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Klaus Berger: Das Elend der historisch-kritischen Theologie

28. Mai 2013 in Interview, 35 Lesermeinungen
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Emeritierter Professor für Neutestamentliche Theologie übt scharfe Grundsatzkritik an der historisch-kritischen Methode der Bibelauslegung


Heidelberg (kath.net/idea) Jahrhundertelang war für so gut wie die gesamte Theologie die Bibel Gottes Wort. Das änderte sich erst im Zuge der Aufklärung im 18. und 19. Jahrhundert. Die Bibel wurde nun zunehmend als „menschliches Buch“ gesehen, „das nicht anders verstanden werden kann als andere Bücher auch“ (so der Theologe Heinz Zahrnt). Inzwischen wird die Bibel an allen Theologischen Fakultäten im deutschsprachigen Raum, aber auch an manchen freikirchlichen Ausbildungsstätten historisch-kritisch ausgelegt. An dieser Methode übt der Heidelberger Professor für Neutestamentliche Theologie, Klaus Berger, scharfe Kritik. Mit ihm sprach idea-Reporter Karsten Huhn.

idea: Herr Professor, in Ihrem jetzt erschienenen Buch „Die Bibelfälscher“ schreiben Sie: „Die historisch-kritische Exegese der letzten 200 Jahre hat alles Porzellan im Haus der Christenheit zerschlagen, bis hin zur letzten Blumenvase.“ Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?

Berger: Viele Theologiestudenten brechen ihr Studium ab, weil sie während des Studiums ihren Glauben verlieren. Das hat vor allem mit der an den Universitäten betriebenen Bibelauslegung zu tun. Die Bibel wird auseinandergenommen und demoliert, so dass von ihr fast nichts mehr übrig bleibt. Um das auszuhalten, muss man schon einen außerordentlich gefestigten Glauben haben.

idea: Wie verliert man beim Studium der Theologie den Glauben?

Berger: Bei vielen Ereignissen, von denen die Bibel berichtet, behaupten die Theologieprofessoren, diese hätten nicht stattgefunden. Die Begründung: Außerhalb der Bibel werde davon nicht berichtet.

idea: Warum überzeugt Sie dieses Argument nicht?

Berger: Weil es im Neuen Testament selbst genügend Zeugen gibt – und zwar Menschen, die für ihre Überzeugungen mit ihrem Leben eingestanden sind. Kein Mensch würde aber für eine erfundene Geschichte sterben!

Sind die Wunder erledigt?

idea: Zu den prominentesten Vertretern der historisch-kritischen Bibelauslegung gehört der Marburger Neutestamentler Rudolf Bultmann (1884–1976). Er schrieb: „Erledigt sind … die Geschichten von der Himmel- und Höllenfahrt Christi; erledigt ist die Erwartung des mit den Wolken des Himmels kommenden ‚Menschensohnes’ und des Entrafftwerdens der Gläubigen in die Luft ihm entgegen (1. Thessalonicher 4,15ff). Erledigt ist durch die Kenntnis der Kräfte und Gesetze der Natur der Geister- und Dämonenglaube … Die Wunder des Neuen Testamentes sind damit als Wunder erledigt.“

Berger: Das ist das Weltbild des 19. Jahrhunderts. Danach existiert nur das, was man physikalisch nachweisen kann und mit den Naturgesetzen übereinstimmt. Heute weiß jeder Naturwissenschaftler, dass dies eine Vorstellung von vorgestern ist. In der Bibelauslegung wird sie dagegen aufrechterhalten. Die Himmelfahrt Jesu kann es nicht gegeben haben, weil sie den Naturgesetzen widerspricht – so denken Theologen heute immer noch.

Von den Wundern, die Jesus tat, kann es nur solche gegeben haben, die heute auch bei Heilpraktikern vorkommen. Dagegen fallen anspruchsvollere Wunder aus, etwa die Totenerweckung des Lazarus, der Gang über das Meer oder die Speisung der 5.000. Auch die Dämonenaustreibungen gelten heute als peinlich.

Von niemandem werden so viele Wunder berichtet

idea: Was spricht für den Wahrheitsgehalt dieser Wunder?

Berger: Es gibt neben Jesus keinen zweiten Menschen, von dem so viele und vielgestaltige Wunder berichtet werden. Allein die Fülle dieser Geschichten ist beeindruckend!

idea: Ist das als Begründung ausreichend?

Berger: Um diese Wunder zu begreifen, muss unser Verstand sich weiten. Bei den Wundern Jesu geht es um eine mystische, also geheimnisvolle, Wirklichkeit, die über das hinausgeht, was die Naturwissenschaften aussagen können. Die Ursachen für die Wunder, über die die Bibel berichtet, sind physikalisch nicht erklärbar.

Warum es auf die Jungfrauengeburt ankommt

idea: Nicht erklären können sich Ausleger auch die jungfräuliche Empfängnis. So schreibt der Schweizer Neutestamentler Ulrich Luz, die Jungfrauengeburt habe „keinen direkten geschichtlichen Hintergrund“.

Berger: Das behauptet Herr Luz, obwohl sowohl im Matthäus- als auch im Lukas-Evangelium steht, dass Jesus durch den Heiligen Geist empfangen wurde. Wenn man bei einem Mediziner nachfragt, ob es die Empfängnis durch den Heiligen Geist gebe, wird der das natürlich verneinen. Also sagt Herr Luz: Dann wollen wir den modernen Menschen damit auch nicht belasten. Damit schließt er aber von vornherein die Möglichkeit aus, dass Gott in dieser Welt etwas bewirken kann. So legen Theologen dem Herrgott Handschellen an und binden ihm einen Maulkorb um, damit er ja nichts tut oder sagt, was uns irritieren könnte.


idea: Mit welcher Begründung halten Sie an der Historizität der Jungfrauengeburt fest?

Berger: 1. Matthäus und Lukas berichten darüber – und zwar einschließlich der damit verbundenen Komplikationen. Als Josef von der Schwangerschaft Marias erfuhr, wollte er seine Verlobte zunächst entlassen. So eine Begebenheit erfindet man doch nicht!

