30 März 2015, 11:30
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Wie ein KNA-Hintergrundbericht über kath.net zur Peinlichkeit gerät. kath.net-Kommentar von Peter Winnemöller

Geseke (kath.net) Das hat gesessen. In einem Hintergrundbericht stellt Joachim Heinz, bei KNA verantwortlich für das Ressort Inland, erst mal klar was es mit kath.net auf sich hat. Die brauchen Geld, rufen auf zu Spenden und bedanken sich dafür mit einem „Vergelts Gott“.

Wäre das nicht schon dreist genug, einfach Geld einzusammeln, so geht es dann ans Eingemachte. Zwei ganze Artikel werden exemplarisch erwähnt, vier Autorennamen werden willkürlich genannt, Verflechtungen der Redaktion mit dem „im weitesten Sinne konservativen Spektrum“ gebrandmarkt. Konservativ kann man in diesem Kontext als Schimpfwort auffassen, auch wenn es für sich genommen keines ist. Unterstützer von kath.net werden genannt oder angedeutet. Mit welchem Ziel? Will man jeden, der kath.net unterstützt auch in das „im weitesten Sinne konservative Spektrum“ einsortieren? Und wenn ja, ist es neuerdings verboten?

Der Artikel dient erkennbar gerade der Art Polarisierung, die der Autor selber – natürlich bei kath.net – anmahnt. Doch letztendlich bleibt der Artikel sehr an der Oberfläche und ist von Hintergrundinformationen weit, sehr weit entfernt. Schon auf den ersten Blick fallen eine Reihe vermeidbarer Schnitzer auf.

Frau Bonelli ist inzwischen verheiratet und heißt nicht mehr Fender, man hätte das wissen können. Ihre Artikel sind namentlich gekennzeichnet. Mein eigener Kommentar, von dem ein einziger Satz blindlings aus dem Zusammenhang gerissen wurde, beschäftigt sich mit aktuellen Indiskretionen im Bistum Limburg und den Folgen in den Medien. Die Folgen des Finanzskandals spielen in dem Artikel keine Rolle. Man hätte das wissen können, hätte man den Artikel gelesen. Bischof Oster prangerte gerade nicht die inhaltliche Ausrichtung von kath.net an. Mit dieser stimmt er nämlich in seinen eigenen Veröffentlichungen durchaus überein. Man hätte das wissen können, Facebook-Seiten sind öffentlich und auch ohne eigenen Account sichtbar.

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Ein willkürlich aus einem beliebigen Kommentar gerissener Satz dient dem Autor als Beleg für eine Sprache nahe an kreuz.net. Dass es auch andere Kommentare gibt, interessiert nicht. Und natürlich tauchen wie aus dem Nichts die Begriffe "homophob" und "antisemitisch" auf, sie werden zwar nicht direkt mit kath.net in Verbindung gebracht, aber die Stinkbombe ist geworfen. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt.

Wer in die Kommentarbereiche von öffentlich-rechtlichen Medien und Onlineportalen großer Zeitungen und Magazine schaut, findet Kommentare, die noch weit, sehr weit, unter dem hier kritisierten Niveau liegen. Wo bleibt die Kritik daran? Grenzziehungen in Kommentarbereichen sind heikel. Das weiß jeder, der Kommentare moderieren muss. Wie viel Meinungsfreiheit dürfen und müssen wir akzeptieren? Diese Frage kann mutiger oder skrupulöser beantwortet werden. KNA- Redakteure sind natürlich weit von einer solchen Wirklichkeit unserer modernen Medienwelt entfernt. Man kann es ihnen daher wohl nicht verübeln, wenn sie kein Verständnis dafür aufbringen und selektiv urteilen, wie es gerade passt.

Keine Erwähnung findet natürlich die Tatsache, dass kath.net regelmäßig als einziges Portal im deutschsprachigen Raum Predigten, Ansprachen und Katechesen von Papst Franziskus im Wortlaut dokumentiert. Das passt nicht ins Bild, das hier gezeichnet werden soll. Ins Bild passt auch nicht, dass kath.net sehr wohl eine recht große Bandbreite an Berichten veröffentlicht. Allein am Tag, als der hier kritisierte Artikel über die Ticker lief, hat kath.net 14 Artikel mit komplett unterschiedlicher Ausrichtung und Themensetzung veröffentlicht. Die selektive Wahrnehmung und Auswertung dient auch hier wieder nur der Polemik contra kath.net. Es ist zu durchsichtig.

Die Gegenfrage sei erlaubt: Wie hält es die KNA mit der geforderten Vielfalt? Da wird einerseits pflichtschuldigst jede Pressemeldung von „Wir sind Kirche“ über die Ticker gejagt und immer wieder gerne macht man sich zum Sprachrohr von Hans Küng, in letzter Zeit bevorzugt im Hinblick auf seine Euthanasiepropaganda. Ein grundlegendes Interview von Kardinal Cordes findet hingegen keine Erwähnung. Gut zu wissen!

Der polarisierende, sehr oberflächlich recherchierte "Hintergrundbericht" über ein privat betriebenes, durch Spenden finanziertes Nachrichtenportal gibt Rätsel auf. Warum arbeitet sich ein verantwortlicher Redakteur einer namhaften deutschen Nachrichtenagentur in 4000 Zeichen daran ab und jagt dann einen solchen Ententeich als Hintergrund deklariert über den Ticker? Gerade in Agenturen sollte man sich bewusst sein, dass deren Artikel und Meldungen nicht selten ungeprüft in Zeitungen, Internetportale und Magazine übernommen werden. Der lausige Zeitdruck in den Redaktionen ist allgemein bekannt.

Es fällt schwer, die Absicht einem ungeliebten Player eins auszuwischen hier zu übersehen. Bei Licht betrachtet ist ein solcher Artikel und die allzu auffällige Intention dahinter einfach nur peinlich und einer renommierten Nachrichtenagentur nicht angemessen.

UPDATE
kath.net dokumentiert den KNA-Artikel im Wortlaut:

«Die problematischen Dinge nicht verschweigen»
kath.net zwischen «Schönheit der Kirche» und «Scharia-Diktatur». Von Joachim Heinz (KNA)


Linz (KNA) In diesen Tagen sammeln sie wieder: Die Macher der «größten deutschsprachigen katholischen Internetseite im deutschen Sprachraum» kath.net brauchen noch 75.000 Euro zum angepeilten Jahresbudget von 140.000 Euro. Mit einem «Vergelt's Gott!» bittet das Team um Chefredakteur Roland Noe um eine Fastenspende. Seit 2001 bespielt Noe vom österreichischen Linz aus die Homepage. Zusammen mit inzwischen zehn fest angestellten Vollzeit- und Teilzeitkräften sowie weiteren freien Autoren und Mitarbeitern.

«Wir möchten die katholische Kirche in ihrer Schönheit darstellen, gleichzeitig aber auch die problematischen Dinge nicht verschweigen», lautet das erklärte Ziel. Dass mit Stefan Oster unlängst ausgerechnet ein Bischof Zweifel an der inhaltlichen Ausrichtung anmeldete, dürfte die kath.net-Crew eher beschäftigten als die Suche nach dem fehlenden Geld, für das sich in der Vergangenheit immer wieder genügend Einzelspender und Sponsoren fanden, darunter auch die deutsche Sektion des Hilfswerks «Kirche in Not» oder Amtsbrüder von Oster.

Auf seiner Facebookseite hatte der Passauer Oberhirte Anfang März eine aus seiner Sicht tendenziöse Berichterstattung auf kath.net kritisiert. Die Kirche und ihre Gläubigen seien «komplexer als nur schwarz und weiß oder gut und böse», schrieb der Bischof. Auch sei «in der Beurteilung der Glaubensüberzeugungen Anderer» vieles «weniger klar als es kath.net und seine Autoren nach meiner Wahrnehmung allzu häufig unterstellen».

Kurz zuvor wurden Beschwerden aus deutschen Bistümern bekannt, wonach es kath.net mit den Urheberrechten nicht so genau nehme und Fotos oder Beiträge ungefragt auf die eigene Website stelle. An dem von Oster angeprangerten Ton hat sich, so scheint es, wenig geändert. «Die Limburger Rebellion nimmt auch nach erfolgreichem Wegmobben des Bischofs kein Ende», lautet etwa die Sicht von Gastkommentator Peter Winnemöller auf die Folgen des Finanzskandals um den ehemaligen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst.

Derweil muss sich der Bischofskonferenz-Vorsitzende Kardinal Reinhard Marx von kath.net-Mitarbeiterin Victoria Fender den Vorwurf gefallen lassen, einen «schizophrenen Kommunikationsstil» zu pflegen und dem Zeitgeist hinterher zu laufen. Im kath.net-Forum erhält Fender dafür viel Zuspruch: «Gekonnter hat nach meinem kümmerlichen Wissen noch niemand einen Kardinal verdroschen. Und das, ohne ein einziges böses Wort, oder gar eine Handgreiflichkeit.»

Die Kommentare seien «nicht rauer als bei anderen Medien, die diese Möglichkeit den Lesern einräumen», verteidigt Noe die Einlassungen. Zugleich räumt er ein, aus «zeitlichen Gründen» nur auszugsweise Kontrollen durchführen zu können. «Wir haben nicht das Personal wie andere Medien, um jeden Kommentar im Vorfeld genau zu überprüfen.»

Und so gelangen auch Beiträge wie dieser zum Islam auf die kath.net-Seite: «Deutsche Christen haben unser Land wohlhabend gemacht, deutsche Heiden haben es orientierungslos, ärmer, dümmer, sexualisierter und tötungsbereit gemacht, deutsche Muslime werden es zu einer islamischen Scharia-Diktatur machen.»

Die Wortwahl erinnert an das inzwischen geschlossene Rechtsaußen-Portal kreuz.net oder die Plattform gloria.tv, die mit homophober und antisemitischer Hetze in die Schlagzeilen gerieten. Von beiden Anbietern distanziert sich Noe allerdings ausdrücklich. Die Kernmannschaft, zu der auch Noes Frau Linda gehört, ist vielmehr vor allem in einem im weitesten Sinne konservativen Spektrum vernetzt.

So wie der 22-jährige Kölner Georg Dietlein, regelmäßiger Autor der Würzburger «Tagespost» und Moderator beim Sender K-TV. Als Rom-Korrespondent fungiert Armin Schwibach, langjähriger Mitarbeiter der mit den «Legionären Christi» verbundenen Online-Agentur Zenit. Im Schnitt erreicht kath.net nach eigenen Angaben 400.000 sogenannte Unique Visitors pro Monat. Das ist im katholischen Bereich eine respektable Größe, auch wenn offen bleibt, ob kath.net damit wirklich die «größte» deutschsprachige katholische Internetseite ist. Eine andere spannende Frage hat Bischof Oster aufgeworfen: Tut kath.net genug, «um wirklich auch differenzierte Positionen hören und verstehen zu wollen»?

(C) 2015 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

Treffpunkt Weltkirche Würzburg - Interview mit Bischof Gregor Maria Hanke - Das Interview führt Peter Winnemöller




Peter Winnemöller interviewte für KATH.NET S. Em. Kurt Kardinal Koch, Präsident des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen, über die Heiligsprechung von Papst Johannes XXIII. und Papst Johannes Paul II.





Foto Peter Winnemöller (c) kath.net/Michael Hesemann









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