09 Oktober 2013, 11:34
Die Katholizität der Kirche
 
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Franziskus: Uniformität tötet die Gaben des Heiligen Geistes. Katholisch heißt: eins sein im Raum des einen Glaubens, in Universalität und im symphonischen Klang der Harmonie des Heiligen Geistes. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) „Aber ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich“ (Joh 17, 20ff.)

„Wir glauben an die katholische Kirche“: ausgehend vom Credo fragte sich Papst Franziskus in seiner Katechese zur heutigen Generalaudienz, was das Wort „katholisch“ meine. Zunächst komme das Wort aus dem Griechischen und besage so viel wie „allgemein“, „allumfassend“. Drei wesentliche Bedeutungen könnten helfen, um die Katholizität der Kirche besser zu verstehen.

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Zunächst sei die Kirche der Ort, der Raum, das Haus, in dem der ganze Glaube verkündet werde, „in dem das Heil, das uns Christus gebracht hat, allen angeboten wird“. Die Kirche lasse den Menschen der Barmherzigkeit Gottes begegnen, „die uns verwandelt, weil in ihr Jesus Christus gegenwärtig ist, der das wahre Bekenntnis des Glaubens, die Fülle des sakramentalen Lebens und das geweihte Amt schenkt“. In der Kirche finde ein jeder, was notwendig sei, um zu glauben, um als Christen zu leben, um Heilige zu werden, um an allen Orten und zu allen Zeiten zu gehen.

Wenn man in die Kirche gehe, so sei das nicht so, als besuche man ein Stadion oder ein Kino. „Wie gehe ich in die Kirche?“, fragte sich Franziskus: „Wie nehme ich die Gaben an, die sie mir bietet, um als Christ zu wachsen und zu reifen? Nehme ich am Leben der Gemeinde teil oder gehe ich in die Kirche und verschließe mich in meine Problemen, indem ich mich von den anderen isoliere?“

In einem zweiten Sinne bedeute „katholisch“ dann auch „universal“. Die Kirche sei über die ganze Welt ausgebreitet und verkünde allen Menschen das Evangelium: „Keiner ist ausgeschlossen!“ In jeder Pfarrei sei die ganze Kirche mit der Fülle der Gaben Christi, mit dem gleichen Glauben und in den gleichen Sakramenten gegenwärtig. So gehörten wir selbst zu dieser großen universalen Gemeinschaft. Die Kirche bestehe nicht nur im Schatten unseres Kirchturms, „sie umarmt eine Fülle von Völkern, die den gleichen Glauben bekennen. Sich in Gemeinschaft mit allen Kirchen fühlen, mit allen kleinen oder großen katholischen Gemeinschaften der Welt! Das ist schön! Und spüren, dass wir alle auf Mission sind, große oder kleine Gemeinschaften, alle müssen wir unsere Türen öffnen und für das Evangelium hinausgehen. Fragen wir uns also: was mache ich, um den anderen die Freude über die Begegnung mit dem Herrn mitzuteilen, die Freude, zur Kirche zu gehören?“

Drittens sei die Kirche „katholisch“, weil sie sozusagen „das Haus der Harmonie“ sei, wo Einheit und Verschiedenheit gleich einer Symphonie, bei der verschiedene Instrumente zusammenklingen und das Kunstwerk schaffen, nicht zueinander im Gegensatz stehen, sondern sich miteinander verbinden und einen Reichtum bilden. Diese Vielfalt führe der Heilige Geist, der gleichsam der Dirigent sei, in Einklang zusammen.

„Alle sind wir verschieden, jeder mit seinen Qualitäten“, so der Papst, „und das ist das Schöne an der Kirche: jeder leistet seinen Beitrag, den ihm Gott gegeben hat, um die anderen zu bereichern“. Die Verschiedenheit generiere keinen Konflikt, sondern lasse sich in Harmonie vom Heiligen Geist gründen: „Er ist der wahre Meister, er selbst ist Harmonie. Und fragen wir uns: leben wir in unseren Gemeinden die Harmonie oder streiten wir untereinander? In meiner Pfarrei, in meiner Bewegung, wo ich in der Kirche bin? Gibt es Geschwätz und Klatsch? Und wenn da geschwätzt wird, gibt es keine Harmonie: dann gibt es Kampf. Und das ist nicht die Kirche: die Kirche ist Harmonie aller. Nie gegeneinander schlecht reden! Nie streiten! Nehmen wir den anderen an, akzeptieren wir es, dass es eine rechte Verschiedenheit gibt und dass wir auf verschiedene Weise denken können?“

Franziskus betonte abschließend, dass die Uniformität töte: „Das Leben der Kirche ist Verschiedenheit, und wenn wir allen diese Uniformität auferlegen wollen, töten wir die Gaben des Heiligen Geistes“.

Die Pilger und Besucher aus dem deutschen Sprachraum grüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:

Ein herzliches Willkommen allen Pilgern deutscher Sprache, vor allem den vielen Jugendlichen. Besonders grüße ich die Freunde des Collegium Germanicum et Hungaricum, die zur Priester- und Diakonenweihe nach Rom gekommen sind, ferner die Pilger aus Mindelheim mit ihrem Bischof Dr. Konrad Zdarsa sowie die Teilnehmer an der Informationswoche der Päpstlichen Schweizergarde. Gott segne euch alle.

Video der Generalaudienz


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