2. Sowohl bei der Menschwerdung Jesu als auch bei seinem Tod und der darauffolgenden Auferstehung finde ich dieselbe Handschrift Gottes, nämlich das Wirken des Heiligen Geistes. Dies war der Glaube des Urchristentums und es ist auch mein Glaube.

Woher stammt Jesus?

idea: Ein weiteres Problem ist der Geburtsort Jesu. So schreibt der Heidelberger Neutestamentler Gert Theißen: „Jesus stammt aus Nazareth. Die Verlagerung des Geburtsortes nach Bethlehem ist ein Ergebnis religiöser Fantasie und Vorstellungskraft.“

Berger: Nun berichten die Evangelien aber eindeutig von Bethlehem als Geburtsort und verweisen darauf, dass dies eine Erfüllung des alttestamentlichen Propheten Micha ist: „Doch du, Bethlehem in Efrata, so klein unter den Hauptorten Judas: Aus dir soll der hervorgehen, der mein Herrscher über Israel wird!“ (5,1).

Bibelkritiker schlussfolgern daraus: Wenn es vorhergesagt wurde, kann es nicht geschehen sein, sondern der Geburtsort wurde nachträglich an die Prophezeiung angepasst. Damit wird das Schema von Verheißung und Erfüllung von vornherein außer Kraft gesetzt. Ich dagegen finde keinen plausiblen Grund, der gegen die Richtigkeit der Angaben im Neuen Testament spricht.

idea: Wenn es nach der liberalen Auslegung geht, sind auch der Kindermord des Herodes und die Flucht nach Ägypten Legenden.

Berger: Auch die Verklärung Christi, seine Himmelfahrt und seine Wiederkunft sollen nur Mythen sein.

Grundsätzlich suspekt sind auch alle Geschichten, in denen Engel vorkommen, denn Engel sind nach historisch-kritischer Vorstellung nur Fantasiegestalten. Gegen den Kindermord des Herodes wird von historisch-kritischer Seite eingewandt, dass es dafür außerhalb der Bibel keine Quelle gebe.

idea: Was spricht dafür?

Berger: Ist die Bibel etwa keine zuverlässige Quelle? Zudem: Herodes hatte einen schlechten Ruf und war für seine Grausamkeit bekannt. Dass mögliche Nachfolger aus dem Weg geräumt werden, gehört zum Alltagsgeschäft von politischen Tyrannen – und das gilt bis in unsere Zeit. Die Anordnung des Kindermordes aus Angst vor dem Machtverlust ist keine Propaganda des Evangelisten Matthäus, sondern ist sehr plausibel.

Was hat Jesus wirklich gesagt?

idea: Eine typische Aussage historisch-kritischer Ausleger lautet: Von Jesus wissen wir mit Sicherheit eigentlich nur, dass er gelebt hat.

Berger: Selbst ein theologisch nicht besonders interessierter Althistoriker würde dazu antworten: Über keine andere Persönlichkeit der Antike sind nach ihrem Tod so schnell und so zahlreich Biografien entstanden wie über Jesus. Neben den vier Evangelien gibt es 68 weitere Evangelien, die keine Aufnahme ins Neue Testament fanden, aber auch nicht völlig wertlos sind. Diese Vielfalt an Berichten ist in der Antike einmalig!

idea: Eine der beliebtesten Fragen der bibelkritischen Theologie lautet: Was hat Jesus wirklich gesagt – und was nicht?

Berger: Das Ausscheiden vermeintlich unechter Jesus-Worte hat das Neue Testament zerklüftet. So war der Tübinger Neutestamentler Ernst Käsemann (1906–1998) der Ansicht, dass Jesus das Vaterunser nie gebetet habe. Das angeblich Unechte ist in Wirklichkeit meist das Ungeliebte. Die Entscheidung, was nun echt ist und was nicht, ist in einem so hohen Grade abhängig von Mode, Geschmack, Konfession und Zeitgeist, dass ich nur sagen kann: Die Suche nach der wahren Stimme Jesu ist für die Katz. Bei Käsemann ist es interessant, den emotionalen Hintergrund für seine Suche nach echten und unechten Jesus-Worten zu kennen: Er wollte die pietistische Frömmigkeit in Württemberg ausrotten. Das ist zwar kein wissenschaftliches Ziel, reichte aber aus, um die Bibel zu zerstören.

Wie der Kommunismus in der DDR

idea: Inzwischen wird an der Echtheit von weit mehr als der Hälfte der Jesus-Worte gezweifelt.

Berger: Für mich besonders eindrücklich ist in diesem Zusammenhang das Wirken des holländischen Theologen Gustaaf Adolf van den Bergh van Eysinga (1874–1957). 40 Jahre bildete er an der Universität Leiden den theologischen Nachwuchs aus. Was er mit seiner liberalen Theologie angerichtet hat, kann man in den Niederlanden bis heute sehen: Ein Großteil der herrlichen mittelalterlichen Kirchen des Landes ist zu Museen geworden. Die liberale Theologie hatte dort einen ähnlich durchschlagenden Erfolg wie der Kommunismus in der DDR. Auch mit falscher Bibelauslegung kann man sehr viel Schaden anrichten.

idea: Herr Berger, Sie machen mich traurig.

Berger: Es kommt eben darauf an, dass wir wieder ganz von vorne anfangen: mit einem schlichten, einfachen Glauben, der weiß, warum er glaubt.

idea: Warum glauben Sie?

Berger: Weil es die Auferstehung Jesu gibt. Ohne Auferstehung wäre alles hoffnungslos, und unser ganzes Dasein auf der Erde würde in einem dunklen Loch enden. Dann bliebe uns nur der Nihilismus, die Lehre von der Nichtigkeit allen Seins.

Sind die Paulus-Briefe von Paulus?

idea: Für nichtig erklärt hat die Bibelkritik auch die Echtheit der im Neuen Testament enthaltenen Briefe. So soll Paulus die Pastoralbriefe an Timotheus und Titus nicht selbst verfasst haben.

