24 Februar 2015, 12:00
Panis angelicus – o res mirabilis!
 
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Benedikt XVI. – Licht des Glaubens: Der eucharistische Papst und die Lehre zum Leib des Herrn. Es ist falsch, die Feier und die Anbetung entgegenzusetzen, als stünden sie zueinander in Konkurrenz. Genau das Gegenteil ist der Fall. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) „Panis angelicus / fit panis hominum. – Pange, lingua, gloriosi
Corporis mysterium.“ Benedikt XVI. – der eucharistische Papst, in der Feier des heiligen Messopfers, in der Anbetung, in der Prozession hinter dem allerheiligsten Sakrament des Altars, stets ganz eingenommen von dem heiligen Geschehen. Der zelebrierende und betende Papst, der ganz im Geheimnis verschwindet, sich zurücknimmt, um die Welt, die Kirche vor es zu tragen, um den Glauben zu stärken, in Sinn und Geist.

„Dat panis caelicus / figuris terminum.“ Das Brot des Himmels setzt allen Gestalten und Symbolen ein Ende, da in dessen Gestalt Christus selbst in seiner Wirklichkeit gegenwärtig ist. Vor diese Wirklichkeit wollte Benedikt XVI. bringen. So wagte es der Papst bereits beim Weltjugendtag 2005 in Köln, als dessen Höhepunkt die eucharistische Anbetung zu setzen. „Unmöglich“, hatten einige im Vorfeld eingeworfen, das könne man „der Jugend“ nicht zumuten, schweigend vor einer Monstranz zu knien, „nichts“ zu tun, so was „geht nicht“. Es ging. Mehr noch: ab jenem Moment waren die Gebetsvigilien vor dem ausgesetzten Sakrament „Markenzeichen“ jener Jugend, die den Ruf des Papstes hörte, ihm folgte und das, was er vorschlug, zusammen mit ihm verwirklichte, denn: „Te trina Deitas / unaque poscimus: / Sic nos tu visita, / sicut te colimus“ – dreifaltige und eine Gottheit, besuche uns, wie wir dich verehren!

„Nur wenn der liturgischen Feier diese innere Haltung des Glaubens und der Anbetung vorangeht“, so Benedikt XVI., „sie von ihr begleitet wird und diese ihr folgt, kann sie ihre volle Bedeutung und ihren vollen Wert zum Ausdruck bringen. Die Begegnung mit Jesus in der heiligen Messe verwirklicht sich wahrhaftig und in Fülle, wenn die Gemeinde zu erkennen vermag, dass er im Sakrament sein Haus bewohnt, uns erwartet, uns zu seinem Tisch lädt und dann, nachdem sich die Versammlung aufgelöst hat, bei uns bleibt, in seiner diskreten und stillen Gegenwart, uns mit seiner Fürsprache begleitet und weiterhin unsere geistlichen Opfer sammelt und sie dem Vater darbringt“.

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„O res mirabilis: /manducat Dominum /pauper, servus et humilis.“ Demut und Bescheidenheit kennzeichneten den Pontifikat Benedikts XVI., in dem Bewusstsein der wunderbaren Sache: „Es verspeist den Herrn / ein Armer, Sklave und Geringer“.

Das erste große Ereignis des Pontifikats war die noch vom heiligen Johannes Paul II. einberufene Weltbischofssynode über die Eucharistie als Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche. Weitere Höhepunkte des eucharistischen Papstes bildeten jedes Jahr die Feier von Fronleichnam und die Prozession mit dem Sakrament. Der Papst führte die Prozession als ein „freudiges Bekenntnis zu Jesus Christus“ an, „in dem uns das Antlitz Gottes sichtbar geworden ist, durch den das Herz Gottes für uns offensteht“ (Palmsonntag, 1. April 2007).

Wie am Palmsonntag folgt das Volk seinem Herrn mit dem Papst als dem großen Wegweiser, der ihm eben diesen Herrn zeigt, als den König, dem zu trauen ist: „Es heißt: Sein Wort als gültigen Maßstab für unser Leben annehmen Tag um Tag. Es bedeutet, in ihm die Autorität zu sehen, der wir uns beugen. Ihm beugen wir uns, weil seine Autorität die Autorität der Wahrheit ist“.


Auszüge aus Predigten Benedikts XVI. zum Hochfest des Leibes und des Blutes des Herrn:

Fronleichnam, 15. Juni 2006
„Nehmt, das ist mein Leib“. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet und reichte ihn den Jüngern, und sie tranken alle daraus. Und er sagte zu ihnen: „Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird“ (Mk 14,22–24).

