Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. George Weigel an Kardinal Hollerich: Hat die Kirche Christus zweitausend Jahre lang missverstanden?
  2. Kard. Müller: „Niemand hat das Recht den Papst zu kritisieren, wenn er treu seinem Auftrag folgt“
  3. Phil Lawler: Die Kontroverse zwischen Trump und Papst Leo ging von Washington aus
  4. Schwedischer Kirchenhistoriker: Viele junge Menschen wollen katholisch werden, besonders Männer
  5. Trump gegen Papst Leo: Wenn Weltpolitik auf das „Heilige“ trifft
  6. Setzt euer Vertrauen nicht in Prinzen!
  7. Gericht verhandelt über Diskriminierung einer Lebensschutzgruppe an der Uni Heidelberg
  8. Marsch für das Leben München – Unterstützung von Bischof Barron, Schweigen von Marx und Wilmer
  9. Papst Leo gegen Präsident Trump – Was steckt dahinter?
  10. Ein Brief vom Papst an die Kardinäle und der Stilwechsel in Rom
  11. Viel Lärm um nichts?
  12. Kardinal Koch betont den zutiefst christozentrischen Charakter des Pontifikats von Papst Leo XIV.
  13. Renaissance des Glaubens: Amerikas junge Männer kehren in die Kirchen zurück
  14. Kardinal Fernández: Es laufen keine dezidierten päpstlichen Großaufträge am Glaubensdikasterium
  15. Nach Extremerfahrung des Mondflugs: Artemis-Kommandant Wiseman fragte nach christlichem Seelsorger

Patriarch: Islamisten verübten in Maalula Kriegsverbrechen

24. April 2014 in Chronik, 5 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Gregorios III. von Antiochien: "Kriminelle Gleichgültigkeit des Westens, der unter dem falschen Vorwand, die Demokratie zu verteidigen, weiterhin dieses Schauspiel der Zerstörung unterstützt"


Beirut-Berlin (kath.net/KAP) Die Verwüstung der überwiegend von Christen bewohnten syrischen Stadt Maalula und seiner historischen Kirchen durch Islamisten, die die Stadt besetzt gehalten hatten, wertet der melkitische Patriarch von Antiochien, Gregorios III. Laham, als "ein echtes Kriegsverbrechen". Regierungstruppen hatten die Stadt 60 Kilometer nordöstlich von Damaskus vor Ostern zurückerobert. Der libanesischen Tageszeitung "L'Orient le Jour" (Donnerstag) sagte Laham, für den Vandalismus der Islamisten gebe es keine militärische Rechtfertigung.

Zugleich kritisierte der Kirchenvertreter eine "kriminelle Gleichgültigkeit" des Westens, der "unter dem falschen Vorwand, die Demokratie zu verteidigen, weiterhin dieses Schauspiel der Zerstörung unterstützt".

Der griechisch-katholische Patriarch hatte sich vergangene Woche zusammen mit dem griechisch-orthodoxen Patriarchen von Antiochien, Johannes X. Yazigi, sowie Vertretern der syrisch-katholischen, syrisch-orthodoxen und armenisch-orthodoxen Christen in das Dorf begeben, das seit Monaten wiederholt in Gefechte zwischen Regierungstruppen und Kämpfern der Al Kaida nahestehenden Rebellengruppe Jabhatal-Nusra (Nusra-Front) geriet.

Alle vier historischen Kirchen des Dorfes seien betroffen, sagte Gregorios III. der Zeitung. "Uns bot sich ein Bild der Apokalypse. Andere Kirchen sind in Syrien zerstört worden, aber so etwas habe ich noch nie gesehen", so der Patriarch. Er erinnerte daran, dass von sechs entführten Dorfbewohnern ebenso jede Spur fehle wie von den beiden in Syrien entführten orthodoxen Bischöfen.