Berger: Die vermeintliche Unechtheit paulinischer Briefe wird zum Teil damit begründet, dass diese Briefe die Rechtfertigungslehre des Paulus nicht vollständig wiedergeben. Als ob Paulus von morgens bis abends nur Rechtfertigungslehre dozierte hätte und kein anderes Thema kannte! Nach dieser Logik müsste man auch den Römer-Brief für unecht erklären, weil in ihm das Wort „Kreuz“ nur einmal vorkommt. Mein Argument für die Echtheit der Paulusbriefe: Offenbar war Paulus geistlich viel gereifter und hatte ein größeres Spektrum als deutsche Theologieprofessoren, die sich oft auf nur einen einzelnen Brief spezialisieren.

idea: Wie erklären Sie sich die Lust an der Bibelkritik an den Theologischen Fakultäten?

Berger: Es ist die Lust des Zweitsemesters, der zu Weihnachten nach Hause kommt und seiner
Verwandtschaft erklärt, was in der Bibel alles erfunden ist. Diese Macht und Anmaßung, andere Menschen in Verwirrung zu stürzen, bereitet Lust.

Die Narrenfreiheit der Theologieprofessoren

idea: Nun sind Theologieprofessoren keine Zweitsemester mehr, sondern haben den mühevollen Weg von Promotion und Habilitation hinter sich gebracht.

Berger: Die meisten Professoren leben ohne jeden Bezug zur Gemeinde und nur die wenigsten sind zuvor selbst Pfarrer gewesen. Ich kenne viele Theologen, die aus Angst vor dem Pfarrerberuf Professor geworden sind. Als Pfarrer erfährt man die Korrektur der Gemeinde, als Professor genießt man weitgehend Narrenfreiheit.

idea: Sie beklagen das „Zitier-, Berufungs- und Vortragseinladungskartell“, das an den Universitäten bestehe. Ein harter Vorwurf!

Berger: Viele meiner Schüler haben sich an verschiedenen Universitäten um eine Professur beworben.

Berger: Manche hatten keine Chance, auch nur zu einem Probevortrag eingeladen zu werden. So ist mein letzter Versuch, einen meiner Schüler zu habilitieren, gescheitert. Es ging um den Neutestamentler Armin Baum, der an der Freien Theologischen Hochschule Gießen lehrt. Die Begründung für die Ablehnung: „Diese theologische Schulrichtung wollen wir bei uns nicht!“ Angeblich sind die Berger-Schüler zu fundamentalistisch, evangelikal oder katholisch.

Wer evangelikal ist, wird kein Uniprofessor

idea: Denkbar wäre, dass es den Kandidaten an wissenschaftlicher Qualifikation mangelt.

Berger: Das ist nun gerade im Fall von Armin Baum absurd. Er ist ein hervorragender Wissenschaftler, dessen Bücher in der evangelischen wie in der katholischen Welt gelesen werden. Bei seiner Ablehnung ging es nicht um die Qualifikation, sondern um Mentalitätsfragen. Wir sind in der Universitätstheologie an einem Punkt angekommen, wo eine grundlegende Reformation nötig ist.

idea: Die Theologie verstand sich jahrhundertelang als Königin der Wissenschaften. Heute ist sie ein exotischer Studiengang …

Berger: Die Theologie hat sich in den letzten Jahrzehnten an die anderen Wissenschaften bis zum Äußersten angepasst. Die anderen Fächer erwarten von den Theologen aber nicht, dass sie in allem übereinstimmen, sondern dass sie ihr eigenes Wissen in den Dialog einbringen.

Wie man das Theologiestudium besteht

idea: Können Sie es noch empfehlen, Theologie zu studieren?

Berger: Man braucht Mut, um gegen den liberalen Strom zu schwimmen. Wenn man das Theologiestudium wagt, braucht man Freunde außerhalb der Universität, die einem in der Krise helfen können. Ich selbst habe von einem Professor profitiert, der die Vorlesung mit dem gemeinsamen Singen eines Chorals begann.

idea: Ist das nicht unwissenschaftlich?

Berger: Wenn man einen kleinkarierten Hühnerverstand hat schon.

idea: Ist die Art, wie an den Universitäten heute Theologie getrieben wird, Ursache für den Bedeutungsverlust der Kirchen?

Berger: Ja, weil die heutige Theologie ein lebloses Gedankengerippe ist, das mit Frömmigkeit und Kirche kaum noch etwas zu tun hat.

Ein leeres Kaufhaus

idea: Dabei wollte die liberale Theologie doch nur das Gute: Aufklärung und Licht in die Sache bringen.

Berger: Die liberale Theologie gleicht heute einem riesigen Kaufhaus, das fast leer steht und nur noch drei Artikel verkauft. In meinem Theologiestudium habe ich gelernt, dass eigentlich nur das Markus-Evangelium und der Galater-Brief die Echtheitskriterien erfüllen können – eine wahnsinnige Position, die zu einer ungeheuren intellektuellen wie emotionalen Verarmung führt. Das kann man in Predigten heute immer wieder erleben.

Was die Theologie erschüttern könnte

idea: Was vermissen Sie in der Predigt?

Berger: Die Glaubwürdigkeit! Viele Pfarrer meinen, auf alles Anstößige verzichten zu müssen. So hörte ich in einer Weihnachtspredigt, Weihnachten sei nichts anderes als die Geburt eines Kindes – und darüber könne man sich doch nur freuen. Aber warum alles auf dieses eine Kind ankommt, wurde mit keinem Wort erklärt. Wie kann ein Pfarrer das Evangelium so verhunzen?

idea: Kann es noch zu einer Trendwende in der Theologie kommen?

Berger: Noch ist die Kirche weich gebettet durch Hunderte von Staatskirchenverträgen. Wenn sich eines Tages die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag ändern, werden diese Verträge aufgelöst. Das könnte auch das Ende der Theologischen Fakultäten an den Universitäten bedeuten. Vielleicht wacht die Theologie dann aus ihrer total abgesicherten Welt auf.

idea: Vielen Dank für das Gespräch!