Diese Worte sind unerschöpflich. Ich möchte in dieser Stunde mit euch nur über einen einzigen Aspekt nachdenken. Jesus hat als Zeichen seiner Gegenwart Brot und Wein gewählt. Mit jedem dieser beiden Zeichen schenkt er sich ganz, nicht nur einen Teil von sich. Der Auferstandene ist nicht geteilt. Er ist eine Person, die sich uns durch die Zeichen nähert und sich mit uns vereint. Jedes dieser Zeichen steht aber auf seine Weise für einen besonderen Aspekt seines Geheimnisses und will durch seine besondere Erscheinungsform zu uns sprechen, damit wir ein wenig mehr vom Geheimnis Jesu Christi begreifen lernen. Während der Prozession und der Anbetung schauen wir auf die konsekrierte Hostie – die einfachste Art von Brot und Nahrung, die nur aus etwas Mehl und Wasser besteht. So erscheint sie als Speise der Armen, denen der Herr seine Nähe zuallererst zugedacht hat.

Das Gebet, mit dem die Kirche während der Messliturgie dieses Brot dem Herrn darbringt, bezeichnet es als Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. In ihm enthalten ist die menschliche Mühe, die tägliche Arbeit dessen, der den Boden bestellt, der aussät und erntet und schließlich das Brot zubereitet. Dennoch ist das Brot nicht einzig und allein unser Erzeugnis, etwas von uns Gemachtes; es ist Frucht der Erde und damit auch Geschenk. Denn die Tatsache, dass die Erde Frucht trägt, ist nicht unser Verdienst; allein der Schöpfer konnte ihr die Fruchtbarkeit verleihen. Und nun können wir dieses Gebet der Kirche noch ein wenig ausweiten und sagen: Das Brot ist Frucht der Erde und zugleich Frucht des Himmels. Es setzt das Zusammenwirken der Kräfte der Erde und der Gaben von oben, das heißt der Sonne und des Regens, voraus. Und auch das Wasser, das wir zum Bereiten des Brotes brauchen, können wir nicht selbst erzeugen.

In einer Zeit, wo von fortschreitender Wüstenbildung die Rede ist und immer wieder auf die Gefahr verwiesen wird, dass in diesen wasserlosen Regionen Menschen und Tiere verdursten – in einer solchen Zeit werden wir uns von neuem auch der Größe des Geschenks des Wassers und zugleich unseres Unvermögens bewusst, es uns allein zu beschaffen. Wenn wir jetzt dieses kleine Stück weißer Hostie, dieses Brot der Armen, näher betrachten, erscheint es uns wie ein Zusammenspiel der Schöpfung. Himmel und Erde sowie Tätigkeit und Geist des Menschen wirken zusammen. Das Zusammenwirken der Kräfte, das auf unserem armen Planeten das Geheimnis des Lebens und die Existenz des Menschen ermöglicht, begegnet uns in seiner ganzen wunderbaren Größe. So beginnen wir zu verstehen, warum der Herr dieses Stück Brot als sein Zeichen wählt. Die Schöpfung mit all ihren Gaben strebt über sich selbst hinaus nach etwas noch Größerem. Über das Zusammenwirken ihrer eigenen Kräfte hinaus, auch über das Zusammenwirken von Natur und Geist hinaus, das wir in gewisser Weise in dem Stück Brot wahrnehmen, ist die Schöpfung auf die Vergöttlichung, auf die heilige Hochzeit, auf die Vereinigung mit dem Schöpfer selbst ausgerichtet.


Fronleichnam, 7. Juni 2012
„Es falsch, die Feier und die Anbetung entgegenzusetzen, als stünden sie zueinander in Konkurrenz. Genau das Gegenteil ist der Fall.“

Zuerst wollen wir über den Wert des eucharistischen Kultes und dabei insbesondere der Anbetung des Allerheiligsten Sakraments nachdenken. Es ist dies die Erfahrung, die wir auch heute Abend nach der heiligen Messe, vor, bei und nach der Prozession erleben werden. Eine einseitige Interpretation des Zweiten Vatikanischen Konzils hatte diese Dimension beeinträchtigt, indem sie die Eucharistie praktisch auf den Augenblick ihrer Feier beschränkte. In der Tat ist es sehr wichtig gewesen, die Zentralität der Feier anzuerkennen, zu der der Herr sein Volk zusammenruft, es um den zweifachen Tisch des Wortes und des Brotes des Lebens schart, es nährt und in der Darbringung des Opfers mit sich vereint. Diese Aufwertung der liturgischen Versammlung, in der der Herr wirkt und sein Geheimnis der Gemeinschaft verwirklicht, bleibt natürlich gültig, doch muss sie ins rechte Verhältnis zurückgebracht werden. Denn nur allzu oft geschieht es, dass man, um einen Aspekt hervorzuheben, dabei endet, einen anderen zu opfern. In diesem Fall ging die richtige, auf die Feier der Eucharistie gesetzte Betonung auf Kosten der Anbetung, die ein an den wirklich im Altarsakrament gegenwärtigen Herrn Jesus gewandter Akt des Glaubens und des Gebets ist.

