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Die Kirchen in der Schweiz sind Scheinriesen

24. Juni 2015 in Kommentar, 3 Lesermeinungen
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Es wird Zeit, diese Entwicklungen in Kirche und Staat zur Kenntnis zu nehmen. Und das bedeutet: Man muss die verbliebenen Indianer zählen, nicht länger die kirchlichen Strukturen. Gastkommentar von Generalvikar Martin Grichting


Chur (kath.net/Tagesanzeiger) Kürzlich hat der frühere Basler Münsterpfarrer Bernhard Rothen davon gesprochen, reformierte Kirchenleute seien „Häuptlinge ohne Indianer“. Nach so viel Ehrlichkeit von reformierter Seite darf man sich katholischerseits nicht lumpen lassen. Und es ist auch gar nicht schwierig, da mitzuhalten. Denn die Schweizer Bischofskonferenz hat bekanntlich zu Händen der römischen Bischofssynode über Ehe und Familie zwei Umfragen bei ihren Gläubigen durchführen lassen. Was da über den Zustand der katholischen Kirche in der Schweiz zu Tage gefördert wurde, zeigt ein ähnliches Bild wie bei den Reformierten. Einer italienischen Nachrichtenagentur blieb angesichts der schieren Abständigkeit hiesiger Kirchenmitglieder von zentralen Inhalten der katholischen Glaubenslehre schlicht die Frage, was denn von der katholischen Kirche in der Schweiz noch übriggeblieben sei.

Die katholische Kirche hierzulande lässt sich heute wohl am besten vergleichen mit der literarischen Figur des Herrn Tur Tur. Erfunden hat sie Michael Ende in seinem Kinderbuch „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“. Herr Tur Tur ist an sich ein friedlicher Mensch. Er hat nur ein Problem: Er ist ein so genannter Scheinriese. Wenn er vor einem steht, hat er normale Größe. Wenn er sich jedoch entfernt, wird er nicht – wie zu erwarten wäre − immer kleiner, sondern er scheint immer grösser zu werden. Die Umfrage der Bischofskonferenz hat nun die kirchlichen Verhältnisse von nahem betrachtet. Und so können alle erkennen, dass der Riese nur ein Scheinriese ist: die tatsächliche Bedeutung ist viel kleiner, als man von Ferne vermuten würde.


Angesichts dessen kommen einem Sonntagsreden von Politikern auf die herausragende gesellschaftspolitische Bedeutung der Kirchen immer bizarrer vor. Wenn solche Schalmeienklänge zu hören sind, muss man sich fragen, wann diese Politiker zum letzten Mal eine Kirche von innen gesehen haben. Vermutlich zehren sie noch von ihren Erinnerungen aus der Kindheit. Zudem kontrastiert ihr Reden mit ihrem politischen Handeln. Denn entgegen ihren Behauptungen treiben sie die Trennung von Kirche und Staat munter voran, indem sie mit hoher Kadenz alles abreißen, was bisher christliche Grundüberzeugungen im Alltag der Menschen noch konkret werden ließ: Der Schutz des Sonntags und der christlichen Feiertage wird pulverisiert. Kirchlicher Religionsunterricht wird durch Religionskunde ersetzt und damit seines verkündenden Charakters beraubt. Die Exit-Strategie am Ende des Lebens wird salonfähig gemacht. Die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau wird zu einer Option unter vielen. Und der Stimmbürger gibt kräftig Sukkurs, zuletzt mit der Zustimmung zum Verfassungsartikel für die Verhütung erbkranken Nachwuchses.

Es wird Zeit, diese Entwicklungen in Kirche und Staat zur Kenntnis zu nehmen. Und das bedeutet: Man muss die verbliebenen Indianer zählen, nicht länger die kirchlichen Strukturen. Letztere gaukeln das Bild eines Scheinriesen vor. Damit ist niemandem gedient. Denn der Staat stützt sich auf Verbündete, die nicht mehr leisten, was sie versprechen und wofür sie bezahlt werden. Und auch den Kirchen schadet ihre Scheinriesenexistenz: Sie sehen sich gezwungen, ihre nicht mehr zu rechtfertigenden Besitzstände zu bewahren durch eine noch stärkere Anpassung an den gesellschaftlichen Mainstream und durch ein immer weitergehendes Verwässern ihrer Inhalte. Es müsste ihnen doch zu denken geben, dass sie in bioethischen und familienpolitischen Fragen sowie betreffend die Suizidbeihilfe mittlerweile sogar als zivilreligiöse Moralinspender entbehrlich geworden sind. Was angesichts dieser Lage das richtige Rezept für die reformierten Häuptlinge ist, kann ein Katholik nicht beantworten. Die katholische Kirche in der Schweiz soll jedoch dem Weg folgen, der ihr vorgezeichnet ist: Kirche in der Weltkirche zu sein und deren „Programm“ integral zu vertreten. Getragen von dieser globalen Einheit wird sie gesellschaftlich relevant blieben, auch wenn sie mittlerweile als Scheinriese entlarvt ist.

Dr. Martin Grichting (Foto) ist der Generalvikar des Bistums Chur.

Foto (c) Bistum Chur


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