Klaus Berger ist emeritierter Professor für Neutestamentliche Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg. Der Katholik veröffentlichte mehr als 40 Sachbücher, in denen er sich für ein stärkeres Vertrauen zur Bibel einsetzt. Sein neuestes Buch „Die Bibelfälscher – Wie wir um die Wahrheit betrogen werden“ ist gerade im Pattloch-Verlag erschienen.

Buchtipp - Sehr lesenswert!
Die Bibelfälscher
Wie wir um die Wahrheit betrogen werden
Von Klaus Berger
Gebundene Ausgabe 352 Seiten;
Pattloch 2013
ISBN 978-3-629-02185-4
Preis 20.60 EUR

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Lesermeinungen

 parouna 10. April 2014 
 

Klaus Berger: Das Elend der historisch-kritischen Theologie

Einfliessen von liberaler, historisch-kritischer Exegese in Verkündigung lässt fortschreitende Legendenbildungen der biblischen Aussagen zu. Wieweit darf sie gehen? Ist es nicht zum Weinen, wenn unser Glaube nur auf Legenden beruhte? Er könnte nicht bestehen, Elend und Verzweiflung blieben übrig. Legendärer Jesus rettet uns nicht. Ist Er nicht auferstanden, kommt Er auch nicht wieder. Was für eine Enttäuschung, und Täuschung!!!


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 Tin 31. Mai 2013 
 

Die Heilige Schrift

Das Erste und Zweite Testament ist das meistuntersuchteste "Buch" der Welt. Aber ohne den Heiligen Geist in der wissenschaftlichen Tätigkeit des Erforschens mitwirken zu lassen, bleibt alles im Endeffekt: Stroh, Verwirrung, Glaubensverfall= Glaubensabfall.


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 Marienzweig 30. Mai 2013 

@Philalethes

Ob @Hadrianus Antonius einen anderen Begriff von Kirche hat als Sie und ich, kann ich nicht beurteilen.
Nur eines weiß ich:
Von ihm fühlte ich mich verstanden.
Ich glaube, er wusste, was ich meinte.

Was und wieviel mir die Kirche bedeutet, habe ich ja in meinem letzten Kommentar beschrieben.
Sie ist mir zur geistigen Heimat geworden.
Darüber bin ich sehr glücklich!
Geistige Heimat - ganz stark habe ich dies wieder heute morgen bei der Fronleichnamsfeier empfunden.

Sie, lieber @Philalethes mögen Ihre Vorstellung von Kirche haben, @Hadrianus Antonius die seine und ich wiederum die meine.

Sie haben Recht, belassen wir es dabei!
Unterschiedliche Standpunkte dürfen sein!
Ich danke Ihnen für den gegenseitigen Austausch!


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 Philalethes 30. Mai 2013 
 

@Marienzweig

„Ich danke Ihnen sehr für Ihre Worte an @Philalethes. Sie sagten ihm, was ich auch gerne gesagt hätte,…“
So einfach ist es nicht. Hadrianus A. stellt einen anderen Begriff von „Kirche“ vor als Sie und ich. Das ist sein Recht, da dadurch kein Widerspruch entsteht. Dadurch tangiert er aber auch nicht mehr Ihren und meinen Beitrag. Das ist immer so, wenn ein anderer Begriff gewählt wird. - Nun diskutieren wir schon so lange dieses Thema, dass wir an einen Abschluss denken könnten. Die Unterschiedlichkeit unserer Standpunkte ist klar herausgekommen. Das ist auch ein legitimes Diskussionsergebnis.


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 gertrud mc 29. Mai 2013 
 

Volle Zustimmung für @Hadrianus Antonius, @Scotus und @Marienzweig

Der Hauptgrund, warum ich mich viel mit (guter) Theologie, der Bibel und Hagiographien beschäftigte, war, dass ich meinen Glauben, der mir durch eine intensive Gotteserfahrung geschenkt wurde, vertiefen und gegen "moderne" Theologen verteidigen musste.
Sie haben ihren katholischen Glauben weitgehend verloren, dafür aber in der Kirche Karriere gemacht.
Und die Lust, den Glauben der Kleinen und Einfachen zerstören zu wollen durch herablassende, ja aggressive Besserwisserei hab ich auch zu spüren bekommen. Viel Wissen, aber wenig Weisheit und Unterscheidung.


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 Franz Solan 29. Mai 2013 
 

vergeblich

Die hist.-kritische Methode gleicht Technikern, die eine Uhr auseiandernehmen und partout die Zeit nicht finden.


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 Marienzweig 29. Mai 2013 

@Hadrianus Antonius

Ich danke Ihnen sehr für Ihre Worte an @Philalethes.
Sie sagten ihm, was ich auch gerne gesagt hätte, doch das Kommentar-Kontingent war eschöpft.
Vor 10 Jahren durfte ich Umkehr erfahren und ein schöner, intensiv erlebter Glaubensweg nahm seinen Anfang.
Ich befasste mich mit Heiligen, nahm die Bibel zur Hand, vor allem aber zog es mich in die Hl. Messe.
Meinen Glauben habe ich nicht den Theologen zu verdanken, sondern der Führung Gottes und der Hilfe und dem Zeugnis überzeugter Christen.
Allerdings, öffnen für IHN müssen wir uns schon, wir müssen glauben "wollen".
Glauben "müssen", nein, das geht nicht!
Aber glauben "wollen", sich hinwenden, sich IHM überantworten wollen - wenn wir diesen Wunsch haben, dann geschieht etwas in und mit uns.
Glauben und Sehnsucht - beides gehört zusammen!
Theologie kann Wissen vermitteln, aber innig glauben ist etwas ganz anderes!


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 Quirinusdecem 29. Mai 2013 
 

Gibt es einen Gott ?

