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'Unser Charisma heisst Compassion - Mit-Leiden'

8. Juni 2013 in Interview, 5 Lesermeinungen
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„Wo könnte ich dem Herrn besser begegnen als in der Eucharistie?“, fragt Alexis Dupuy im kath.net-Interview. Er ist geweihter Laie in der jungen Gemeinschaft „Offenes Herz“. Von Petra Lorleberg


Köln-Berlin-Stuttgart (kath.net/pl) „Wo könnte ich dem Herrn besser begegnen als in der Eucharistie? Da ist kein beiläufiges Element meines Lebens, sondern sein Zentrum!“ Dies bekennt Alexis Dupuy (Foto) am Rand des Eucharistischen Kongresses in Köln. Der junge Katholik stammt aus Frankreich und ist geweihter Laie der Gemeinschaft „Offenes Herz“. Er erläutert im kath.net-Interview, wie für ihn die eucharistische Anbetung und die Zuwendung zu Christus „in Gestalt des Armen“ zusammenhängen. Außerdem kann Dupuy nach seinem langen Argentinienaufenthalt erklären, was Papst Franziskus am Matetee so schätzt.

kath.net: Herr Dupuy, Ihre junge Gemeinschaft beteiligt sich beim Eucharistischen Kongress.

Alexis Dupuy: Ja, Suzanne Anel und ich vertreten unsere Gemeinschaft „Points-Coeur/Offenes Herz“ beim Eucharistischen Kongress.

Wir freuen uns sehr als junge Gemeinschaft an diesem Fest des Glaubens teilnehmen zu dürfen und über unsere Erfahrung in Argentinien, El Salvador und Rumänien inmitten der Ärmsten und Einsamsten zu erzählen. In diesen Tagen stehen wir zu Verfügung, um ins Gespräch zu kommen und alle Fragen zu beantworten.

Im Zelt der Begegnung am Kolpingplatz erwarten wir alle, die uns kennenlernen möchten.

kath.net: Welche Grundanliegen von Offenes Herz möchten Sie dabei aktiv mit einbringen?

Dupuy: Am Ursprung der Gründung von Offenes Herz steht diese Intuition, dass das größte Leiden der Menschen die Einsamkeit ist.

Unser Charisma heisst die Compassion - das Mit-Leiden -, diese Haltung von Maria am Fuß ihres gekreuzigten Sohnes, die ihm durch ihre stille Gegenwart erlaubt bis zur Vollendung seiner eigenen Mission zu gehen.

Die Gekreuzigten von heute sind zahlreich, und nicht nur in den ärmeren Ländern. Wir erheben nicht den Anspruch, eine Lösung zu sein für die schweren Probleme der Menschen. Wir wollen nur ein Zeichen sein, ein Zeichen der Hoffnung und der Liebe.

Unsere Aufgabe besteht darin, diese Präsenz der Liebe zu sein und diese bedingungslose Freundschaft anzubieten, die erlaubt, das Leiden anzunehmen und den eigenen Lebensweg weiter zu gehen.

Ist nicht der allertiefste Durst des Menschen, der nach einer Gegenwart?

Offenes Herz versteht sich auch als Freiwilligendienstorganisation, in der die Jugendlichen die Möglichkeit haben, zwischen 14 und 24 Monate in einem Haus von Offenes Herz in einem Elendsviertel zu wohnen und sich für die Bewohner dieses Viertels einzusetzen.

kath.net: Pflegt Ihre Gemeinschaft die Beziehung zum in der hl. Eucharistie gegenwärtigen Herrn oder ist das nur ein beiläufiges Element Ihres Katholischseins? Hat Ihre Gemeinschaft auch einen marianischen Grundzug?


Dupuy: Die Quelle meines Lebens ist das Gebet.

Christus allein gibt Frucht zu meiner Aufgabe. Davon bin ich tief überzeugt.

Also wo kann ich ihm besser begegnen als in der Eucharistie? Das ist kein beiläufiges Element meines Lebens, sondern sein Zentrum!

In unserer Gemeinschaft haben wir die Gewohnheit, jeden Tag eine Stunde vor dem Allerheiligsten in der Anbetung zu verbringen.

In diesem Sinn würde ich sagen, dass die Gemeinschaft mir hilft meine Beziehung mit Gott zu pflegen. Und auch weil wir zu Hause eine Kapelle haben, wo Christus im Tabernakel präsent ist. Er ist ein sehr besonderer Mitbewohner!

Wie gesagt ist unser Charisma von Maria unter dem Kreuz inspiriert. Daher ist sie – sozusagen – unsere „Lehrerin“, bei der wir lernen, uns bedingungslos hinzugeben. Wir betrachten sie, meditieren über ihre Gegenwart im Evangelium und beten um ihre Fürsprache in dem täglichen Rosenkranz.

kath.net: Welche Erfahrungen machen Sie persönlich bei Ihren täglichen Gebetzeiten vor dem Allerheiligsten, Herr Dupuy?

