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Business Class sind wir …

10. Februar 2015 in Kommentar, 18 Lesermeinungen
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In Deutschland scheint die Hatz auf Tebartz-van Elst noch nicht beendet. Es erschreckt, wie Zeitgenossen, die in jedem dritten Satz das Wort „Barmherzigkeit“ verwenden, verbale Ver-Nichtung betreiben. Gastkommentar von Peter Winnemöller


Geseke (kath.net/katholon) Business Class sind wir … äh, also nein, natürlich nicht. Journalisten fliegen Holzbrettklasse.

Aber jetzt ist es raus. Der Flug nach Rom hat sich gelohnt.

Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst ist jetzt Delegat für Katechese im Rat für die Neuevangelisierung. Damit wäre diese Sache dann endlich mal geklärt. Nun könnte ja, nachdem Klarheit herrscht, der eine oder andere mal auf die Idee kommen, dem Bischof zur Ernennung zu gratulieren und alles Gute zum Neuanfang zu wünschen.

Schaut man auf die Qualifikation des Bischofs, könnte es sich um einen Traumjob handeln. Einschlägige wissenschaftliche Publikationen und Studienaufenthalte im Ausland zum Thema Katechese liegen vor. Auch Gegner des Bischofs können sich nun entspannt zurück lehnen, denn dieser ist der katholischen Kirche in Deutschland fern. Nicht nur, dass er jetzt jenseits der Alpen seine Wirkungsstätte gefunden hat, er ist nun auch im weltkirchlichen Kontext unterwegs. Klein-klein ist nicht die Sache der Römer. Einmischung in die Alltagsarbeit einer Diözese oder Bischofskonferenz gibt es nicht. Wohl aber Hilfe und Unterstützung, wenn sie denn angefragt wird.

Statt sich zu freuen, dass man den ungeliebten Bischof jetzt los ist, setzt noch mal ein ordentliches Nachtreten ein. Beispielhaft in einem Artikel im KSTA. (Die folgenden kursivgesetzten Zitate stammen aus dem verlinkten Artikel.)


Und wenn man gerade mal dabei ist auszukeilen, dann kommt es auf Kleinigkeiten auch nicht mehr an.

Die entsprechende Urkunde, unterzeichnet von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, sei Tebartz unterdessen über den Apostolischen Nuntius in Deutschland, Nikola Eterovic, zugestellt worden.

versus

Das eigentlich Bemerkenswerte an diesem Wirrwarr ist die Tatsache, dass weder das Bistum Limburg, dem Tebartz als ehemaliger Bischof formell angehört, noch die Deutsche Bischofskonferenz in Bonn und ebensowenig die Nuntiatur in Berlin vom tatsächlichen Stand Kenntnis hatte.

Bemerkt?

Zwar hat Erzbischof Eterovic, der Apostolische Nuntius in Deutschland Bischof Tebartz- van Elst die Urkunde zugestellt, jedoch hat man in der Nuntiatur „vom tatsächlichen Stand“ keine Kenntnis. Ja, wie denn jetzt? Man merkt die Lächerlichkeit des Widerspruchs in den Vorwürfen. So viel Latein sollten auch die Mitarbeiter der Nuntiatur können, dass sie lesen können, was auf der Urkunde steht. Oder?

Was es das Bistum Limburg und die Deutsche Bischofskonferenz angehen sollte, wenn der Papst einen emeritierten Bischof in den Posten eines Delegaten beruft, erschließt sich nicht einmal näherungsweise. Das Bistum Limburg hat seinen ehemaligen Bischof auf brutalst mögliche Weise entsorgt. Nicht einmal eine angemessene Dienstwohnung wollte man ihm stellen, so dass er in einer von seiner Familie angemieteten Wohnung in Regensburg wohnt. Da emeritierte Bischöfe nicht Mitglieder der Bischofskonferenz sind, dürfte es die DBK – wenn überhaupt – nur am Rande interessieren, was ihre ehemaligen Mitglieder machen.

Aber:

Dies wurde von den Verantwortlichen als weiteres Indiz für die – zurückhaltend formuliert – Eigenmächtigkeit des 55-Jährigen und für das Ausmaß der Beziehungsstörung zwischen ihm und den Verantwortlichen in seinem ehemaligen Bistums sowie der Bischofskonferenz gewertet.

Wer sind eigentlich diese ominösen Verantwortlichen? Die Deutsche Bischofskonferenz hat weder amtierenden noch emeritierten Bischöfen gegenüber eine Verantwortung oder gar eine Weisungsbefugnis. In der Tat hat es sich der Bischof ganz eigenmächtig erlaubt, sich um seine Weiterverwendung im Dienst der Kirche zu kümmern. Er hätte sich auch ein feines Leben als Jungrentner in Regensburg machen können. Sauna, Solarium, Faulenzen, Bücher lesen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Stattdessen hat er italienisch gelernt, sich um eine neue Aufgabe bemüht und sich last not least in die fachliche Arbeit gekniet.

Im Januar hat der frisch gebackene Delegat erstmals an einer Sitzung im Rat für die Neuevangelisierung teilgenommen und wie aus römischen Kreisen zu erfahren war, für seine inhaltlichen Beiträge viel Aufmerksamkeit und Zustimmung erhalten.

In Deutschland scheint die Hatz noch nicht beendet. Es erschreckt, wie Zeitgenossen, die in jedem dritten Satz das Wort „Barmherzigkeit“ verwenden, eine Polemik der Nichterlaubnis der Weiterexistenz, mithin eine Form verbaler Ver-Nichtung betreiben. Das lässt tief blicken, wie ernst sie ihre Barmherzigkeitspostulate selber nehmen. Diese Art der barmherzigen Ritter vom Orden der hartherzigen Gutmenschen machen mehr Angst als alle Kreuzritter der abendländischen Geschichte zusammen, denn eine derart vernichtende Barmherzigkeit kann jeden treffen, der einen Fehler macht, der versagt oder einfach Pech hat.

So wird auch diese Geschichte wieder mal zu einem Lehrstück der Zeitgeschichte und einem Fanal, wie kalt und herzlos unsere Gesellschaft partiell ist.

Der emeritierte Bischof von Limburg, der jetzt Delegat und damit Kurienbischof ist, wird nun sein Wissen und seine Kenntnisse im weltkirchlichen Kontext einbringen können. Wir werden sicher noch davon hören, denn selbst wenn – wie Gerüchte sagen – der Rat für die Neuevangelisierung aufgelöst werden würde, dann wäre das Thema Katechese auch in anderen kurialen Zusammenhängen wichtig. Vielleicht – jetzt werden einige in Ohnmacht fallen – bekommen wir ja in zehn Jahren eine Kongregation für Katechese mit einem dann Kardinal Tebartz- van Elst an der Spitze. (Der Riechsalzumsatz in Deutschland würde ungeahnte Höhen erklimmen.) Dennoch: Wer weiß schon, was morgen sein wird?



Foto Bischof Tebartz-van Elst (c) Paul Badde


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