Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. So nicht, Mr. Präsident!
  2. Vorstoß im Bundestag: AfD fordert Ende der Staatsleistungen für Kirchen
  3. Wenn der Funktionär den Bischof ersetzt
  4. Wer dir beim letzten Atemzug beisteht
  5. BILD spricht von Kurswechsel in Berlin: Papst Leo XIV. schickt „Dompteur“ für deutsche Bischöfe
  6. "Man hätte also Hitler gewähren lassen sollen?" - Trump-Leo-Streit eskaliert
  7. US-Vizepräsident JD Vance legt Papst Leo XIV. nahe, sich aus der US-Politik herauszuhalten
  8. Kard. Müller: „Niemand hat das Recht den Papst zu kritisieren, wenn er treu seinem Auftrag folgt“
  9. Phil Lawler: Die Kontroverse zwischen Trump und Papst Leo ging von Washington aus
  10. Italien: Seligsprechungsverfahren für Teenager eröffnet
  11. Burke: Ein anhaltender Clash zwischen Papst Leo und Trump? „Das ist übertrieben“
  12. Schwedischer Kirchenhistoriker: Viele junge Menschen wollen katholisch werden, besonders Männer
  13. Setzt euer Vertrauen nicht in Prinzen!
  14. Trump gegen Papst Leo: Wenn Weltpolitik auf das „Heilige“ trifft
  15. Marsch für das Leben München – Unterstützung von Bischof Barron, Schweigen von Marx und Wilmer

Ein wiederverheirateter Geschiedener

17. Dezember 2013 in Chronik, 8 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Vor 475 Jahren wurde Heinrich VIII. exkommuniziert. Von Alexander Brüggemann (KNA)


Bonn (kath.net/KNA) Die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten, die im kommenden Oktober auch auf der Tagesordnung der Bischofssynode im Vatikan stehen soll, ist eine schmerzliche Streitfrage in der katholischen Kirche. Und sie war es auch in gewisser Weise schon vor einem halben Jahrtausend. Die Exkommunikation des englischen Königs Heinrichs VIII. (siehe Bild) vor 475 Jahren, am 17. Dezember 1538, durch Papst Paul III. zementierte eine noch junge Kirchenspaltung, die letztlich durch eine Scheidung entstand.

Was war geschehen? Von den mit seiner Ehefrau Katharina von Aragon gezeugten Kindern Heinrichs VIII. hatte nur ein Mädchen überlebt, Maria. Noch einen männlichen Thronfolger zu bekommen und so die Dynastie zu sichern, schien ihm seit Mitte der 1520er Jahre wenig Erfolg versprechend. Eine neue, attraktive - und übrigens der Reformation zuneigende - Ehefrau stand mit der Hofdame Anne Boleyn bereits bereit.

Doch obwohl sich die führenden englischen Bischöfe von York und Canterbury dafür verwandten, verweigerte der Papst eine Annullierung der zweifellos vollzogenen Ehe - sei es, weil er sich nach der Plünderung Roms 1527 nicht ausgerechnet wieder mit Katharinas Neffen, Kaiser Karls V., anlegen wollte oder weil er Heinrichs verzögerte Unterstützung gegen die Türken nach der katastrophalen Niederlage von Mohacs 1526 verübelte.


Heinrich VIII. war keineswegs ein Reformator - im Gegenteil, er hasste Martin Luther von Herzen - was ihm in früheren Jahren jenen päpstlichen Ehrentitel «Defensor Fidei» (Verteidiger des Glaubens) eintrug, den die englischen Könige noch heute tragen. Doch es vollzog sich nun eine Art katholischer Abfall von Rom. Heinrichs Lordkanzler Thomas Cromwell hatte dem König ohnehin empfohlen, den hinderlichen Dualismus von Krone und Altar zu beseitigen. Mit einer Abschüttelung Roms und einer Unterwerfung der Kirche ließ sich dreierlei erreichen: die Scheidung, der Zugriff auf nahezu unbegrenzte Vermögenswerte und mit beidem eine deutliche Festigung der eigenen Herrschaft, die endlich mit dem leichtfüßigen Renaissancefürstentum des französischen Vetters Franz I. konkurrieren könnte.

Mit dem sogenannten Suprematsakt von 1534 erklärte sich Heinrich VIII. selbst zum Oberhaupt der englischen Kirche. Eine der reichsten Nationalkirchen wurde damit von der Gesamtkirche abgetrennt und fiel in die Hand eines einzelnen Monarchen. Zwischen 1532 und 1540 wurden mit bemerkenswerter Effizienz unermesslich reiche Klöster geplündert und zerstört, romtreue Bischöfe durch Männer des Königs (und der Königin) ersetzt. So wurde aus dem «Defensor Fidei» ein Apostat und despotischer Kirchenverfolger.