Dupuy: Die stille Anbetung ist zuerst der Ort der persönlichen Begegnung mit Christus, wo ich ihm ganz einfach eine Stunde meiner Zeit schenke. Es passiert nichts Besonderes, aber Er ist da und ich bin da. Das ist wie in der Freundschaft, wo man sich freut, mit dem anderen Zeit zu verbringen ohne große Ansprüche.

Die Anbetung ist auch ein Zeugnis meines Glaubens.

Ja, ich glaube, dass Christus in diesem Stück Brot wirklich präsent ist und zeige es durch meine Gegenwart in der Kapelle.

Und geheimnisvoll lerne ich auch dadurch Christus „in Gestalt des Armen“ zu erkennen, wie ein großer Schweizer Theologe sagte. Die Begegnung mit Gott im Gebet geht in meinem Alltagsleben bei alle Begegnungen weiter.

Die Anbetung ist letztendlich selbstverständlich ein besonderes Moment, wo ich Christus alle anvertrauen kann, die ich getroffen habe und die auf mein Gebet hoffen.

kath.net: Herr Dupuy, es ist heutzutage alles andere als selbstverständlich, dass ein junger Mensch ein intensiv religiöses Leben führt. Wie kamen Sie dazu?

Dupuy: Ich habe das Glück in einer katholischen Familie geboren zu sein und wurde in dem katholischen Glauben erzogen. Aber als ich zwischen 18 und 22 Jahre war, war eigentlich meine einzige Verbindung mit dem Glauben ein Jugendtreffen im Sommer. Es hat mir immer eine Sehnsucht nach mehr gelassen, aber ohne dass ich wirklich diese Frage ernst genommen habe. Die Begegnung mit einer Jugendgruppe in meiner Pfarrei habe ich erkannt als einen „Vorschlag“ Gottes, diesen Schritt zu gehen und zu sagen: „Ja, ICH glaube. Ich möchte Deinen Freund sein.“

Als ich studiert habe, hatte ich auch diesen wachsenden Wunsch, eine Zeit meines Lebens für die Anderen zu geben. Ich hatte mein Studium, mein Zuhause, meine Familie, meine Freunde. Aber was machte ich für die Anderen?

Als ich Offenes Herz kennengelernt habe, konnte ich nichts anderes tun, als noch einmal erkennen, dass ich geführt war. Alles was ich mich erwünscht hatte, für diesen Freiwilligendienst im Ausland, war da: Gebet, Gemeinschaft und Compassion. Und ich wurde so betroffen, dass ich heute noch Mitglied von Offenes Herz bin.

kath.net: Sie waren bereits mehrere Jahre in Elendsvierteln der Dritten Welt. Eine schwere Zeit, eine schwere Aufgabe?

Dupuy: Als ich die Vorbereitung in Frankreich gemacht habe, um als Freiwilliger nach Argentinien zu fliegen, habe ich den Eindruck gehabt, dass ich den Argentiniern viel zu bringen hatte.

Aber als ich dort ankam, konnte ich kein Wort Spanisch, kannte die anderen in meinem Haus nicht und kannte nicht die Kultur. Es war wirklich demütigend!

Aber erstaunlicherweise ist es genau diese Erfahrung, mich plötzlich so arm zu fühlen, die mir erlaubt hat, die Personen in dem Viertel nicht von oben sondern von unten anzuschauen. Ich hatte so viel von ihnen zu lernen!

Als meine Eltern mich besucht haben, bin ich mir bewusst geworden, wie sehr unsere Nachbarn von der Tatsache, dass wir alles hinter uns lassen, um ein Jahr oder mehr zwischen ihnen zu verbringen, berührt waren. Mit einfachen Wörtern drückten sie meinen Eltern ihre Dankbarkeit aus, dass sie mich gehen gelassen haben.

Sie fragen, Frau Lorleberg, ob es eine schwere Aufgabe war. Das Schwierigste ist eigentlich anzunehmen, dass man viel mehr zu lernen hat, als zu bringen.

kath.net: Das Land Argentinien ist uns ja seit der Wahl von Papst Franziskus viel näher gerückt. Doch manches ist uns noch unvertraut, das fängt beim Mateteetrinken an. Möchten Sie uns erklären, was es damit auf sich hat, dass man Papst Franziskus immer wieder mit einem Becher mit Röhrchen in der Hand sieht?

Dupuy: Das Matetrinken habe ich schon während meiner Vorbereitung in Frankreich erlebt. Andere Freiwillige, die aus Argentinien zurückgekehrt waren, haben mich eingeführt. Es ist eine ganze Kunst! Ich sollte wirklich lernen, wie man den Matetee in diesen Becher (den Mate) tut, erst dann das heiße aber ungekochte Wasser darauf gießt, und schließlich daraus mit dem Trinkhalm (der „Bombilla“) trinkt.

Was ich so schön daran finde ist, dass es ein Zeichen der Freundschaft ist.

Es gibt nur einen Mate für alle und alle trinken daraus, einer nach dem anderen.

