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Zur EKD-Synode: Sind alle Fundamentalisten gleich?

6. November 2012 in Kommentar, 8 Lesermeinungen
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Innerevangelische Kritik am Gebrauch des Begriff „Fundamentalismus“ u.a. auch durch EKD-Präses Nikolaus Schneider: Von Wolfgang Polzer / idea


Wetzlar (kath.net/idea) Fundamentalismus ist nicht nur ein böses, sondern auch ein gefährliches Wort. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden religiöse Fundamentalisten gleichgesetzt mit Terroristen, die im Namen ihres Gottes morden. In Kreisen der evangelischen Kirche hat man sich angewöhnt, pauschal zu behaupten, Fundamentalisten gebe es nicht nur im Islam, sondern in allen Religionen – natürlich auch unter Christen. Damit wird unterstellt, alle seien gleich brutal und menschenverachtend.

Unterschiedliche „Breitenwirkung“

Auch der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), hat sich diese Redeweise zueigen gemacht, zuletzt im Ratsbericht vor der EKD-Synode in Timmendorfer Strand.

Als Beleg führte er den US-Prediger Terry Jones an, der mit seiner Koranverbrennung islamische Extremisten zu blutigen Racheaktionen provozierte. Auf Nachfrage nannte Schneider noch extremistische Christen in den USA, die Menschen auf dem Weg zu Abtreibungskliniken ermorden. Er räumte freilich ein, dass die „Breitenwirkung“ der christlichen Fundamentalisten nicht so groß sei wie die der islamischen.


Differenzierte Darstellung nötig

Wohl wahr: Während allein Terroristen vom Schlage der Shabab-Miliz in Somalia und Kenia und der Gruppe „Boko Haram“ in Nigeria im vergangenen Jahr Hunderte von Menschenleben auf dem Gewissen haben, sind in den USA seit 1992 sieben tödliche Anschläge von Abtreibungsgegnern verübt worden. Das sind wahrlich sieben zu viel, und christliche Abtreibungsgegner haben auch auf diese Bluttaten mit Abscheu reagiert, denn keiner dieser Mörder kann sich dabei auf den christlichen Glauben berufen. Doch wer vor Fundamentalismus warnt, dem stünde es gut an, die Dimensionen differenziert darzustellen. Dass nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation jedes Jahr 40 Millionen Kinder im Mutterleib getötet werden – und gewiss nicht von Fundamentalisten – sei hier nur am Rande erwähnt.

Christen sind der Feindesliebe verpflichtet

Für den EKD-Ratsvorsitzenden steckt hinter jedem Fundamentalismus die gleiche Geisteshaltung. Stimmt das? Islamische Terroristen berufen sich in perverser Weise auf den sogenannten „Heiligen Krieg“, den ihnen ihre Religion gebiete. Hingegen können sich christliche Fundamentalisten niemals auf eine solche Basis berufen. Denn zu den Grundfesten des Glaubens an Jesus Christus gehört die Nächsten- und Feindesliebe. Ja, es gibt Christen auch in Deutschland, die sich auf das Fundament ihres Glaubens berufen und die Bibel als Gottes Wort wörtlich nehmen. So hat zum Beispiel der Direktor des Gemeinde- und Gemeinschaftsverbandes „Evangelische Gesellschaft für Deutschland“, Andreas Klotz (Radevormwald), zumindest gewagt, die Frage zu stellen, ob es richtig sei, wenn man auf den so verstandenen Begriff des biblischen Fundamentalismus verzichten könne. Freilich scheuen andere Evangelikale wegen des Missbrauchs diesen Begriff.

Terroristen und Bibeltreue in einem Sack

Wie auch immer: Die Redlichkeit gebietet es, nicht undifferenziert von Fundamentalismus zu
sprechen. Sonst steckt man Terroristen und Bibeltreue in einen Sack und haut auf sie ein. Das sollte man in der evangelischen Kirche nicht tun.


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