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'Christ & Welt' und die 'säuselnde Beschreibung eines Mordes'

30. März 2015 in Aktuelles, 11 Lesermeinungen
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„Christ und Welt“ bringt als Beitrag zur Sterbehilfediskussion einen drastischen „Tatsachenbericht“: Der Vater hielt der Mutter „mit der Hand die Nase zu, mit der Linken den Kiefer, dass sie nicht mehr durch den Mund atmen konnte“, bis sie tot war.


Bonn (kath.net) Es sei ein „Tatsachenbericht“, behauptet „Christ & Welt“, Beilage in der „Zeit“, und lässt eine Frau in „Ich-Form“ detailliert beschreiben, wie ihr Vater ihre Mutter von Hand tötet. „Vater nahm meiner Mutter das Sauerstoffgerät aus der Nase und hielt ihr mit der rechten Hand die Nase zu, mit der Linken den Kiefer, dass sie nicht mehr durch den Mund atmen konnte. Mit seiner rechten Hand verdeckte er auch ihre Augen, ich wollte aber ihre Augen sehen können, ich wusste nicht, wie ein Mensch reagiert, wenn er erstickt wird.“ Die Autorin unter dem von der Redaktion veränderten Namen Katharina Liebermann berichtete in dem vom C&W-Redakteur Hans-Joachim Neubauer aufgezeichneten Bericht weiter, dass sie ihrer Mutter während des Ersticktwerdens tröstend die Hände hielt. Sie habe erwartet, ihre Mutter werde vielleicht versuchen, „sich von unseren Händen zu befreien. Aber ich musste keine besonders starke Kraft aufwenden. Das war ein Händchenhalten, mit beiden Händen hielt ich ihre Hände, streichelte sie und sagte: ‚Mama, gleich bist du erlöst. Irgendwann werden wir uns wiedersehen. Dann können wir darüber noch mal reden.‘ Fast drei Minuten dauerte das. Mein Vater musste all seine Kraft aufwenden, weil der Wille, der Reflex, den Mund zu öffnen und zu atmen, extrem stark ist. Ich spürte, wie ihre Kraft nachließ. Irgendwann waren ihre Hände kraftlos. Langsam nahm mein Vater meiner Mutter die Hand von Nase und Kiefer…“ „Wir beugten uns über meine Mutter, um zu prüfen, ob noch Atmung zu spüren war. Mein Vater suchte nach dem Puls. Wir guckten uns an, wollten uns gerade hinsetzen, mein Vater auf der einen Seite des Bettes, ich auf der anderen. In dem Moment zog meine Mutter wieder nach Luft. Wir sprangen auf, und mein Vater hielt ihr noch mal Nase und Mund zu, wieder für eine halbe Minute. Dann war es endgültig vorbei.“


Die Mutter wurde im Bericht als Vollzeitpflegefall mit fortgeschrittener Krebserkrankung vorgestellt, die sich bereits im Hospiz befand. Sie habe sich den Freitod gewünscht und mehrfach darüber gesprochen. Der Versuch, die Mutter auf ihren ausdrücklichen Wunsch hin in einen narkoseähnlichen Zustand zu versetzen, sei gescheitert.

In der Nacht nach dem Tod der Mutter machten Vater und Tochter einen Spaziergang durch das Dorf. Der Vater sagte: ‚Sollte das jemals rauskommen – für Mama bin ich bereit, in den Bau zu gehen.“ Die Tochter antwortete: ‚Kein Richter dieser Welt wird Vater und Tochter schuldig sprechen, die der sterbenskranken Frau und Mutter über die letzte Hürde helfen.‘ Am nächsten Morgen gingen Vater und Tochter nochmals zum Leichnam der Mutter. „Meine Mutter hatte sich nicht so sehr zum Nachteil verändert, wie ich das befürchtet hatte. Ich konnte meiner kalten Mama noch ein Küsschen auf die Backe geben. Das war ein schönes Abschiednehmen.“

Die Beziehung zwischen Vater und Tochter geriet nach dieser Tat in eine Krise. „Ich hätte mir gewünscht, dass es ein Gespräch gibt zwischen uns. Mein Vater hat die Auseinandersetzung über dieses Ereignis mit mir von sich aus nie geführt. Später einmal war er erstaunt, dass ich nie Zweifel hatte an dem, was wir getan haben. Er würde auch nicht sagen, dass er damit hadere, aber er würde es als eine Form von Hadern begreifen, wenn man erschrocken ist darüber, was ein Mensch mit seinen bloßen Händen machen kann. Er glaubt nach wie vor, man hat das Richtige getan, aber die Tatsache, dass man dazu in der Lage war, macht ihn weiterhin fassungslos. Ich versuchte, ihn zu beruhigen, und sagte: ‚Papa, es gibt Menschen, die begehen einen Mord aus Boshaftigkeit, aus Habgier, aus niederen Beweggründen, aber wir haben es gemacht, um Mama zu erlösen. Ich selbst habe nie mit dem gehadert, was wir gemacht haben, ich habe nur bereut, dass ich nicht eher dazu in der Lage war.‘

Der „Bericht“ ist in der Wochenzeitung „Christ & Welt“ nicht unbedingt klein aufgemacht. Deutlich kleiner und durchaus leichter zu übersehen sind allerdings die hinführenden Bemerkungen von C&W-Redaktionsleiterin Christiane Florin. Florin, die sich gemäß Angaben von C&W u.a. „dem rheinischen Katholizismus“ verbunden fühlt, erläutert wörtlich: „Der nebenstehende Artikel schildert eine Straftat aus der Sicht der Täterin“. Auch die Redaktion habe sich gefragt: „Warum veröffentlichen wir einen solchen einseitigen Beitrag? Propagieren wir damit die Tötung auf Verlangen, gerade jetzt, da in Deutschland intensiv über das Thema Sterbehilfe diskutiert wird?“ Doch Journalisten seien „Anwälte der Wirklichkeit“, behauptete Florin, und die Wirklichkeit bestehe in diesem Fall darin, dass es die Tötung sterbender Angehöriger „häufiger gebe, als es die Kriminalstatistik erfasst. Wir als Redaktion machen uns nicht gemein mit der Tochter, aber wir wollen wissen, welche Gespräche und welche Situationen dieser Entscheidung vorausgegangen sind. Wir zeichnen hier einen Fall nach, an dem auch die Grenzen des öffentlichen Argumentierens sichtbar werden“, denn die öffentliche Selbstverständigung über das Sterben sei notwendig. Was geschieht mit uns, fragt Florin, wenn der Satz „Ich will so sterben, wie ich will“ zum ethischen Leitprinzip erhoben werde? Diese Woche wolle die C&W-Redaktion über geschilderten Fall „berichten, nicht richten“, in der nächsten Ausgabe wolle sie der Diskussion „breiten Raum einräumen“.

Scharfe Kritik an dem Artikel äußerte der Journalist Matthias Matussek. Er warf „Christ & Welt“ „die säuselnde Beschreibung eines Mordes“ vor. Auf Facebook zog der Beitrag starke Reaktionen nach sich. Ein Nutzer des sozialen Netzwerkes schlug vor, dass „Christ & Welt“ das Wort „Christ“ streichen solle. Ein anderer äußerte, dass man über das Tötungsverbot für Christen nicht debattieren könne. Eine dritte Person stellte die Verbindung zum Ausspruch des Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode her. Bode hatte gefordert, dass die Lebenswirklichkeit der Menschen neben Schrift und Tradition als dritte Offenbarungsquelle verstanden werden sollte und immerhin habe Florin Journalisten als „Anwälte der Wirklichkeit“ bezeichnet. Ein vierter Nutzer des sozialen Netzwerkes erwähnte, dass „C&W“ zwar eine Debatte über dieses Thema anstoßen wolle, es aber tunlichst vermieden habe, den anstoßerregenden Beitrag online zu stellen und damit für eine breitere Öffentlichkeit verfügbar zu machen.

Die Redaktion der aus der aufgegebenen katholischen Zeitung „Rheinischer Merkur“ hervorgegangenen Wochenbeilage der „Zeit“ „Christ & Welt“. Sitz der Redaktion ist im Katholischen Medienhaus in Bonn, „dreipunktdrei“, eine Tochter der „Katholischen Nachrichtenagentur“, ist Kontentlieferant. Inwieweit sich deutsche Bistümer obendrein direkt an der Finanzierung von C&W beteiligen, ist bisher unklar. In der Ausgabe der vergangenen Woche ließ C&W bereits über Abtreibung diskutieren, Hannes Leitlein, Redaktionsmitglied und Student der evangelischen Theologie, vertrat die Pro-Abtreibung-Position, kath.net hat berichtet.


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