30 März 2015, 10:30
Gladbeck: Muezzin ruft künftig zum Gebet
 
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Superintendent: Christlich-abendländische Kultur ist nicht bedroht

Gladbeck (kath.net/idea) In Gladbeck (bei Essen) wird ab dem 20. April einmal täglich vom Minarett einer Moschee der Gebetsruf eines Muezzin zu hören sein. Bürgermeister Ulrich Roland (SPD) teilte dies in einer Pressekonferenz mit dem Vereinsvorsitzenden der Moschee, Nadir Kahraman, mit. Sie gehört zum Dachverband Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB). Die beiden großen Kirchen wurden vorab nicht darüber informiert, sondern erfuhren es aus den Lokalmedien. Dieses Vorgehen stößt beim Superintendenten des Evangelischen Kirchenkreises Gladbeck – Bottrop – Dorsten, Dietmar Chudaska (Gladbeck), zwar auf Kritik. Wie er der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, begrüßt er aber die städtische Entscheidung, da jeder das Recht auf freie Religionsausübung habe. Chudaska: „Wir leben in einem Rechtsstaat, und die Stadt hat formal korrekt nach einem Prüfverfahren die Genehmigung erteilt. Ich hätte mich aber gefreut, wenn vor dem Ratsbeschluss eine öffentliche Debatte geführt worden wäre. Das ist eine vertane Chance, um diese Debatte zu versachlichen.“

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Chudaska: Die Gleichgültigkeit vieler Christen macht Angst

Durch den Muezzinruf werde die christlich-abendländische Kultur nicht bedroht: „Mir macht nicht die Ausbreitung der muslimischen Gemeinden Angst, sondern die Gleichgültigkeit vieler Christen.“ Chudaska weiter: „Ich glaube, wir Christen sollten uns nicht in erster Linie dadurch positionieren, dass wir gegen etwas sind. Wir müssen stattdessen unseren Glauben offen bekennen und dadurch missionarisch tätig sein. Menschen anderer Religionen müssen sehen, dass im Zentrum unseres Glaubens Jesus Christus steht und dass wir diese Botschaft weitergeben.” Der Gebetsruf ist laut der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) unter Muslimen umstritten. Befürchtet werde, dass der tägliche Ruf diffuse Ängste vor einer Ausbreitung des Islams hervorrufe. Der Ruf des Muezzin wird nach WAZ-Angaben mittags zwischen zwölf und 13 Uhr sowie an muslimischen Festen für maximal fünf Minuten zu hören sein und eine Lautstärke von 55 Dezibel nicht überschreiten. An christlichen Feiertagen wird er ausgesetzt.

Bürgermeister Roland bezeichnete den Muezzinruf laut WAZ als eine logische Konsequenz der Bevölkerungsentwicklung in der 75.000 Einwohner zählenden Stadt: „Fast ein Drittel sind muslimischen Glaubens, deshalb ist es folgerichtig, dass sich die Lebenswirklichkeit in der Religionsausübung abbildet.“

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