14 März 2003, 13:44
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Die römische Liturgie und ihr Feind - Ein ungewöhnliches Buch des Schriftstellers Martin Mosebach über die Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil - Ein absoluter Lesetipp

Zu den unbesiegbaren Legenden des vergangenen Jahrhunderts gehört die Behauptung, das Zweite Vatikanische Konzil habe die überlieferte römische Liturgie abgeschafft. Dabei kann sich der in der Geschichte einzigartige liturgische Traditionsbruch der nachkonziliaren Ära auf das Konzil eben gerade nicht berufen. Dort war nur eine "behutsame Durchsicht" der liturgischen Bücher gefordert worden, keineswegs aber der tatsächlich praktizierte Übergang von "einer gewachsenen zu einer gemachten Liturgie" (Kardinal Ratzinger). Martin Mosebach hat der untergegangen römischen Liturgie und der von Papst Paul VI. in einem autokratischen Akt gegen den Rat vieler Bischöfe geschaffenen neuen Liturgie eine Reihe von Betrachtungen gewidmet, die er zum Teil auch als Reden gehalten hat. Seine Verteidigung der römischen Liturgie nach der "Reform" lebt aus der Einsicht der Irreversibilität historischer Prozesse, aber auch aus der unvernünftigen Hoffnung, das letzte Wort über den alten Ritus sei noch nicht gesprochen.

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Stimmen zum Buch:

"Ein liturgiewissenschaftlich bedeutsame Buch" (www.stjosef.at)

Nun wäre es falsch, Mosebach als Traditionalisten abzutun oder ihn mit dem Etikett des elitären Ästheten zu versehen. Zu viele Beobachtungen finden sich in seinem Buch, an denen auch die Liturgiewissenschaft nur zu ihrem eigenen Schaden vorbeigehen kann. So deckt Mosebach etwa bei der Änderung der Zelebrationsrichtung einen Bruch zwischen Form und Gehalt auf: Das Modell der neuen Liturgie sei «der Vorstandstisch bei einer Partei- oder Vereinssammlung mit Mikrophon und Papieren». Wenn der Priester beim Gebet die versammelte Gemeinde anschaue, werde verdunkelt, dass Gott der eigentliche Adressat des Gebets sei. ...
Weiter konstatiert Mosebach, dass heute bei herausgehobenen Augenblicken der Liturgie, speziell der eucharistischen Wandlung, immer weniger gekniet werde. Der historische Hinweis, das Knien sei eine mittelalterliche Andachtsform, auch in der Kirche des ersten Jahrtausends habe man gestanden, wird von ihm als taktischer Archäologismus enttarnt. Wer heute, nachdem man jahrhundertelang gekniet habe, für die Rehabilitierung des Stehens eintrete, wolle damit der Verehrung des eucharistischen Christus ein Ende bereiten.
... Auch die vom Konzil nachdrücklich betonte «tätige Teilnehme aller Gläubigen» bei der Liturgie wird von Mosebach kritisch beleuchtet. Wo dieser Grundsatz als Freibrief für eine konsequente «Demokratisierung der Liturgie» genommen wird, verdrängt nicht selten Umtriebigkeit das Gebet. Manche Liturgen machen die Abweichung vom offiziellen Ritus zur Methode und verkennen dabei, dass eine selbst fabrizierte Liturgie immer von der begrenzten Kreativität des Liturgen abhängig ist. Durch die Verteilung möglichst vieler Rollen bei der «Gestaltung» des Gottesdienstes kann es geradezu passieren, dass der, der einen Gottesdienst besucht, um dem Heiligen zu begegnen, als Theaterkritiker wieder herauskommt. Nicht ohne maliziösen Unterton fragt Mosebach, worin die aktive Teilnahme der Jünger im Abendmahlssaal bestand, als diese sich die Füsse waschen liessen. (Neue Zürcher Zeitung)

Mit Ausnahme des Philosophen Robert Spaemann hat bisher kein deutscher Laie die innerkirchliche Schweigespirale in puncto römische Liturgie eloquenter durchbrochen. ...
Der Charme des Buches beruht auf der differenzierten Sicht des Verfassers. Sie hebt sich wohltuend vom traditionalistischen Mainstream ab. Dem Autor liegen kirchenpolitische Ambitionen ebenso fern wie Sentimentalitäten. Die in Traditionalis-tenkreisen heftig diskutierten Streitpunkte - etwa der Akzeptanzgrad des Missale von 1970 - klammert er aus. Anders als nicht wenige Anhänger der alten Liturgie vermeidet Mosebach es, angesichts der innerkirchlichen Widerstände in törichte Larmoyanz zu verfallen. Im Gegenteil: "Der Zusammenbruch der Liturgie in der offiziellen Kirche hat auch etwas Gutes: Der Ritus ist jetzt wieder ein wirkliches Mysterium, in dem Sinne, dass er, wie eigentlich auch vorgesehen, im Verborgenen gefeiert wird."
... Doch unter besonnenen Zeitgenossen und in der jungen Generation, die auf der Suche nach den Schätzen der Kirche ist, wird das Buch ein Publikum finden. Tot ist die römische Liturgie ja nie gewesen. (Die Tagespost)

Interview von der "Welt" mit Martin Mosebach

Martin Mosebach
Häresie der Formlosigkeit
Die römische Liturgie und ihr Feind
Broschiert, 157 Seiten
15,00 EUR
Karolinger Verlag

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