19 September 2014, 07:30
Martin Lohmann: Wir sind eine große Ja-Bewegung!
 
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BVL-Vorsitzender im kath.net-Interview zum Marsch für das Leben: „Wir treten friedlich und mahnend für das Leben ein, für das Lebensrecht eines jeden Menschen, für das grundlegende Menschenrecht auf Leben, für ein Europa des Lebens und der Freiheit“

Köln (kath.net) „Jeder Lebensschützer hat großes Herz mit Liebe zum Menschen, zum Leben eines jeden Menschen“. Dies sagt Martin Lohmann (Foto), Vorsitzender des Bundesverbandes Lebensrecht (BVL). Gegenüber kath.net erläutert er, worum es beim „Marsch für das Leben“ (20. September in Berlin) wirklich geht und lädt „alle Menschen guten Willens“ ein, gemeinsam in Berlin ein „Zeichen für Leben, Freiheit und Toleranz“ zu setzen.

kath.net: Herr Lohmann, seit einigen Jahren führen Sie den jährlichen Marsch für das Leben als Vorsitzender des Bundesverbandes Lebensrecht (BVL) an. In dieser Zeit ist der Marsch bunter und größer geworden. Auch thematisch sind Sie breiter unterwegs. Im vergangenen Jahr waren es mehr als 4500 Teilnehmer. Worum geht es besonders?

Martin Lohmann:
Es geht um das Leben und die Freiheit zum Leben. Es geht um Menschenrechte und Sicherheit. Es geht um Respekt und Toleranz. Uns, die wir zum Marsch einladen und zusammen mit so vielen Unterstützern des Lebens friedvoll demonstrieren, geht es um das Werben für eine humane Gesellschaft, in der niemand Angst um sein Leben haben muss. Ganz gleich, wie alt oder jung er ist, wie gesund oder krank, unabhängig von seinen Eigenschaften und Fähigkeiten.

Und es stimmt, dass wir unseren Marsch für das Leben weiterentwickelt haben. Aber der Kern bleibt nach wie vor wichtig: Wir gedenken der weit mehr als 100.000 Kinder, denen in Deutschland Jahr für Jahr durch Abtreibung das Leben genommen wird.

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Auch wenn es ein Tabuthema ist: Abtreibung ist Tötung eine Menschen, aus welchen Motiven auch immer. Solange dies so ist, werden wir auf diesen Skandal, der eine schmerzvolle, offene Wunde in unserer Gesellschaft bildet, aufmerksam machen und dem Lebensrecht dieser Menschen eine Stimme geben.

kath.net: Sie plädieren für ein Europa ohne Abtreibung und ohne Euthanasie. Beides ist Ihnen wichtig?

Lohmann:
Ja. Unbedingt. Und alle Lebensgefährdungen zwischen dem Anfang und dem natürlichen Ende sind ebenfalls unser Thema.

Es ist leider wahr, dass das Lebensrecht am Anfang und inzwischen auch am Ende sehr gefährdet ist. Und wir stehen deshalb auf gegen das Töten, weil es kein Tötungsrecht gibt, auch und gerade nicht in einer friedlichen und solidarischen Gesellschaft.

Und wir treten unsererseits offen, friedlich und mahnend für das Leben ein, für das Lebensrecht eines jeden Menschen, für das grundlegende Menschenrecht auf Leben. Wir sind also für ein Europa des Lebens und der Freiheit, für eine Gesellschaft, in der es keine Angst vor und keine Flucht von der Verantwortung gibt. Wir befürworten eine tatsächlich glaubwürdige Humanität. Immer. Freiheit und Selbstbestimmung sind sehr wichtig, aber für jeden und niemals um den „Preis“ der Tötung eines anderen Menschen.

Es gibt keine Alternative zum Ja zum Leben. Die Devise muss sein: Helfen statt töten! Wir brauchen sehr viel mehr Hilfsangebote und Solidarität für Menschen in Notsituationen, damit das Ja zum Leben besser gelingen kann.

Niemand soll um sein Leben fürchten müssen – auch nicht diejenigen, die sich nach ihrer Zeugung noch nicht selbst äußern können. Ebenso wenig diejenigen, die sich am Ende ihres Lebens nicht mehr richtig äußern können. Auch unter widrigsten umstehen müssen wir die Würde achten und verteidigen.

kath.net: Aber gerade beim Lebensende gibt es doch viel Leid – in der Argumentation um Sterbehilfe ist es ja gerade das Mitleid, das ins Feld geführt wird.

Lohmann:
Ja, das verstehen wir sehr gut. Deshalb müssen wir viel mehr über Hilfen nachdenken und diese ermöglichen. Auch hier sage ich wieder: Helfen statt töten! Auch dadurch helfen, dass wir Schmerzen beseitigen – aber doch nicht Menschen! Menschenwürdig sterben können an der Hand eines Menschen, als Mensch. Aber nicht durch die Hand eines Menschen. Darum geht es.

Wir sind nicht die Herren über Leben und Tod. Wir sind nicht die Eigentümer, sondern die Bewahrer des Lebens.

Der Marsch für das Leben ist daher so etwas wie das Werben für das ganze Leben, und für Freiheit und Liebe. Nicht den Leidenden töten, sondern sein Leid! Die vielen tausend Unterstützer des Lebens, die nach Berlin kommen, setzen ein eindrucksvolles Zeichen für Humanität und Frieden. Ich bin jedem einzelnen, der sich die Mühe macht und kommt, sehr dankbar für dieses wichtige Signal.

Ich wiederhole gerne: Jeder Mensch ist liebens- und lebenswert. Jeder Mensch hat ein vorgegebenes Menschenrecht auf Leben.

Was die Teilnehmer des Lebensmarsches denken, sagen und tun, ist also nichts als letztlich völlig normal.

Sie erinnern daran, dass wir Sicherheit brauchen, dass jeder Mensch immer willkommen ist und Solidarität erfährt. Das ist wirklicher Fortschritt. Dafür stehen wir. Niemand darf zur Lebensgefahr für den Nächsten werden.

kath.net: Im BVL sind verschiedene christliche Lebensgruppen ökumenisch gemeinsam aktiv. Suchen Sie Unterstützer nur unter Christen?

Lohmann:
Keineswegs. Alle Menschen guten Willens sind eingeladen, ein Zeugnis für das Leben zu geben. Und die Bewahrung des Lebens ist ja kein Exklusivrecht für Christen. Ich weiß, dass es gelegentlich auch Widerstände gibt. Aber ich verurteile niemanden, der die Botschaft vom Leben nicht oder noch nicht versteht.

Und da sage ich für uns, dass wir in diesem Fall, also gegenüber Hass und Gewalt eine entschiedene Nein-Bewegung sind. Wir lehnen Hass, Gewalt und Psychoterror ab, so wie wir die Tötung von Menschen ablehnen.

Und wir laden alle ein zum demokratischen, anständigen und wertschätzenden Dialog. Alles andere verhindert Humanität.

Auf jeden Fall gilt: Es gibt letztlich viel Bestätigung, wie gut und notwendig der Einsatz für das Leben ist. Alle Menschen guten Willens sind eingeladen, für das Leben zu streiten. Wir müssen Anwälte einer Kultur des Lebens des Respekts sein!

kath.net: Wer wird auf der Kundgebung vor dem Kanzleramt reden?

Lohmann:
Betroffene, Experten, Menschen mit konkreter Erfahrung, Zeugen, die wissen, wovon sie reden. Es geht nicht um Vorwürfe oder Anklagen, es geht um Mut zum Leben. Es geht um die Befähigung zum Ja. Zum Ja zur Freiheit in Verantwortung und zum Ja zur Verantwortung in Freiheit.

kath.net: Der BVL hat ja auch konkrete Forderungen. Welche zum Beispiel? Manche behaupten, Sie wollten die Bestrafung von Abtreibungen.

Lohmann:
Das gehört zum Baukasten der Verwirrung, den manche nutzen. Und es bleibt wahr, dass das Thema Strafe nicht unser Thema ist. Erstaunlich ist, dass es andere immer wieder aufbringen, vermutlich, weil wir in anderen Bereichen zu Recht Strafe als Hilfe begreifen. Aber bei der Abtreibung? Ich glaube, dass sich manche Frauen und Mütter, aber auch Väter, selbst strafen durch die Tötung eines Kindes.

Also nochmals: Strafe ist nicht unser Thema. Hilfe sehr wohl!

kath.net: Und was fordern Sie konkret?

Lohmann:
Zum Beispiel das gesetzliche Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID) und neuer genetischer Test (NIPD) zum Zweck der tödlichen Selektion potenziell behinderter Menschen und nach Geschlecht. Es darf keine Menschen erster und zweiter Wahl geben. Jeder Mensch ist erste Wahl!

Zudem müssen die geltenden Abtreibungsgesetze und ihre Praxis einer gründlichen, ehrlichen wie umfassenden Prüfung und Korrektur unterzogen werden. Mit dem flüchtigen Blick auf die offizielle Abtreibungsstatistik wird der Bundesgesetzgeber seiner Beobachtungs- und Korrekturpflicht nicht gerecht. Und ganz wichtig: Die Finanzierung der Abtreibung durch den Staat einzustellen. In Deutschland werden die Kosten für über 90 Prozent aller „beratenen“ Abtreibungen in Höhe von jährlich mehr als 40 Millionen Euro aus den Haushalten der Länder bestritten.

Das bisher für die Finanzierung von Abtreibungen verwendete Geld muss dann als Hilfe zum Leben für Schwangere und Familien zukunftswirksam eingesetzt werden.

kath.net: Und im Blick auf die Sterbehilfe-Diskussion?

Lohmann:
Unter anderem dies: Dem drohenden Aufkommen von Sterbehilfe/Euthanasie muss Einhalt geboten werden. Jede Form der aktiven Beihilfe zum Suizid, nicht nur die gewerbsmäßige und organisierte, ist zum Schutz von Kranken strafbar zu stellen.

Niemand darf in eine moralische Zwangslage gebracht werden, sich rechtfertigen zu müssen, warum er leben will.

Es gibt kein menschenwürdiges Töten, es gibt aber ein menschenwürdiges Sterben. Jeder Mensch hat ein Recht auf Begleitung und Hilfe, auch in der Phase seines Sterbens. Deshalb brauchen wir eine menschenwürdige Sterbekultur, wozu die verstärkte Förderung der Palliativmedizin und flächendeckend angebotene Hospize gehören.

kath.net: Ja-Bewegung, Anwälte des Lebens, der Freiheit und der Toleranz – das hört sich gut und positiv an. Warum will man die Lebensschützer denn in eine dunkle Ecke drängen?

Lohmann:
Das weiß ich nicht. Vielleicht aus Ratlosigkeit. Oder aus Angst vor Verantwortung und den Konsequenzen der uns geschenkten Freiheit? Oder weil man die braune Keule gebrauchen will, wider Wahrhaftigkeit, Fakten und Fairness? Keine Ahnung.

Es wird viel gelogen, wahrscheinlich aus Angst vor Leben, Aufklärung und Humanität. Denn eigentlich ist das Ja zum Leben ja das Normalste und Natürlichste von der Welt.

Aber ganz ehrlich: Wir lassen uns durch Verleumdungen, die übrigens alle friedvollen Lebensschützer diskriminieren, und durch Intoleranz nicht ablenken. Was wirklich ist, ist schließlich immer stärker als Lügen und Negativpropaganda über unsere notwendige und ehrliche Aufklärungsarbeit.

Wer will, kann sich ein eigenes Bild am Samstag machen und sehen, wer tolerant und friedlich ist und wer nicht.

Sicher ist: Jeder Unterstützer hat großes Herz mit sehr viel Liebe zum Menschen, mit Respekt vor dem Leben und Wert eines jeden Menschen und deswegen drängt uns das Unrecht gegenüber Menschen auf die Straße und in die Öffentlichkeit. Wir bleiben tolerant.

Der diesjährige Marsch für das Leben findet am 20. Sept. 2014 in Berlin statt. Beginn um 13 Uhr vor dem Bundeskanzleramt. Weitere Infos: Marsch für das Leben 2014

Kurzer Videorückblick auf den Marsch für das Leben 2013 in Berlin:




Foto Lohmann (c) Lohmann Media



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