Das strategisch wichtig gelegene Christendorf Maalula westlich der syrischen Hauptstadt Damaskus ist mit seinen frühchristlichen Kirchen und Höhlenklöstern traditionell ein bedeutender Pilgerort. Das Dorf mit rund 2.000 Einwohnern ist einer der wenigen Orte, an dem noch Aramäisch gesprochen wird, die Sprache Jesu.


"Alles steht auf dem Spiel"

Viele Christen in Syrien setzen unterdessen ihre Hoffnungen auf Präsident Basharal-Assad, sagte der Direktor des "Christlichen Hilfsbundes im Orient" (Bad Homburg), Andreas Baumann, der deutschen evangelischen Nachrichtenagentur "idea" (Mittwoch). Zwar sei in der Vergangenheit unter Assad längst nicht alles gut in dem diktatorisch regierten Land gewesen, doch er habe der christlichen Minderheit Religionsfreiheit garantiert, sagte Baumann unter Berufung auf Äußerungen von Mitarbeitern christlicher Partnerorganisationen in Syrien. "Einheimische Gläubige sagen uns: Wir hatten Freiheit und Sicherheit. Heute steht alles auf dem Spiel."

Viele Christen hätten das Land verlassen, und die übrigen fürchteten um ihr Leben. Schätzungen gehen davon aus, dass eine halbe Million Christen ins Ausland geflohen sind. Etliche der christlichen Armenier hätten in Armenien Schutz gesucht, so Baumann. Das Land habe sich bereit erklärt, alle Landsleute aus Syrien aufzunehmen.

Im Blick auf Maalula sagte Baumann, er beurteile Assads Osterbesuch in der christlichen Stadt Maalula skeptisch. "Diese Bilder vom Besuch des Präsidenten bei den Christen in Maalula sind für das Regime sehr wertvoll und werden von der Staatspropaganada ausgeschlachtet. Assad zeigt sich als Beschützer religiöser Minderheiten." Deren Schutz sei zwar eine gute Sache. Doch vor allem gehe es darum, die Christen zu benutzen, um die eigene Macht zu festigen.

Am 3. Juni finden in Syrien Wahlen statt. Baumann zufolge gibt es auch Christen, die sich eine Zukunft mit Assad nicht vorstellen könnten. Dazu zählten diejenigen, die sich der Forderung des Regimes widersetzt hatten, zu den Waffen zu greifen, um ihre Freiheit gegenüber den muslimischen Rebellen zu verteidigen.

"Einige Christen lehnen es bewusst ab, sich selbst zu bewaffnen und so Teil des Bürgerkriegs zu werden", berichtete der NGO-Leiter. Nach seinen Worten brauchen die im Land verbliebenen Christen dringend Unterstützung aus dem Ausland - vor allem, um die vielen Flüchtlinge versorgen zu können, die in Syrien geblieben sind: "Noch können wir garantieren, dass unsere Hilfe wirklich ankommt."

Assad verspricht, die Kirchen zu verteidigen

Maalula war von Rebellen, darunter Kämpfern der Terrororganisation Al Kaida nahestehenden Nusra-Front, 2013 mehrmals wochenlang besetzt worden. Eine Woche vor Ostern wurde der Ort von Regierungstruppen eingenommen.

Bei seinem Besuch versprach Assad, die Christen zu verteidigen und ihre Kirchen zu beschützen. Sie gehörten zum kulturellen Erbe des Landes, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Sana den Präsidenten.

Assad ließ sich unter anderem die Schäden am griechisch-orthodoxen Thekla-Kloster zeigen. "Maalula wird standhaft bleiben im Angesicht der Barbarei all jener, die gegen unsere Heimat vorgehen", sagte er dem staatlichen Fernsehen. Assad wünschte den Christen ein "glückliches Osterfest".

