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Warum sind Konservative Dunkelmänner, Herr Kardinal?

17. November 2014 in Interview, 12 Lesermeinungen
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Walter Kardinal Brandmüller im Interview mit der "BILD am Sonntag" über Unbarmherzigkeit, Sünde und Irrsinn. Von Paul Badde.


Rom (kath.net/ BILDamSONNTAG)
Die Revolution im Vatikan findet nicht statt. Versuche eine Reform für die Lebenswelt des Sexuellen in der katholischen Lehre zu verankern, sind am Widerstand konservativer Kardinäle gescheitert. Vorerst. Hinter dem Petersdom treffe ich Walter Kardinal Brandmüller (85), einen prominenten Vertreter des konterrevolutionären Flügels der römischen Kurie. Er trinkt seinen Kaffee schwarz.

BILD AM SONNTAG: Warum sind Konservative so hart und unbarmherzig, Herr Kardinal?

Sind sie das? Ich habe noch keinen Menschen erlebt, der unbarmherzig war, weil er konservativ ist. Es gibt barmherzige und unbarmherzige Liberale und Konservative. Aber ist der Arzt barmherzig, der einem Patienten die rettende Operation erspart und ihm Alkohol und Nikotin nach Belieben erlaubt? Der einem Diabetiker eine Sachertorte mitgibt?

Aber reden Konservative nicht eher von der Sünde, wo Liberale von Vergebung und Barmherzigkeit sprechen?

Das ist mir neu. Woher wissen Sie das? Aus der Zeitung? Auch Liberale reden von Sünde. Doch sie verstehen meist etwas anderes darunter, das stimmt. Bei ihnen sind es eher Parksünder und Diätsünden. Was ist also Sünde?

Bitte sagen Sie es.

Sünde ist eine sittlich minderwertige Haltung oder Handlung, mit denen Menschen sich selbst und anderen schaden. Dabei haben wir doch alle schon erfahren, dass es uns schlecht geht, wenn wir das Schlechte und Falsche tun. Dass Betrug, Ehebruch, Mord etc. noch keinen Menschen wirklich glücklicher gemacht hat. Dostojewski hat ganze Romane über dieses dunkle Geheimnis geschrieben.

Aber haben Konservative nicht dennoch eher Angst, wo Liberale mutiger sind?

Woher das denn? Reden wir hier vielleicht von den Elefanten, die mutig in den Porzellanladen stapfen? Vorsicht im Umgang mit kostbarsten Gefäßen würde ich nie mit Ängstlichkeit verwechseln.


Wie kamen Konservative denn in den Ruf, Dunkelmänner zu sein - im Gegensatz zu den liberalen Lichtgestalten?

Soll ich darüber lachen? Dunkelmänner sind Schießbudenfiguren aus der Mottenkiste sogenannter Aufklärer. Es sind Vorurteile, die jeder vernünftigen Begründung entbehren. Als Finsterlinge wurden schon vor über 200 Jahren alle verleumdet, die sich dem Fortschrittswahn und dem Zeitgeist widersetzten. Als Lichtgestalten haben sich hingegen damals schon die Jakobiner gern selbst stilisiert, als sie für den Fortschritt die Köpfe rollen ließen.

Warum sind viele Liberale aber auch 200 Jahre später vom Begriff der Revolution noch so fasziniert?

Das müssen Sie die Liberalen fragen. Mich fröstelt bei dem Begriff. Vergessen wir doch nicht, wieviel Blut und Tränen die großen Revolutionen über die Menschen gebracht haben! Auch die Nazis sahen sich als Revolutionäre. Revolutionäre sind Brandstifter.

Aber schauen Konservative nicht gern nach hinten, wo Liberale tatsächlich nach vorn und in die Zukunft blicken? Warum?

Ich bin Historiker. Die Vergangenheit ist der Stoff der Erfahrung und sehr konkret. Die Zukunft ist das Reich der Träume und Verführer. Da lässt sich ungeprüft leicht alles behaupten und versprechen. Nur auf der sicheren Basis geschichtlicher Erfahrung lässt sich Zukunft bauen.

Warum hat sich der Streit zwischen Konservativen und Liberalen heute denn ausgerechnet am Thema der Familie entzündet?

Ideologien, die Mensch und Gesellschaft verändern wollen, fangen bei der Familie und deren Zerstörung an. Das war bei Marx so und bei Lenin. Familien sind die Urzellen jeder menschlichen Gemeinschaft. Darum sind sie so gefährdet. Es darf mit ihnen aber nicht experimentiert werden. Ich will hier nicht von dem neuesten Irrsinn des „social freezing“ weiblicher Eizellen reden. Jedenfalls ist um Familien ein unglaublicher Kampf entbrannt, in dem sie leider keiner so verteidigt wie die Kirche. Darauf haben Papst Paul VI. und Johannes Paul II. schon vor Jahrzehnten prophetisch hingewiesen.

Wie deuten Sie es denn, dass mit Kardinal Müller und Kardinal Kasper die größten Gegenspieler in dieser Debatte zwischen Konservativen und Liberalen in der katholischen Kirche Deutsche sind?

Da muss ich mit Goethe antworten: „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust.“ Das trifft irgendwie auch auf Deutschland zu, besonders seit der Reformation, in dem sich die Deutschen in zwei Lager gespalten haben. Diese Spaltung durchzieht mittlerweile auch die katholische Kirche in Deutschland.

Die katholische Kirche hat wegen der Unauflöslichkeit der Ehe im Streit mit Heinrich VIII. um 1535 die Abspaltung der anglikanischen Kirche in Kauf genommen. War es diesen Preis wert?

Die Frage ist falsch gestellt. Kein Papst und kein Konzil kommt an den Worten Jesu über die Ehe vorbei. „Was Gott verbunden hat, darf der Mensch nicht trennen.“ Die Treue zum Wort Gottes wog für Papst Clemens VII. schwerer als die politische Drohung des englischen Königs. Die Kirche ist nicht verfügungsberichtigt über die Sakramente. Der Apostel Paulus sagt, dass wir nur Verwalter sind und dass ein Verwalter treu sein muss. Die Kirche ist eine Stiftung. Da ist der Stifterwille das Entscheidende.

Verstehen wir das Wort Gottes heute mit Hilfe der modernen Theologen denn nicht viel besser als früher?

Gottes Wort ist unerschöpflich an Inhalt und Gehalt. Darum gibt es sehr wohl einen Fortschritt in der Erkenntnis. Es ist aber undenkbar, dass spätere Erkenntnisse dem bisher Erkannten widersprechen. Zwei mal zwei bleibt vier. Wahrheit ändert sich nicht. Und Gottes Geist widerspricht sich nicht.

Braucht es gerade diesen Streit aber nicht dennoch für eine gesunde Kirche?

Ein gewisses Ferment der Unruhe tut jeder Gemeinschaft gut. Auch Konservative brauchen Reibflächen, an denen sie ihre Streichhölzer entzünden können. Auch der Irrtum hat seine Bedeutung für den Fortschritt der Erkenntnis.

Müssten wir nicht dennoch eine Kirche fürchten, die nur aus Konservativen besteht?

Das kommt darauf an, was sie unter konservativ verstehen.

Was ist konservativ, Herr Kardinal?

Konservativ heißt in der Kultur und in der Religion etwas anderes als in der Politik. Soziale Verhältnisse oder Regierungsformen wie etwa die Monarchie unter allen Umständen aufrecht zu erhalten, ist nicht konservativ. So ist es auch im Leben. Die Eidechse lässt den Schwanz fahren, um sich selbst zu retten. Der wahre Konservative versteht es, Nebensächliches preiszugeben, um Wesentliches zu erhalten. Wertloses zu bewahren, ist nicht konservativ. Es ist nicht konservativ, die Asche zu bewahren, hat Johannes XXIII. gesagt, sondern die Glut zu hüten. In der Zahnmedizin ist es konservativ, die Wurzel zu bewahren, und nicht den Zahn zu ziehen. Wir brauchen Konserven: Blutkonserven, Lebensmittelkonserven. Was wären die Kunstwerke der Welt ohne Konservatoren? Auch die Feuerwehr ist konservativ – wenn sie rechtzeitig kommt!