Ich bin in kein argentinisches Haus gekommen, ohne dass mir Mate angeboten wurde und ich konnte einfach nicht ablehnen. Es gab sogar manche Familien, in denen sie immer das Wasser aufgesetzt haben, bevor ich einen Fuß in dem Haus hatte!

kath.net: Ihre Gemeinschaft war inhaltlich schon bei den Päpsten Benedikt und Johannes Paul II. gut beheimatet, doch ein Papst, der aus nahem Kontakt mit Elendsvierteln kommt, müsste für Ihre Gemeinschaft doch regelrecht wie eine Brise Rückenwind wirken…

Dupuy: In der ersten Enzyklika vom Papst Johannes Paul II. ist mir einen Satz im Kopf geblieben. Er sagte : „der Mensch ist der erste und grundlegende Weg der Kirche“. Ich habe diese Worte immer sehr persönlich und auch für meine Gemeinschaft gelesen. Wie kann ich heute den Menschen in dem Mittelpunkt meiner Sorgen stellen? Wie kann ich mich in den Projekten nicht verlieren, sondern wirklich die persönliche Beziehung als erster und grundelegender Weg meines Lebens betrachten? Es ist für mich etwas sehr Konkretes, etwas Alltägliches.

Was uns Papst Franziskus zeigt, ist nichts anderes als das.

Ich freue mich insbesondere, dass er eine ganz eigene Erfahrung des Glaubens auch in Elendensvierteln hat, und dass er mit sehr einfachen Worten und kleinen persönlichen Anekdoten die Lehre der Kirche verbreitet.

Ich war tiefstens berührt die Bilder zu sehen, wo er die Füße junger Strafgefangener gewaschen hat. Unseren ganzen Dienst war „verkörpert“ in dieser konkreten Geste von der höchsten Autorität der Kirche.


Kurze Hintergrundinformation über Offenes Herz:

Offenes Herz ist ein internationales Hilfswerk, das 1990 gegründet wurde.
Offenes Herz ist in 23 Ländern auf 4 Kontinenten präsent und hat als Mission:
• junge Freiwillige vorzubereiten und auszusenden, um ein oder zwei Jahre im Herzen benachteiligter Viertel im Dienst der Verlassensten und vor allem der Kinder zu leben.
• eine "Kultur des MitLeidens" zu verbreiten, die den Menschen ins Zentrum aller Sorgen stellt, nicht nur in den Elendsvierteln sondern auch im Bereich der Wissenschaft, der Wirtschaft, der Kunst, der Politik.

Mehr Informationen können Sie auf unserer Webseite finden: www.offenesherz.de
Kontakt: Alexis Dupuy: E-Mail: alexisdupuy[at]gmail.com

Foto: Alexis Dupuy und Petra Lorleberg im Gespräch beim Zentrum der geistlichen Gemeinschaften des Eucharistischen Kongresses


Foto: (c) kath.net/Suzanne Anel


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Lesermeinungen

 veruschka 10. Juni 2013 
 

Liebe(r) paxetbonum: Ich war genauso überrascht, weil ich nur die Weihe für ein geistliches Amt kenne. Auf kathpedia findest du eine gute Erklärung für eine Weihe, die ein Sakramental ist: "Es gibt ein Sich-Weihen wie bei der Ordensprofeß, Jungfrauenweihe, Abtweihe, Altarweihe ... Diese ist keine bloße Segnung. Dieses Sich-Weihen wird durch ein Gebet und bestimmte äußere Zeichen zum Ausdruck gebracht." Der ganze Artikel ist sehr interessant: http://www.kathpedia.com/index.php/Weihe


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 paxetbonum2 9. Juni 2013 
 

Danke @veruschka

Dann wird bald jeder Mitarbeiter einer NGO ein geweihter Laie sein.


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 veruschka 9. Juni 2013 
 

Was ist ein geweihter Laie

@gloria olivae, paxetbonum: Genau weiß ich es auch nicht, aber hier steht Genaueres http://www.offenesherz.de/Ein-katholisches-Hilfswerk.html (bitte weit runterscrollen). Unter "geweihte Laien", das ist offensichtlich ein "Fachbegriff" innerhalb dieses katholischen Hilfswerks, heißt es dort: Geweihte Laien: Laien, die sich dazu entschieden haben, ihr ganzes Leben in den Dienst von Points-Cœur/Offenes Herz zu stellen."

In einem Interview heißt es: "Unser Ursprung ist der Freiwilligendienst, aber mit der Zeit hat es sich so entwickelt, dass wir auch eine Laiengemeinschaft für geweihte Laien, eine Priestergemeinschaft und eine Familiengemeinschaft gegründet haben.". Das Interview steht auf: http://www.freiewelt.net/nachricht-6125/


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 paxetbonum2 9. Juni 2013 
 

Ja, was ist ein geweihter Laie??


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 gloria olivae 8. Juni 2013 

Was ist ein "geweihter Laie"?


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