingeladen wird. Jemand wie ich, die sich doch tatsächlich erdreistet, das Lebensmodell der großen Mehrheit gegen Angriffe zu verteidigen.

Kath.net: Hat eigentlich ein Journalist vom „Spiegel“ mal bei Ihnen wegen eines Interviews oder einer Stellungnahme angerufen?

Birgit Kelle: Nein, noch nie.

Kath.net: Gibt es andere Medien, von denen Sie sich ungerecht behandelt fühlen?

Birgit Kelle: Ja, aber es sind nur wenige, das muss man auch mal sagen. Ich mache mir den pauschalen Vorwurf einer „Lügenpresse“ nicht zu Eigen. Viele haben sehr fair und ehrlich interessiert an meinen Ansichten berichtet, etwa Focus, Welt, FAZ, BILD, WAZ oder Cicero, ja sogar die linksalternative TAZ über mein erstes Buch. Auch in den meisten Talkshows im Fernsehen komme ich ausreichend zu Wort. Aber wenn ich zum Beispiel lese, dass jetzt im Blog der linken Wochenzeitung „Freitag“ jemand schreiben darf, ich stammte ja aus Osteuropa und sei deshalb wohl ein wenig rückständig im Denken, dann ist das nichts als unverhohlener Rassismus. Würde ich so etwas über irgendeine Gender-Professorin schreiben, stünde die Anti-Diskriminierungsstelle bei mir auf der Matte.

Kath.net: In dem „Spiegel“-Artikel wird auf eine Studie der Konrad Adenauer Stiftung Bezug genommen, in der es um rechte Netzwerke in der katholischen Kirche geht….

Birgit Kelle: Ja, schon erstaunlich, dass eine der CDU nahestehende Stiftung Strickmuster entwirft, um Rufschädigung gegen einzelne CDU-Mitglieder in den Kirchen zu betreiben. Inhaltlich lohnt sich eine Auseinandersetzung mit dem Pamphlet nicht, da es allenfalls seine wirklich bemerkenswerte Unwissenschaftlichkeit auszeichnet. Eigentlich erstaunlich, dass ein früher von mir durchaus geschätzter Autor wie Herr Püttmann sich für so einen Murks hergibt.

Kath.net: Haben Sie Hoffnung, dass sich die Auseinandersetzungen um Sie und Ihre Themen irgendwann wieder versachlichen werden?

Birgit Kelle: Nein, und ich sage Ihnen auch warum. Obwohl es von mir zwei Bücher und zahlreiche Veröffentlichungen in Medien und Internet gibt, fällt doch auf, dass keiner von denen, die versuchen, mich als gefährliche Rechte hinzustellen, bisher auch nur ein einziges Zitat, einen Satz nur, vorweisen konnte, der diesen Vorwurf belegt. Das ist deshalb so, weil es einen solchen Satz nicht gibt. Sondern da sind eine Handvoll Leute, die sich gegenseitig zitieren und darüber philosophieren, wie ich wohl sein müsse. Letztens schrieb tatsächlich jemand in einem Internetforum nach einer Fernsehsendung über mich den schönen Satz: „Sie hat das zwar nicht gesagt, aber wir wissen ja, wie sie das meint.“ Ist das nicht irre? Andere bemängeln, dass ich immer so freundlich und betont sachlich rede. Und neuerdings kommt noch hinzu: Mit wem hat sie mal gesprochen, wo schreibt sie, was liest sie, wen kennt sie? Also, liebe Freunde: Ist hier noch Demokratie und Meinungsfreiheit oder nicht mehr?

Kath.net: Herzlichen Dank für das Interview





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