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Kann sich der Mensch frei entscheiden?

19. Jänner 2013 in Aktuelles, 1 Lesermeinung
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Hirnforscher: Den Willen aus freien Stücken unter die Leitung Gottes stellen


Leipzig (kath.net/idea) Kann sich der Mensch frei entscheiden? Wie kommt ein „Ich“-Bewusstsein zustande? Über diese Fragen referierte der Professor für Physiologie und Biokybernetik, Manfred Spreng (Erlangen), beim Kongress christlicher Führungskräfte, der vom 17. bis 19. Januar 2013 in Leipzig stattfindet.

Laut Spreng gibt es seit Jahrhunderten keinen nennenswerten Fortschritt in der Deutung des Bewusstseins und der Frage, wie ein „Ich“ zustande komme. Spreng: „Wir wissen als Hirnforscher nicht, wie das Bewusstsein funktioniert.“ Er rechne auch nicht damit, dass die Forschung dazu in Zukunft in der Lage sei. Die Hirnforschung müsse lernen, ihre Grenzen zu akzeptieren. Spreng zufolge kann das Bewusstsein als „offenes System“ beschrieben werden, das nur bedingt vom „Ich“ willentlich kontrollier- und steuerbar sei. Der Freiheit des „Ichs“ seien Grenzen gesetzt. Spreng empfahl, „den eigenen Willen aus freien Stücken unter die Leitung Gottes zu stellen“.


Wahrnehmung bei jedem Menschen anders

Dem Forscher zufolge nimmt jeder Mensch die Wirklichkeit unterschiedlich wahr. Jeder benutze verschiedene Wahrnehmungsfilter. Dies helfe, die Fülle an Informationen zu vermindern und den Alltag zu bewältigen. Daher könne man eigene Empfindungen nicht auf andere übertragen. Spreng: „Mit unseren Empfindungen sind wir mutterseelenallein.“

Wie sich Gehirne von Mann und Frau unterscheiden

Spreng äußerte sich auch zur unterschiedlichen Funktionsweise von männlichen und weiblichen Hirnen. Unterschiede gebe es in mindestens sieben Bereichen des Gehirns. Dies führe dazu, dass Männer und Frauen Informationen anders verarbeiten, anders denken und sich unterschiedlich verhalten. So könne der unterschiedliche Bau des Gehirns erklären, warum Männer mehr trinken und Frauen deutlich häufiger depressiv werden. Zudem erinnerten sich Frauen häufiger an Details, Männer dagegen eher an die allgemeinen Zusammenhänge.

Dies gelte etwa für einen lange zurückliegenden emotionalen Streit. Spreng zufolge sind die Hirnhälften bei Männern stärker asymmetrisch ausgeprägt als bei Frauen. Zudem hätten Frauen generell mehr Nervenzellen (graue Zellen), aber weniger verbindende Nervenfasern. Dadurch könnten sie emotionale Situationen intuitiv schneller erfassen, Männer hingegen Informationen besser verknüpfen und sich besser orientieren. Das männliche Gehirn sei so verdrahtet, dass es überwiegend sachlich begreife. Frauen zeigten dagegen mehr Einfühlungsvermögen. Der unterschiedliche Gehirnaufbau sollte nicht zum Kampf der Geschlechter genutzt werden, sondern dazu dienen, dass sich Männer und Frauen optimal ergänzen, so Spreng.


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