Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Fünf weibliche Opfer von Pater Marko Ivan Rupnik schreiben offenen Brief an Papst Leo XIV.
  2. Wie die Piusbrüder - Linker belgischer Bischof plant weiterhin verbotene Weihen
  3. Gefeuert wegen AfD-Kandidatur: Deutsche Caritas-Erzieherin zieht vor Gericht
  4. Papst Leo singt mit 80.000 Jugendlichen das „Salve Regina“ auf Latein
  5. Sechs Messdiener mit Down-Syndrom ministrierten bei der historischen Papstmesse in Paris
  6. Es gibt drei Erzengel, die vor Gottes Thron für uns eintreten
  7. „Wenn wir den wahren missionarischen Geist, den richtigen Weg finden, gibt es in Deutschland noch…“
  8. Wort-Gottes-Feier in katholischer Kirche mit Liedern von Taylor Swift
  9. „Das Ende von Maria 2.0“
  10. Ein Erzbischof auf Staatsbesuch
  11. US-Bischof Robert Barron: „Der Kommunismus erlebt in unserem Land gerade ein Comeback“
  12. Politisch aber auch innerkirchlich „gibt es derzeit wieder viel Konfliktpotenzial“
  13. Bekannte US-Influencerin und Mutter von neun Kindern konvertierte zum Katholizismus
  14. Einbürgerung als Wahlstrategie? Linke profitiert massiv von muslimischen Wählern in Berlin
  15. Papst Leo: „Diese vier Tage waren buchstäblich erfüllt mit vielen Segnungen, fast schon Wundern“

‚Allzu viele Vertreter der Kirche haben zwei Gesichter‘

13. Dezember 2012 in Kommentar, 12 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Es gilt, dass wir diese Doppelgesichtigkeit durchschauen und uns dem genuinen Glauben der Kirche zuwenden. Das Zweite Vatikanische Konzil – Eine Bestandsaufnahme, Teil 2. Von Prof. Joseph Schumacher


Freiburg (kath.net) Am deutlichsten wird die Veränderung, die das Konzil gebracht hat, jedenfalls äußerlich, in der erneuerten Liturgie: Hier ist an die Landessprache zu erinnern, an die de facto Veränderung der Zelebrationsrichtung und an die stärkere Teilnahme der Gläubigen an der liturgischen Feier, wenngleich man diese auch nicht übertreiben darf. Die liturgische Bewegung hatte gerade in Deutschland im Hinblick auf die participatio actuosa der Gläubigen schon nicht wenig vorgearbeitet. Was aber daraus geworden ist, aus der Liturgiereform, das ist weithin die Beliebigkeit der liturgischen Gestaltung, und faktisch ist die Zahl der Gottesdienstbesucher seither in beängstigender Weise geschrumpft, von 70 Prozent auf 10 Prozent, grob gesagt. Nicht zuletzt deshalb hat Papst Benedikt die außerordentliche Form neben die ordentliche Form der Liturgie gestellt, als Korrektiv. Inzwischen spricht man von einer Reform der Reform der Liturgie. Ein schwerwiegender Nachteil der neuen Liturgie ist die Tatsache, dass in ihr der Anbetungs- und der Mysteriencharakter stark zurückgetreten ist, was das Konzil so keineswegs intendiert hatte[Vgl. Jan-Heiner Tück, Was das Konzil wollte, in: Christ in der Gegenwart 64, Jg. 2012, vom 28. April 2012]. Kritisch zu sehen in der neuen Liturgie auch das starke Hervortreten des Priesters, die platte Nüchternheit und die Profanität, die weitgehende Absage an das Schöne, der Schwund des Empfindens für das Heilige, das Händeschütteln vor der Austeilung der heiligen Kommunion, das Austeilen der heiligen Kommunion durch Laien, zumal wenn sie dabei in Straßenkleidern auftreten, teilweise gar in unanständiger Kleidung. Aber das alles kann man nicht dem Konzil anlasten. Das ist die nachkonziliare Entwicklung, die man euphemistisch als den Geist des Konzils bezeichnet. Was das Konzil hier intendierte, das war notwendig, Die Schönheit auch der neuen Liturgie ist unverkennbar, wenn sie so gefeiert wird, wie es den liturgischen Vorschriften entspricht.