Diese Unausgewogenheit hatte Auswirkungen auch auf das geistliche Leben der Gläubigen. Wird nämlich die ganze Beziehung mit dem eucharistischen Jesus allein auf den Augenblick der heiligen Messe konzentriert, läuft man Gefahr, den Rest der Lebenszeit und des Lebensraumes seiner Gegenwart zu entleeren. Und so wird der Sinn der beständigen Gegenwart Jesu mitten unter uns und mit uns weniger wahrgenommen, eine konkrete, nahe Gegenwart inmitten unserer Häuser, als »pulsierendes Herz« der Stadt, des Landes, des Gebiets mit seinen verschiedenen Ausdrucksformen und Tätigkeiten. Das Sakrament der Liebe Christi muss das ganze alltägliche Leben durchdringen.

In Wirklichkeit ist es falsch, die Feier und die Anbetung entgegenzusetzen, als stünden sie zueinander in Konkurrenz. Genau das Gegenteil ist der Fall: die Verehrung des Allerheiligsten Sakraments bildet gleichsam die geistliche »Umwelt«, in der die Gemeinschaft gut und wahrhaftig die Eucharistie feiern kann. Nur wenn der liturgischen Feier diese innere Haltung des Glaubens und der Anbetung vorangeht, sie von ihr begleitet wird und diese ihr folgt, kann sie ihre volle Bedeutung und ihren vollen Wert zum Ausdruck bringen. Die Begegnung mit Jesus in der heiligen Messe verwirklicht sich wahrhaftig und in Fülle, wenn die Gemeinde zu erkennen vermag, dass er im Sakrament sein Haus bewohnt, uns erwartet, uns zu seinem Tisch lädt und dann, nachdem sich die Versammlung aufgelöst hat, bei uns bleibt, in seiner diskreten und stillen Gegenwart, uns mit seiner Fürsprache begleitet und weiterhin unsere geistlichen Opfer sammelt und sie dem Vater darbringt.


Fronleichnam, 3. Juni 2010
In der Eucharistie hat Jesus sein Opfer vorweggenommen, kein rituelles Opfer, sondern ein persönliches. Im Letzten Abendmahl handelt er bewegt von jenem »ewigen Geist«, kraft dessen er sich dann am Kreuz darbringen wird (vgl. Hebr 9,14). Danksagend und segnend verwandelt Jesus Brot und Wein. Es ist die göttliche Liebe, die verwandelt: die Liebe, mit der Jesus vorwegnehmend annimmt, sich ganz für uns hinzugeben. Diese Liebe ist nichts anderes als der Heilige Geist, der Geist des Vaters und des Sohnes, der das Brot und den Wein heiligt und ihre Substanz in Leib und Blut des Herrn verwandelt und im Sakrament dasselbe Opfer vergegenwärtigt, das sich auf blutige Weise am Kreuz erfüllt. Wir können daher den Schluss ziehen, dass Christus wahrer und wirksamer Priester ist, weil er von der Kraft des Heiligen Geistes erfüllt war, weil ihn die Liebe Gottes vollkommen erfüllte, und dies gerade »in der Nacht, in der er verraten wurde«, in der »Stunde der Finsternis« (vgl. Lk 22,53).

Es ist diese göttliche Kraft, dieselbe, welche die Fleischwerdung des Wortes vollbrachte, die die äußerste Gewalt und die äußerste Ungerechtigkeit in die höchste Tat der Liebe und der Gerechtigkeit verwandelt. Das ist das Werk des Priestertums Christi, das die Kirche geerbt hat und in der Geschichte weiter wirken läßt, in der zweifachen Gestalt des allgemeinen Priestertums der Getauften und des Weihepriestertums, um die Welt mit der Liebe Gottes zu verwandeln. Wir alle, Priester und Gläubige, nähren uns von derselben Eucharistie, wir alle knien nieder, um sie anzubeten, da in ihr unser Meister und Herr gegenwärtig ist, da in ihr der wahre Leib Christi gegenwärtig ist, Opfer und Priester, Heil der Welt. Kommt, loben und preisen wir mit Freudenliedern! Kommt, lasset uns anbeten!


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Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., mit dem Allerheiligsten




Andrea Bocelli singt ´Panis angelicus´








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