Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. ADIOS!
  2. „In Deutschland tobt derzeit ein Kirchenkampf“ - Droht ein Schisma?
  3. Debatte um Leitung der Deutschen Bischofskonferenz - Lehramtstreue Bischöfe als „Königsmörder“?
  4. ‚Dubia‘ an den Vatikan – US-Priester bitten um Klärung hinsichtlich liturgischer Änderungen
  5. Hat der Synodale Weg „die katholische Kirche in Deutschland in Machtspiel und Kampfzone verwandelt“?
  6. Synodaler Weg führte zu Streit und Verwerfung
  7. "Entsprechend klein ist die Lücke, die er hinterlässt"
  8. Papst Leo sendet kraftvolle Grußbotschaft an die Teilnehmer des „Marsch für das Leben“/Washington
  9. Niederländischer Weihbischof Mutsaerts: „Möchte mich nun an liberale Theologen und Gläubige wenden“
  10. Vatikan dementiert Bericht über Abweisung Macrons durch den Papst
  11. THESE: Und die Bibel hat doch Recht!
  12. „Catholic Herald“: „Irlands schwindende Familien“
  13. Katholikin Eva Vlaardingerbroek verliert Einreiseerlaubnis nach Großbritannien
  14. L'Avvenire sorgt für Confusione!
  15. US-Vizepräsident Vance wird erneut beim „March for Life“ teilnehmen und sprechen

Christus ist in die Verborgenheit gegangen

19. April 2014 in Spirituelles, 1 Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Joseph Ratzinger: Der Geist der Hoffnung, den die Gebete des Karsamstags atmen, sollte unser ganzes Christsein neu durchdringen - Teil 3


Rom (kath.net) kath.net veröffentlicht die „Drei Meditationen zum Karsamstag von Joseph Ratzinger (1969):

3. MEDITATION
Die Grablegung.

Im Breviergebet des Priesters ist die Liturgie der drei Kartage besonders sorgfältig gebaut; die Kirche will uns in ihrem Beten gleichsam selbst hineinziehen in die Wirklichkeit der Passion des Herrn, uns über das Reden hinaus in die geistige Mitte des Geschehenen führen. Wenn man versucht, die Gebetsliturgie des Karsamstags zusammenfassend zu kennzeichnen, so wird man vor allen Dingen berührt sein von dem tiefen Frieden, den sie atmet. Christus ist in die Verborgenheit gegangen, aber auch inmitten des undurchdringlichen Dunkels in die Geborgenheit, ja, er selbst ist unser aller letzte Geborgenheit geworden; jetzt erst ist das kühne Wort des Psalmisten wahr geworden: Und wenn ich in der Hölle mich bergen wollte, auch da noch bist Du. So geht es aber durch diese Liturgie, je mehr sie voranschreitet, wie ein Morgendämmern, die ersten Lichter des Ostermorgens leuchten in sie hinein. Wenn der Karfreitag uns die zerschundene Gestalt des Durchbohrten vor die Augen stellt, so erinnert die Karsamstagsliturgie viel eher an das Kreuzbild der alten Kirche: an das Kreuz, das von Lichtstrahlen umgeben ebensosehr Zeichen des Todes wie der Auferstehung ist.


So kann uns aber der Karsamstag noch einmal auf eine Seite christlicher Frömmigkeit hinweisen, die uns im Laufe der Zeit vielleicht allzusehr aus dem Bewusstsein abhanden kam. Wenn wir heute betend auf das Kreuz hinschauen, sehen wir darin meist ausschließlich einen Verweis auf die geschichtliche Passion des Herrn auf Golgotha. Aber der Ursprung der Kreuzesfrömmigkeit ist ein anderer: Die Christen beteten nach Osten gewendet zum Zeichen ihrer Hoffnung darauf, dass Christus, die wahre Sonne, aufgehen werde über der Geschichte, zum Zeichen also ihres Glaubens an die Wiederkunft des Herrn. Das Kreuz ist zunächst mit dieser Ostung des Gebetes eng verbunden, es wird dargestellt gleichsam als das Feldzeichen, das dem König bei seiner Ankunft vorangetragen wird, im Kreuzbild ist geradezu die Spitze des Zuges schon in der Mitte der Betenden angelangt. So ist für die frühe Christenheit das Kreuz vor allem Zeichen der Hoffnung, nicht so sehr Zuwendung zum Vergangenen als Hinwendung zum kommenden Herrn. Gewiss entbehrte es nicht einer tiefen Notwendigkeit, daß mit der fortschreitenden Entwicklung immer stärker der Blick sich zurückwandte auf das Geschehene: Gegen alle Verflüchtigung ins Geistige, gegen das Wegdeuten der Fleischwerdung Gottes, mußte die bestürzende Verschwendung der Liebe Gottes verteidigt werden, der um des armseligen Geschöpfes Mensch willen selbst ein Mensch geworden war - und welch ein Mensch! Es mußte die heilige Torheit der Liebe Gottes verteidigt werden, der nicht ein Machtwort gesprochen, sondern den Weg der Ohnmacht gewählt hatte, um unsern Machttraum zu beschämen und von innen her zu überwinden.

