20 September 2013, 09:00
'Wir wollen in der Abtreibungsfrage eine gesellschaftliche Wende'
 
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Die katholischen Bischöfe sehen in der Abtreibung auch unabhängig von ihrer religiösen Bewertung ein Übel, das alle Beteiligten und die Gesellschaft nachhaltig schädigt. Von Weihbischof Marian Eleganti

Zürich (kath.net) Marian Eleganti, Weihbischof von Chur und Jugendbischof der Schweizer Bischofskonferenz für die deutschsprachige Schweiz und den Tessin, hatte vergangene Woche beim Schweizer „Marsch für´s Läbe“ in Zürich gesprochen. kath.net dokumentiert seine Ansprache in voller Länge:


Liebe Freunde,
mit dem heutigen Anlass setzen wir ein gesellschaftspolitisches Zeichen gegen die institutionalisierte Normalität der Abtreibung. Abtreibungen sind für die katholische Kirche wie für uns alle keine akzeptable Lösung des Problems der ungewollten Schwangerschaften.

Wir alle wollen in dieser Frage eine gesellschaftliche Wende. Im Vordergrund muss die Anwaltschaft für die in Not geratenen schwangeren Frauen und ihre Kinder stehen. Unsere westlichen Gesellschaften steuern durch die umgekehrte Alterspyramide auf schier unlösbare Probleme zu, auch, weil uns die Millionen von Kinder fehlen, die aufgrund der sog. Fristenlösung das Licht der Welt nie erblickt haben oder nie erblicken werden.

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Die katholischen Bischöfe sehen in der Abtreibung auch unabhängig von ihrer religiösen Bewertung als schwere Sünde ein Übel, das alle Beteiligten und die Gesellschaft nachhaltig schädigt. Es geht in diesem Kontext nicht nur um Frauenrechte, sondern auch um das Lebensrecht des ungeborenen Kindes, dessen Tötung ein nicht hinnehmbares Unrecht bleibt und deshalb kein legitimer Ausweg aus einer Notlage sein kann.

Wir möchten aber auch die in Not geratenen Frauen vor einem Lebenstrauma schützen, denn die Abtreibung bleibt für viele von ihnen, wie Seelsorger wissen, eine Lebenswunde. Wir wollen ihnen so helfen, dass eine Abtreibung keine Option mehr ist.

Paulus schreibt im 1. Kapitel des Epheserbriefes, dass wir schon vor der Erschaffung der Welt im Plane Gottes existieren: Zum Lob seiner herrlichen Gnade. Auf jedem Menschen, der in diese Welt kommt, liegt also ein Plan Gottes. Das zeigen uns berühmte Berufungsgeschichten in der heiligen Schrift. Ich erinnere an den Propheten Jeremias: „Noch ehe Ich dich im Mutterleib formte, habe Ich dich ausersehen, noch ehe du aus dem Mutterschoss hervorkamst, habe Ich dich geheiligt, zum Propheten für die Völker habe Ich dich bestimmt.“ Jer 1,5. Von Johannes dem Täufer, dem Vorläufer des Messias, sagte der Engel Gabriel zu Zacharias, seinem Vater: „Er wird groß sein vor dem Herrn …. und schon im Mutterleib vom Heiligem Geist erfüllt sein! … und mit dem Geist und mit der Kraft des Elija dem Herrn vorangehen!“ Lk 1,15f. In gleicher Weise offenbarte Gabriel das Wesen und die Sendung Jesu: „Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden“ Lk 1,32. Zu Joseph gewandt: „Ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.“ Mt 1,21.

Was wäre geschehen, wenn die Mütter diese Kinder nicht angenommen hätten? Aber die Geburt dieser Kinder löste eine unbeschreibliche Freude aus! „Große Freude wird dich erfüllen und auch viele andere werden sich über sein Geburt freuen.“ Lk 1,14.

Die Berufungsgeschichte dieser Kinder zeigt, dass jedes Kind eine Gabe Gottes ist, und dass wir es auch mit Gott zu tun haben, wenn ein Mensch in die Welt kommt oder daran gehindert wird, geboren zu werden. Auch Paulus war sich dieser Tatsache bewusst: „Als aber Gott, der mich schon im Mutterleib auserwählt und durch seine Gnade berufen hat, mir in seiner Güte Seinen Sohn offenbarte…“ Gal 1,15. Ebenso betet in Psalm 139 ein frommer Jude: „Du hast mein Inneres geschaffen, mich gewoben im Schoß meiner Mutter. … 16 Deine Augen sahen, wie ich entstand, in deinem Buch war schon alles verzeichnet; meine Tage waren schon gebildet, als noch keiner von ihnen da war.“

Wann ist ein Mensch ein Mensch? - Von Anfang an, seit dem Moment seiner Zeugung! Eltern, die ein Kind wünschen, wissen das und freuen sich vom ersten Augenblick an der Feststellung der Schwangerschaft, dass sie ein Kind erwarten und ihr Sehnen in Erfüllung geht. Noch nie hatten Menschen ein so genaues Wissen und so berührende Bilder über die vorgeburtliche Entwicklung eines Kindes. Gäbe es Ultraschallbilder von mir aus der Zeit der Schwangerschaft meiner Mutter, könnte ich mit Fug und Recht behaupten: Das bin ich. Und zwar von Anfang an. Und hätte man die befruchtete Eizelle damals verzweckt und vernichtet, wäre ich nicht.

Der Zeitzeuge Heimo Amgrund berichtet von Bruder Klaus von Flue: Er „habe ihm erzählt, dass er im Mutterleib, ehe er geboren worden sei, einen Stern am Himmel gesehen, der die ganze Welt durchschien. Seit er im Ranft wohne, habe er stets einen Stern am Himmel gesehen, der ihm gleich sei, so dass er eigentlich meine, dass er es sei. … Auch habe ihm Bruder Klaus erzählt, dass er vor seiner Geburt im Mutterleib einen grossen Stein gesehen habe, der die Stetigkeit und Festigkeit seines Wesens bedeute, in dem er beharren und von seinem Vorhaben nicht abfallen solle. Dabei habe er im Mutterleib auch das heilige Öl gesehen.“ - Das gibt zu denken, meine ich. Hoffen wir, nicht nur uns!

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