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Sexueller Missbrauch: Evangelische Lehrer und Pastoren mischten mit

28. November 2012 in Deutschland, 5 Lesermeinungen
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Ein Haupttäter war der evangelische Theologe Gerold Becker (1936-2010), der von 1972 bis 1985 die „reformpädagogische“ Odenwaldschule leitete. Er war von der EKD in Sachen Konfirmandenarbeit herangezogen worden.


München (kath.net/idea) Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Lehrer und Geistliche ist keineswegs auf die katholische Kirche beschränkt. Auch evangelische Pädagogen und Theologen haben sich in den achtziger und neunziger Jahren schwerster Vergehen schuldig gemacht. Strafrechtlich sind diese verjährt, aber die Opfer leiden meist lebenslang. Ihr Schicksal kam erneut an das Licht der Öffentlichkeit, als einem ehemaligen Schüler der Odenwaldschule (Heppenheim-Oberhambach) am 26. November in München der Geschwister-Scholl-Preis verliehen wurde. In seinem unter dem Pseudonym „Jürgen Dehmers“ geschriebenen Buch „Wie laut soll ich denn noch schreien?“ schildert der heutige Lehrer Andreas Huckele (43) die Gefühle der Ohnmacht, Angst, Wut, Ekel und Suchtkrankheiten, die der hundertfache Missbrauch von Jungen und Mädchen sowie die Vertuschung hinterlassen hat. In der Laudatio des mit 10.000 Euro dotierten Preises wird Huckeles „seltenes Beispiel von Mut“ gewürdigt.

Evangelischer Theologe missbrauchte Schüler

Ein Haupttäter war der evangelische Theologe Gerold Becker (1936-2010), der von 1972 bis 1985 die „reformpädagogische“ Odenwaldschule leitete. Huckele wurde zuerst als 13-Jähriger und dann rund 400 Mal von Becker missbraucht. Insgesamt sind 132 Opfer bekannt; mehr als ein Dutzend Lehrer und Erzieher gehörten zu den Tätern. Becker, der bis zu seinem Tode mit dem auch in der evangelischen Kirche angesehenen Pädagogen Hartmut von Hentig (87) in Berlin zusammenlebte, räumte 2010 erstmals sexuelle Handlungen an Schülern ein. In einem Schreiben bat er um Entschuldigung, wenn er sie durch Annäherungsversuche oder Handlungen sexuell bedrängt oder verletzt habe.


Becker gehörte 1998 zur EKD-Bildungskammer

Der pädophile Becker gehörte 1998 zur Kammer der EKD für Bildung und Erziehung und ihrer Arbeitsgruppe „Konfirmandenarbeit“, die sich mit der Konfirmation im Wandel unter dem Titel „Glauben entdecken“ beschäftigte. 1998 waren bereits erste Vorwürfe gegen Becker wegen sexuellen Missbrauchs bekannt geworden, unter anderem durch einen Artikel in der Zeitung „Frankfurter Rundschau“. Staatsanwaltliche Ermittlungen wurden wegen Verjährung eingestellt.

Zu den prominenten Schülern des 1910 gegründeten Landerziehungsheims Odenwaldschule gehören die Porno-Händlerin Beate Uhse (1919-2001) und der Europa-Abgeordnete der Grünen, Daniel Cohn-Bendit (67).