Wie ich auch schon in anderen Beiträgen geschrieben habe, ist das Grundproblem die fehlende Dimension: Die Bibel wir ausschließlich in den von Herrn Berger und div. Postern horizontal betrachtet, sowohl von ihrer Entstehung her, als auch dann von ihrer Wirkung und Aussage. Es handelt sich um eine rein materialistische geprägte Denkweise. diese Sicht auf die Bibel lässt die vertikale Schau deswegen nicht zu, weil sie den naturgesetzlichen Gegebenheiten wiederspricht und damit der Vernunft. Übrigens, seit wann ist Vernunft eine resultierende der Naturgesetze ? Wie dem auch sei, wenn ich Gott aus der Geschichte herausnehme, ist diese Betrachtungsweise korrekt. Dann aber handelt es sich nicht um Theologie, sondern um Anthropologie! Ohne Gott habe ich eine rein materialistische Basis und die Bibel ist nicht entstanden, sondern hergestellt worden.
Eine Frage habe ich aber noch: Wie beantworten diese Theologen die Frage, wie sie darauf kommen, dass es eine Gott gibt ?


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 Hadrianus Antonius 29. Mai 2013 
 

@Philateles Die Kirchlichkeit moderner Theologen II

ff. hat jedoch keinen Beweis seiner Kirchentreue oder seiner Gottgläubigkeit erbracht; wenn hier sehr viel Kritisches über "moderne Theologen" gesagt wird, ist dies der traurige Beweis wie nabelstarrend häufig ihre Zunft ist und wie defizitär ggb. die Gläubigen in einer zunehmend feindliche Welt.
Wenn man die Situation der Christen im Orient sieht, so sind die Schriften des weisen Aphrahats enorm viel wichtiger und hilfreicher als alle Schriften von Bültmann, Barth und Dorothee Sölle zusammen.
Gerade die hervorragende Kenntnis der alten biblische Sprachen ist bei vielen modernen Theologen nicht vorhanden- das wurde und wird, wie @Marienzweig sehr schön sagte, an fast allen Universitäten "abgewickelt".


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 Hadrianus Antonius 29. Mai 2013 
 

@Philateles Die Kirchlichkeit moderner Theologen I

Geehrter @Philateles,
Sie werfen @Marienzweig einen eklatanten Widerspruch vor zwischen ihrer Aussage "Ich liebe die Kirche weil sie mir Jesus Christus nahebringt" und "Moderne Theologen waren und sind eifrig bemüht, den Glauben an Gott abzuschaffen".
Ich kann mich in aller Bescheidenheit hinter beiden Sätzen stellen; sie enthalten auch keinen Widerspruch.
Die Kirche, das ist hier keine Organisation, kein Club, kein Verein, keine Fakultät: das sind hier die Apostel, die Heiligen, die Martyrer, die Kirchenlehrer, die Christen die uns im Glauben sind vorgegangen, die jetzig und die kommende.In dieser Optik sollte die Lektüre, und umsomehr das Schreiben, "stichtend"-(Frömmigkeitsstiftend) sein.
Das Wichtigste bei einem "Theologen" ist an erster Stelle das sich im Gottes und der Hl.Kirche Dienst zu stellen.
Eine Person, die in einer theologischen Fakultät beschäftigt ist, kann sicher umgangsprachlich verkürzt als "Theolog" bezeichnet werden, ff.


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 sttn 29. Mai 2013 
 

Ich lese das Buch sei einigen Tagen

und es ist sehr gut. Klaus Berger ist sehr kritisch, begründet abe seine Aussagen und was sehr wertvoll ist: Er begründet seine Aussagen auch aus einem historisch-kritischen Blickwinkel.


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 sttn 29. Mai 2013 
 

@Wischi

und was ist am Schöpfungsbericht falsch?
Er ist der einzig der sogar auf die Evolutiontheorien hinweisst und deutlich macht das sie nur stimmen wenn man Gott nicht außer acht lässt.

Aber deer Schöpfungsbericht weißt auf etwas anders hin, bzw. stellt er eine Frage: "Warum sind wir so wie wir sind?"


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 Hadrianus Antonius 29. Mai 2013 
 

Den Finger auf die Wunde gesetzt

Ich habe das große Glück und die hohe Ehre gehabt Prof. Berger mehrmals zu hören: sein stupendes Wissen, seine große Didaktik, seine fesselnde Sprache zwingen größten Respekt ab; das weitaus wichtigste ist jedoch seine Authentizität: er sagt was er glaubt, er tritt für die Hl. Schrift ein-ohne wenn und aber.
Ich habe noch im Gymnasium und mehr noch bei Retraiten eine große Ladung "historisch-kritische Theologie" (faktisch Glaubenszerstörung mit altbackenen pseudohistorischen Platitüden)überschüttet bekommen- was Prof.Berger sagt, ist leider allzuwahr.
Der totale Niedergang der Theologie an der "Kath." Universität Löwen ist dafür ein hervorragendes Beispiel.
Besonders treffend seine Bemerkung zu der "Lust Unglauben zu stiften": es ist leider richtig daß man auch mit kühlem objektivem Blick in vielen Aktivitäten der "Theologen" einen dämonischen Aspekt wahrzunehmen scheint.


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 Michael.S 28. Mai 2013 
 

Wozu bräuchten wir denn noch einen Glauben

wenn man nur das glauben dürfte was wissenschaftlich belegbar ist?
Nach meinem zugegebenermaßen laienhaften Verständnis beraubt genau diese Herangehensweise doch dem Glauben seinen Daseinszweck, oder?


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 Scotus 28. Mai 2013 

Mir blieb nichts übrig, als zu scheitern.

Als Student der modernen Theologie bleibt einem gar nichts anderes übrig, als zu scheitern; als ungläubiger, gottloser, katholischer oder evangelischer Konkursverwalter mit A-14-Bezügen und Rundumversicherungspaket zu enden. - Oder auszusteigen aus allem, und sich auzuleben, statt zu leben.

Die modernen Theologen haben den Text wie Automechaniker zerstört, auseinandergenommen wie ein altes Auto, und gerade noch zwei Wörter Jesu sind übriggeblieben, welche diese Frisierer als "echt" gelten haben lassen: "abba" und "amen" - das ist alles.

Diese zwei Wörter bleiben aus allen Evangelien zusammen übrig. Glaubt man den Theologen. Also pro Evangelium ein halbes Wort. Das ist mir entschieden zu wenig. Gerade jetzt.


