Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Nicht mehr ernst zu nehmen
  2. Der Vatikan ringt um die Definition der "Umweltsünde"
  3. Bischof Timmerevers legt sein Amt als Bischof von Dresden-Meißen nieder
  4. 'Ruft AfD-Wähler auf, sich die Kirchensteuer zu sparen'
  5. Afd-Sieg in Sachsen-Anhalt - Panik bei den Kirchen
  6. Ermahnung zur parteipolitischen Neutralität
  7. Regierung von Pennsylvania will Begriffe ‚Mutter‘ und ‚schwangere Frau‘ streichen
  8. Die Vision der Hölle und warum wir dringend die Göttliche Barmherzigkeit anrufen sollten
  9. Die konzilswidrige deutsche Synodalkonferenz
  10. Ein Mensch auf den Knien ist mächtiger als die Welt
  11. Papst bereitet Debatte zu strittigen Lehren seines Vorgängers vor
  12. Musikvideo zeigt Frau bei ‚Abtreibungsritual‘ auf der Toilette
  13. Wenn die Erinnerung bleibt, aber der Glaube schwindet
  14. US-Diözese errichtet Pfarre, die dem Märtyrer Matthew Ayariga geweiht ist
  15. Jerusalemer Patriarch will zwischen Putin und Selenskyj vermitteln

Behinderte aussortieren (zu) leicht gemacht

19. Juli 2014 in Chronik, 11 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Ein frühes, intensives Gen-Screening fördert damit systematisch die Intoleranz und Erbarmungslosigkeit gegenüber Menschen mit Behinderungen.


Konstanz (kath.net/CDL) Mit einer öffentlichen Kundgebung haben rd. 100 Kritiker und Betroffene auf Einladung der CDL-Baden-Württemberg am 16. Juli bereits zum dritten Mal vor dem Firmensitz der Firma Lifecodexx in Konstanz, einem Tochterunternehmen der GATC Biotech AG, Europas führendem Anbieter von DNA-Sequenzierdienstleistungen, demonstriert, um so auf die wachsende Intoleranz gegenüber Behinderten aufmerksam zu machen. Lifecodexx ist der erste deutschen Anbieter von Gentests vor allem zur Früherkennung von Kindern mit Down Syndrom. Auch Professor Dr. Holm Schneider, Leiter der Abteilung Molekulare Pädiatrie am Universitätsklinikum Erlangen, nahm ebenso wie junge Menschen mit Down Syndrom mit eigenen kritischen Stellungnahmen an der Kundgebung teil.

Zu den Gründen für die Protestaktion vor der Firma LifeCodexx AG äußert sich die Bundesvorsitzender der Christdemokraten für das Leben (CDL), Mechthild Löhr:

„Erstmalig im Sommer 2012, unmittelbar vor dem Beginn des Verkaufs des Pränataltests der Firma LifeCodexx AG haben die Christdemokraten für das Leben (CDL) in Konstanz auf diese gefährliche, neue Entwicklung durch ihren öffentlichen Protest aufmerksam gemacht. Leider konnte die Einführung des Gentests und seine Zulassung durch die zuständige Regierungspräsidentin in Freiburg nicht verhindert werden. Für Medizinprodukte erfolge lediglich eine Registrierung, so damals die Regierungspräsidentin.

Diese Gentests werden inzwischen bereits von drei Unternehmen bundesweit angeboten und sind überall am Markt verfügbar, da sie auf einer einfachen, eigentlich von jeder Arztpraxis durchzuführenden Blutentnahme bei einer Schwangeren basieren. Indikationen sind dazu nicht erforderlich. Damit ist klammheimlich, durch die Hintertür, eine neue Generation von „Nichtinvasiven Pränataltests“ (NIPN) etabliert worden, die bereits ab Ende der 9. Schwangerschaftswoche, gegen Aufpreis mit Expressdienst, die gezielte Suche nach Gendefekten ebenso jeder Frau anbietet wie auch die frühe Geschlechtsidentifikation. Die Tests sind vor allem auf die Identifikation von Trisomie 21, zunehmend aber auch auf anderen Genomveränderungen gerichtet. In einer Stellungnahme des Nationalen Ethikrates werden diese Testverfahren als hoch gefährliche Selektionsinstrumente bezeichnet, die die Einstellung zur Schwangerschaft und zu Kindern grundlegend negativ verändern werden.


