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Podiumsgespräch: Wie können wir den Glauben weitergeben?

3. September 2013 in Aktuelles, 2 Lesermeinungen
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Lebhafter Erfahrungsaustausch beim Podiumsgespräch auf dem Kongress des „Forums Deutscher Katholiken“ – Konkrete Erfahrungen, von Glaubensfreude und Gebetstreue über den YOUCAT bis zur Sonntagspflicht. Von Barbara Wenz


Augsburg (kath.net) Wie kann Glaubensweitergabe heute gelingen und welche Chancen haben wir? Wo sind eventuelle Grenzen? An dem Podiumsgespräch, das, wie im letzten Jahr, von dem Journalisten und Blogger Peter Winnemöller moderiert wurde, nahmen beim Kongress in Augsburg fünf katholische Persönlichkeiten teil, die aus ihrem reichen Erfahrungsschatz lebendig und anschaulich zu erzählen wussten.

Hedwig Freifrau von Beverfoerde ist Hausfrau und Mutter von drei Kindern und sitzt im Beirat der Online-Zeitung FreieWelt.net. Alipius Müller, CanReg, ist Moderator der Pfarre Floridsdorf-Wien, wo er circa 7.000 Katholiken betreut und einer der namhaftesten Blogger deutschsprachiger Provenienz. Bernhard Meuser ist derzeit der Geschäftsführer der YouCat-Foundation

Birgitt Kerz, Oberstudienrätin, arbeitet als Religionslehrerin an einem Gymnasium und unterrichtet dazu noch Biologie und Mathematik .
Thomas Jittenmeier ist eigentlich als Kaufmann und SAP-Berater tätig, arbeitet aber seit 2008 ehrenamtlich im Nightfever-Team Paderborn.

Hedwig von Beverfoerde lebt seit über zwanzig Jahren in Ostdeutschland, in der Nähe von Magdeburg. Dort hätten 95 Prozent einfach gar keinen Glauben, deshalb hätte sie mit ihrem Mann das Problem von Anfang an thematisiert und gesagt: Ihr habt etwas, was viele nicht haben – ohne dabei in einen Hochmut hinein zu verfallen, doch, so Beverfoerde: „Sie sollten gegen Gruppentrends geimpft werden.“

Birgitt Kerz unterrichtet in der Nähe von Köln, auch dort sei die ganze Bandbreite vertreten, wenn auch nicht ganz so drastisch wie in den neuen Bundesländern. Sie arbeitet vor allem mit anonymen Fragebögen, darin würden sich die Schüler viel eher als gläubig outen als in einer „offenen Diskussion“. Die Ergebnisse würden dann evaluiert und natürlich offen besprochen.

Alipius Müller wusste zu berichten, dass in seiner Pfarrei leider sehr wenige Jugendlich aktiv mitarbeiten würden. Es sei in der Vergangenheit doch vieles versäumt worden. Glaubensweitergabe finde weniger in den Familien statt, sondern mehr in der Erstkommunions- oder Firmvorbereitung. Es fehle oft am Fundamentalen: Dem Wissen, wie man Kreuz schlägt, da finge es schon an. Dabei sei durchaus ein Interesse am Ritus da. Manchmal habe er schon gedacht: Offenbar gibt es für junge Leute nichts Interessanteres als ein qualmendes Weihrauchfass. Solche Signale lösten etwas aus.


Zum Stichpunkt „Junge Menschen und Glauben“ stellte Winnemöller dann sofort die Frage an Bernhard Meuser, dem Kardinal Schönborn, wie er berichtete, gesagt hatte: Wenn ihr was für Jugendliche machen wollt, müsst ihr was m i t Jugendlichen machen. Wir haben also nicht einfach den Glauben in Flaschen abgefüllt, so Meuser weiter, sondern wir haben diese Sommercamps mit Jugendlichen gemacht, wo sie um ihren Glauben, gemeinsam mit uns, gerungen haben, und gespürt haben: Ja, das ist unser Ding. Das ist wichtig und kostbar. Überall wo junge Menschen in den Bewegungen unterwegs sind, da holen sie sich den Glauben, da ist große Freude.

Thomas Jittenmeier ist als ehemaliger Ministrant durchaus katholisch sozialisiert worden, doch ihm fehlte neben Tischgebet und sonntäglichem Kirchbesuch etwas Wesentliches, wie er zugab: Die persönliche Begegnung mit Jesus Christus. Der „Kick“ fehlte: „Wir müssen uns von Jesus angezogen fühlen! Ich weiß, dass Jesus immer an unserer Seite ist, und das ist wunderbar!“

Die nächste Frage ging an Frau Kerz in ihrer Eigenschaft als Religionslehrerin. Winnemöller wollte wissen, was ihr größter Wunschtraum wäre, was sie sich erwarten würde von Bischöfen, Priestern, kurz der Kirche als solcher. Kerz berichtete von einer 6. Klasse, in der sie das Thema Buße und Beichte behandelt hatte und das so gut ankam, dass sie zu ihren Schülern sagte: Wir haben das jetzt so prima theoretisch erarbeitet, wie wäre es denn, wenn wir das auch praktisch umsetzen? Da sei ein guter Teil der Klasse auch zur Beichte gegangen. Das klappe nicht immer, doch wenn es gelänge, sei sie froh und dankbar. Es fehle weniger am Austausch mit Hauptamtlichen, denn am Austausch mit den Eltern. Diese hätten wenig Interesse am Fach Religion.

Zum Stichwort Eltern räumte von Beverfoerde ein, in Sachen Glaube vor allem von dem zu zehren, was sie von ihren Großeltern erfahren habe. Es sei da ein Riesenloch von dreißig oder vierzig Jahre, das in dieser Hinsicht klaffte.

Winnemöller griff diese Bemerkung auf und bestätigte, dass sich Mitte der Siebziger sowohl für Religionslehrer wie auch in den Pfarreien viel verändert habe und richtete die Frage an Alipius Müller, wie er als Pfarrer mit diesem „Traditionsabriss“ von damals umgehen würde.

Der Augustiner-Chorherr gab zu, dass es einfach nicht mehr die Strukturen gebe, auf die man sich als Seelsorger verlassen konnte, doch es entstünden auch neue Chancen. Er habe jetzt die Stille Anbetung eingeführt, und jede Menge Hilfsangebote dazu bekommen. Es gebe ein grundsätzliches Interesse an heiligen Messen, an Spiritualität. Doch er habe auch viele erwachsene Agnostiker, Atheisten und Muslime in seinem Stadtteil, und dies sei ein Feld, auf dem man ebenfalls tätig werden sollte.

Gerade Nightfever sei doch ein Moment der Glaubensweitergabe, warf Moderator Winnemöller ein und wendete sich zu Thomas Jittenmeier, der dort aktiv ist. Der bemerkte, dass gerade bei Nightfever das zentrale Element die Anbetung sei, der Herr werde wieder ins Zentrum allen Geschehens gerückt und das entzünde insbesondere auch die Menschen, die noch nie oder schon lange nichts mehr mit Glaube am Hut gehabt hätten. Eine kleine Kerze, ein Teelicht, genügt, um dieses Fieber plötzlich neu zu entfachen.

Doch ganz ohne „Fleisch am Bein“, nur mit der Kerze, gehe es auch nicht, merkte Winnemöller an und richtete das Wort an Bernhard Meuser, der bestätigte, dass wir zu lange mit einem „gefühlten Glauben“ gelebt hätten. Es gehe bei einem Katechismus auch gar nicht darum, Inhalte zu lernen, sondern zu kapieren, es gebe Gott und er sei das Wichtigste im Leben. Aber, so Meuser weiter, wenn du eine Beziehung hast, willst du auch alles über dein Gegenüber wissen, ebenso sei das mit der Beziehung zu Gott – deshalb der Jugendkatechismus Youcat, der sich zu einer regelrechten Bewegung auswachse mit vierzig Institutionen im arabischen, im brasilianischen Raum, in Asien, in China. „Wir sind nur ein Instrument in der Kirche, das nützlich sein möchte für alle, die aufbrechen!“ Der neue YouCat-Firmkurs wird gerade in 15 Sprachen übersetzt. Birgitt Kerz merkte an, dass sie hoffe, im Herbst dann mit diesem Firmkurs arbeiten zu können.