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 myschkin 28. Mai 2013 
 

Es handelt sich lediglich

um eine Methode, wenn man historisch-kritisch an den Bibeltext herangeht. Hier werde dann Fragen der Textgenese, der Sprachschichten, Datierungsfragen etc. diskutiert. Das ist sehr interessant und kann etwa im Zusammenspiel mit den historischen und archaeologischen Wissenschaften aufschlussreich sein. Was die historisch-kritische Methode nicht beschreiben kann, ist indessen das wunderbare Eingreifen Gottes in die Geschichte durch die Menschwerdung seines Sohnes in Jesus Christus. Alle die damit in Zusammenhang stehenden Glaubenstatsachen sind zwar durch die Schriften des Neuen Testaments und die dort genannten Gewährsleute gut bezeugt. Es liegt aber in der Natur der Sache, dass Zeugnisse keine Fakten sind, sondern entweder glaubhaft und überzeugend sind oder eben nicht. Über die Glaubhaftigkeit des Textes aber kann die historisch-kritische Methode gar keine Aussage treffen. Das wäre ideologische Anmaßung.


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 Fink 28. Mai 2013 
 

Dieses Buch ist ein "Muss" !

-für alle Theologen und theologisch interessierte Laien.
Mit diesem Buch habe ich alle Illusionen verloren. Die Universitätstheologie betreibt (im Namen der "Wissenschaft"...)die Zersetzung des Glaubens. Grauenhaft.


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 placeat tibi 28. Mai 2013 
 

@Philalethes

Berger benutzte natürlich eine bildhafte Zuspitzung, aber ich bin diesem Typus selbst schon öfter begegnet. (gut, ich bin da gewappnet)
Aber das Problem ist weniger die Menschenkenntnis, sondern daß sehr viele Christen, auch Katholiken,sehr wenig Kenntnisse über solche Dinge haben. Und es ist ja auch nicht der "Job" eines "gemeinen" Laien, auf dem neuesten Stand theologischer Dispute zu sein.
Also verläßt er sich halt drauf, daß die, "die das studiert haben", es schon richtig wissen werden.
Er bräuchte also schon das Glück, mit Priestern und/oder Gelehrten in Verbindung zu stehen,die nicht unter dem Einfluß einer der von Berger charakterisierten Theologie stehen.
Andernfalls ist der Beitrag dieser zur Zersetzung des Glaubens schon beträchtlich, zumal die genannten Dinge nicht selten von Religionslehrern verbreitet, aber auch von Medien als tatsächliche Fakten verbeitet werden und nicht als eine Position in einer theologischen Kontroverse.


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 harryfrank37 28. Mai 2013 

Modernistische Theologie - 1

Klaus Berger hat mit seinem Buch „Bibelfälscher“. dass ich unmittelbar nach Erscheinen gelesen habe, vollkommen recht. Ein Priesteramtsanwärter in meiner charismatischen Gebetsgruppe hat mir schon vor mehr als 10 Jahre erzählt, dass er alles doppelt lernen müsse, einerseits so wie es der Professor hören will und andererseits was die Lehre der Kirche ist, der er sich von Anfang verpflichtet gefühlt hatte, warum er Priester werden wollte und es auch durch ein lehramtstreues Seminar geworden ist. Ähnlich ist es in so manchem diözesanen Seminar, in denen tlw. Seminaristen, die die eucharistische Anbetung, Rosenkranz u., dgl. schätzen, gemobbt oder sogar ausgeschlossen werden. Hier hat @ Marienzweig sicher nicht unrecht mit ihrem Beitrag über den Seminaristen.


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 harryfrank37 28. Mai 2013 

Modernistische Theologie - 2

Und zur historisch-kritischen Methode hat der Hl. Vater, emer. Papst Benedikt XVI., vor Jahren schon in mehreren Texten festgestellt, dass diese Methode ohne Mitberücksichtigung des Glaubens und der Lehre der Kirche keine wirkliche Exegese ermöglicht. Warum hat Seine Heiligkeit dies gesagt, wenn in den theologischen Fakultäten, wie hier habil. Theologen gerne behaupten, alles in Ordnung ist. Wohl aus dem Grund weil es demgemäß nicht so ist! Und es wird auch vergessen, dass zu viele modernistische Theologen gerne ihre „Weisheiten“ in der Öffentlichkeit für alle lesbar verbreiten.

Gott sei Dank, gibt es vereinzelt junge Mitbrüder, die von der „bultmann’schen Infektion“ nicht angesteckt sind und in entsprechenden lehramtstreuen Seminaren waren. Von den österreichischen Seminaren habe ich diesbezüglich eigentlich nur zu zweien wirkliches Vertrauen, und die sind „überlaufen“.


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 H. Camara 28. Mai 2013 
 

"Historischer Jesus nicht Bestandteil des NT, sondern dessen Voraussetzung"

Herr Berger mag ein ehrenwerter Mann und Professor sein, doch seine Meinung scheint doch sehr einseitig.
Ich kann das Glaubenstestament nicht nur sachlich historisch lesen, allerdings muss ich mir auch bewusst sein, dass die Bibel ein literarisches Kunstwerk ist.
Dabei ist für mich als Gläubigen eher unwichtig, wann Jesus genau geboren ist, an welchem Wochentag er nun wirklich gekreuzigt wurde, welche Wunder er tat und welche nicht. Denn die Message, dass Gott sich uns Menschen im Sohn liebend offenbart und wir dies im Heiligen Geist verstehen können bleibt bei jeder Reduzierung wahrhaftig erhalten.

Denoch gehört es zur Ausbildung eines Theologen die wissenschaftliche rekonstruierbaren Wahrheiten zu kennen, um das Neue Testament nicht mythologisierend auszulegen. Denn viele Erkenntnise helfen dem Verständnis und zeigen neue Perspektiven der Botschaft Jesu und dessen Leben. Der Glaube an die eigentliche Wahrheit und den Kern der Botschaft geht dabei nicht wirklich verloren...


