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Kirche in Deutschland: Quo vadis?

21. Februar 2013 in Kommentar, 57 Lesermeinungen
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Wohin geht die Kirche in Deutschland nach dem Rücktritt Benedikts XVI? Bischof Fürst sorgt mit altbekannten Reformforderungen für Aufsehen. Ein Kommentar von Johannes Graf


Stuttgart (kath.net/jg)
Die „Stuttgarter Zeitung“ bat den Ortsbischof Gebhard Fürst zum Interview über den bevorstehenden Rücktritt von Papst Benedikt XVI., die Zukunft der Kirche und deren „Reformbedarf“.

Was er sich denn vom Nachfolger Benedikts wünsche, fragt der Reporter. Die Antwort von Bischof Fürst ist nicht gerade von mangelndem Selbstvertrauen geprägt. Die katholische Kirche in Deutschland solle „in ihrer großen Bedeutung für die Weltkirche erkannt“ werden. Offenbar hat das gerade der aus Deutschland stammende Benedikt XVI. nicht gesehen. Warum wohl?

Zwei Bereiche seien für die weltkirchliche Bedeutung der Kirche in Deutschland entscheidend, führt Bischof Fürst weiter aus: ihre „große theologische Kompetenz“ und ihre „pastoralen Konzeptionen“. Leider bleibt er konkrete Beispiele für die beiden genannten Bereiche schuldig und der Redakteur der Stuttgarter Zeitung hakt in diesem Punkt auch nicht nach. Was könnte wohl mit der „großen theologischen Kompetenz“ der Kirche in Deutschland gemeint sein? Die katholischen Fakultäten, an denen – von Ausnahmen abgesehen – vielfach zentrale Glaubensinhalte wie die Auferstehung nicht mehr gelehrt und teilweise ausdrücklich geleugnet werden? Die Theologie Karl Rahners und seiner Schüler, die für diese Missstände zumindest mitverantwortlich ist? Oder meint er gar die Theologie Joseph Ratzingers? In diesem Fall wäre ihm natürlich vollinhaltlich zuzustimmen.


Wie sieht es mit den pastoralen Konzeptionen aus, die „richtungsweisend sein können für die Zukunft in einer säkularen und pluralen Gesellschaft“? Die Zahl der Katholiken nimmt in Deutschland seit Jahrzehnten kontinuierlich ab, ebenso die Zahl der Priester und der Ordensleute. Unter den Katholiken sind das Wissen um Kirche und Glauben und die religiöse Praxis wohl auf einem Tiefstand. Diese Tendenz ist in allen modernen Gesellschaften Europas und Nordamerikas zu beobachten. Deutschland ist hier kein Einzelfall. Doch welche pastoralen Konzepte meint Bischof Fürst, die diesem Trend so effektvoll entgegenwirken würden?

Vielleicht wäre alles ganz anders, wenn nur endlich der „grundlegende Reformbedarf“ der Kirche abgearbeitet wäre. Bischof Fürst sieht die Kirche in Deutschland „in Bedrängnis“. Doch es gibt Hoffnung: Die Kirche sei „in einer Erneuerungsphase“, sagt er, die allerdings da und dort stocke, die aber durchgehalten werden müsse. Schließlich erwarte auch die Gesellschaft, dass es der Kirche gelinge, in schwierigen Situationen Antworten zu finden.

Deshalb müsse die katholische Kirche „für die wiederverheirateten Geschiedenen“ einen „barmherzigeren Umgang finden“. Was er damit konkret meint, führt er nicht aus. Warum er den derzeitigen Umgang der Kirche mit dieser Personengruppe als „unbarmherzig“ empfindet, sagt er ebenso wenig.

Ist es wirklich barmherzig, wenn man den Menschen die Lehre Jesu von der Unauflöslichkeit der Ehe vorenthält? Wenn man ihnen suggeriert, es sei ja alles nicht so ernst zu nehmen? Die Aufgabe der Kirche ist es, den Menschen, jeden einzelnen, zu Gott zu führen und nicht, irgendwelchen „Erwartungen der Gesellschaft“ zu entsprechen.

Das Gleiche gilt für die nächste Forderung von Bischof Fürst. Man müsse, „das Thema Frauen in der Kirche offensiver angehen“, sagt er wörtlich im Interview. Allerdings könne man hinsichtlich des Diakonats der Frau „im Augenblick nichts tun“, weil es von der Weltkirche her Grenzen gebe, räumt er ein. Aber die Forderung bleibt offenbar an der Tagesordnung, wie die Formulierung „im Augenblick“ verrät. Hofft er vielleicht auf eine Kursänderung unter einem neuen Papst? Obwohl Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben „Ordinatio sacerdotalis“ die Frage abschließend beantwortet hat? Wahrscheinlich meint er doch nicht die Theologie Joseph Ratzingers, wenn er von der großen theologischen Kompetenz der Kirche in Deutschland spricht.

Vielmehr gewinnt man den Eindruck, der Rücktritt Benedikts XVI., der den von Fürst skizzierten „Erneuerungskurs“ der Kirche in Deutschland gar nicht goutiert hat, käme ihm nicht ungelegen. Wunschlisten an den Nachfolger sind ja immer subtile Hinweise auf das, was einem am Amtsinhaber nicht passt. Nicht zufällig wünscht sich Bischof Fürst vom Vatikan eine „Differenzierung zwischen kirchlichen Situationen auf den Kontinenten“. Je größer die Unabhängigkeit von Rom, desto leichter kann man seinen eigenen Kurs fahren.


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