In der Kirchenkonstitution betont man stärker das allgemeine Priestertum und versteht man die Kirche mehr als universales Heilssakrament, als Mysterium. Im Blick darauf klagt man darüber, dass die Abkehr von einer „klerikerzentrierten Versorgungspastoral“, die mit der stärkeren Betonung des allgemeinen Priestertums gegeben sei, noch bei weitem nicht erfolgt sei [Ebd.]. Sodann liest man aus der Kirchenkonstitution eine Dezentralisierung der Leitung der Kirche und eine Schwächung des päpstlichen Primates, was indessen in keiner Weise gerechtfertigt ist. Da heißt es dann: „Kirche darf nicht einseitig von der Zentrale her verstanden werden. Es gilt, das Verhältnis zwischen Universalkirche und Ortskirchen immer wieder neu auszubalancieren“ [Ebd.]. De facto ist die Dezentralisierung tödlich ist für die Kirche, gerade auch in der gegenwärtige Krise, ganz abgesehen davon, dass der päpstliche Primat gemäß der Glauben der Kirche keine Abstriche erfahren darf und das allgemeine Priestertum nicht an die Stelle des besonderen Priestertums treten kann.


Die falsche Interpretation der Konzilstexte durch die Theologen ist mehr noch ein moralisches und religiöses Problem als ein intellektuelles: Ein Großteil der Theologen identifiziert sich nicht mehr mit dem Glauben der Kirche und mit ihren moralischen Normen, nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis.

Allzu viele Vertreter der Kirche haben zwei Gesichter. Es gilt, dass wir diese Doppelgesichtigkeit durchschauen, die destruktiv ist, dass wir uns der Destruktion widersetzen, uns zumindest von ihr distanzieren, dass wir uns dem genuinen Glauben der Kirche zuwenden, die Kirche lieben, sofern sie der fortlebende Christus ist, und dass wir uns dem Papst zuwenden. Traditionellerweise sind die drei entscheidenden Kriterien einer positiven Katholizität eine große Liebe zur Eucharistie, zur Mutter Jesu und zum Petrusamt bzw. zum jeweiligen Träger des Petrusamtes.

Nicht alles, was das Konzil gesagt hat, ist unfehlbar. Sofern die Aussagen des Konzils den Glauben der Kirche artikulieren, sind sie irreversibel, also unüberholbar wahr. Was das im Detail bedeutet, darüber befindet das aktuelle Lehramt der Kirche. Darum ist auch der so genannte Geist des Konzils, wie er nach dem Konzil sich sehr intolerant und selbstbewusst etabliert hat, nicht relevant für den Glauben der Kirche, relevant für den Glauben der Kirche ist in erster Linie das Lehramt. Das aber bilden nicht die Theologen, erst recht nicht die einflussreichen, die von den Medien unterstützt werden und die die Medien unterstützen, sondern die Bischöfe. Die aber sind es wiederum auch nicht als Einzelne, sondern in der Gemeinschaft mit den anderen Bischöfen. Als Einzelner bildet das Lehramt der Kirche nur der Papst, sofern er der Träger des Petrusamtes, sofern er in einem ganz spezifischen Sinn der „Vicarius Christi“, der Stellvertreter Christi, ist.

Unfehlbar tätig wird das Lehramt der Kirche im Zeugnis des Glaubens und im Urteil über den Glauben, also in der Glaubensentscheidung. Im einen Fall sprechen wir von dem „testimonium fidei“, im anderen von dem „iudicium fidei“. Das Zeugnis des Glaubens kommt dem Ordentlichen Lehramt zu, das Urteil dem Außerordentlichen. Das II. Vatikanische Konzil hat nun keine unfehlbare Lehrentscheidung gefällt, ist also nicht als „Iudex fidei“ tätig geworden, das ist sicher, das heißt aber nicht, dass es nicht den Glauben der Kirche bezeugt, dass es ihn nicht unfehlbar bezeugt hat. Wo, das muss im Einzelfall dann durch das Lehramt festgestellt werden, das kann nicht durch die Theologen und auch nicht durch einen einzelnen Bischof festgestellt werden, jedenfalls nicht verbindlich.

Es ist nicht so, dass erst mit dem II. Vaticanum die Kirche beginnt, wie manche glauben machen wollen. Das II. Vatikanische Konzil ist eines unter 21. Wir sprechen hier von ökumenischen oder allgemeinen Konzilien im Unterschied zu Partikularkonzilien. Ökumenisch heißt in diesem Zusammenhang „gesamtkirchlich“. Stets muss ein Konzil in der Kontinuität des Glaubens verstanden werden. Darauf besteht der gegenwärtige Heilige Vater sehr, immer wieder erinnert er daran. Die Hermeneutik des Bruchs, wie sie von manchen Theologen vertreten wird, um nicht zu sagen von der Mehrheit, die der Wahrheit der Kontinuität der Lehre der Kirche entgegensteht, ist unkatholisch. Die Kontinuität wurde in der Kirche stets als das entscheidende Element in der Glaubensentfaltung oder in der Glaubenentwicklung angesehen.

Der Papst und die Konzilien besitzen die höchste Autorität in Glaubensdingen. Die Lehrautorität des Papstes und der Konzilien kann man als katholischer Christi nicht in Frage stellen. Eine Reform der Kirche von draußen ist immer unkatholisch und im Grunde auch illusorisch. Was der überlieferte Glaube ist, das kann nicht der einzelne Gläubige definieren, auch nicht, wenn er ein Amtsträger ist. An die Stelle der Objektivität des Lehramtes setzen Marcel Lefebvre (+ 1991) und seine Gefolgsleute die Evidenz ihrer Vernunft, die aber in Wirklichkeit ihre subjektive Erkenntnis und Wertung ist. Die Objektivität des Katholischen besteht gerade darin, dass der Geist Gottes die Kirche vor Irrtum bewahrt. Was der Glaube der Kirche ist und wie er sich in seiner Kontinuität darstellt, das sagt dem gläubigen Katholiken das Lehramt der Kirche, das im Papsttum seine Kulmination erfährt. Die Kirche ist eine übernatürliche Realität. Und der Geist Gottes leitet sie durch die Amtsträger. Seit den Urtagen der Kirche gilt, dass sich das Charisma dem Amt unterordnen muss. Die Pius-Bruderschaft ist näher bei den Reformatoren, als sie es wahr haben will.

Ohne Loyalität und Gehorsam ist die Kirche nicht regierbar. Der Katholik unterstellt sich der kirchlichen Autorität, auch wenn ihm die Ausübung dieser Autorität defizitär erscheint. Die Grenze des Gehorsams ist für den katholischen Christen erst dann gegeben, wenn sich die kirchliche Autorität im Einzelfall gegen die Autorität Gottes stellen würde.

- Fortsetzung folgt -

Professor Dr. Joseph Schumacher ist Priester der Diözese Münster, seit 1971 in der Erzdiözese Freiburg und im Hochschuldienst tätig.

kath.net-Lesetipp:
Glaubensverkündigung am Oberrhein
182 Ansprachen zu den Sonn- und Feiertagen der drei Lesejahre (2007-2010)
Joseph Schumacher
624 Seiten; 2012 Fromm Verlag
ISBN 978-3-8416-0334-0
Preis: 59.70 €

Alle Bücher und Medien können direkt bei KATH.NET in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Christlicher Medienversand Christoph Hurnaus (Auslieferung Österreich und Deutschland) und dem RAPHAEL Buchversand (Auslieferung Schweiz) bestellt werden. Es werden die anteiligen Portokosten dazugerechnet. Die Bestellungen werden in den jeweiligen Ländern (A, D, CH) aufgegeben, dadurch entstehen nur Inlandsportokosten.

Für Bestellungen aus Österreich und Deutschland: [email protected]

Für Bestellungen aus der Schweiz: [email protected]

Die vollständige kath.net-Serie von Prof. Schumacher:
Teil 1: Was wollte das II. Vatikanische Konzil?
Teil 2: ‚Allzu viele Vertreter der Kirche haben zwei Gesichter‘
Teil 3: ‚Die Kirche ist unsere Mutter. Das haben heute viele vergessen‘
Teil 4: Kirche wurde von einer Säkularisierungswelle überflutet
Teil 5: Dialogprozess statt Glaubensvertiefung
Teil 6: De facto haben sie nicht geschwiegen, diese Memorandums-Theologen!
Teil 7: Die Nachkonzilszeit hat viele faule Früchte hervorgebracht

Foto Prof. J. Schumacher: © kath.net


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Kirche

  1. Das kirchliche Amt zwischen Wahrheit und Selbstreferenz – Vom Selbstausdruck zum Christuszeugnis
  2. Neue Fantasien über das Weiheamt für Frauen?
  3. Warum kein einfach gläubiger Katholik „Laienpredigten“ in der heiligen Messe braucht
  4. „Je besser die zentralen Ämter der Kirche geführt werden, desto größer der Nutzen für die Kirche“
  5. Woelki: „Herr, offenbare du deinen Willen für deine Kirche, das ist der Kernsatz aller Synodalität“
  6. „Treue oder Einheit? Wie wird Leo XIV. mit den Lehr- und Disziplinarproblemen der Kirche umgehen?“
  7. Erzbistum Brisbane/Australien: Messbesucherzahlen wachsen seit drei Jahren
  8. „Papst Leo XIV. stellt in allen seinen Predigten und Ansprachen immer Jesus Christus in die Mitte“
  9. „In Deutschland tobt derzeit ein Kirchenkampf“ - Droht ein Schisma?
  10. Niederländischer Weihbischof Mutsaerts: „Möchte mich nun an liberale Theologen und Gläubige wenden“







Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Der Mensch ist mehr als eine Maschine - Die Würde des Menschen vor dem Angesicht Gottes
  3. Bischof Erik Varden: „Den Fremden willkommen heißen“
  4. Leo an Bischöfe: „Liebe Brüder, wir müssen immer wieder in die Schule des Kreuzes zurückkehren“
  5. Chefredakteur Philippe Marie: „Ich werfe dem Erzbistum Paris vor, die Pressefreiheit zu verletzen“
  6. Dem Leben verpflichtet: Johanna Gräfin von Westphalen
  7. Kurienkardinal Parolin nennt „Lebensschutz“ eines der Schwerpunktthemen von Leos Frankreichreise
  8. USA: Medienbischof Fulton Sheen ist nun seliggesprochen!
  9. Eine Stadt im völligen Ausnahmezustand: Hohe Sicherheitsstufe für Papstbesuch in Paris
  10. Priester bei Messer-Attacke in polnischem Kloster getötet
  11. Anerkanntes Wunder von Fulton Sheen: Baby nach 61 Minuten Atemstillstand lebt, heute kerngesund
  12. Pater Stanisław Tasiemski OP vor Papstreise: „Wohin gehst du, Frankreich?“
  13. Fünf weibliche Opfer von Pater Marko Ivan Rupnik schreiben offenen Brief an Papst Leo XIV.
  14. 'Putin ist auf dem besten Weg, in diesem Jahr mehr Christen zu töten als der ISIS'
  15. Asymmetrisch blinder Blick auf die deutsche Landschaft

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz