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Muss Kirchenlehre umdenken?

18. September 2014 in Kommentar, 11 Lesermeinungen
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Läuft das Lehramt Gefahr, in Wertungswidersprüche zur internationalen Menschenrechtsentwicklung zu geraten? Bischof Andreas Laun antwortet auf Artikel von Norbert Schauer, der von der Kirche die Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Liebe fordert


Salzburg (kath.net) „Kirchenlehre muss umdenken“, hieß es kürzlich in den „Salzburger Nachrichten“. Dass eine Lehre nicht denkt, sondern nur Menschen denken, sei der Zeitung verziehen, Geschrieben hat den Artikel Dr. Norbert Schauer, vermutlich um dem Leser der Zeitung in Kurzfassung das Ergebnis seiner Studie „Homosexualität-Liebe-Paarbeziehung“ zur Kenntnis zu bringen. Worin besteht seine These? Ausgangspunkt ist die Feststellung des Autors: Das Eheverständnis der Kirche steht zu homosexuellen Partnerschaften in einem „elementaren Spannungsverhältnis, das derzeit alle globalisierten Gesellschaften beschäftigt!“ Und weiter: „Die gesetzliche Implementierung dieser Partnerschaften „durch die meisten Staaten westlicher Provenienz“ fordert die Kirche heraus, ihre Lehre zu überdenken in Hinblick auf die „Vielfalt von Beziehungen“. Nebenbei angemerkt: Die Staaten „anderer Provenienz“ scheinen nichts zu bedeuten? Aber weiter: Die Kirche sollte dies als „Zeichen der Zeit“ sehen. All dem stehe, so Schauer, das Lehramt der Kirche „theologisch sprachlos gegenüber“. Man staunt über seine „Gehörlosigkeit“, auf Grund derer der Autor das Wort der Kirche offenbar nie gehört hat! Nach einem Exkurs in die Kirchengeschichte fordert der Autor: „Die zivile Verpartnerung gleichgeschlechtlich liebender Menschen ist von der Kirche als Rechtsinstitut sui generis anzuerkennen, als ein Ort von genuin eigener Art und Würde und von Gottespräsenz.“ Schauer meint zu wissen, was die Kirche tun müsste: Homosexuelle Liebespartnerschaften seien künftig nicht als begründete Ausnahme von der heterosexuellen Grundnorm der kath. Ehe zu werten. Tut sie das nicht, warnt der Autor: „Das Lehramt läuft sonst Gefahr in Wertungswidersprüche zur internationalen Menschenrechtsentwicklung zu geraten.“ Und Schauer meint auch zu wissen, wie die Kirche umdenken könnte: Die „auf Dauer angelegten gleichgeschlechtlichen Partnerschaften“ seien „im Sinne eines dynamischen Traditionsverständnisses als gelebte Ausdrucksgestalt des Christlichen … vom Lehramt theologisch neu zu denken, damit die Kirche in den pluralen Lebenswelten von heute diskurs- und abschlussfähig wird“.


Zu diesen Ausführungen ist kritisch anzumerken: Der Autor suggeriert ein „Lehramt“, das Entscheidungen auf Grund von Opportunität trifft. Kein Wort zur alles entscheidenden Frage nach der Wahrheit und der Begründung der Autorität dieses Lehramtes!

Ihm entgegen setzt er andere, offenbar von ihm als überlegen gedachte Autoritäten wie die „globalisierten Gesellschaften“, die Mehrheit der Staaten „westlicher Provenienz“ und „plurale Lebenswelten“!

Man möchte antworten: Selten so gelacht! Hätten die 12 Apostel so gedacht, hätte es niemals auch nur eine kleine Gruppe Christen jemals gegeben. Denn die Gesellschaft zur Zeit Jesu und nach ihm dachte und lebte auch „ziemlich anders“ als die Apostel es in Gehorsam zu ihrem Auftrag verkündeten. Sie waren absolut nicht „diskursfähig“ und „anschlussfähig“ zur damaligen Götter- und Aberglaubenswelt!

Soweit könnte man den Artikel als Kuriosum zur Seite legen. Aber ein Satz ist hochgefährlich, weil in ihm eine Drohung steckt und die ideologische Begründung einer Verfolgung der Christen, übrigens auch der Juden und der Muslime begründen könnte.

Schauer beruft sich nämlich auch auf die „Wertungswidersprüche“ der Kirche zur „internationalen Menschenrechtsentwicklung“. Das heißt im Klartext: Die Lehre der Kirche ist schon jetzt oder in naher Zukunft unvereinbar mit den Menschenrechten. Die Frage, welche Autorität diesen Menschenrechts-Nennungen zukommt, stellt Schauer nicht! Ein unfehlbares, weltliches Lehramt? Man erinnere sich, dass manche Leute schon versuchten, Abtreibung als Menschenrecht zu proklamieren!

Die Gefahr besteht aber darin: Menschenrechtsverletzungen werden von der öffentlichen Meinung verurteilt und auch gesetzlich verfolgt. Auf die Anfrage von Schauer umgelegt, würde dies bedeuten: Wenn die Kirche von ihrer Lehre nicht abrückt, verstößt sie gegen die Menschenrechte und darum kann und soll man gegen sie vorgehen! Die Verfolgung wäre ähnlich begründet wie im Rom der Kaiserzeit: Die Christen opfern den Göttern und dem Kaiser nicht!

Auf das Heute übertragen: Die Kirche unterwirft sich nicht den ideologischen Göttern und Dogmen politscher Korrektheit der Zeit, daher die Frage: Was soll man mit ihr, mit den Juden, mit den Muslimen machen? Verstaatlichung der Kindererziehung als erster Schritt? Aufhebung der Meinungsfreiheit als zweiter? Eine „Sittenpolizei“ für ideologisch inkorrektes Denken? Und was noch? Die Diskussion darüber wäre zumindest eröffnet.

kath.net-Buchtipp
Klartext III
Dialog mit dem Zeitgeist
Von Andreas Laun
Taschenbuch, 104 Seiten
2014 Dip3 Bildungsservice Gmbh
ISBN 978-3-902686-59-6
Preis 8.90 EUR
Leicht bestellbar im kathShop, lieferbar auch durch jede Buchhandlung


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