Bei der Frage, wie man den Glauben effektiv weitergeben könne, kam überraschenderweise vor allem bei Frau von Beverfoerde und Herrn Jittenmeier die gute alte „Sonntagspflicht“, das Kirchengebot zum Messbesuch, ins Spiel. Beide betonten, wie wichtig dieses Kirchengebot, welches durchaus auch als manchmal doch eher lästige Pflicht wahrgenommen wurde, geholfen habe, am Glauben „dranzubleiben“. Beverfoerde: „Oft musste ich mich wirklich aufraffen dazu, dieses Dranbleiben war aber letztlich entscheidend dafür, dass ich später zu einem lebendigen Glauben finden konnte und durfte.“ Sonntagsmesse und Gebet seien im guten Sinne Formen von „Gewohnheitskatholizismus“, der zwar nicht oberflächlich werden dürfe, aber gerade für Kinder doch maßgeblich sei. Jitttenmaier sprach gar von der „Nabelschnur“ Sonntagspflicht, die ebenso wie die Beichte nicht nur Pflicht, sondern immer auch zugleich Einladung sei. Seinen Kindern wolle er vor allem vermitteln, dass sie gerade bei der Beichte keine Angstzustände haben bräuchten. Es handle sich um einen Reinigungsapparat, eine „Sauna für die Seele“.

Am Ende waren sich die Teilnehmer der Gesprächsrunde einig. Bernhard Meuser betonte, wie wichtig die Freude sei und rief alle Zuhörer auf, nicht „restaurativ“ zu sein, sich nicht in die Schützengräben zu begeben, schon gar nicht aus liturgischen Gründen: „Wir haben doch der Welt so viel Freude zu bringen!“ Auch Birgitt Kerz rief zu mehr Entspannung auf: „Wir können den Glauben nicht machen, wir können nur winzige Dinge in Bewegung setzen, Voraussetzungen schaffen.“ Grenzen seien uns gesetzt durch die Freiheit der Mitmenschen, die wir respektieren müssen wie Gott selbst unsere eigene Freiheit immer respektiere. Hedwig von Beverfoerde formulierte ihre Überzeugung, dass es hilfreich sei, einfach den Glauben im Alltag mit all seinen kleinen, sichtbaren Zeichen zu leben. Im Gedenken an ihre Großmutter erinnere sie sich immer noch an das Gebet des „Engel des Herrn“, dies sei ihr als Kind und heute noch im Kopf geblieben und habe so viel bewirken können in ihrem späteren Leben.

Peter Winnemöller formulierte schließlich die Quintessenz der Runde: „Lernen wir unseren Glauben, leben wir ihn! Finden wir Freude darin und hören wir nie auf zu beten! Dann, so glaube ich, haben wir eine Chance, dass der Glaube neu erstarkt! Hierzu möchte ich Sie alle miteinander herzlich einladen!“


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Lesermeinungen

 kluge Jungfrau 3. September 2013 

ist es dieses

"Projekt" wert, umgesetzt zu werden? Den Menschen unverbindlich anzubieten, EINEN Versuch zu wagen, im Alltag auf Gottes Hilfe zu setzen und Erlösung hautnah erleben zu können? Ein Aufmerksamwerden auf das Geschenk des Neubeginns in der Hl. Beichte wäre die logische Folge :-)))
http://www.kathtube.at/player.php?id=28167


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 Kant 3. September 2013 

Schwärmerei, Herumgejammer, Prinzip „beleidigte Leberwurst“ und die Erneuerung der Kirche

Im Fazit der Runde finde ich treffende, hilfreiche Feststellungen besonders auch für einige Diskussionen, die hier stattgefunden haben und vielleicht noch stattfinden werden.
1. „Nicht restaurativ sein“: es wird der Kirche nicht helfen, wenn wir die „guten, alten Zeiten“ wiedererwecken wollen, die es ohnehin nicht gegeben hat.
2. „Nicht in die Schützengräben begeben, schon gar nicht aus liturgischen Gründen“: es wird der Kirche nicht helfen, wenn man ständig über große und kleine Mißstände in den Liturgien herumjammert, um die ordentliche Form des katholischen Ritus zu bekriegen.
3. „Nur winzige Dinge in Bewegung setzen“: es wird der Kirche nicht helfen, wenn man sich wie die beleidigte Leberwurst zurückzieht und damit jede Mögichkeit verliert, Einfluß zu nehmen, weil sich auch bei berechtigten Anliegen augenblicklich wenn überhaupt nur millimeterweise etwas bewegen läßt.


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