Das ging nicht ohne Verwerfungen und politische Unruhen vonstatten - denn die Engländer erwiesen sich als religiös konservativ. Es erschien dem zunehmend unberechenbaren König - er verschliss in seinen letzten Lebensjahren immer mehr Berater und Ehefrauen - opportun, in einem Coup papsttreue Adlige zu beseitigen. Im November 1538 wurde ein angebliches Komplott gegen die Krone aufgedeckt («Exeter-Verschwörung»), die vermeintlichen Verschwörer hingerichtet. Im Gegenzug exkommunizierte der Papst am 17. Dezember Heinrich VIII. und verhängte über ganz England das Interdikt, also den Ausschluss aus der Kirchengemeinschaft.

Bis zu Heinrichs Tod 1548 gab es noch keine entscheidende Änderung der Kirchendisziplin weg von der katholischen Lehre. Danach allerdings ging mit dem anglikanischen «Book of Common Prayer» klassische Kirchensprache immer mehr eine Verbindung mit protestantischem Gedankengut ein. In den nun folgenden Jahrzehnten der Intrigen, Thronzwiste und Verschwörungen floss viel Blut im Namen der Religion (Stichwort «Bloody Mary»). An dessen Ende stand ein vergleichsweise behutsamer Mittelweg des Anglikanismus zwischen katholischer und protestantischer Lehre, Liturgie und Kirchendisziplin.

Die Katholiken freilich, «Papisten» genannt, waren fortan eine teils verfolgte, später teils geduldete und verachtete Minderheit, zumeist ärmliche irische Einwanderer. Erst im 19. und 20. Jahrhundert konnte der britische Katholizismus an Boden gut machen. Die verbliebene relative Verwandtschaft mit der katholischen Lehre nährte nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) gewisse Hoffnungen auf eine langfristige ökumenische Rückkehr zu einer vollen Kirchengemeinschaft. Diese wurden jedoch durch die Zulassung des anglikanischen Frauenpriestertums 1992 sowie künftig wohl auch von Bischöfinnen deutlich gedämpft.

(C) 2013 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Ehe

  1. US-Studie zeigt: Verheiratete junge Erwachsene sind glücklicher als unverheiratete
  2. Afrikas Bischöfe erklären Umgang mit Polygamie
  3. Neuer Hit: „Für dich gehe ich das volle Risiko ein“
  4. „Georgia Märtyrer“-Seligsprechung am 1. Oktober – Sie verteidigten die Ehe gegen die Polygamie
  5. „Warum erlaubt die katholische Kirche keine Hochzeiten im Garten?“
  6. Wegweisend! - COMECE unterstützt Polen gegen EU-Druck zur Anerkennung sogenannter „Homo-Ehen“!
  7. Papst: Ehe unauflöslich, doch bei Annullierung barmherzig sein
  8. Vatikan kündigt bevorstehende Veröffentlichung eines Dokuments zu Monogamie an
  9. Evangelische Landeskirche in Württemberg: Gleichgeschlechtliche „Ehe“ verfehlt Zweidrittelmehrheit
  10. „Menschliches Leben ist Geschenk und muss mit Respekt, Fürsorge und Dankbarkeit angenommen werden“







Top-15

meist-gelesen

  1. Wer dir beim letzten Atemzug beisteht
  2. So nicht, Mr. Präsident!
  3. Kard. Müller: „Niemand hat das Recht den Papst zu kritisieren, wenn er treu seinem Auftrag folgt“
  4. BILD spricht von Kurswechsel in Berlin: Papst Leo XIV. schickt „Dompteur“ für deutsche Bischöfe
  5. "Man hätte also Hitler gewähren lassen sollen?" - Trump-Leo-Streit eskaliert
  6. Wenn der Funktionär den Bischof ersetzt
  7. US-Vizepräsident JD Vance legt Papst Leo XIV. nahe, sich aus der US-Politik herauszuhalten
  8. Bischof: „Bin durch diese Äußerungen von Staatsanwälten und Richtern verletzt. Das ist Hassrede“
  9. Sängerin Nina Hagen bereut ihre Abtreibungen
  10. "Derselbe Polarstern"
  11. Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen christlichen YouTuber
  12. Der unerklärte Formatwechsel beim Konsistorium der Kardinäle im Januar
  13. Phil Lawler: Die Kontroverse zwischen Trump und Papst Leo ging von Washington aus
  14. Vorstoß im Bundestag: AfD fordert Ende der Staatsleistungen für Kirchen
  15. Papst Leo gegen Präsident Trump – Was steckt dahinter?

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz