03 Februar 2013, 10:00
'Herr, schenke mir Sinn für Humor'
 
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Seit bald 500 Jahren beten Christen verschiedener Konfessionen Thomas Mores Gebet um die Gabe, die Dinge nicht immer todernst zu sehen

Wien (kath.net/KAP) "Grant me, O Lord, a sense of good humor" (Herr, schenke mir Sinn für Humor): Seit bald 500 Jahren beten Christen verschiedener Konfessionen dieses Gebet um Humor und um die Gabe, die Dinge nicht immer todernst zu sehen. Zugeschrieben wird das Gebet dem englischen Heiligen Thomas More (Thomas Morus), der am 6. Juli 1535 den Märtyrertod erlitt. Er wurde wegen angeblichen Hochverrats an Heinrich VIII. vor dem Tower in London auf dem Schafott hingerichtet.

Das Gebet um Humor ist in mehreren Varianten überliefert. Die bekannteste ist jene, die sich auch auf einer Steintafel in der Kathedrale von Chester befindet.

Dort heißt es: "Grant me, O Lord, good digestion, and also something to digest. Grant me a healthy body, and the necessary good humor to maintain it. Grant me a simple soul that knows to treasure all that is good and that doesn't frighten easily at the sight of evil, but rather finds the means to put things back in their place. Give me a soul that knows not boredom, grumblings, sighs and laments, nor excess of stress, because of that obstructing thing called 'I'. Grant me, O Lord, a sense of good humor. Allow me the grace to be able to take a joke to discover in life a bit of joy, and to be able to share it with others."

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Übersetzt wurde dies mit den Worten: "Schenke mir eine gute Verdauung, Herr, und auch etwas zum Verdauen. Schenke mir Gesundheit des Leibes mit dem nötigen Sinn dafür, ihn möglichst gut zu erhalten. Schenke mir eine heilige Seele, Herr, die im Auge behält, was gut und rein ist, damit sie sich nicht einschüchtern lässt vom Bösen, sondern Mittel findet, die Dinge in Ordnung zu bringen. Schenke mir eine Seele, der die Langeweile fremd ist, die kein Murren kennt und kein Seufzen und Klagen, und lasse nicht zu, dass ich mir allzu viel Sorgen mache um dieses sich breit machende Etwas, das sich 'Ich' nennt. Herr, schenke mir Sinn für Humor. Gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben und anderen davon mitteile."

Scherzen noch bei der Hinrichtung

Seinen Humor, für den Thomas More bekannt war, hatte er sich bis zuletzt bewahrt. Eine Anekdote erzählt, dass er den Henker bei seiner Hinrichtung gebeten habe, beim Zuschlagen mit dem Beil auf seinen Bart zu achten, da dieser keinen Hochverrat begangen habe.

Thomas More, später mit dem Adelstitel Sir versehen, wurde am 7. Februar 1478 in London geboren. Er war zunächst Jurist und wurde 1503 Mitglied des englischen Unterhauses, zog sich jedoch bald zu Studien in Löwen und Paris aus dem politischen Leben zurück, da seine Anträge gegen Steuergesetze Heinrichs VII. dessen Unwillen erregt hatten. Unter Heinrich VIII. begann für More eine steile politische Karriere: Er wurde 1518 Mitglied des "Privy Council" (Geheimer Staatsrat), 1523 Sprecher des Unterhauses und 1529 Lordkanzler.

Als Vertrauter des Königs verteidigte er diesen gegen die Angriffe der Protestanten und verfasste unter dem Pseudonym W. Ross die Antwort auf eine Entgegnung Luthers.

Als Heinrich VIII. seine Ehe mit Katharina von Aragon für ungültig erklären ließ und sich anschließend selbst zum Oberhaupt einer eigenständigen anglikanischen Kirche machte, verweigerte Thomas More ihm die Gefolgschaft. Er wurde daraufhin wegen Hochverrats verurteilt und enthauptet.

Von der katholischen Kirche wurde Thomas More 1886 seliggesprochen. 400 Jahre nach seinem Märtyrertod sprach ihn Papst Pius XI. am 6. Juli 1935 heilig. Papst Johannes Paul II. proklamierte ihn 2001 zum Schutzpatron der Politiker. More genoss als Staatsmann bereits unter seinen Zeitgenossen höchstes Ansehen. Als sein Hauptwerk gilt "Utopia".

Bis heute Vorbild an moralischer Integrität

Leben und Werk dieses Humanisten, Juristen, Diplomaten und Politikers üben aber weit über den christlichen Bereich hinaus bis heute eine besondere Anziehungskraft aus. Pius XI., der ihn heiligsprach, bezeichnete ihn als Vorbild an moralischer Integrität für alle Christen.

More war ein ungewöhnlich gebildeter Mann, gleichzeitig fachkundiger Jurist und geschickter Unterhändler. Als Katholik setzte er sich konsequent für die Autorität des Heiligen Stuhls ein. Gleichzeitig focht er mit der Feder für ein humanes Miteinander der Menschen. Überzeugt von seinen Pflichten als Bürger und als Christ, scheute More in Treue zu seinem Gewissen auch kein Risiko. Mit seinem Märtyrertod gab er schließlich das höchste Zeugnis einer Einheit von Leben und Denken.

Bewundert wurde und wird dabei Mores außerordentlicher Humor. Er war verbunden mit steter Gelassenheit und der Fähigkeit zum Umgang mit gegensätzlichen Meinungen. Jenen, die ihn verurteilten, konnte er vergeben. Denn seine persönlichen Überzeugungen waren eng verbunden mit tiefem Respekt für die Freiheit der anderen.

Thomas Morus - Ein Kurzfilm von Schülern




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