Aber haben wir darüber nicht allzusehr den Zusammenhang von Kreuz und Hoffnung, die Einheit von Kreuzrichtung und Ostung, von Vergangenheit und Zukunft im Christlichen vergessen? Der Geist der Hoffnung, den die Gebete des Karsamstags atmen, sollte unser ganzes Christsein neu durchdringen. Christentum ist nicht bloß eine Religion des Vergangenen, sondern ebenso des Zukünftigen; sein Glaube ist zugleich Hoffnung, weil Christus nicht nur der Gestorbene und Auferstandene, sondern auch der Kommende ist.
Herr, lass dies Geheimnis der Hoffnung hineinleuchten in unsere Seele, lass uns das Licht erkennen, das ausgeht von deinem Kreuz, lass uns als Christen vorwärts gehen, dem Tag deines Aufgangs entgegen. Amen.


Die Auferstehung.

GEBET

Herr Jesus Christus, im Dunkel des Todes hast Du Licht werden lassen, im Abgrund der tiefsten Einsamkeit wohnt nun für immer die bergende Macht Deiner Liebe, inmitten Deiner Verborgenheit dürfen wir das Alleluja der Geretteten singen. Gib uns die demütige Einfalt des Glaubens, der sich nicht beirren lässt, wenn Du uns in die Stunden des Dunkels, der Verlassenheit rufst, wo alles fraglich zu werden scheint; gib uns in dieser Zeit, da Deine Sache wie im Todeskampfe liegt, Licht genug, um Dich nicht zu verlieren; Licht genug, damit wir andern Licht werden können, die dessen noch mehr bedürfen. Lass das Geheimnis Deiner österlichen Freude wie eine Morgenröte hineinleuchten in unsere Tage, lass uns wahrhaftig österliche Menschen sein inmitten des Karsamstags der Geschichte. Lass uns durch die hellen und dunklen Tage dieser Zeit hindurch frohgemut unterwegs sein hin zu Deiner kommenden Herrlichkeit.
Amen.

Aus: Joseph Ratzinger, Meditationen zur Karwoche, Kyrios-Verlag, Freising 1969; die drei Meditationen wurden veröffentlicht in Die Angst vor einer Abwesenheit, Beilage zu 30Tage, Nr. 3, März 1994

Johann Sebastian Bach - Johannes-Passion: ´Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine´



Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Benedikt XVI.

  1. Santo subito? - Vatikan untersucht mögliches Wunder durch Benedikt XVI.!
  2. Santo Subito: Historiker Hesemann plädiert für schnelle Seligsprechung Benedikts XVI.
  3. Kardinal Kasper erinnert sich wertschätzend an Benedikt XVI./Ratzinger - „Kennen uns seit 1963“
  4. „Wenn wir mit Papst Benedikt XVI. diesen tiefen Ernst unserer Taufe realisieren…“
  5. „In seinem Pontifikat war Benedikt XVI. einer der größten Theologen auf der Cathedra Petri“
  6. Papst Leo verlieh Ratzingerpreis an den Stardirigenten Riccardo Muti
  7. "Unsere Liebe Frau von Guadalupe" ist "Mutter und Stern der Evangelisierung in Amerika"
  8. „Was Benedikt XVI. uns über Israel lehrte – und warum es heute von Bedeutung ist“
  9. Benedikt XVI.: "Das Kommen des Herrn ist einmalig"
  10. Vorweihnachtliches Lichtermeer






Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND-REISE - KOMMEN SIE MIT! - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. „In Deutschland tobt derzeit ein Kirchenkampf“ - Droht ein Schisma?
  3. ADIOS!
  4. "Entsprechend klein ist die Lücke, die er hinterlässt"
  5. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  6. Debatte um Leitung der Deutschen Bischofskonferenz - Lehramtstreue Bischöfe als „Königsmörder“?
  7. Niederländischer Weihbischof Mutsaerts: „Möchte mich nun an liberale Theologen und Gläubige wenden“
  8. Synodaler Weg führte zu Streit und Verwerfung
  9. ‚Dubia‘ an den Vatikan – US-Priester bitten um Klärung hinsichtlich liturgischer Änderungen
  10. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  11. Kardinal Zen: Papst Leo „ist wahrlich eine Leitungspersönlichkeit, die zuhören kann!“
  12. Katholikin Eva Vlaardingerbroek verliert Einreiseerlaubnis nach Großbritannien
  13. Hat der Synodale Weg „die katholische Kirche in Deutschland in Machtspiel und Kampfzone verwandelt“?
  14. Entfremdung und Annäherung – Für einen Katholiken in Deutschland gibt es doch immer noch Rom
  15. Sterilisationen, schlechte Lebensbedingungen: Grönländer kritisieren dänische Herrschaft

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz