11 Februar 2013, 12:00
Weltweit gibt es rund hundert Blutreliquien von Johannes Paul II.
 
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Das Papstblut stammt von einer medizinischen Untersuchung, die vor einem Luftröhrenschnitt wenige Wochen vor dem Tod Johannes Paul II. stattgefunden habe. Von Oliver Hinz (KNA)

Krakau (kath.net/KNA) Sogar 101 Meter unter der Erde werden sie als Reliquie verehrt: Blutstropfen des seligen Papstes Johannes Paul II. (1978-2005). Im Salzbergwerk Wieliczka bei Krakau ist die Flüssigkeit im Altar der prächtigen Kapelle der heiligen Kinga genauso ausgestellt wie an fast zehn anderen Orten der zweitgrößten polnischen Stadt: allen voran die Marienkirche am Marktplatz und die Wawel-Kathedrale, wo das spätere Kirchenoberhaupt 1958 zum Bischof geweiht wurde und von 1964 bis 1978 als Krakauer Erzbischof die Messen feierte.

Nirgends steht das Blut des einstigen Papstes jedoch so im Mittelpunkt wie im Johannes-Paul.-II.-Heiligtum in Lagiewniki am Stadtrand von Krakau. Am marmornen Hauptaltar der im Juni 2011 eröffneten Reliquienkirche sind die Tropfen in einem gut sichtbaren Glasgefäß eingefügt. Mindestens viermal am Tag wird Johannes Paul II. hier in Messen als Fürsprecher bei Gott angerufen. Noch stört manchmal der Lärm von den Bauarbeiten in der Hauptkirche darüber, aber diese soll bereits dieses Jahr fertiggestellt werden.

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In einem Nebenraum der Unterkirche gibt es noch eine weitere Blutreliquie - in einem Behältnis auf der weißen Marmorplatte des früheren Grabs des polnischen Papstes aus den vatikanischen Gotten unterhalb des Petersdomes. Die Grabplatte war nach Krakau gebracht worden, nachdem Johannes Paul II. bei seiner Seligsprechung am 1. Mai 2011 seine neue Ruhestätte in einer Seitenkapelle des Peterdoms erhalten hatte. Das Heiligtum soll einmal einer der am meisten besuchten Wallfahrtsorte in Polen werden. Noch nehmen an Gottesdiensten bisweilen lediglich zwei Dutzend Menschen teil.

Das Papstblut stammt nach Angaben des Bistumssprechers Robert Necek von einer medizinischen Untersuchung, die vor einem Luftröhrenschnitt wenige Wochen vor dem Tod Johannes Paul II. stattgefunden habe. Dem Papst seien damals mit Blick auf eine mögliche Bluttransfusion insgesamt vier Ampullen Blut abgenommen worden, die dann nicht mehr gebraucht wurden. Die Ärzte hätten seinerzeit selbst beschlossen, das Blut dem damaligen Papstsekretär und heutigen Krakauer Erzbischof Stanislaw Dziwisz zu übergeben. Dziwisz betonte 2011, solche Reliquien hätten im Christentum eine lange Tradition. Der verstorbene Papst sei zwar kein Märtyrer, aber er habe «doch sein Blut am Petersplatz vergossen» - beim Attentat von Ali Agca 1981.

Der Anwalt des Seligsprechungsverfahrens, Postulator Slawomir Oder, stellte klar, Reliquien seien «kein magischer Fetisch». Sie seien dazu da, «in unseren Herzen die Dankbarkeit für das Geschenk der Person Johannes Paul II. zu erreichen». Reliquien seien ein Symbol der Anwesenheit eines Heiligen in der Welt.

Der Papst aus Polen ist nicht der einzige Selige, von dem es Blutreliquien gibt. Auch bei der Seligsprechung der Ordensgründerin Mutter Teresa 2003 in Rom waren Blutstropfen ausgestellt worden.

Besonders kontrovers diskutiert wurde, dass Dziwisz im Februar 2011 dem schwer verunglückten polnischen Formel-1-Piloten Robert Kubica ein Medaillon mit Blutstropfen und Gewandpartikeln von Johannes Paul II. schenkte und diesem ausgerechnet von Fernsehreportern überbringen ließ. Der Krakauer Sportstar hatte darum gebeten, weil er hoffte, so schneller gesund zu werden. Der Rennfahrer, der wegen zahlreicher Knochenbrüche mehrfach operiert werden musste, konnte daraufhin das Krankenhaus schneller als erwartet verlassen. Doch ein Comeback in der Formel 1 ist nicht Sicht.

Weit mehr als hundert Pfarreien aus der ganzen Welt baten Dziwisz inzwischen um eine kostbare Reliquie. Wie vielen Anfragen der Kardinal entsprach, weiß auch sein Sprecher Necek nicht. «Sicher mehr als hundert» Blutreliquien seien bereits verteilt, schätzt indes Krzysztof Tomasik von der polnischen katholischen Nachrichtenagentur KAI. Die meisten davon in Polen.

Auch in Deutschland wird das Papstblut bereits in Aschaffenburg, Berlin, Dortmund, Hannover, Hamburg-Harburg, Würzburg und im niederrheinischen Wallfahrtsort Kevelaer verehrt. Oft ging die Initiative dabei von den polnischen Missionen aus. Deren oberster Leiter, Prälat Stanislaw Budyn, sagt, Dzwisz erfülle gut begründete Reliquienwünsche gern. Offen bleibt allerdings die Frage, ob noch viele Blutstropfen übrig sind.

(C) 2013 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


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