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Aberglaube im aufgeklärten Europa und die christliche Sicht darauf

13. März 2015 in Aktuelles, 1 Lesermeinung
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Erstes Podiumsgespräch beim großen „Kirche in Not“-Kongress in Würzburg. kath.net-Bericht von Peter Winnemöller


Würzburg (kath.net) Das erste Podiumgespräch des großen Kongresses „Treffpunkt Weltkirche“ von „Kirche in Not“ in Würzburg beschäftigte sich mit dem Starttermin des Kongress. Ausgerechnet ein Freitag, der 13, wie kann man da einen Kongress beginnen, wurde Andre Stiefenhofer, Pressesprecher von Kirche in Not, der das Podium auch moderierte, von Journalisten gefragt. Auf dem Podium saßen Erzbischof Stankevics aus Riga, P. Dr. Clemens Pilar, P. Hans Buob und Michael Hesemann.

Als Historiker gab Michael Hesemann zunächst einen geschichtlichen Überblick, wie sich der Freitag, der auf den 13. eines Monats fällt, besonders in Deutschland und in den USA zum Unglückstag entwickelt hat. Der wirtschaftliche Schaden, so Hesemann an Freitagen, die auf einen dreizehnten fallen, belaufe sich auf 800 Mio $, weil Menschen an diesen Tagen keine Geschäfte machten. Der Freitag ist als Unglückstag verschrieen, weil es der Tag ist, an dem die Hexen ausreiten. Der dreizehnte war besonders bei den Babyloniern verpönt, weil die 13 als Teufelsdutzend angesehen wurde. Dabei ist die 13 in jüdischer und germanischer Kultur durchaus eine Glückszahl. Für Katholiken steht die 13 besonders im Zusammenhang mit Fatima. Einen rationalen Grund, Freitag den Dreizehnten als Unglückstag anzusehen, konnte Hesemann nicht erkennen und benennen.

Erzbischof Stankevics, der vor seiner Bekehrung zum Christentum ein Yogi gewesen war, erklärte auf die Frage, wie es denn zum Aberglaube überhaupt käme, dass die Menschen Bedürfnisse auf drei Ebenen haben: der körperlichen, der seelisch/geistigen und der geistlichen. Unsere Konsumgesellschaft kann die körperlichen Bedürfnisse sehr wohl befriedigen. Wer sich allerdings von Gott abwende, finde keine Befriedigung der geistlichen Bedürfnisse. So suchen sich die Menschen andere Wege der geistlichen Erfüllung. Die Esoterik hinterlasse aber am Ende nur eine Leere. Nur das Christentum, so betonte der Erzbischof, könne die Bedürfnisse eines Menschen auf allen Ebenen befriedigen, denn Gott ist Mensch geworden und ist unter den Menschen. Yoga, so sagt er habe ihm geholfen, die Fragen zu stellen, das Ziel zu formulieren: Die Suche nach Gott. Aber erst die Kapitulation vor Gott, das Annehmen des Geschenkes des Glaubens habe ihm die Freiheit gebracht.


Pater Clemens Pilar ergänzte, die Esoterik sei der Weg der Selbsterlösung. Aberglaube sei nicht gleich Esoterik und umgekehrt. Esoterik sei das Bestreben des Menschen, das Nicht-Kontrollierbare kontrollieren zu wollen. Auf dem Weg, Wissen zu erlangen, komme der Mensch dazu, seinen individuellen Weg zum Heil zu finden. Hier ist aktuell besonders der Gesundheitsmarkt betroffen. Über die Suche nach Heilung werde auch das Heil gesucht, so der Pater. Er stellte das Urwort der Sünde, „Ergreifen“, dem Urwort des Glaubens, „Empfangen“, gegenüber. Der Esoteriker versuche sich zu nehmen, was man sich nur von Gott schenken lassen könne.

Pater Buob ergänzte, oft sei das Problem ein falsches Gottesbild. Der Mensch mit falschem Gottesbild könne Gott nicht als den unbedingt Liebenden erkennen. Da seien Bilder von Automatengott, mechanischem Gott, Angstgott im Spiel. Esoterik und Aberglaube, so Pater Buob seien die Folge eines falschen Gottesbildes. Erst wenn dies geheilt werde, können sich die Menschen die Erlösung von Christus schenken lassen. P. Buob berichtete von seinen Erfahrungen mit Heilungsexerzitien. Als Mittel zur Heilung nannte der Pater ausdrücklich die Eucharistische Anbetung. Man müsse dem Herrn nichts erzählen, nichts leisten, nur einfach vor ihm verharren und sich von ihm beschenken lassen. Die Begegnung mit dem Herrn in der Eucharistie sei schon oft Auslöser für eine Unruhe gewesen, die zur Bekehrung geführt habe.

P. Clemens Pilar ergänzte, dass dort, wo Christen glaubwürdig leben, Menschen angezogen würden. Der Glaube sei eine Beziehungsgeschichte, mit Naturwissenschaften sei das nicht hinreichend zu erfassen. Der Glaube passe nicht in Formeln.

Erzbischof Stankevics führte aus, dass die geistige Welt eine Realität sei, in der Erfahrung entscheidend sei. Zugleich sei aber die Rationalität, zu der Papst Benedikt XVI. immer wieder aufgerufen habe, wichtig auch für den Glauben.

Michael Hesemann kritisierte besonders das materialistische Denken in Europa. Die Aussage „Es gibt keinen Gott“ sei der Aberglaube unserer Tage. Dagegen habe Gott doch in Fatima sichtbar in unsere Wirklichkeit eingegriffen. Pater Buob forderte am Ende auf, auf die zuzugehen, die „an die Wand gefahren seien“. Mit diesen gescheiterten Menschen sei ein Gespräch möglich, oft sei erst dann eine Offenheit für den Glauben vorhanden.

Andre Stiefenhofer bedankte sich zum Abschluss bei den Podiumsteilnehmern für das lebhafte Gespräch. Kräftiger Applaus am Ende war der Dank der Zuhörer für die wertvollen Gedanken und Informationen.

Foto Podiumsgespräch


Eichstätter Bischof Hanke und der Würzburger Bischof Hofmann im Gespräch auf dem Kongress von KIRCHE IN NOT


Kardinal Meisner, emeritierter Erzbischof von Köln, spricht auf dem Kongress


ürzburger Bischof Friedhelm Hofmann u.a. bei der Eröffnungsmesse des Kongresses von KIRCHE IN NOT


Kirche-In-Not-Geschäftsführerin Karin Fenbert


Foto oben (c) kath.net/Roland Noé



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