Osterbotschaft des Patriarchen

Der griechisch-orthodoxe Patriarch Johannes X. Yazigi appellierte in seiner Osterbotschaft an die Bürgerkriegsparteien, Einschüchterung, Vertreibung und Extremismus zu beenden. Die Christen in Syrien beugten sich nicht vor Extremisten, die "unsere Leute und heiligen Orte" angreifen.

Der Bischof der syrisch-orthodoxen Kirche im Libanon, George Saliba (Beirut), ist davon überzeugt, dass Christen in Syrien keine Zukunft mehr haben, wenn Assad die Macht verlieren sollte: "Mit Assad leben wir besser." Saliba hatte die Christen in Syrien wiederholt aufgefordert, im Land zu bleiben: "Dort sind unsere Wurzeln."

Doch gerade Christen werden in den letzten Monaten verstärkt von radikal-islamischen Rebellen angegriffen, die sie als Ungläubige betrachten und der Unterstützung der Assad-Regierung verdächtigen. In dem seit drei Jahren andauernden Konflikt sind mehr 100.000 Menschen ums Leben gekommen. Von den 21 Millionen Einwohnern Syriens waren vor dem Bürgerkrieg 90 Prozent Muslime und 6,3 Prozent Christen, davon jeweils drei Prozent Katholiken und Orthodoxe sowie kleine Gruppen von Protestanten. Die übrige Bevölkerung bestand aus Nichtreligiösen oder Anhängern anderer Religionen.

Is the language of Jesus Christ endangered? - Maalula vor fünf Jahren in Friedenszeiten


Copyright 2014 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Syrien

  1. Syrien: katholische Melkiten sagen aus Sicherheitsgründen alle Kar- und Osterliturgien ab
  2. Besuch des syrischen Präsidenten - „Kirche in Not“ fordert Bundeskanzler Merz zum Handeln auf
  3. „Syrien darf nicht islamistisch werden“ – Missio-Nationaldirektor Wallner im Krisenland
  4. Syrien: Evangelikaler Pastor mit gesamter Familie ermordet
  5. Massaker in Syrien: Dramatischer Appell der Kirchenführer
  6. Vatikan fordert wichtige Rolle für Christen in Syrien
  7. Syriens neuer Machthaber äußert Hochachtung für Papst Franziskus
  8. Syrien: Neuer Machthaber macht Christen Zusicherungen
  9. Neuer Bischof von Aleppo ernannt - 2014 von Milizen entführt
  10. Syrien: „Eine knappe Minute war schlimmer als 12 Jahre Krieg“







Top-15

meist-gelesen

  1. Große SIZILIEN-Rundreise mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  2. Kard. Müller: „Niemand hat das Recht den Papst zu kritisieren, wenn er treu seinem Auftrag folgt“
  3. "Derselbe Polarstern"
  4. Der unerklärte Formatwechsel beim Konsistorium der Kardinäle im Januar
  5. Ein Brief vom Papst an die Kardinäle und der Stilwechsel in Rom
  6. „Wenn man der Wahrheit einen Namen geben möchte, ist das sicher Gott“
  7. George Weigel an Kardinal Hollerich: Hat die Kirche Christus zweitausend Jahre lang missverstanden?
  8. Phil Lawler: Die Kontroverse zwischen Trump und Papst Leo ging von Washington aus
  9. Nach Extremerfahrung des Mondflugs: Artemis-Kommandant Wiseman fragte nach christlichem Seelsorger
  10. Papst Leo gegen Präsident Trump – Was steckt dahinter?
  11. Marsch für das Leben München – Unterstützung von Bischof Barron, Schweigen von Marx und Wilmer
  12. Schwedischer Kirchenhistoriker: Viele junge Menschen wollen katholisch werden, besonders Männer
  13. Kardinal Fernández: Es laufen keine dezidierten päpstlichen Großaufträge am Glaubensdikasterium
  14. Setzt euer Vertrauen nicht in Prinzen!
  15. „Die Generation Z, die in Manhattan zur Messe kommt, sucht keine alternative Clubszene“

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz