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Der Amoklauf der Piusbruderschaft

15. Oktober 2013 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Piusbruderschaft hielt am Dienstag in der Nähe von Rom die Trauerfeier für NS-Kriegsverbrecher Priebke ab. Es gab Tumulte, als rund 20 Neofaschisten mit Sprechchören vor der Kirche erschienen


Rom (kath.net/KNA) Unter Tumulten ist der im Alter von 100 Jahren verstorbene deutsche NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke am Dienstagnachmittag mit einem Gottesdienst der traditionalistischen Piusbruderschaft verabschiedet worden. Nach italienischen Medienberichten empfingen Demonstranten den Leichenwagen in Albano bei Rom mit Fausthieben und Tritten und spuckten auf den Wagen. Der Zeitung «Messaggero» (Onlineausgabe) zufolge kam es zu Spannungen, als rund 20 Neofaschisten mit Sprechchören vor der Kirche erschienen. Nur mit Mühe hätten Sicherheitskräfte beide Gruppen auseinanderhalten können.

Ein Geistlicher der Piusbruderschaft habe unter Polizeischutz die Kirche betreten. Der Kleriker sei von der Menge in Worten und Gesten beschimpft worden. Priebke solle nach der Trauerfeier wieder nach Rom überführt und dort eingeäschert werden, berichtete der «Messaggero» unter Berufung auf Albanos Bürgermeister Nicola Marini.


Der Bürgermeister der Kleinstadt südöstlich von Rom sagte laut der Zeitung, er habe um 16.00 Uhr Anordnung erteilt, den Leichenwagen nicht in den Ort zu lassen. Diese Verfügung habe der Präfekt von Rom, Giuseppe Pecoraro, jedoch wiederum aufgehoben. Der frühere SS-Hauptsturmführer Priebke solle «entsprechend dem Wunsch von Angehörigen» in Albano eine Trauerfeier erhalten. Priebke war am Freitag in seinem römischen Hausarrest gestorben. Anschließend kam es zu einem Streit über seine Bestattung. Das Bistum Rom hatte eine öffentliche katholische Begräbnisfeier untersagt; zugelassen seien nur Gebete für den Verstobenen in strikt privatem Rahmen. Die Stadt Rom verwahrte sich ebenfalls gegen ein Totengedenken im öffentlichen Raum.

Priebke war am 24. März 1944 maßgeblich an der Erschießung von 335 Italienern in den Ardeatinischen Höhlen im Süden Roms beteiligt und wurde 1998 von einem italienischen Gericht zu lebenslanger Haft verurteilt. Zuletzt lebte er in Rom unter Hausarrest. Priebke war vor seiner Flucht nach Argentinien katholisch geworden und bezeichnete sich bis zuletzt als gläubigen Menschen.

Die jetzige Trauerfeier in Albano erfolgte am Vorabend des 70. Jahrestages der Räumung des jüdischen Viertels in Rom. Am 16. Oktober 1943 deportierten SS-Einheiten 1.022 römische Juden nach Auschwitz und weiter nach Buchenwald. Nur 16 überlebten.

(C) 2013 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


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