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 Philalethes 28. Mai 2013 
 

Frau @Marienzweig

Das beantwortet aber nicht meine einige Beiträge zuvor an Sie (leider technisch ohne Nennung Ihres Namens) gerichtete Frage, wie Sie Ihren Widerspruch entkräften wollen!- Aus Ihrer Szene im Seminar können wir leider (noch) nicht das Argument der anderen Seite entnehmen. Das wäre für die Beurteilung notwendig.


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 Philalethes 28. Mai 2013 
 

@placeat tibi: Welche Menschenkenntnis hat denn derjenige,

der einem Zweitsemester dergleichen abnimmt, was Sie hier zitieren? Es ist auch nicht immer zutreffend: "Diese Macht und Anmaßung, andere Menschen in Verwirrung zu stürzen, bereitet Lust." Sondern oft genug ist es überraschen wollende Selbstdarstellung.
Das Bild der Theologen, das wir zur Zeit hier wieder zur Kenntnis nehmen (sollen), ist insofern völlig einseitig, als diesen Theologen immer eine Herde gegenüberstehend gedacht wird, die alles glaubt, alles übernimmt und nichts,aber auch gar nichts kritisch prüft. Die Wirklichkeit ist anders! Unsere Arbeitskreise verhalten sich jedem Theologen gegenüber, gleich welchen Ranges und welcher Richtung, kritisch und übernehmen nichts sofort. Vivant sequentes!


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 Marienzweig 28. Mai 2013 

Hallo, @Philalethes

Es gibt einen jungen Priesteranwärter, dessen Name ich kenne.
Im Seminar war Diskussion angesagt.
Es wurde gefragt, was jeder sich wünsche, die Kirche bzw. die Gläubigen betreffend.
Dieser Student äusserte den Wunsch, die Gläubigen würden sich bei der Wandlung wieder vermehrt hinknieen und sich dessen bewussst werden, was da gerade geschieht.
Ein Sturm der Entrüstung erhob sich.
Er sah sich massivem Protest gegenüber.
Der junge Mann wurde verbal derart angegriffen, dass er sich dieser Situation kaum mehr gewachsen fühlte. Später rief er daheim an, erzählte diesen Vorfall und noch immer merkte man ihm seine Verstörung an.
Nun würde mich interessieren:
War keiner unter den anderen Kandidaten, der einen ähnlichen Wunsch hegte, sich aber in dieser aufgeheizten Stimmung nicht mehr traute, ihn zu äussern?
Und sollte ein Theologe nicht doch einmal de-eskalierend eingreifen, schon um zu verhindern, dass Isolation geschieht?
Wie kann er zulassen, dass jemand so "auseinandergenommen" wird?


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 borromeo 28. Mai 2013 

"Bereinigte" Theologie

Zitat: "So legen Theologen dem Herrgott Handschellen an und binden ihm einen Maulkorb um, damit er ja nichts tut oder sagt, was uns irritieren könnte."

In diesem Satz ist alle berechtigte Kritik Klaus Bergers enthalten: Laut jenen Theologen sollen wir nur glauben, was wir selbst erklären können. Und exakt mit dieser Einstellung legen die gemeinten Theologen offen, wie weit sie tatsächlich bereits vom Glauben abgefallen sind, so sie ihn jemals hatten. Es tut mir leid für diese Theologen, denn sie verpassen das eigentlich Schöne und Befreiende am Glauben an den einen wahren Gott, der für uns Mensch geworden ist. Schlimmer aber sind die Auswirkungen dieser nichtglaubenden Theologie auf Generationen von Studenten und Seminaristen, die ihr ausgesetzt waren und sind. Sie predigen diese von allem Mystischen und Göttlichen bereinigte "Theologie" heute leider Sonntag für Sonntag in den Kirchen.

Das Buch Bergers ist ein "Muss" für alle Interessierten. Ich selbst lese es gerade mit Gewinn.


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 placeat tibi 28. Mai 2013 
 

Ergänzung

Ein sehr treffendes Satz Bergers zu dieser Art Theologen ist der:

"Es ist die Lust des Zweitsemesters, der zu Weihnachten nach Hause kommt und seiner Verwandtschaft erklärt, was in der Bibel alles erfunden ist. Diese Macht und Anmaßung, andere Menschen in Verwirrung zu stürzen, bereitet Lust."

Jedenfalls: ich habe vor kurzem begonnen, das Buch Bergers zu lesen, es ist bis jetzt ein großer wie auch unterhaltsamer Genuß!


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 Philalethes 28. Mai 2013 
 

Habe an anderer Stelle hier im Forum einen wertvollen Satz von Ihnen gelesen: "Die Kirche liebe ich, weil sie mir Jesus Christus nahebringt." Dann kann es mit der Kirche und ihren Theologen doch nicht so schlimm bestellt sein. Wenn aber doch, wie wollen Sie diesen eklatanten Widerspruch entkräften: "Moderne Theologen waren und sind lt. Prof. Klaus Berger emer., eifrig bemüht, den Glauben an Gott abzuschaffen." und Ihr Eingangssatz hier oben: "Die Kirche liebe ich, weil sie mir Jesus Christus nahebringt." Wie kann jemand, der den Glauben abschafft, Ihnen Jesus Christus nahebringen?


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 Descartes 28. Mai 2013 
 

Zum Beispiel bei der Himmelfahrt lässt sich fragen, wie weit Jesus fahren musste, und wohin genau.

Artikel: "Um diese Wunder zu begreifen, muss unser Verstand sich weiten. Bei den Wundern Jesu geht es um eine mystische, also geheimnisvolle, Wirklichkeit, die über das hinausgeht, was die Naturwissenschaften aussagen können. Die Ursachen für die Wunder, über die die Bibel berichtet, sind physikalisch nicht erklärbar."

Ich sehe ein Problem dahingehend, dass die Verteidiger der Existenz von Erdstrahlen und Wünschelrutengänger, Kartenleger und auch Homöopathen genau die gleichen Begründungen anführen, warum ihre Thesen wahr sein sollen.


