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Kardinal: Treffen Johannes Pauls II. mit Maciel war ein Fehler

6. November 2013 in Chronik, 4 Lesermeinungen
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«Der Heilige Vater hätte diesen Menschen nicht empfangen sollen», sagte Stanislaw Dziwisz über das Treffen mit dem später als Pädophilen entlarvten Ordensgründer - Treffen sei ein Beispiel für schwere Kommunikationsmängel in der römischen Kurie


Washington (kath.net/KNA) Der frühere Privatsekretär von Johannes Paul II. (1978-2005) hat es als Fehler bezeichnet, dass sich der Papst 2004 mit dem später als Pädophilen entlarvten Ordensgründer Marcial Maciel Degollado traf. «Der Heilige Vater hätte diesen Menschen nicht empfangen sollen», sagte Stanislaw Dziwisz, inzwischen Kardinal von Krakau, in einem an diesem Mittwoch erscheinenden Interview-Band über sein Leben mit dem Papst. Das Treffen sei nur ein Beispiel für schwere Kommunikationsmängel in der römischen Kurie.

Gegen den mexikanischen Priester Maciel (1920-2008), Gründer der «Legionäre Christi», liefen seit 1997 Vorwürfe um, er habe sich an jungen Seminaristen sexuell vergangen. Die US-amerikanische Zeitschrift «National Catholic Reporter» (Dienstag) zitiert Dziwisz dazu aus dem Buch: «Als der Heilige Vater ihn traf, wusste er nichts, absolut nichts. Für ihn war er immer noch der Gründer eines großen Ordens, das ist alles. Niemand hatte ihm irgendetwas gesagt, nicht einmal über die Gerüchte, die im Umlauf waren.»


Dies sei «die Folge einer immer noch extrem bürokratischen Struktur» gewesen, in der wichtige Informationen teils nicht weitergeleitet worden seien, so Dziwisz, der dem Krakauer Erzbischof Karol Wojtyla und späteren Papst 39 Jahre lang als Privatsekretär diente. Johannes Paul II. habe eine Kurienreform versucht, aber damit damit keinen Erfolg gehabt, so Dziwisz. Mitverantwortlich machte der Kardinal Widerstände im vatikanischen Apparat: «Manche in der Kurie nannten ihn 'den polnischen Papst', und ich glaube nicht, dass sie es positiv meinten.»

Der Interview-Band des italienischen Journalisten Gian Franco Svidercoschi mit Dziwisz erscheint unter dem Titel «Ho Vissuto con un Santo» («Ich lebte mit einem Heiligen»). Johannes Paul II. soll am 27. April gemeinsam mit Johannes XXIII. (1958-1963) in Rom heiliggesprochen werden.

Der Gründer der «Legionäre Christi», Maciel, war nach anhaltenden Verdächtigungen in eine kircheninterne Untersuchung geraten. 2006 erlegte der Vatikan ihm ein zurückgezogenes Leben in Gebet und Buße auf. Inzwischen gilt als erwiesen, dass Maciel minderjährige Seminaristen sexuell missbrauchte und mit zwei Frauen drei Kinder zeugte. Sein Orden hat sich von ihm distanziert.

(C) 2013 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


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