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Zu Besuch bei Erfolgsautor Vittorio Messori am Gardasee
Von Elmar Bordfeld

Wir finden es genauso vor, wie es Vittorio Messori in seinem Vorwort zur „Schwelle“ mit Ciceros Worten beschreibt: „Si apud bibliothecam hortulum habes, nihil deerit“, frei übersetzt : Was fehlt dir noch, wenn du ein Arbeitszimmer voller Bücher hast, das auf einen kleinen Garten hinausgeht? Ein kleiner Schreibtisch, ein an einer langen Schnur hängendes Halogenlämpchen mit Knipser, ein Computer, ein Fotokopiergerät, zwei lange Reihen von Büchern. „Das ist nur die Hälfte“ sagt er, die andere ist in einem Lager vor der Stadt.

Die Stadt heißt Desenzano del Garda und ist ein am südwestlichen Zipfel des Gardasees gelegener Handels- und Touristenort. Dessen bedeutende Geschichte hatte uns Messori schon bei der Fahrt zu seinem Hause erklärt: „Hier liegt der kleine sturmsichere Hafen, wo die Venezianer Zoll kassiert haben, hier der Marmorstein, an dem von den Textilballen Maß genommen wurde und hier das Gebäude der General-kommandantur der Deutschen Wehr-macht, als die „Repubblica di Saló“, unweit von Desenzano, im Zweiten Weltkrieg in den letzten Zügen lag“. Von hier seien die langen Lastkähne nach Norden geschippert, und dort die Waren auf Zugkarren zum Transport über den Brenner umgeladen worden.

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In einer kleinen Erfrischungspause zeigt uns Messori voller Stolz die gerahmten Klappentitel aller seiner Bücher. Keinesfalls gibt er sich eingebildet, viel mehr bescheiden und geduldig mit uns Deutschen, deren Sprache er nicht versteht, denen er aber einige deutsche Sätze sagen kann. Eine seltene Kombination von Universalgelehrtem mit Forschungsschwerpunkt ‚Kirche’ und Journalist. Wie erfolgreich seine Bücher sind, weiß er auch nicht genau. „Aber von den Tantiemen kann ich gut leben, und bin deshalb ein freier und von niemand abhängiger Autor“. Für das Interview mit dem Papst war er dankbar. Es habe ihm „Ruhe gebracht“ und ihn angespornt, tiefer über den Glauben als Grundlage sinnvollen Christseins nachzudenken.

Wie war das denn mit dem Papstinterview, das so viel Aufsehen erregt und so viel Auflage erlebt hat? Messori plaudert aus den Nähkästchen: Eines Tages habe er eine Einladung nach Castel Gandolfo erhalten, um mit dem Papst über das Projekt zu sprechen. Als erstes habe er dem Papst gesagt: Heiligkeit, als Journalist fühle ich mich sehr über diese Einladung geehrt, als Glaubender halte ich es für keine gute Idee, den Papst zu interviewen“. Die Privatsekretäre seien erbleicht. Widerspruch in Papstge-mächern? Aber Johannes Paul habe nur kurz die Stirn gerunzelt und nach den Gründen gefragt. „Wenn der Papst anfängt, Interviews zu gebe, sei dies für die Kirche das Ende“, habe er, Messori, dem Pontifex gesagt und weiter: „Meinungsträger haben wir genug, aber Meister des Glaubens haben wir nur einen. Sie, Heiliger Vater, müssen über den Dingen stehen, Sie müssen lehren, Weisungen erteilen, dürften aber eigentlich keine Meinungen äußern“.

Bekanntlich habe sich der dickköpfige Papst dann doch durchgesetzt. Aber alle Vorbereitungen zu einem großen Fernsehinterview wurden abgeblasen. Johannes Paul II. habe alle Fragen schriftlich beantwortet und ihm durch seinen Pressesprecher Navarro-Valls mit einer persönlichen Widmung an den Gardasee bringen lassen. Aber – und das betont Messori immer wieder – „ mit allem Respekt und bei aller Liebe, auch zum Papst: „ Die Kirche allgemein und auch der Papst reden zu viel, schreiben zu viele Erklärungen und beteiligen sich auch zu sehr am Medienspektakel“. Auch im Fernsehen gebe es zu viele religiöse Sendungen. In Italien rufe das eine Gegenreaktion hervor, unterstreicht er und betont: „Der Klerikalismus provoziert Antiklerikalismus. Die Kultur wird zunehmend antiklerikal“.

Messori ereifert sich: Die Kirche mache zu viele Worte. Er habe einmal großes Aufsehen damit erregt, als er in der bischöflichen Zeitung „Avvenire“ dem Papst, den Bischöfen und allen Priester empfohlen habe, drei Sabbatjahre einzulegen: keine Reden, keine Dokumente, keine Reisen. Manche Reden des Papstes vor dem Angelus scheinen wie Kommentare zum „telegiornale“, zur Tagesschau, gerade jetzt wieder zum G8-Gipfel. Indem die Hierarchie alles kommentieren will, verdecke sie das, was die zentrale Botschaft des Evangeliums ist: der Sieg über den Tod und die Verheißung des Ewigen Lebens.

Die Situation in Deutschland ist Messori nicht unbekannt. Scherzhaft meint er: Glückliches Deutschland, das weniger Papstpräsenz in den Medien hat“. Natürlich nimmt er den Einwand ernst, dass so manches Papstereignis in den deutschen Medien gar nicht stattfindet, Papstworte verkürzt und verfälscht werden. Hier umfassend zu berichten sei „Aufgabe einer katholischen Presse, katholischer Medien“. Und dann schlägt ein wenig durch, was er von Ratzinger weiß: „Ihr habt im Grunde zu viel Geld. Jemand habe ihm einmal über die Kirche in Deutschland gesagt: Wenn auch der Glaube total verschwände, der Apparat läuft weiter“ . Er halte die Kirchensteuer in Deutschland für ein „Relikt aus der Reformationszeit“.

Zurück nach Italien. Ob er sich mit seiner manchmal harschen Kritik nicht Feinde schaffe? Ob er nicht bei Amtsträgern in Ungnade falle? Seine Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: „Mein Fall ist der Beweis, dass es in der Kirche viel Freiheit gibt“. Ausdrücklich habe das Zweite Vatikanum die Laien aufgefordert, ihre Meinung zu äußern. Vielleicht sei sein Vorteil, dass er dies nicht als Revoluzzer tue, sondern immer sachlich fundiert. Dann blickt er auf das Bild der heiligen Bernadette gegenüber seinem Schreibtisch und sagt schlicht: „Ich nehme mich selber nicht zu ernst“. Andere ihn schon mehr. Wo wir sitzen, saßen schon Bischöfe. Der Erzbischof von Bologna, Kardinal Giacomo Biffi, schreibt im Vorwort seines neuesten soeben in Italien erschienen Buches „Uomini. Storia, Fede (Menschen, Geschichte, Glauben): „Messori ist, Gott sei Dank, ein seltenes Original. Man muss nicht allen seinen genialen Ideen folgen, aber würdigen und wertschätzen müssen wir seinen mutigen Dienst an der Wahrheit und seine Liebe für die Kirche“.

Rückblick ohne Reue: Was habe man ihm nicht schon alles angeboten, Chefredakteursposten von Tages-zeitungen, Beraterposten bei Kurie und Kardinälen, eine schöne Position als „vaticanista“. Aber – so der Journalist: „Dank meiner zahlreichen Leser bin ich unabhängig, kann schreiben über das, was ich will und über das, was ich recherchieren möchte – und das sind vor allem Beweggründe für den Glauben“. Kaum jemand frage mehr nach der Wahrheit des Evangeliums. Kaum ein Priester glaube noch an die Göttlichkeit Jesu, man vermittle ihn eher als Philantropen. Die Kirche laufe Gefahr, nur noch „huma-nitärer Agenturbetrieb“ zu sein.

Was treibt einen Journalisten zu solch einer Mission? Vielleicht seine Konversion, deren Anlass er nicht verrät. Er spricht aber vom völlig agnostischen Umfeld seiner Jugend, dass er im letzten Universitätsjahr zu ersten Mal das Evangelium gelesen habe und dass ihn seitdem die Frage nicht mehr loslasse: Ist es wahr oder ist es nicht wahr. Diese Suche, dieser Forschung dienten seine inzwischen fünfzehn Bücher. Sein letztes Buch in deutscher Sprache ist jetzt im Sankt Ulrichs-Verlag, Augsburg erschienen. Titel: „Der Gläubige hat recht“.

Seine Erkenntnisse sieht er als eine Art Katechismus für so viele Christen, die inzwischen „kaum noch in der Lage sind, den neuen Heiden auf ihre Frage zu antworten: Warum denn gerade ich? Man kann doch so gut ohne Religion leben“. Und auch das ist eine Botschaft von Vittorio Messori: Religion könne nicht nur Hobby sein, Glaube gebe es nicht zum Nulltarif. Weil Gott uns die Freiheit gebe, zu glauben oder nicht. Er wisse wovon er rede: Weil das Evangelium wichtig sei, koste es Mühe, müsse man Zeit verlieren, müsse zum Glauben erziehen, und schließlich: „Ich will beweisen, dass der Glaube nicht nur etwas für Verrückte ist“.

Mit freundlicher Genehmigung des Autors!

Dieser Bericht erschien auch im Rheinischer Merkur Nr. 33/2001

Foto: (c) Elmar Bordfeld

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