11 April 2015, 18:25
Indiktion des außerordentlichen Heiligen Jahres der Barmherzigkeit
 
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Franziskus: Warum heute ein Jubiläum der Barmherzigkeit begehen? Ganz einfach, weil die Kirche in dieser Zeit großer epochaler Veränderungen gerufen ist, die Zeichen der Gegenwart und Nähe Gottes vermehrt anzubieten. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Am heutigen Samstag stand Papst Franziskus um 17:30 Uhr der ersten Vesper zum Festtag der Göttlichen Barmherzigkeit in der Petersbasilika vor. Vor dem Gottesdienst wurde vor der Heiligen Pforte die Indiktionsbulle Misericordiae Vultus des außerordentlichen Heiligen Jahrs der Barmherzigkeit (8. Dezember 2015 – 20. November 2016) überreicht und verlesen.

In Begleitung der Kardinäle begab sich der Papst in das Atrium der Basilika und überreichte die Bulle vor der Heiligen Pforte den Erzpriestern der vier Päpstlichen Basiliken (Sankt Peter, St. Johannes im Lateran, Sankt Paul vor den Mauern, San Santa Maria Maggiore).

Um symbolisch alle Bischöfe der Welt zu erreichen, wurde je eine Ausgabe der Bulle dem Präfekten der Kongregation für die Bischöfe, Marc Kardinal Ouellet, dem Präfekten der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, Fernando Kardinal Filoni, und dem Präfekten der Kongregation für die Ostkirchen, Leonardo Kardinal Sandri überreicht.

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Stellvertretend für den ganzen Osten erhielt die Bulle der in Hong Kong geborene Sekretär der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, Erzbischof Savio Hon Tai-Fai. Für den afrikanischen Kontinent wurde sie vom Sekretär des Päpstlichen Rates für die Kultur, Erzbischof Barthélemy Adoukonou (Benin), im Empfang genommen. Für die Ostkirchen überreichte Franziskus die Bulle Msgr. Khaled Ayad Bishay der Patriarchalkirche von Alexandrien der Kopten.

Der Eröffnungsritus des „Heiligen Jahres der Barmherzigkeit“ wird in der Öffnung der Heiligen Pforte am 8. Dezember bestehen. Dabei handelt es sich um eine große Tür, die nur in einem Heiligen Jahr geöffnet wird und ansonsten zugemauert oder zugeschlossen bleibt. Eine solche Heilige Pforte haben die vier großen Basiliken in Rom: der Petersdom, die Lateranbasilika, Sankt Paul vor den Mauern und Santa Maria Maggiore. Zuerst wird die Öffnung der Heiligen Pforte in Sankt Peter durch den Papst erfolgen, danach die der anderen Basiliken. Die Heilige Pforte des Petersdoms ist erst 65 Jahre alt. Dank persönlicher Kontakte des damaligen Leiters der Bauhütte von Sankt Peter, des deutschen Prälaten Ludwig Kaas, wurde die neue Pforte vom Bistum Basel gestiftet.

„Eine Frage beschäftigt die Herzen vieler“, so der Papst in seiner Predigt zum Vespergottesdienst: „Warum heute ein Jubiläum der Barmherzigkeit begehen? Ganz einfach, weil die Kirche in dieser Zeit großer epochaler Veränderungen gerufen ist, die Zeichen der Gegenwart und Nähe Gottes vermehrt anzubieten. Dies ist nicht die Zeit für Ablenkung, sondern im Gegenteil um wachsam zu bleiben und in uns die Fähigkeit, auf das Wesentliche zu schauen, wieder zu erwecken. Es ist die Zeit für die Kirche, den Sinn des Auftrags wieder neu zu entdecken, den der Herr ihr am Ostertag anvertraut hat: Zeichen und Werkzeug der Barmherzigkeit des Vaters zu sein“.