Seelsorger vergehen sich an Jungen und Mädchen

Nicht nur evangelische Pädagogen, sondern auch Seelsorger haben sich des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger schuldig gemacht. Zu den schwerwiegendsten Fällen zählen die Vorgänge in der evangelischen Kirchengemeinde von Ahrensburg bei Hamburg in den achtziger und neunziger Jahren. Der heute 78-jährige ehemalige Pastor Gert-Dietrich Kohl verging sich an mindestens 13 Minderjährigen. Ende 2010 kam er einem Rauswurf aus der Kirche zuvor, indem er selbst seine Entlassung beantragte. Gedeckt wurden seine Vergehen von dem früheren Amtsbruder Friedrich Hasselmann (71). Er unterhielt selbst intime Beziehungen zu einer 17- und einer 18-Jährigen. Strafrechtlich sind die Vergehen verjährt. Hasselmann muss vorerst auch keine kirchlichen Konsequenzen fürchten, etwa den Verlust seiner Ruhestandsbezüge. Das Kirchengericht der „Nordkirche“ hat soeben ein Disziplinarverfahren gegen ihn eingestellt. Zur Begründung wurden „Milderungsgründe“ angeführt. So habe sich Hasselmann in der langen Zeit seit den Amtspflichtverletzungen einwandfrei geführt. Außerdem seien er und seine Familie Ziel einer „Hetzkampagne“ geworden. Die „Nordkirche“ prüft, Rechtsmittel gegen den Richterspruch einzulegen. Die evangelischen Landeskirchen haben inzwischen strenge Richtlinien erlassen, um bereits beim ersten Verdacht gegen mögliche Täter vorzugehen und die Opfer zu schützen.

„Sexuelle Revolution“ und missbrauchte Kinder

Der theologisch konservative Theologe Dieter Müller (Kiel) – Vorstandsmitglied der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in der „Nordkirche“ – sieht in den Fällen sexuellen Missbrauchs in den achtziger und neunziger Jahren auch eine Auswirkung der „sexuellen Revolution“ im Gefolge der 68er Bewegung. Sie habe Hemmschwellen abgebrochen, die vorher einen Schutzraum geboten hätten. Die propagierte „schamlose Vertrautheit“ habe ein Klima geschaffen, das Missbrauch leichter möglich gemacht habe. Großen Einfluss in der evangelischen Kirche hätten nicht nur Becker und von Hentig gehabt, sondern etwa auch der Sexualwissenschaftler Helmut Kentler (1928-2008). Dieser Vertreter einer „emanzipatorischen Sexualerziehung“ trat auch auf Deutschen Evangelischen Kirchentagen auf.


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Lesermeinungen

 elikai 29. November 2012 
 

Wie kann\'s denn sowas geben?!

.... wenn doch der böse Zölibat Schuld hat??!?!
(und die Abschaffung desselben ja das Allheilmittel gegen [kirchlichen] Mißbrauch angepriesen wird...)


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 nobermarsch 28. November 2012 
 

Wer

Wer hat sexuellen Missbrauch als Programm der Schulzerziehung zugelassen? Zum Gesetz gemacht?


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 Hörbuch 28. November 2012 
 

Ich bin gespannt, ob und welche Medien noch darauf reagieren,


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 Aegidius 28. November 2012 
 

Daher fordere ich für die Reformpädagogik, die linken und hannoverschen Teile der evangelischen Kirche, den Staat, insbesondere da, wo die Sozialisten regieren oder regiert haben und besonders für die Grünen die unverzügliche Abschaffung des Pflichtzölibats, die Anpassung ihrer rigiden Sexualmoral an die gesellschaftlichen Gegebenheiten und die Einsetzung eines Dialogprozesses. Dazu fordere ich die Einrichtung von Entschuldigungsfonds. Die Bundeskanzlerin darf sich gleich einmal bei einem Diktator einladen (vielleicht bei Herrn Mursi, Putin oder Obama) und mit ihm Hand in Hand eine Klarstellung verlangen. Aus Opportunitätsgründen vieleicht direkt beim Papst.


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 SpatzInDerHand 28. November 2012 

Dazu gibt es zweierlei zu sagen:

Erstens: Ich bin den praktizierenden evangelischen Christen meines Freundes- und Bekanntenkreises äußerst dankbar, wie sie mir in der schwierigen Zeit des Hochkochens der innerkatholischen Skandale Mut gemacht haben, trotzdem zu meiner Kirche zu stehen.

Zweitens spiegelt der Anfangssatz dieses Artikels gut die allgemeine Einschätzung wider, dass Missbrauch hauptsächlich ein katholisches Problem sei. Genau dies aber widerlegt der Artikel im Lauf seiner Ausführungen. Möge er gehört werden.


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