07 Mai 2014, 10:32
Nigerias Regierung gerät wegen entführter Mädchen unter Druck
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Islam'
Kardinal Onaiyekan: Bekannt, dass die islamistische Terrorgruppe "kein Gefühl für Menschlichkeit" besitze und unschuldige Menschen töte. Aber dass sie fast 300 Kinder im Nordosten Nigerias wegschaffen können ohne jede Spur, macht uns wirklich perplex

Genf/Abuja (kath.net/KNA) Im Fall der in Nigeria entführten Schulmädchen mehrt sich die Kritik an Staatspräsident Goodluck Jonathan. Die Regierung müsse ihre Bürger mit «allen nötigen Maßnahmen» vor Gewalt und Verbrechen schützen, wenn sie nicht selbst an Menschenrechtsverletzungen schuldig werden wolle, erklärte das UN-Menschenrechtskommissariat am Dienstag in Genf. Der Kardinal der Hauptstadt Abuja, John Olorunfemi Onaiyekan, sagte, Nigerias Bevölkerung sei «verblüfft», dass drei Wochen nach der Verschleppung «praktisch nichts Konkretes in der Sache» zu hören sei.

Werbung
KiN Fastenzeit


Es sei bekannt, dass die islamistische Terrorgruppe Boko Haram «kein Gefühl für Menschlichkeit» besitze und unschuldige Menschen töte, so Onaiyekan. «Aber dass sie fast 300 Kinder im Nordosten Nigerias wegschaffen können ohne jede Spur, wo sie sich aufhalten, macht uns wirklich perplex», sagte der Kardinal am Dienstag dem Sender Radio Vatikan.

UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay drängte Nigerias Staatspräsident in einem Brief, keine Anstrengung für eine sichere Rückkehr der Entführten auszulassen. Die Regierung stehe in der Pflicht, das Grundrecht auf Bildung für Mädchen und Jungen zu garantieren und sie vor Gewalt, Verfolgung und Einschüchterung zu schützen, heißt es in dem Schreiben, das auch von den UN-Vertreterinnen für Frauen, sexuelle Gewalt in Konflikten und Kinder in bewaffneten Konflikten unterzeichnet wurde.

Boko-Haram-Kämpfer hatten vor drei Wochen in Chibok im nordostnigerianischen Bundesstaat Borno 276 Schülerinnen verschleppt. 53 gelang die Flucht; 223 sind nach Polizeiangaben noch in der Hand ihrer Entführer. Wo sie sich aufhalten, ist nicht bekannt. Medienberichten zufolge sollen einige der Mädchen für umgerechnet neun Euro in Kamerun und Tschad zwangsverheiratet worden sein. Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau erklärte in einer Video-Botschaft, er wolle die Mädchen als Sklavinnen verkaufen.

Das UN-Menschenrechtskommissariat nannte diese Ankündigung «dreist» und «schamlos». Sklaverei und sexuelle Ausbeutung seien nach internationalem Recht absolut verboten und könnten ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen. «Die Mädchen müssen unverzüglich und unversehrt ihren Familien zurückgegeben werden», sagte ein Sprecher Pillays.

Unterdessen wächst der Protest von Eltern und anderen Bürgern gegen ausbleibende Erfolge bei den Ermittlungen. Für Mittwoch kündigten Schüler in Borno Kundgebungen an. Wenn die Schülerinnen nicht 40 Tage nach ihrer Entführung wieder bei ihren Familien seien, solle es weitere Proteste in Bornos Hauptstadt Maiduguri geben, so die Initiatoren laut der nigerianischen Tageszeitung «The Punch» (Dienstag).

In der nigerianischen Hauptstadt Abuja sind die Sicherheitsvorkehrungen massiv verstärkt worden. Dort beginnt Mittwoch das dreitägige Weltwirtschaftsforum für Afrika. Dazu werden Wirtschaftsexperten und Politiker aus der ganzen Welt erwartet. Die Regierung ordnete an, dass für die Tagungsdauer öffentliche Schulen und staatliche Einrichtungen geschlossen bleiben.



(C) 2014 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung auf ein Konto in Ö, D oder der CH oder via Kreditkarte/Paypal!










Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 
App play store iTunes app store Jetzt kostenlos herunterladen! mehr Infos Instagram
meist kommentierte Artikel

Eine moralische Pflicht zum 'Kirchenaustritt'? (238)

Soll in Deutschland die katholische Sexualmoral abgeschafft werden? (124)

Nach der Vollversammlung der DBK: Deutscher Katholizismus am Abgrund? (64)

Der Abschied von der Moral (55)

Nicht richten, nicht verurteilen, immer geben und großherzig sein! (44)

"So eine Gesinnungsterrror gab es wohl zuletzt in der Nazizeit" (42)

Umweltschutz mutiert immer erkennbarer zur Ersatzreligion (38)

Über die Fragestellung eines häretischen Papstes (33)

Deutscher Theologe meint: Liturgie begünstige Missbrauch in der Kirche (29)

Solidarität mit Muslimen - Schweigen bei Anschlägen auf Christen? (27)

'Synodaler Weg' - Es gab Stimmenthaltungen! (26)

„DBK betreibt abscheulichen Missbrauch mit dem Missbrauch“ (25)

Jesus-Anspielung im neusten Asterixfilm – ein Grund zum Ärgern? (24)

„Können wir akzeptieren, dass sich Bischofskonferenzen widersprechen?“ (20)

Missbrauch: US-Katholiken überdenken Zugehörigkeit zur Kirche (20)