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Woelki gegen Legalisierung der Beihilfe zum Suizid

19. Oktober 2014 in Deutschland, 3 Lesermeinungen
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Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat sich entschieden gegen eine Legalisierung des assistierten Suizids ausgesprochen – Er bezeichnete Christen als «Lobbyisten für das Leben»


Köln (kath.net/KNA/pek/red) Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki (Foto) hat sich entschieden gegen eine Legalisierung des assistierten Suizids ausgesprochen. Notwendig sei es aber, die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen zu verbessern, um menschenwürdiges Sterben Zuhause, in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern und Hospizen zu ermöglichen, sagte der Erzbischof am Sonntag bei einem Gottesdienst im Kölner Dom.

Nach den Worten des Kardinals sind die Ängste bei unheilbarer Krankheit vor unerträglichen Schmerzen, Fremdbestimmung, Allein- und Unnütz-Sein sehr ernst zu nehmen. Christen müssten sich von diesen Fragen leiten lassen. «Nicht als Moralapostel sind wir hier gefragt, wohl aber als Lobbyisten für das Leben», so Woelki. Statt Beihilfe zur Selbsttötung oder Tötung auf Verlangen seien umfassende Schmerztherapie, Palliativpflege und menschliche Zuwendung gefragt.

Der Erzbischof warnte davor, dass bei einer Legalisierung der Suizidbeihilfe der innere und äußere Druck auf Schwerkranke wachse: «Sie fühlten sich dann nicht mehr von einer selbstverständlichen Solidarität und Hilfe ihrer Mitmenschen getragen, sondern empfänden sich wahrscheinlich noch mehr als Last und unnütz, wenn sie ihren Platz nicht räumten.» Wer die Humanität schützen wolle, müsse für Sterbende einen Schutzraum eröffnen und statt aktiver Sterbehilfe intensivste Sterbebegleitung ermöglichen.

Wichtige Zitate aus der Predigt von Kardinal Woelki:


„Unser Leben ist Geschenk und Gabe. Und als solches wird es für einen jeden von uns immer auch zur Aufgabe. Weil das Sterben Teil unseres Lebens ist, deshalb ist das Sterben auch die letzte große Aufgabe, die ein jeder Mensch zu bewältigen hat. Der Mensch wird ja nicht gestorben. Er stirbt. Und jeder stirbt seinen eigenen Tod, so wie er ja auch sein eigenes Leben zu leben hat. Als Christen sind wir deshalb gera-de mit Blick auf die aktuelle Debatte um Sterbehilfe zu einer klaren Position her-ausgefordert, die aus unserem Glauben erwächst. Wir bekennen: Gott ist der Geber aller Gaben. Er hat uns das Leben geschenkt. Er ist der Ursprung allen Lebens. Und damit ist er immer auch Herr über das Leben und insofern auch immer über den Tod, der ja Teil unseres menschlichen Lebens ist. Unsere christliche Antwort, die wir in dieser für unsere Gesellschaft so schwierigen Situation zu geben haben, darf bei aller geforderten Klarheit, weder vollmundig noch im hohen Ton moralischer Empörung daher kommen. Denn wenn wir eine Kirche auf der Seite der Leidenden und Geknechteten sein wollen, dann müssen wir die Ängste und Nöte der Menschen, die mit diesen Fragen verbunden sind, sehr ernst nehmen und uns von ihnen treffen lassen. Nicht als Moralapostel sind wir hier gefragt, wohl aber als Lobbyisten für das Leben.“

„Natürlich gehört das zu unserem Mensch-Sein, dass wir selbstbestimmt, also mit freiem Willen über unser Leben entscheiden. Das Selbstbestimmungsrecht ist ein zentrales Recht eines jeden Menschen, unabhängig von Geschlecht, Haut-farbe, Nationalität oder Religion. Es kommt uns aufgrund unseres Mensch-Seins zu. Selbstbestimmung führt dann zwingend aber immer auch zur Selbstverantwortung. Denn wenn ich frei entscheiden kann, was ich tue oder nicht tue, dann bin ich logischerweise auch für die Folgen dieser Entscheidungen selbst verantwortlich. Allerdings spüre ich auch, dass in meinem Leben nicht alles selbstbestimmt ist. Zum Beispiel, dass ich überhaupt lebe habe ich nicht selbst bestimmen können. Mein Leben, das ist mir zugewachsen, es ist mir geschenkt worden, es ist eine Gabe an mich.“

„Wenn der erste Artikel unseres Grundgesetzes stimmt, dass die Würde des Menschen unantastbar ist, dann darf man über keinen Menschen sagen: Es ist nicht gut, dass du lebst. Und wenn ein Mensch das in höchster Not von sich selber sagt, dann hat er in einer humanen Gesellschaft den Anspruch, dass er Mitmenschen begegnet, die im widersprechen und ihm sagen: Es ist gut, dass es dich gibt. Das ist die Grundlage unserer Werteordnung. Und weil wir in jedem Menschen ein Abbild Gottes erkennen, deshalb ist der Todeswunsch eines Menschen für uns Christen der Ernstfall in der Praxis und wir müssen einen solchen Menschen spürbar machen, dass wir ihn mehr lieben als er sich gerade selbst.“
„Aktive Sterbehilfe“: „Anders als dieser Begriff suggeriert, geht es dabei nicht darum, Menschen beim Sterben zu helfen. Vielmehr geht es ganz bewusst und gezielt darum, ihren Tod herbei zu führen. Für uns Christen ist deshalb nicht ‚aktive Sterbehilfe‘ das Zauberwort, sondern ‚intensivste Sterbebegleitung‘. Und wir verstehen darunter den medizinischen, den pflegerischen, sozialen und seelsorglichen Beistand, der gefordert ist, wenn die Zeit zum Sterben gekommen ist. Denn Sterben ist – wie gesagt – ein Stück unseres Lebens!“

„Wer die Humanität schützen will, liebe Schwestern und Brüder, wer die Freiheit des Sterbenden wahren will, der muss einen Schutzraum eröffnen helfen, in dem menschliche Zuwendung, umfassende Schmerztherapie, Palliativpflege und helfende, liebende Annahme stattfinden – und zwar überall in Deutschland.“

„Deshalb ist unsere eindeutige Botschaft an die Politik: Wir brauchen keine gesetzlich geregelte „Erlaubnis“ zur aktiven Sterbehilfe. Was wir hingegen brauchen, sind eine rechtliche und eine finanzielle Verbesserung der Rahmenbedingungen, damit menschliche, pflegerische und medizinische Zuwendung und Begleitung ein menschenwürdiges Sterben ermöglicht – und zwar zu Hause, in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern und Hospizen.“

(C) 2014 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.
Foto Kardinal Woelki (c) Erzbistum Berlin


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