Predigt von Papst Franziskus bei der ersten Vesper zum Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit mit der Übergabe der Indiktionsbulle des außerordentlichen Heiligen Jahres der Barmherzigkeit „Misericordiae Vultus“:

Brüder und Schwestern,

in uns allen klingt noch der Gruß des auferstandenen Jesus an seine Jünger am Abend des Ostertages nach: „Friede sei mit euch!“ (Joh 20,19). Vor allem in diesen Wochen bleibt der Friede nur ein Wunsch für so viele Völker, die die unerhörte Gewalt der Diskriminierung und des Todes erleiden, nur weil sie den Namen Christen tragen. Unser Gebet wird noch eindringlicher und zu einem Hilfeschrei zum Vater, der voll Erbarmen ist, dass er den Glauben so vieler leidender Brüder und Schwestern stütze. Zugleich bitten wir, dass er unsere Herzen verwandle, um von der Gleichgültigkeit zum Mitleid zu gelangen.

Der heilige Paulus hat uns daran erinnert, dass wir im Geheimnis des Todes und der Auferstehung des Herrn Jesus errettet wurden. Er ist der Versöhner, der in unserer Mitte lebt, um den Weg der Versöhnung mit Gott und unter den Brüdern und Schwestern zu schenken. Der Apostel ruft in Erinnerung, dass trotz der Schwierigkeiten und Leiden im Leben die Hoffnung auf das Heil, welche die Liebe Christi in unsere Herzen gesät hat, dennoch wächst. Gottes Barmherzigkeit ist in uns ausgegossen, macht uns gerecht und schenkt uns Frieden.

Eine Frage beschäftigt die Herzen vieler: Warum heute ein Jubiläum der Barmherzigkeit begehen? Ganz einfach, weil die Kirche in dieser Zeit großer epochaler Veränderungen gerufen ist, die Zeichen der Gegenwart und Nähe Gottes vermehrt anzubieten. Dies ist nicht die Zeit für Ablenkung, sondern im Gegenteil um wachsam zu bleiben und in uns die Fähigkeit, auf das Wesentliche zu schauen, wieder zu erwecken. Es ist die Zeit für die Kirche, den Sinn des Auftrags wieder neu zu entdecken, den der Herr ihr am Ostertag anvertraut hat: Zeichen und Werkzeug der Barmherzigkeit des Vaters zu sein (vgl. Joh 20,21-23).

Deswegen soll das Heilige Jahr den Wunsch lebendig halten, die vielen Zeichen der Zärtlichkeit begreifen zu können, die Gott der ganzen Welt anbietet, vor allem denen, die in Leid sind, die allein und verlassen und auch ohne Hoffnung sind, vom Vater Vergebung zu erlangen und sich von ihm geliebt zu wissen.

Ein Heiliges Jahr, um in uns die Freude tiefer zu verspüren, dass wir von Jesus wieder gefunden wurden, der als Guter Hirt gekommen ist, uns zu suchen, weil wir uns verirrt hatten.

Ein Jubiläum, um die Wärme seiner Liebe zu spüren, wenn er uns auf seine Schultern nimmt, um uns zum Haus des Vaters zurückzubringen.

Ein Jahr, in dem wir vom Herrn Jesus berührt und von seiner Barmherzigkeit verwandelt werden, damit auch wir zu Zeugen der Barmherzigkeit werden.

Das ist der Grund für das Jubiläum, denn dies ist die Zeit der Barmherzigkeit. Es ist eine gute Zeit, um die Wunden zu heilen, um nicht müde zu werden, denen zu begegnen, die darauf warten, die Zeichen der Nähe Gottes zu sehen und mit der Hand zu berühren, um allen, allen den Weg der Vergebung und der Versöhnung anzubieten.

Maria, die Mutter der göttlichen Barmherzigkeit, öffne unsere Augen, damit wir die Aufgabe verstehen, zu der wir gerufen sind; und sie erwirke uns die Gnade, dieses Jubiläum der Barmherzigkeit in einem treuen und fruchtbaren Zeugnis zu leben.


Misericordiae Vultus – Indiktionsbulle des außerordentlichen Jubiläums der Barmherzigkeit



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