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Ein wiederverheirateter Geschiedener

17. Dezember 2013 in Chronik, 8 Lesermeinungen
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Vor 475 Jahren wurde Heinrich VIII. exkommuniziert. Von Alexander Brüggemann (KNA)


Bonn (kath.net/KNA) Die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten, die im kommenden Oktober auch auf der Tagesordnung der Bischofssynode im Vatikan stehen soll, ist eine schmerzliche Streitfrage in der katholischen Kirche. Und sie war es auch in gewisser Weise schon vor einem halben Jahrtausend. Die Exkommunikation des englischen Königs Heinrichs VIII. (siehe Bild) vor 475 Jahren, am 17. Dezember 1538, durch Papst Paul III. zementierte eine noch junge Kirchenspaltung, die letztlich durch eine Scheidung entstand.

Was war geschehen? Von den mit seiner Ehefrau Katharina von Aragon gezeugten Kindern Heinrichs VIII. hatte nur ein Mädchen überlebt, Maria. Noch einen männlichen Thronfolger zu bekommen und so die Dynastie zu sichern, schien ihm seit Mitte der 1520er Jahre wenig Erfolg versprechend. Eine neue, attraktive - und übrigens der Reformation zuneigende - Ehefrau stand mit der Hofdame Anne Boleyn bereits bereit.

Doch obwohl sich die führenden englischen Bischöfe von York und Canterbury dafür verwandten, verweigerte der Papst eine Annullierung der zweifellos vollzogenen Ehe - sei es, weil er sich nach der Plünderung Roms 1527 nicht ausgerechnet wieder mit Katharinas Neffen, Kaiser Karls V., anlegen wollte oder weil er Heinrichs verzögerte Unterstützung gegen die Türken nach der katastrophalen Niederlage von Mohacs 1526 verübelte.


Heinrich VIII. war keineswegs ein Reformator - im Gegenteil, er hasste Martin Luther von Herzen - was ihm in früheren Jahren jenen päpstlichen Ehrentitel «Defensor Fidei» (Verteidiger des Glaubens) eintrug, den die englischen Könige noch heute tragen. Doch es vollzog sich nun eine Art katholischer Abfall von Rom. Heinrichs Lordkanzler Thomas Cromwell hatte dem König ohnehin empfohlen, den hinderlichen Dualismus von Krone und Altar zu beseitigen. Mit einer Abschüttelung Roms und einer Unterwerfung der Kirche ließ sich dreierlei erreichen: die Scheidung, der Zugriff auf nahezu unbegrenzte Vermögenswerte und mit beidem eine deutliche Festigung der eigenen Herrschaft, die endlich mit dem leichtfüßigen Renaissancefürstentum des französischen Vetters Franz I. konkurrieren könnte.

Mit dem sogenannten Suprematsakt von 1534 erklärte sich Heinrich VIII. selbst zum Oberhaupt der englischen Kirche. Eine der reichsten Nationalkirchen wurde damit von der Gesamtkirche abgetrennt und fiel in die Hand eines einzelnen Monarchen. Zwischen 1532 und 1540 wurden mit bemerkenswerter Effizienz unermesslich reiche Klöster geplündert und zerstört, romtreue Bischöfe durch Männer des Königs (und der Königin) ersetzt. So wurde aus dem «Defensor Fidei» ein Apostat und despotischer Kirchenverfolger.

Das ging nicht ohne Verwerfungen und politische Unruhen vonstatten - denn die Engländer erwiesen sich als religiös konservativ. Es erschien dem zunehmend unberechenbaren König - er verschliss in seinen letzten Lebensjahren immer mehr Berater und Ehefrauen - opportun, in einem Coup papsttreue Adlige zu beseitigen. Im November 1538 wurde ein angebliches Komplott gegen die Krone aufgedeckt («Exeter-Verschwörung»), die vermeintlichen Verschwörer hingerichtet. Im Gegenzug exkommunizierte der Papst am 17. Dezember Heinrich VIII. und verhängte über ganz England das Interdikt, also den Ausschluss aus der Kirchengemeinschaft.

Bis zu Heinrichs Tod 1548 gab es noch keine entscheidende Änderung der Kirchendisziplin weg von der katholischen Lehre. Danach allerdings ging mit dem anglikanischen «Book of Common Prayer» klassische Kirchensprache immer mehr eine Verbindung mit protestantischem Gedankengut ein. In den nun folgenden Jahrzehnten der Intrigen, Thronzwiste und Verschwörungen floss viel Blut im Namen der Religion (Stichwort «Bloody Mary»). An dessen Ende stand ein vergleichsweise behutsamer Mittelweg des Anglikanismus zwischen katholischer und protestantischer Lehre, Liturgie und Kirchendisziplin.

Die Katholiken freilich, «Papisten» genannt, waren fortan eine teils verfolgte, später teils geduldete und verachtete Minderheit, zumeist ärmliche irische Einwanderer. Erst im 19. und 20. Jahrhundert konnte der britische Katholizismus an Boden gut machen. Die verbliebene relative Verwandtschaft mit der katholischen Lehre nährte nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) gewisse Hoffnungen auf eine langfristige ökumenische Rückkehr zu einer vollen Kirchengemeinschaft. Diese wurden jedoch durch die Zulassung des anglikanischen Frauenpriestertums 1992 sowie künftig wohl auch von Bischöfinnen deutlich gedämpft.

(C) 2013 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


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