Denn nun wächst der Druck auf jede Schwangere, bei Feststellung einer Genveränderung, z.B. beim Down Syndroms, noch schnell bis zur 12. Woche einer vermeintlich unkomplizierten, frühen Abtreibung des Kindes zuzustimmen. Es kommt immer häufiger zu einer fatalen „Schwangerschaft auf Probe“, und das Kind wird abgetrieben, sobald ein möglicher Gendefekt ausgemacht ist. Mit dem angeblichen Argument „mehr Sicherheit und Selbstbestimmung für die Frau“ wird in der Wirklichkeit ständig mehr Druck auf sie ausgeübt. Aus Angst davor, dass das Kind die gesundheitlichen und sonstigen Erwartungen nicht erfüllt, nimmt ohnehin schon die Zahl von Spätabtreibungen stetig zu.

Ein frühes, intensives Gen-Screening fördert damit systematisch die Intoleranz und Erbarmungslosigkeit gegenüber Menschen mit Behinderungen. Immer häufiger erleben Frauen bereits jetzt, dass sie scharfer Kritik ausgesetzt sind, wenn sie ein behindertes Kind zur Welt bringen. Seitens der Ärzte, dies schon aus möglichen Haftungsgründen bei Fehldiagnosen heraus, steigt die Bereitschaft, sofort zu einer Abtreibung zu raten, wenn genetische „Standardabweichungen“ erkannt werden. So zieht Schritt für Schritt eine neue intolerante, aber wirksame Form von Eugenik in unsere Gesellschaft ein.

Da bereits die ersten Krankenkasse die Kosten für die Testverfahren übernehmen und die Abtreibungen ebenfalls größtenteils aus der Staatskasse refinanziert werden, ist absehbar, dass trotz wortreicher Forderung nach „Inklusion von Behinderten“, in den ersten 9 Monaten des Lebens jetzt genau das Gegenteil forciert und gefördert wird. Diese neuen Testmethoden und ihre Konsequenzen verstoßen jedoch nicht nur gegen UN-Konventionen und EU-Rechtsprechung, sondern auch gegen das Grundgesetz, das Recht auf Leben (Art.1) Unversehrtheit (Art 2.), und Gleichheit (Art. 3) und gegen das Gendiagnostik- sowie Embryonenschutzgesetz.

Kinder und Erwachsene mit Down-Syndrom leben als glückliche und integrierte Menschen in unserer Gesellschaft. Sie gehören zu uns, sie leben gern und werden geliebt und sind teilweise sogar selbst in Berufen tätig. Andererseits werden leider die Ängste junger Familien vor den negativen Auswirkungen von Behinderungen gesellschaftlich so verstärkt, dass die Entdeckung z.B. von Trisomie 21 inzwischen schon als nahezu sicheres Todesurteil für Ungeborene gilt.

Gemeinsam mit vielen betroffenen Familien und mit Behindertenorganisationen sehen die Christdemokraten für das Leben (CDL) in dieser Entwicklung eine neue und höchst gefährliche Form von radikaler Diskriminierung einer ganzen Bevölkerungsgruppe, der das Recht zu leben abgesprochen wird. Die sich darüber hinaus angebotene frühe genetische Geschlechtsbestimmung, läßt für nicht gewünschte Jungen oder Mädchen Entwicklungen erkennen, wie wir sie bisher vor allem in kinderfeindlichen Ländern wie China oder Indien wahrgenommen haben, wo die Geschlechterselektion bereits selbstverständlich ist.

Die Gentests der Firma Liefecodexx AG und anderer Anbieter konterkarieren massiv alle Bestrebungen für eine Integration und Inklusionen von Menschen mit Behinderung. Die pränatalen Tests zu Trisomien ermöglichen Frauen kein Therapieangebot, sondern sollen frühzeitig Menschen identifizieren, die betroffen sind. Aufgrund der sehr hohen Identifikationssicherheit führt dies dazu, dass bald nahezu kein Kind mit Down- Syndrom mehr geboren werden wird. Die neuen Testverfahren geben Behinderten, ihren Familien und der Gesellschaft vor allem ein Signal: „Ein behindertes Kind muss heute nicht mehr sein.“ Dabei beweisen z.B. die Aktivitäten der Inklusion und Hilfe wie auch die Adoptionsmöglichkeit, dass auch für Kinder mit Behinderungen Platz in unserer Gesellschaft ist. Jedes Kind mit Behinderung muss in unserer Gesellschaft offen angenommen werden. Sonst verkommen die Reden über Menschenwürde und Gleichheit zur leeren Floskel.

Mit modernster Diagnose- und Informationstechnik wird durch die neuen Pränataltests ein mit hohem finanziellem Profit verbundener Feldzug gegen Menschen mit bestimmten, genetisch unerwünschten Merkmalen geführt. Was harmlos als „Medizinprodukt“ und für die Frau ungefährlicher Bluttest verkauft wird, bedeutet in der Realität bereits zwei Jahre nach seiner Einführung ein flächendeckendes Screening Netz, dessen Angebot gezielt auf die Identifikation und Selektion von Menschen mit Behinderung abzielt. Dies sollten wir in unserem Land nicht länger zulassen. Hier ist unser Protest unerlässlich, denn sonst bald wird jede Schwangerschaft unter dieser neuen „Genqualitäts-Kontrolle“ stehen. Nicht alles was technisch möglich und ökonomisch erwünscht ist, darf im Interesse einer humanen Gesellschaft umgesetzt werden! Der Protest gegen die Gefährdungen durch Kernkraftreaktoren hat aus kleinen Anfängen weitreichende Wirkung entfaltet. Die bundesweite Zulassung einer vorgeburtlichen Diagnostik, die allein darauf abzielt, die Geburt dieser Menschen durch Abtreibung zu verhindern, ist skandalös und erfordert dringenden Protest. Wer heute ernsthaft an Inklusion und Achtung der Menschenwürde aller interessiert ist, muss energisch protestieren, wenn eine inhumane Selektionstechnik zum neuen Instrument der Schwangerschaftskontrolle und der Familienplanung, zu einer schleichenden „Eugenik von unten“ wird.

Foto der Kundgebung


Foto: kath.net/Christdemokraten für das Leben (CDL)


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Abtreibung

  1. ‚Man kann nicht ‚Black Lives Matter‘ sagen, wenn das Leben schwarzer Babys nicht zählt‘
  2. US-Lebensschützer ändern Wortwahl nicht: Abtreibung ist Tötung eines Ungeborenen
  3. Argentinien tritt Lebensschutz-Koalition bei
  4. SPÖ-Ministerinnen fordern ‚Schutzzonen‘ um Abtreibungskliniken
  5. US-Senat bestätigt Todd Blanche als Justizminister – Pläne gegen Versandhandel mit Abtreibungspillen
  6. US-Bischöfe rufen Amerikaner zu Gebet und Aktionen gegen Abtreibungspillen auf
  7. Zürcher ‚Marsch fürs Läbe‘ erneut nach Oerlikon verlegt
  8. GRÜN-Politikerin möchte das Töten von zwölf ungeborenen Kindern finanzieren
  9. ‚Marsch fürs Läbe‘: Organisatoren beharren auf Kundgebung in der Zürcher Innenstadt
  10. Knappe Mehrheit der US-Amerikaner für Abtreibung nur in wenigen Ausnahmen






Top-15

meist-gelesen

  1. EILT - Sommerspende für kath.net - Bitte helfen SIE uns JETZT!
  2. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  3. Nicht mehr ernst zu nehmen
  4. Französischer Bischof Mica: Der Papst ist in der Rupnik-Frage „wirklich sehr entschlossen“
  5. Als Mutter Teresa im Wiener Stephansdom zu Gebet und Lebensschutz aufrief
  6. Kardinäle Müller und Burke empfehlen Mel Gibsons „Die Passion Christi“
  7. Kaiser Otto der Große wurde im Magdeburger Dom erneut beigesetzt
  8. Es ist noch nicht zu spät! Die Schöpfung als Ruf zur Umkehr
  9. Sieg vor Gericht für Kardinal Marc Ouellet
  10. Wenn die Herrlichkeit auszieht
  11. „Fest in der Realität verankert, immun gegen Illusionen, ohne uns von Angst überwältigen zu lassen“
  12. Ständige Anbetung in Mainz unter Druck
  13. Wenn die Erinnerung bleibt, aber der Glaube schwindet
  14. Maria, die Mutter des Friedens
  15. Jerusalemer Patriarch will zwischen Putin und Selenskyj vermitteln

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz