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Was kaum jemanden verstört: k.o.-Tropfen und eine Vergewaltigung

26. Jänner 2013 in Deutschland, 17 Lesermeinungen
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Aufgrund ihrer Achtung vor dem Leben steht die Kirche nun wieder am medialen Pranger. Der Aufschrei der Medien, der Politiker und der zahlreichen Kommentatoren ist schon fast als hysterisch zu bezeichnen. Ein Gastkommentar von Monika Hein


Köln (kath.net) Die Abweisung einer offenbar vergewaltigten Frau durch zwei katholische Kliniken der Cellitinnen in Köln hat eine hartherzige und erbarmungslose Diskussion über die betroffenen Krankenhäuser und die Kirche insgesamt ausgelöst. Die extremste Konsequenz nach Vorstellung einer Politikerin (Grüne) soll die Streichung katholischer Kliniken aus dem Krankenhausplan sein.

Ich habe mir die Mühe gemacht, einen Großteil der Berichterstattung im Kölner Stadtanzeiger und die Pressemitteilungen der Cellitinnen nachzulesen. Mehrere Vorgänge, die zu einem etwas differenzierteren Bild führen, sind mir dabei aufgefallen:

In der von der Klinik unabhängigen, aber auf dem Gelände des St.-Vinzenz-Hospitals (eines der beiden betroffenen katholischen Krankenhäuser) gelegenen Notfallpraxis hat eine „Testerin“ im Oktober 2011 nach angeblich ungeschütztem Sex die „Pille danach“ verlangt und diese von Kassenärzten dann auch verschrieben bekommen. Dies sei bei drei weiteren katholischen Einrichtungen ebenso gelungen und wäre dann der Bistumsleitung gemeldet worden. In einem Rundschreiben der Caritas vom 13.02.2012 hat das Erzbistum Köln allen katholischen Krankenhäusern das strikte Verbot der „Pille danach“ eingeschärft.

Im Juli 2011 wurde die anonyme Spurensicherung nach Sexualstraftaten (ASS) eingerichtet. Fünf Kölner Krankenhäuser beteiligen sich derzeit an diesem Projekt. Die beiden betroffenen Kliniken der Cellitinnen sind schon vor Monaten aus der ASS ausgestiegen und wurden auch nicht mit Untersuchungs-Sets versorgt. („Nur eine Kommunikationspanne?“ vom 17.01.2012 KStA)


Der Pressemitteilung der Cellitinnen vom 21.01.2013 ist folgende Stellungnahme zu entnehmen: „Wir haben mit den diensthabenden Ärztinnen gesprochen und können uns nun ein genaueres Bild der Ereignisse vom 15. Dezember 2012 machen“, erläutert Christoph Leiden, Leiter der Unternehmenskommunikation. Demnach hat sich die mutmaßlich vergewaltigte Frau nie bei einem Arzt aus dem St. Vinzenz-Hospital und Heilig Geist-Krankenhaus vorgestellt. Es ging ausschließlich um eine telefonische Beratung zwischen der Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung, in deren verantwortlicher Behandlung sich die junge Frau bereits befand, und den diensthabenden Ärztinnen der beiden Krankenhäuser. Im vorliegenden Fall stellte sich für beide Klinikärzte die Frage nach einer vollumfänglichen Weiterbehandlung. Da sich die Patientin bereits in ärztlicher Obhut befand und katholische Krankenhäuser keine Notfallkontrazeption ausstellen und ausgeben dürfen, empfahlen die beiden Krankenhausärztinnen unabhängig voneinander, alle Maßnahmen im Sinne der Patientin aus einer Hand z. B. im Krankenhaus Hofweide oder in der Uniklinik durchzuführen.“

Die Ärztin aus der Notfallpraxis wusste offensichtlich um die lebensschützende Haltung des katholischen Krankenhauses und gab an, dass das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer bereits ein Rezept für die „Pille danach“ und ein Aufklärungsgespräch von ihr bekommen hätte. Doch was ist, wenn die junge Frau nach dem traumatischen Erlebnis der K.o.-Tropfen und der möglichen Vergewaltigung stationär aufgenommen werden muss? Dann muss die „Pille danach“ doch in den Räumen des katholischen Krankenhauses verabreicht werden. Die Antwort und Reaktion der Krankenhausärzte ist absolut nachvollziehbar und in keiner Weise skandalös.

Nach dieser Sammlung der verschiedenen Fakten stellen sich mir Fragen: Warum hat sich die behandelnde Ärztin der Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung nicht an eine der fünf Kölner Krankenhäuser gewendet, die sich am Projekt der ASS beteiligen und warum ruft sie nach der Auskunft des ersten katholischen Krankenhauses ausgerechnet noch ein katholisches Krankenhaus an? Wer hat die Krankenhäuser und die Ärzte denunziert? Der Aufschrei der Medien, der Politiker und der zahlreichen Kommentatoren ist schon fast als hysterisch zu bezeichnen. Aufgrund ihrer Achtung vor dem Leben steht die Kirche nun wieder am medialen Pranger. Die eigentliche Straftat, die k.o.-Tropfen und die Vergewaltigung verstören die Bevölkerung kaum.

Das Verhalten der obengenannten „Testerin“, die sich die „Pille danach“ unter Vortäuschung einer Notlage erschlichen hat, bewerte ich als falsch, da sie schlicht und einfach lügt. Wenn ich für christliche Einrichtungen die Einhaltung eines Gebotes Gottes fordere „Du sollst nicht töten“ kann ich nicht gegen ein anderes Gebot „Du sollst nicht lügen“ verstoßen. Doch in der Sache selbst geht es um Leben und Tod.

Nach der Lehre der katholischen Kirche beginnt das menschliche Leben mit der Verschmelzung von Ei und Samenzelle. Konsequent weiter gedacht ist die Tötung eines menschlichen Embryos, auch im nicht eingenisteten Stadium, für die Kirche in keiner Phase der Entwicklung hinnehmbar, wenn sie sich an die Gebote Gottes hält. Die Kirche kann nur so und nicht anders handeln , da für sie ein ungeborener Mensch die gleiche Würde und ein Recht auf Leben hat wie ein geborener. Ich habe allergrößten Respekt vor der furchtlosen und folgerichtigen Haltung des Erzbistums Köln mit seinem Oberhirten Kardinal Meisner.


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