Foto: Walter Kardinal Brandmüller © Paul Badde


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Lesermeinungen

 nurmut 18. November 2014 
 

ad Hans Maria

Ich hantiere nicht auf verschiedenen Ebenen. Das, was ich schreibe, lebe ich auch. Daher verstehe ich auch nicht, was an meinen Kommentar "schief" sein soll.
Für mich sind die Predigten und Aussagen des Papstes und auch von Kardinal Schönborn völlig klar und zutiefst christlich. Wer den Kardinal wie ich seit Jahren persönlich kennt, weiss das. Papst Franziskus ist für mich ein Geschenk für die Menschheit, so wie es auch die vorigen Päpste waren.
Er hat die Armut auch als Kardinal kennen gelernt und selbst gelebt wie kaum ein anderer.
Falls Sie an meinen Kommentaren etwas nicht verstehen oder Widersprüche finden, bin ich gerne bereit, genauer zu erklären.
Eines können Sie mir gerne glauben: Die Unendlichkeit Gottes lässt sich nicht in Begriffe wie "Konservativ" und "Liberal" einordnen. Vor einigen Jahrhunderten hat es diese Begriffe als politische Ausrichtung noch gar nicht gegeben.


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 Hans-Maria 18. November 2014 
 

Nurmut

Nurmut hantiert auf verschiedenen Ebenen. Das kann in der Argumentation schief werden. Klare Aussagen sind angebrachter.
Es geht darum, das Evangelium klar zu halten und es der Welt zu verkünden. Das ist der Auftrag. Die zahlreichen Hilfserwägungen führen im Grunde nicht weiter.


3

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 nurmut 18. November 2014 
 

Genrell schade,

dass RK Christen in die Kategorien Konservative, Liberale, Reaktionäre oder Soziale, Fortschrittliche etc. untergliedert werden.
Wir alle sind RK Christen.
Weil ich mich über Barmherzigkeit für "in der Sünde gefangene" freue, bin ich nicht liberal. Weil ich den "alten Messritus" liebe, bin ich nicht "reaktionär". Weil ich die christl. Lieder von Evangelikalen Gruppen liebe, bin ich nicht "fortschrittlich". Weil ich JPII verehre und zu ihm bete, bin ich nicht "konservativ".
Ich bin nur ein röm.kath. Christ und habe allen Grund, deshalb dankbar zu sein.
ALLE Menschen (derzeit auf Erden: 7 Mia.) sind für den Himmel geschaffen und von Gott geliebt. ALLE müssen gesucht werden, für ALLE muss ein Weg zu Gott hin aufgezeigt werden.
Wir sind kein exklusiver Klub und außerdem: Im Himmelgibt es keine Einzelzimmer (sagt unser Pfarrer)


6

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 Adson_von_Melk 18. November 2014 

Gut gebrüllt, Löwe!

Da hat der Kardinal sich ausgezeichnet geschlagen. Besonders freut mich, dass das Interview in einem ausgesprochenen Massenblatt wie "Bild am Sonntag" erschienen ist.

Da werden die dauernd gleichen, per Medien- und Internetgeschwätz transportierten Vorurteile mal schön gegen den Strich gebürstet.

Sowas gefällt mir!


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 AGNUSS 17. November 2014 
 

LICHTGESTALT!

So einen Kardinal braucht die Kirche!


9

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 Cyprianus 17. November 2014 

„Die Feuerwehr ist konservativ – wenn sie rechtzeitig kommt.“

:-)


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 JohnPaul 17. November 2014 

super

Schlafertig, witzig und in der Lehre fest. Super, Herr Kardinal.


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 Monsventosus 17. November 2014 

So ist es!

Konservativismus "ist die Verweigerung der Pflicht zur Mitfahrt auf dem Zug der Zeit. [Er] ist im Extremfall die Weigerung, über Gut und Böse überhaupt in den Kategorien einer den Wandel als Fortschritt auszeichnenden Geschichtsphilosophie zu denken." (Hermann Lübbe)


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 Dottrina 17. November 2014 
 

Meine hohe Meinung

von Kardinal Brandmüller bestätigt sich hiermit mal wieder. Herzlichen Dank dafür, Eminenz!


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 PBaldauf 16. November 2014 
 

Der Müller Kardinal mit Brand:
Was hat der Mann für 'nen Verstand!
So viele schwätzen heute hohl:
Zu lesen was ER sagt: Tut wohl

www.kathshop.at/suche.php?sb=9783903028371


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 Stefan Fleischer 16. November 2014 

Das Problem ist aber,

dass es Leute gibt, sogar sehr intelligente und gut ausgebildete, die glauben, man könne die Wahrheit in der Theorie aufrecht erhalten, in der Praxis aber sich darum herum schummeln.


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 M.Schn-Fl 16. November 2014 
 

Die richtigen Fragen richtig gestellt. Wunderbare Antworten!


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