20 November 2012, 11:00
Hat ein Schweizer Abt das Ei des Kolumbus gefunden?
 
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Benediktinerabt Martin Werlen „gilt nun als einer der liberalen Vordenker der katholischen Kirche in Europa“, so die „Solothurner Zeitung“. Dafür gibt es Jubel aus St. Gallen, vom "Fußball-Papst" und von Hans Küng - Von Petra Lorleberg

Einsiedeln (kath.net/pl) Hat ein Schweizer Abt tatsächlich das Ei des Kolumbus gefunden? Diese Frage drängt sich auf, wenn man die Berichterstattung der „Solothurner Zeitung“ über die jüngsten Äußerungen von Martin Werlen (Foto), dem Abt der Benediktinerabtei Einsiedeln, liest. Werlen gilt nun laut der „Solothurner “ als einer der „liberalen Vordenker“ der katholischen Kirche in Europa. Denn „Medien in Frankreich und Österreich berichten über den Abt aus Einsiedeln“ und sogar der ORF habe Werlen zum Interview gebeten.

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Worin besteht nun der Newswert der umjubelten Äußerungen von Martin Werlen? Der Abt der Benediktinerabtei Einsiedeln forderte in einer Broschüre die Aufhebung des Zölibats, den Dialog über die Priesterweihe für Frauen, auch kann er sich Laien – Frauen und Männer, Junge und Alte – als zeitlich befristete Kardinäle vorstellen. Dazu äußerte nun auch - wenig überraschend - Martin Büchel, der liberale und bei romtreuen Katholiken umstrittene Bischof von St. Gallen und zukünftiger Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, seine Zustimmung: „Abt Martin Werlen nimmt drängende Fragen der Gläubigen und unserer Zeit auf, benennt Probleme deutlich und denkt Lösungen an. Dies ist ein Anstoss für eine notwendige Diskussion in der Kirche, die mir ebenfalls ein grosses Anliegen ist. Darum bin ich ihm für sein Engagement dankbar.“

Da der Papst und viele andere über diese eklatanten Abweichungen von der kirchlichen Lehre nicht jubeln werden, muss das "Nihil Obstat" von einem anderen Papst besorgt werden. Die „Solothurner Zeitung“ ist hier einfallsreich und zitiert daher den „Fußball-Papst“ und Fifa-Präsidenten Sepp Blatter mit folgenden Worten: „Der Zölibat ist eine Erfindung des Mittelalters, der keine Verankerung in der Bibel findet“, ein „Anachronismus“. Herr Blatter wird seinerseits sicher Wert darauf legen, dass nicht jede und jeder, die kaum etwas vom Fußball verstehen, ihn in seinem Fachgebiet belehren. Doch seine Äußerungen über diese kirchliche Frage lässt vermuten, dass seine Kenntnisse in Geschichte und Bibel offenbar nicht größer sind als die manches Theologen im Fußball.

Auch Hans Küng, altbewährter Kirchenkritiker, darf Abt Martin in der Zeitung bejubeln: „Ich bewundere den Mut von Abt Martin und die Ausgewogenheit seiner Aussagen. Ich hoffe, dass sich nun die Bischöfe mit ihm solidarisieren. Auch damit er den Druck aus Rom aushalten kann.“ Worin der Druck aus Rom denn bestehe, wird aber nicht verraten. Es stellt sich außerdem die Frage, ob es wirklich noch Courage braucht, um sich innerhalb unserer Kirche kritisch zu äußern. Denn für diese Kritik ist einem der reiche Beifall sicher und es kommt auch keine nennenswerte Replik seitens der Hierarchie.

Selbst die KATH.NET-Leser kommen in der „Solothurner“ in den Blick. Die Zeitung bietet als Neuigkeit an, dass sich sogar in „konservativen Religionsforen wie ‚kath.net‘“ „einzelne Teilnehmer trauten, differenzierte Stellungnahmen abzugeben“. Darüber habe sich Abt Werlen gefreut. Eine andere Möglichkeit, sich differenziert und mutig zu äußern als jene, die Kirche grundsätzlich kritisieren und ändern zu wollen, wird in der „Solothurner“ nicht genannt. Auch die tatsächlich sehr große Bandbreite der kath.net-Leserkommentare wird nicht weiter beachtet.

KATH.NET hatte übrigens - trotz der bekannten Positionen von Abt Werlen - in der Zeit seiner schweren Erkrankung dazu aufgerufen, für ihn zu beten und hatte mehrfach sorgenvoll über seine Gesundheit berichtet: kath.net betet für Abt Martin Werlen mit dem ´Salve Regina´ (Chor der Stiftskirche Einsiedeln)


Kontakt-E-mail Kloster Einsiedeln: kloster@kloster-einsiedeln.ch

Foto Abt Martin Werlen: © www.kloster-einsiedeln.ch

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