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 Descartes 28. Mai 2013 
 

"Danach existiert nur das, was man physikalisch nachweisen kann und mit den Naturgesetzen übereinsti

Weiter: "Heute weiß jeder Naturwissenschaftler, dass dies eine Vorstellung von vorgestern ist."

Es wird nicht dadurch etwas wahr, bloß weil man es so selbstsicher behauptet. Im Gegenteil ist es so, dass praktisch kein heutiger Naturwissenschaftler daran zweifelt, dass es Naturgesetze gibt, also dass es gegen sie keinerlei Verstoß gibt. Es kann aber sein, dass es Gesetzmäßigkeiten gibt, die wir noch nicht kennengelernt haben, und das ist es vielleicht, was Berger hier meint. Vor allem am Beispiel der Quantenmechanik lässt sich demonstrieren, dass es in bestimmten Anwendungsbereichen Phänomene gibt, die unserer gewohnten Erfahrung äußerst seltsam erscheinen. Aber trotzdem halten sie Gesetzmäßigkeiten ein, und wir können sie beschreiben. Und sie sind in Einklang mit dem bisher schon Beschriebenen - z. B. im Fall der Quantenmechanik der klassisch beschreibbare Grenzfall.


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 Wischy 28. Mai 2013 
 

Prof. Berger macht es sich zu leicht.

Man darf die Erkenntnisse der historisch-kritischen Erforschung der Bibel gewiss nicht absolut setzen, doch darf man sie auch nicht pauschal ignorieren und die Bibel in all ihren Aussagen "bloß-naiv" lesen. Schon bei den Schöpfungsberichten des AT mussten wir erkennen, dass sie keine naturwissenschaftlichen Reporte sind und dass man sie "anders" als buchstäblich-wörtlich verstehen muss, wenn man der Vernunfteinsicht nicht alles Recht absprechen will. Deshalb muss man noch lange nicht bei einem bloß-positivistischen Vernunftverständnis verbleiben, aber die Besonderheit auch der neutestamentlichen Schriften ist nicht zu übersehen und verlangt eine entsprechende Auslegung. Ob Prof. Berger die schon liefert, wäre genauer zu prüfen ...


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 Marienzweig 28. Mai 2013 

aufbauen, nicht zerstören

Moderne Theologen waren und sind lt. Prof. Klaus Berger emer., eifrig bemüht, den Glauben an Gott abzuschaffen.
An seiner Einschätzung zu zweifeln, dazu habe ich keinen Anlass.
Klaus Berger wird aufgrund seiner beruflichen Praxis und Erfahrung wissen, worüber er befindet.
Für diese "Abwicklung des Glaubens" wurden und werden die Professoren auch noch gut dotiert.

Ich wage einen kühnen, etwas böse erscheinenden, doch innerlich so empfundenen Vergleich:
"Auch Judas ließ sich bezahlen!"
Doch wie sich die meisten Jünger und viele hernach für Jesus, ihren Meister, töten ließen, wird es (hoffentlich) auch heute Professoren und Dozenten geben, denen nicht daran gelegen ist, jungen Theologie-Studenten ihren Glaubensschatz zu zerstören.
Sie würden sich sonst langfristig selbst abschaffen!


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 placeat tibi 28. Mai 2013 
 

Ja @Lokab.

Eigentlich geht es eher um den selektiv -ideologischen Ansatz allzu vieler Theologen, der nur Ergebnisse extrahiert, die er von vornherein haben will. Das hat nichts mit Methodik zu tun, was an vielen Fakultäten betrieben wird, hat wenig bis nichts mit Wissenschaftlichkeit zu tun.

Gerade die seröse wissenschaftliche Forschung, nicht zuletzt die von Historikern, hat zur Stützung der Echtheit des NT beigeträgen und die Legenden der "modernen" Theolgie als unhaltbar und pseudowissenschaftlich entlarvt.


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 Llokab 28. Mai 2013 
 

Zustimmung

Nach dem Lesen des Artikels möchte ich der grundlegenden Beurteilung des Situation an den theol. Fakultäten vollkommen Recht geben. Nicht die historisch kritische Methode ist jedoch falsch, sondern der Geist, in dem diese weitgehend gelehrt wird. Denken wir nur an kirchenrechtliche Prozesse, wie etwa eine Heiligsprechung, sehr dort alles gewendet und geprüft wird. Nichts anderes ist die HKM bei Lichte betrachtet. Pia fraus ist nämlich auch eine Realität.

Übrigens wird sich das mit den Fakultäten bald geben, wenn sie nämlich zu Dependenzen von Al Azar werden. Main Austritt aus der ev. Kirche wurde perfekt, als jemand dort wissenschaftlich die Abtreibung verteidigte.


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 Llokab 28. Mai 2013 
 

Kind nicht mit dem Bade ausschütten ...

In der Bibelauslegung wird sie dagegen aufrechterhalten. Die Himmelfahrt Jesu kann es nicht gegeben haben, weil sie den Naturgesetzen widerspricht – so denken Theologen heute immer noch.

Nein, daß ist nicht wahr, so denken nicht alle Theologen. Theologen können sehr gut unterscheiden zwischen Heilstatsachen und einer wissenschaftlichen Beurteilung des historischen Geschehens. Wenn auch viele Vertreter dieser literarkritischen Methode blanke Materialisten und manchmal sogar Atheisten sind, so ist doch zu diesen Schritten niemand gezwungen. Vor ein paar Jahren galt die Parthenogenese im Reiche der höheren Tiere als unmöglich. Inzwischen ist sie vielerorts nachgewiesen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Parthenogenese

Die hist. Kritische Methode zu diffamieren, bedeutet schlich, daß eine gewisse art des Nachdenkens über Gottes Wort verbieten zu wollen.


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 st.michael 28. Mai 2013 
 

Bravo Klaus Berger !

Um es mit den Worten des em.Papstes Benedikt zu sagen: "Es gibt keinen rein historischen Jesus"
Wer das heute dennoch konstruiert, ist dem uralten Irrglauben des Arianismus aufgesessen.
Leider weit verbreitet bei evangelischen UND katholischen Laien und Würdenträgern.
Danke Klaus Berger, das Sie so entschieden Position beziehen.


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