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Jobsharing im Vatikan

15. Juli 2013 in Kommentar, 8 Lesermeinungen
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„Der eine erobert die Herzen, der andere orientiert die Köpfe.“ - Und wieder ist es gelungen, eine Nachricht aus der Unterwelt abzufangen. Eine KATH.NET-Glosse der besonderen Art von Helmut Müller


Koblenz (kath.net) Länger als eine Woche nach dem Ereignis hat es gedauert, bis mir eine weitere Dienstanweisung an C. S. Lewis bekannten Unterteufel zugespielt wurde. Mein Informant muss vorsichtiger agieren. Der höllische Geheimdienst jagt meinen Informanten, wie die Amerikaner Edward Snowden. Aber noch einmal hat mich eine Anweisung erreicht.


Lieber Wormwood,

meine schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten. Statt einen Vertreter Christi endgültig erledigt zu haben, haben wir es nun mit zweien zu tun. Damit nicht genug: Jeder wird mit der Stärke seines Charismas wirksam, und um das Desaster voll zu machen: ohne die jeweiligen Schwächen ihrer Begabungen. Der eine ist kein typischer Intellektueller, der uns auf dieser Ebene wirklich gefährlich werden könnte und der andere menschenscheu, der zwar gefährlich Ordnung und Orientierung in Köpfen schaffen, aber nur wenige Herzen erwärmen kann, dafür sorgen schon die Medien.

Ich krieg’ die Krise, wenn ich nun sehe, wie der Amtierende jeden Mittwoch zwei bis drei Stunden auf dem Petersplatz rumfährt, Tausende herzlich umarmt und gestenreich grüßt und sich dadurch Millionen andere fühlen umarmt zu werden. Den intellektuellen Part überlässt er dem Emeritus.

Diese Form von Jobsharing macht mich wütend. Der Emeritus(!) – wer hätte das gedacht – kann noch einmal das Licht des Glaubens preisen und macht wieder den Platzanweiser für die Vernunft, ohne sie fundamentalistisch zu verfinstern. Das den Glauben paralysierende Laserlicht, der von uns gepuschten aufgeklärten Vernunft, weist er dadurch einmal mehr in seine Schranken.

Unser Vater in der Tiefe kommt noch heute ins Schwärmen, wenn er sich daran erinnert, als wir die Kathedrale Notre Dame in Paris in den Tempel der Vernunft umbenennen konnten und statt unserer schärfsten Gegnerin dort die Göttin der Vernunft verehrten. Den Kölner Dom machten wir zum Pferdestall. Klar, Du wirst sagen, wir kommen wieder dahin.


Aber mich regt es einfach auf, dass unser Konzept nicht aufgegangen ist und wir es jetzt mit zweien zu tun haben. Sicher, beide sind alte Männer, aber ihre heftigsten Kritiker eben auch.

Sorgen bereitet mir, wie viele junge Menschen den beiden alten Säcken, so der O-Ton eines unserer Lieblingsmedien, folgen. Nachdem der Mann aus Oberbayern, wo man noch mit der Krachledernen rumläuft, in der Enzyklika seinen Sermon abgegeben hat, gibt der andere aus der Pampa zum Schluss auch noch seinen Senf dazu und lobt mal wieder Maria, die apokalyptische Frau.

Am Montag kam es dann noch schlimmer, weil die Medien wieder da waren: Jeder konnte sehen, wie der Argentinier sein Charisma ausspielen konnte. Er lässt den Worten Taten folgen: Wie eine Lichtgestalt des Glaubens erschien er in Lampedusa im von uns verursachten Dunkel der Welt. Hier am unteren Rand Europas, das wir kräftig verfinstert haben, begegnet er Menschen von einem anderen Kontinent, den wir ins Elend getrieben haben. Dem Vater der Tiefe sei Dank, dass es für diese Menschen sicher wieder dunkel wird, wenn er weg ist und das ehemals christliche Abendland dann nicht mehr als solches kenntlich ist.

Der Argentinier vom Ende der Welt ist ein Fremdkörper zwischen Lampedusa und dem Nordkap. Er beherrscht offensichtlich nicht den Diskurs der Moderne, sonst würde er uns nicht so oft beim Namen nennen. Da wird er noch in so manches Fettnäpfchen treten, das wir ihm aufstellen. Der andere aus Oberbayern beherrscht ihn sehr wohl und hatte Gesprächspartner der feinsten Sorte religiös Unmusikalischer. Was mich richtig aufregte war, dass er auf höchstem Niveau mithalten und reihenweise Intellektuelle für sich einnehmen konnte, ja sogar nicht wenige regelrecht konvertierten.

Was macht der Mann aus der Pampa? Er lädt doch tatsächlich den Oberbayern zur Einweihung einer Statue des Erzengels Michael, unseres damals himmlischen Rivalen, ein. Das schmerzt mich immer noch, dieser Verweis aus dem inneren himmlischen Machtzirkel. Dann veröffentlichen sie die gemeinsame Enzyklika, und damit nicht genug, kündigen sie auch noch die Heiligsprechung zweier Vorgänger an, die wir zu spät ins Grab geschaufelt haben.

Der eine hat noch sehr spät das II. Vaticanum eröffnet. Klar, es ist uns gelungen auch dort kräftig unseren Rauch aufsteigen zu lassen. Paul VI. hatte das noch bemerkt. Aber der andere, der Mann aus Polen hat ihn dann, mehr als uns lieb war, wieder vertrieben. Mann, was hat der uns zu schaffen gemacht! Wir haben ihn aber dennoch fast erledigt. Seinen widerwärtigen Geist haben wir regelrecht in seinen Körper eingemauert, ihn von Jahr zu Jahr unbeweglicher gemacht, ihm die Stimme geraubt, sein Lachen und seine Gestik zur Grimmasse eingefroren. Gerade das war aber unser größter Fehler. Durch das authentische Leben mit seiner Krankheit konnte er noch einmal Massen bewegen. Auch ihn hätten wir früher ins Grab schaufeln müssen. Ich darf gar nicht an sein Begräbnis denken. Die Blüte der Jugend Europas pilgerte nach Rom, und sie haben ihm zu allem Überfluss in großer Zahl auch nach dem Tod die Treue gehalten.

Aber Schluss mit den Selbstquälereien. Dem Vater der Tiefe sei Dank, wenigstens ist es unserer Medienabteilung gelungen, die Bilder dieser schmählichen Veranstaltung weitgehend außen vor zu lassen. In Deutschland hat man davon kaum Notiz genommen. In Ägypten war an besagtem Wochenende so viel los, dass auch die Enzyklika kaum wahrgenommen wurde und die Einweihung der Statue erst gar nicht. Unseren Einflussagenten ist es gelungen die Enzyklika zu entschärfen. Mit Kommentaren wie „enthält nichts Neues“, „keine Überraschung“, „es war noch mal der Alte“, „er hat die Frauen vergessen“, „enthält Schläge gegen Neuzeit und Moderne“, „noch mal ein Rückfall ins Dozieren“ und Ähnlichem haben sie sie als Altpapier abgeheftet, ein wenig mit Referenz an die vormoderne Klugheit des Emeritus garniert. Oder es wurde streckenweise die eigene Theologie entdeckt, indem einfach etwas nicht vorkam, was sonst immer vorkäme, etwa dass von zuvorkommender Liebe ohne vorher gehender Sünde die Rede wäre. Ihnen wie uns ist einfach die Enttäuschung anzumerken, dass der aus der Pampa, dem aus Oberbayern noch einmal das Wort gelassen und es ausdrücklich für gut empfunden hat.

Dass wir in der Kurie stark unter Druck geraten würden, war zu erwarten, aber dieses Doppelpassspiel zweier Päpste hat uns doch aus dem Tritt gebracht. Schau zu, dass es nicht mehr vorkommt.

Dein Dich liebender Oheim

Screwtape

Dr. Helmut Müller ist Akademischer Oberrat am Institut für Katholische Theologie der Universität Koblenz

Diese Glosse beruht auf dem Buch von C.S. Lewis: Dienstanweisungen an einen Unterteufel.

kath.net-Lesetipp:
Dienstanweisungen an einen Unterteufel
C.S. Lewis
Taschenbuch: € 9.20
eBook: € 13,10
Erhältlich bei: kathShop




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